Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 32 (7.8.1908)
- Date
- 1908-08-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 568 Dr. Mocb s Mocvenscdttrr. Nr. 82 Versammlung mit, daß auf Beschluß des Kultusausschusses das Bild des verewigten Dr. Franz Süß im Präsidialbureau der Kultusgemeinde als Zeichen der Verehrung für diesen vortrefflichen Menschen angebracht werden wird. Die Juden beim Brande der Petroleumquellen in Boryslaw. Bei dem furchtbaren Brande der Petroleumquellen in Boryslaw taten sich besonders die jüdischen Arbeiter in den Löscharbeiten hervor. Der vom Ministerium entsandte Hofrat Hohmann verbot indeffen den Juden das Weiterlöschen, angeblich weil er befürchtete, sie möchten zu Schaden kommen. Da indessen das Militär, das nun die Löscharbeit übernahm, nichts ausrichten konnte, wurde der Befehl zurückgezogen. Die Zeitungen berichten übereinstimmend von dem Opfermut, mit dem sich die jüdischen Löschmannschaften dem Rettungswerk unterziehen. Sie waren die einzigen, die weiter als fünf Meter an die Flammen herangingen. Einige wagten fich unter dem Schutze beständig entsandter Wafferstrahlen gar bis zu zwei Meter an die furchtbaren Flammen heran, wo es indessen keiner länger als zwei Minuten aushalten konnte. Viele der jüdischen Löschmannschaften haben schwere Brandwunden davongetragen. Von einem Wiener, der dieser Tage in Drohobycz weilte, erhielten wir folgendes Schreiben: Drohobycz, 1. August 1908. Löbliche Redaktion! Ich hatte gestern Gelegenheit, den Schachtbrand in Tustanowice bei Boryslaw zu sehen und muß meine Verwunderung aussprechen, mit welcher Energie unsere Glaubensbrüder dort arbeiten. Die Leute bekommen bloß einen Taglohn von 5 bis 6 Kronen, haben aber bei einer enormen Hitze die Arbeiten zu verrichten; trotzdem ich einige hundert Schritte von dem Brandherde entfernt war, konnte ich es vor Hitze nicht aushalten. Unsere Wiener Antisemiten, die den Juden Feigheit und Trägheit vorwerfen, würden anderer Meinung werden, wenn sie sehen würden, wie die Leute mit Pees, Zidakl, und Kaftan bei der größten Hitze um einen Schundlohn arbeiten; ich war als Jude ganz begeistert, wie ich aus dem Munde des Werkführers, eines Juden, erfuhr, mit welcher Energie seine Leute, ohne auf fich zu achten, heldenmütig gegen das Feuer Vorgehen, er meinte, es ist leicht möglich, daß morgen (Samstag) der Brand fich ausbreitet, weil die Bauern feig und faul find! Tatsache ist. daß 80 Perzent Juden bei Einschränkung des Feuers beschäftigt find. Es wird mich gewiß freuen, wenn Sie über die Heldenmütigkeit unserer Glaubensbrüder in Ihrer nächsten Nummer einige Worte bringen und zeichne mit Hochachtung Hugo Scheuer, Kaufmann, Wien, VIII., Tigergaffe 14, dz. Drohobycz. Galizische Gendarmen als Förderer des Blutmärchens. In Naszciszowa, einem Dorfe bei Neu-Sandez, befindet fich eine Ziegelei, die dem Juden Wolf Reichscheid gehört. In der Ziegelei arbeitet schon seit vielen Jahren ein Bauer aus demselben Dorfe, der auch die Wohnung im Hause des Juden hat. Vorige Woche verschwand nun plötzlich das neunjährige Kind des Bauern. Der Vater erklärte nun, nachdem das Kind nach einigen Stunden nicht zum Vorschein gekommen war, daß das Kind vom Juden Reichscheid ermordet worden sei, um für gottesdienstliche Zwecke christliches Blut in Bereitschaft zu haben. Ohne viel Ueberlegen machte der Bauer bei der Gendarmie die Anzeige gegen Reichscheid wegen Ritualmordes. Tatsächlich erschien auchbald ein Gendarm und ein Polizeimann in der Wohnung des Juden, hielten in der ganzen Behausung strenge Durchsuchungen, warfen alles durcheinander und zogen die Hausleute in ein hochnotpeinliches Kreuzverhör. Herr Reichscheid, der natürlich von nichts wußte,' beklagte sich dem Gendarm gegenüber: „Ich selbst wollte bei der Gendarmerie die Anzeige erstatten, daß der Bauer mir grundlos die Fenster zertrümmerte und fast die Wohnung demolierte." Der Postenführer antwortete hierauf barsch: „Ich wäre in seinem Falle auch nicht besser gewesen!" Als der Gendarm auf dem Tische ein scharfgeschliffenes Taschenmesser liegen sah, schrie er die Hausleute an: „Wozu braucht Ihr denn ein so scharfes Messer?!" Mitten in der „Untersuchung" meldete fich eine Bäuerin, die aus der Stadt gekommen war und erzählte, daß sie das Kind am selben Tage in der Stadt gesehen habe. Der Postenführer wies jedoch die Frau mit der Bemerkung zurück, daß sie wahrscheinlich von dem Juden bestochenworden sei, um günstig auszufagen. Inzwischen hatte sich im ganzen Dorfe die Nachricht verbreitet, die Juden hätten ein Christenkind umgebracht. Zum Glücke wurde das Kind noch am selben Tage aus einem Nachbardorf unversehrt nachhause gebracht und den Eltern übergeben. Der Gendarm zog „unverrichteter Dinge" ab. Wegen des unqualifizierbaren Benehmens des Postenführers hat Herr Reichfcheid die Klage überreicht. Mährisch - Weißkirchen. (Heldentat eines jüdischen Mädchens.) Am Donnerstag den 30. v. M. ereignete sich in hiesiger Stadt folgender Vorfall: Drei junge Mädchen, Töchter christlicher Bürgersfamilien, mit Namen Nietschmann, Sofka und Peschl, befanden sich in der städtischen Schwimmschule und schwammen sorglos und vergnügt über den für Badende abgegrenzten Rayon in den offenen Fluß hinaus. Da alle Drei als gute Schwimmerinnen bekannt waren, sah der Bademeister sich nicht veranlaßt, dagegen einzuschreiten. Plötzlich jedoch, als die Mädchen etwa hundert Meter von dem Baderayon entfernt waren, erschollen Hilferufe, und man sah alle Drei im Wasser versinken. Unter den Badenden befand sich auch ein jüdisches junges Mädchen, Fräulein Stephanie Pollack, Tochter des hiesigen Stadt- und Bahnarztes, Herrn Dr. Jakob Pollack. Fräulein Pollack schwamm als Einzige sofort zur Unfallstelle, tauchte unter und erfaßte mit ihren beiden Händen die beiden Fräuleins Nietschmann und Sofka und brachte sie an die Oberfläche des Wassers. Bekanntlich geberden sich Personen, die dem Ertrinken nahe waren, in ihrer Todesangst wie verzweifelt und bringen dadurch ihren Retter, sowie fich selbst in Gefahr. So war es auch in diesem Falle, und Fräulein Pollack mußte ihre ganze Geistesgegenwart, sowie ihre gesamten körperlichen Kräfte aufbieten, um sich und ihre beiden Schützlinge solange über Wasser zu halten, bis der Bademeister in dem Boote herangefahren kam und die Geretteten, die sich nun bald erholten, sowie die Retterin in dasselbe aufnahm. Die dritte unvorsichtige Schwimmerin, Fräulein Peschl, für die sich keine rettende Hand vorfand, da Fräulein Pollack nur über zwei Hände verfügt, wurde an das Ufer gebracht, ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben. Fräulein Pollack beteiligte sich noch mit rührendem Eifer an den Wiederbelebungsversuchen, die der inzwischen herbeigeholte Arzt, Herr Dr. Johann Schönbeck, unverzüglich an der Ertrunkenen vornahm, und als sich diese leider als erfolglos erwiesen, wurde Fräulein Pollack derart von Mitgefühl ergriffen, daß sie selbst einer Ohnmacht nahe ihren Angehörigen übergeben werden mußte. Zu bemerken ist noch, daß Fräulein Pollack erst vor einigen Wochen die Matura am hiesigen deutschen k. k. Staats-Obergymnafium als Externistin mit außerordentlich gutem Erfolge abgelegt hat. Wer hätte der schmächtigen, jungen Dame mit den blaßen durchgeistigten Zügen, die so verständnisvoll ihren Plato vortrug, eine derartige Entschlossenheit und physische Krast zugemutet? Wahrlich, nur ihre hervorragenden geistigen und seelischen Kräfte haben ihr die zu dem Rettungswerke erforderliche Muskelkraft und Ausdauer verliehen. Breslau. (Ferienkursus in Religionswissenschaften.) Der in den Tagen vom 6. bis 23. Juli hier abgehaltene Ferienkursus in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer hatte fich wieder eines regen Besuches zu erfreuen. Der Kursus zählte über 30 Teilnehmer, davon 5 Lehrerinnen; aus dem Nachbarreiche Oesterreich stammten 3 Teilnehmer, einer der Teilnehmer war aus Bayern hierhergekommen. Die Zahl