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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-07 · 32 (7.8.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
32 (7.8.1908)
Date
1908-08-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 32 Seite 5tt7 Sauerstoff zur erkrankten Stelle. Während bis jetzt mehr als 90 Prozent von Peritonithis-Kranken der Krankheit erlagen, wurden fast alle nach der neuen Methode Behandelten in ganz kurzer Zeit vollständig geheilt und aus dem Spitale entlaffen. Die Stadt Jena jüdischen Ursprungs? Prof. JosefFrank schreibt uns: Bekanntlich begeht die Universität Jena soeben die Jubelfeier ihres 350jährigen Bestandes und allenthalben wird dieses Fest mit allem bei solchen Anlässen üblichen geräuschvollen Gepränge gefeiert. Trotz aller Hochgefühle, die diese Tatsache in der Brust so vieler auslösen mag, hätte das Judentum als solches keinen besonderen Anlaß, dabei allzu lange zu verweilen, in einer Zeit, wo so viele es näher berührende Schmerzen drücken. So sollte man meinen! Dennoch läßt sich dem Ereignisse ein speziell jüdisches Interesse abgewinnen. Wie wir nämlich in einer soeben erschienenen, der alma mater gewidmeten, sehr z u empfehlenden Festesschrift: „Das alte Jena und seine Universität" von Ernst Borkowsky (Eugen Diederichs in Jena. 1908) lesen, wollte einer der berühmtesten Professoren jener Zeit namens Stigel, der Stadt allen Ern st es einen jüdischen Ursprung zuschreiben. Einst zogen sich nämlich an den sonnigen Abhängen der kahlen Höhen in der Umgebung Jenas Weinberge über Weinberge und in der Stadt waren unter den Häusern geräumige kühle Weinkeller, und so geriet Stigel auf die allerdings seltsame und mehr für die damalige pfad- und steuerlose philologische Methode charakteristische als besonders imposante Idee, den Namen Jena vom hebräischen Wort Jayn, d. h. Wein herzuleiten und dazu den Vers zu machen: Eine xlaeet Hedraeo nodis dane nomine dici, Et vetus a Jayn nomen Jena tenet. In Parenthese sei noch bemerkt, daß dieses Gewächs nie eines der edelsten seiner Art war und schon ein altes Studentenlied fingt: „In Jena preßt man Trauben aus Und denkt, es würde Wein daraus!" Luther meinte trocken: Jene nb! aeetnin crescit und der Herzog Kosimo von Florenz, der 1668 in Jena verweilte, sagte, eins sei hier besonders bemerkenswert, nämlich, daß der Essig sogleich in Trauben an den Stöcken wachse. Nichtsdestoweniger war das große Stadtsiegel von Weinstöcken eingerahmt, das kleinere wies kurzweg eine Traube auf und auch auf den Braktaten war dies Merkzeichen geprägt. So läßt sich der bizarre Einfall Stigels wenigstens erklären. Oder sollte beim Frühschoppen der über den säuern Wein ärgerliche Professor in einer boshaften, antisemitischen Anwandlung auch hier die Juden unverdient ins Mitleid gezogen haben?? — Ein Gutachten über das Schächten. Greifswald, 24. Juli. Herr Prof. Dr. K a l l i u s, Direktor des anatomischen Institutes der hiesigen Universität, hatte die Güte, auf Ersuchen des Herrn Dr. Hirsch Hildesheime r-Berlin das nachstehende Gutachten über das Schächten zu erstatten: Greifswald, den 15. Juli 1908. Mit größtem Vergnügen bin ich bereit, Ihrer Bitte zu willfahren. Seit längerer Zeit schon interessiere ich mich für die Tötungsart des Schächtens, gerade um ein Urteil über die vielfachen Angriffe gegen diese Tötungsmethode zu gewinnen. Ich habe persönlich aus dem Schlachthofe Erfahrungen gesammelt und kann nur sagen, daß. meiner Meinung nach die Schächtung ein Tier auf die fchnellste und fchonendste Weise bewußtlos macht und tötet. Die außerordentlich sichere Führung des peinlichst scharf und sauber gehaltenen Meffers, das groß genug ist, um mit schnellem Zuge die großen Arterien durchzuschneiden, hat auf mich immer einen großen Eindruck gemacht. Ich habe mich daher vollkommen davon überzeugt, daß die Angriffe gegen diese Tötungsmethode durchaus ungerechtfertigt find und sicher von Leuten ausgehen, die keine Erfahrungen in dieser Angelegenheit haben. Soweit meine persönlichen Kenntnisse reichen, möchte ich glauben, daß es durchaus wünschenswert sei, wenn den übrigen Tötnngsarten die Schächtung allgemein vorgezogen würde. _ Eine ungewöhnliche Ehrenrettung". Zu der Bildung eines demokratischen Verbandes in Rheinland-Westfalen unter der Führung des bekannten westfälischen Demokraten Rechtsanwalt K o h n hatten die „Deutschsozialen Blätter" ihre übliche antisemitische Gloffe gemacht. Dazu bemerkt die „Deutsche Hochwacht", das Organ des antisemitischen deutschen Volksbundes : „Wer das liest, muß ohne weiteres auf den Gedanken kommen, daß diese westfälischen Demokraten, es handelt sich nämlich um demokratische Vereinigungen in Dortmund. Hamm und Hagen, einem Judenkopfe folgten. Dagegen muß Verwahrung eingelegt werden. Rechtsanwalt Friedrich Kohn, Dortmund, ist ein guter Rassendeutscher und ein deutschvölklich gesinnter Mann." Antisemit ist er aber, wie wir gleich hinzufügen wollen, nicht. Die blöde Judenriecherei hat da freilich dem Organ des Herrn Liebermann von Sonnenberg einen schlimmen Streich gespielt. Rechtsanwalt Kohn gehört einer in Westfalen ziemlich verbreiteten Familie Kohn an, die — wie viele andere des gleichen Namens — ihren arischen Ursprung bis in die Reformationszeit zurücksühren kann. Der vor einigen Jahren verstorbene langjährige Redakteur der „Freihandel s-K o rres p o n d e n z" in Berlin stammte ebenfalls aus dieser Familie. Daß auch der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband vor einigen Jahren und vielleicht auch jetzt noch einen Träger dieses allen waschechten Antisemiten verhaßten alttestamentlichen Namens zu seinen eifrigsten Mitgliedern zählte, scheint das Antisemitenblatt ebenfalls vergeffen zu haben. „Mitteilungen aus dem Verein des Antisemitismus" in Berlin. Korrespondenzen. Baden. (Trauerkundgebung.) Gemäß dem Beschlüsse des Kultusausschuffes der Badener israel. Kultusgemeinde vom 29. Juli d. I. fand Sonntag den 2. d. M., 11 Uhr Vormittags, im Sitzungssaale, der zum Zeichen der Trauer schwarz drapiert war, eine Trauerkundgebung für den am 12. Juli d. I. verstorbenen, durch seine außerordentliche Herzensgüte, Menschenliebe und wahre humane Denkweise ausgezeichneten Herrn Dr. Franz Süß, Professors am Badener Gymnasium, statt. Der Kultuspräsident Herr Moritz L e i t n e r leitete im Beisein des Gesamtvorstandes und zahlreicher Gäste die Kundgebung mit aus den feierlichen Akt bezughabenden tiefgefühlten Worten ein und erteilte Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner W. Reich das Wort zur eigentlichen Ansprache, welche die Versammlung stehend anhörte. In gewohnter beredter Weise schilderte der Redner den edlen Hingeschiedenen, wie er sich in seinem Leben und in seinen letztwilligen Anordnungen als wahrhaft freiheitlich Denkender zeigte, als ein Mann, der alle Menschen ohne Rücksicht aus ihr religiöses und konfessionelles Bekenntnis gleichwertig schätzte und liebte und der die höchste Aufgabe der denkenden Menschheit darin erblickte, daß ein Band der gegenseitigen Liebe alle umschlinge und jede konfessionelle Gegensätzlichkeit aus den Herzen aller weiche und schwinde. Er schloß mit den Worten: Das Andenken des verewigten Dr. Franz Süß wird ein gesegnetes bleiben und im Herzen aller Edeldenkenden in unvergänglicher Treue bewahrt werden. — Eine feierliche Stille herrschte im Saale, aber aus dem Gesichte aller zeigte sich der tiefe Eindruck, den die Worte des illustren Redners aus die Versammlung gemacht haben. Der Kultuspräsident Herr Moritz L e i t n e r dankte ergriffen Sr. Ehrwürden Rabbiner W. R e i ch für seine vortreffliche Ausführung und teilt der

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