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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-07 · 32 (7.8.1908) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
32 (7.8.1908)
Date
1908-08-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 566 Nr. Vlvch's WmhsrMrM. Nr 32 des „Hed Hasman" stehen hinter diesem „Jüdischen Komitee" die Poale Zion von Egypten. Hinsichtlich des Verhaltens der Jungtürken zur Judenfrage im Allgemeinen und zur Palästinafrage im Besonderen erinnert die genannte Zeitung an das folgende interessante Ereignis aus den Anfängen des Zionismus: „. . . Vor ungefähr acht Jahren veröffentlichte eine Zeitung ein Interview mit Bernard Lazare über den Zionismus. Das war schon zur Zeit, als er vom Zionismus abg«fallen war. In diesem Interview gab er auch die Gründe an, weshalb er dem Zionismus den Rücken gekehrt Bernard Lazare hatte intime Beziehungen zu jungtürkischen Emigrantenkreisen, die in Paris lebten. Er war nun überzeugt, daß die Jnngtürkcn früher oder später siegen müffen. Er ärgerte sich daher über Herzl wegen des Telegrammes, das dieser damals an den Sultan im Namen des ersten Kongresses abgeschlckt hat, wie auch wegen der anderen Schritte, die er im Iildiz-Kiosk unternahm oder unternehmen ließ. Seiner Meinung nach hätten die Zionisten mit den Jungtürken in Verbindung stehen müffen, weil er von der Ueberzeugung durchdrungen war, daß nur, wenn die Jungtürken die öffentliche Meinung des türkischen Reiches beherrschen werden, die Zionisten die Möglichkeit haben könnten, in Palästina auf einem breiteren Programm zu arbeiten." Der erste Teil der Prophezeiung Bernard Lazares hat sich vorläufig bewahrheitet, ob auch der zweite Teil in Erfüllung gehen wird, trotzdem die Zionisten nicht seinen Rat befolgt hatten, das wird die Zukunft lehren. Jude« in Rhodesien. Aus Bulawayo wird dem „Jewish Chronicle" geschrieben: Infolge der starken finanziellen Depression die in manchen Teilen Südafrikas gegenwärtig herrscht, macht sich jetzt eine lebhafte Judeneinwanderung nach Rhodefien fühlbar. Da viele der Neuankömmlinge ohne Mittel find, hat sich ein jüdischer Frauenwohltätigkeilsverein gebildet, welcher den in Bulawayo bereits bestehenden „Jüdischen Wohltätigkeitsverein" in seiner Arbeit kräftig unterstützt. Rhodefien eignet sich zunächst für diejenigen, die in Gruben arbeiten oder im Farmerwesen einige Erfahrung besitzen, daher find jüdische Einwanderer hier in ihrem Fortkommen mehr weniger behindert. Es ist daher erfreulich, zu hören, daß trotzdem Juden zahlreich zu Grubenarbeiten genommen werden. Andere wieder wenden fich den Tabakbauarbeiten zu. Besonders intereffant zu erwähnen ist, daß die berühmte Viehzucht von Zambesi fast ausschließlich in jüdischen Händen liegt, die in der Tat für den Aufschwung von Nordwest-Rhodesien, das fie bis an den Kongo durchdrungen haben, hervorragende Piouierdienste geleistet haben. Einer dieser Pioniere, A. B. Diamand, ist der erste, der das Land von Lialui, dem Territorium des Königs Lewanika bis an die Lobitabai durchkreuzt hat. Die Judengemeinde von Bilawayo, das geistige Zentrum der Juden Rhodesiens, ist in sehr gesunder Lage und die Juden daselbst befinden fich in durchaus guten Verhältnissen. Die türkische Verfassung. Aus Konstantinopel wird uns von unserem dortigen Korrespondenten unter dem 26. Juli geschrieben: Die jetzt wieder eingeführte Verfassung vom Jahre 1876 gibt allen Angehörigen des ottomanischen Reiches die volle Gleichberechtigung. Wenn auch die Juden schon bisher sich im türkischen Reiche einer außerordentlich bevorzugten Stellung erfreuten, so ist doch natürlich auch für fie die gesetzliche Gleichstellung sehr wesentlich. Vor allen Dingen find es natürlich die Aufhebung der Zensur, die Freiheit der Preffe, sowie das Versammlungs¬ und Petitionsrccht, die bei den Juden lebhaft begrüßt werden. Aber auch die verfassungsmäßigen Garantien des Eigentums sowie 1)ie gleichmäßige und gesetzliche Verteilung der Steuern find gerade für die Juden und besonders für die jüdischen Ansiedlungen in der asiatischen Türkei, d. h. in Palästina und Syrien, von kaum zu überschätzender Bedeutung. Die Zulassung zu allen öffentlichen Aemtern ohne Unterschied der Religion ist für die Juden weniger wichtig als für die Christen, da die Juden auch bisher schon in der Zulassung zu höchsten Staatsstellungen keinen Schwierigkeiten begegneten. Dagegen dürfte die neu gewährte Unterrichtsfreiheit für die Regeneration der türkischen Juden sehr wichtig sein. Schließlich ist natürlich auch der Einfluß der offiziellen Teilnahme der Juden an beiden Parlamenten auf das Verhältnis von Juden und Türken zueinander nicht gering anzuschlagen. Die Bestimmungen über die Gemeinde- und Bezirksverwaltung find derartig, daß es den Juden nicht schwer werden wird, in denjenigen Gegenden, in denen sie über eine entsprechende Majorität verfügen, auch die Verwaltung in ihre Hände zu bekommen. Im allgemeinen darf man sagen, daß, wenn die gegenwärtige Stimmung, bei aller zu erwartenden Abschwächung, nur in ihren Grundzügen in der Zukunft bestehen bleibt, die Juden des türkischen Reiches zweifellos in kurzer Zeit selbst ihre „kultiviertesten" westlichen Glaubens- und Stammesgen offen nicht werden zu beneiden brauchen. Wohnrecht jüdischer Künstler in Rußland. Aus Petersburg wird uns von unserem dortigen Korrespondenten geschrieben: Von einer neuen Verschlechterung der rechtlichen Lage der Juden in Rußland zeugt eine eben erlassene Verfügung, die sich auf die jüdischen Künstler (Schauspieler, Musiker re.) bezieht. Diese Kategorie nahm bisher insofern eine Sonderstellung ein, als sie zwar auch kein Wohnrecht außerhalb des Ansiedlungsrayons befassen (insofern sie nicht zu den Kaufleuten 1. Gilde oder zu den akademisch Diplomierten gehörten), aber ätz facto doch stets, in den großen Städten wenigstens, „geduldet" wurden. Daraus hatte sich eine Art Gewohnheitsrecht entwickelt, wofür das ein Beweis ist, daß die Jmpresarii mit den jüdischen Künstlern feste Verträge abschlossen, die denn auch tatsächlich immer innegehalten werden konnten. Das wird nun in Zukunft anders sein. Die genannte Verfügung bestimmt nämlich, daß vom nächsten Jahre ab die jüdischen Künstler die bisherige tatsächliche Ausnahmestellung nicht mehr genießen sollen, so daß sie also nicht mehr in den Hauptstädten werden wohnen dürfen. Für die allermeisten von ihnen kommt dies dem völligen Ruin gleich, da diese Leute natürlich nur in den großen Städten Gelegenheit haben, ihren Beruf auszuüben. Das Gebet Johannes von Kronstadt. „Ich kann nicht schweigen" war das Manifest betitelt, das Graf Tolstoi jüngst veröffentlicht hat und worin er sich für die Revolution in Rußland entschied. Auch Johann von Kronstadt, der berüchtigte Wundertäter, dessen Einfluß im Zarenreiche nicht zu unterschätzen ist, kann nicht „schweigen". In der „Russkoje Snamja" veröffentlicht er das folgende Stoßgebet: „Gott im Himmel, bringum deiner Kirche willen Friede in Rußland, um deiner armen Leute willen mache dem Aufruhr und der Revolution ein Ende. Nimm deinen Lästerer, den bösen und reuelosen Lew Tolstoi und alle seine leidenschaftlichen Anhänger und den Freund der Juden, Witte, weg von dieser Erde." Eine wichtige medizinische Erfindung in einem jüdischen Hospital. In amerikanischen medizinischen Kreisen macht eine neue Methode zur Heilung der Peritonithis (Bauchfellentzündung), welche die leitenden Aerzte des „Beth-Jsrael-Hospitales" in New-Aork, die Professoren Bainbridge und Silver, erfunden haben, großes Aufsehen. Der Vorgang besteht, wie eine New- Aorker Fachzeitschrift mitteilt, in der Zuführung von reinem

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