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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-31 · 31 (31.7.1908) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
31 (31.7.1908)
Date
1908-07-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 558 Wr. Llocb's MocbenscdrLN. Nr. 31 TalMudstüdimus eiugefchlafen, ihm im Traume eine kurz vorher verstorbene Frau erschienen ist und sich darüber beklagte, daß der Tempeldieuer seine für Geld übernommene Pflicht für sie zu lernen und Kadisch zu sagen vernachlässige, was auch in Wirklichkeit der Fall war. Dieses physiologische Rätsel ist auf folgender Basis lösbar. Rabbi Daniel Proßnitz s. A. war durch seine sitzende Beschäftigung und wahrscheinlich auch asketische Lebensweise ein für den Hypnotismus geeignetes Subjekt (Medium). Im Talmudstudium vertieft, fixierte er mit seinem Augensterne die einzelnen Stellen, wodurch eine Ueberreizung des Augennerves entstand und er verfiel, wie es auch bei Willensstärkeren einzutreten pflegt, in den hypnotischen Schlaf. Solche Ueberreizungen im Hirne weitrrwirkend, führten den eigentümlich physiologischen Zustand des transzendentalen Bewußtseins, das Erwachen der höheren geistigen Fähigkeit des Hellsehens, herbei. Da kam des Weges der Tempeldiener, dessen Sinn von der Skrupel seiner Pflichtvergeflenheit befangen sein mochte und durch Vermittlung des Allfluidums übertrug sich der Gedanke des Tempeldieners auf den Geist des ehrwürdigen Rabbi. Es liegt mir ferne, auf eine weitere Diskussion mich einzulaffen und überlasse es jedem, mit der Fackel der Wissenschaft in dieses ans Wunderbare grenzende und scheinbar unerklärliche Gebiet hineinzuleuchten. Doch eines für uns Juden Bemerkenswerte sei an dieser Stelle erwähnt. In der elektrotechnischen Bibliothek von Hartleben in Wien erliegt ein bereits in zweiter Auflage erschienenes Werk „Magnetismus und Hypnotismus", dessen Illustrationen jene Handstellungen veranschaulichen, welche die Priester alter Völker bei ihren Heilmanipulationen angewendet haben und jetzt in der Regel bei der Hypnose mit Erfolg angewendet werden. Diese Handstellungen find denen unserer Kohanim beim Duchan nicht unähnlich und es erscheint als eigentümlich, daß wir während dieses Segenspendens ein Gebet verrichten, in welchem wir zu Gott bitten, daß er unseren Träumen einen guten Ausgang gebe, seien es Träume, die wir über uns selbst oder über andere ttäumten, oder seien es Träume, welche andere über uns träumten usw. Womit wir Träume als solche anerkennen, wie es Schiller den Daniel im 5. Akte der „Räuber" sprechen läßt: „Die Träume kommen von Gott." Bevor ich jedoch zur Erzählung eines besonders merkwürdigen Falles, der sich vor mehreren Jahren hierorts ereignete, komme, erwähne ich den Fall Kutscher«, welchen die Wiener Zeitungen vor kurzer Zeit brachten, daß eine Mutter ihren Sohn, einen anerkannten Meister der Schwimmkunst, aus dem Grunde vom Badengehen zurückhalten wollte, daß sie ihm in vergangener Nacht im Traume als Wasserleiche gesehen habe. Der Sohn, der den Bitten der Mutter kein Gehör gab, den, wie er meinte, als vorzüglicher Schwimmer nichts passieren könne, ertrank selben Tages. Auch hier wohnt seit Kurzem eine hochbetagte Frau M. mit Namen. Ihr Sohn, bei dem sie früher wohnte, hatte im Sinne, seinem Leben ein Ende zu bereiten. Um seiner Mutter, die er liebte, den Schmerz zu ersparen, Zeuge seiner Tat zu sein, bewog er sie, her zu ihrer Tochter zu fahren, begleitete sie selbst bis her, reiste allein in seinen Heimatsort nach G. Als den nächsten Morgen die alte Frau erwachte, war sie verstört und sehr mißmutig. Von ihrer Umgebung über den Grund ihres Gemütszustandes befragt, meinte sie, es hatte ihr etwas derart Böses geträumt, was sie nicht auszusprechen wagt. Ihre Enkel bemühten sich, sie heiter zu stimmen und ihr beizubringen, daß Träume ja nichts bedeuten. Die Frau wurde redseliger, erzählte, sie hätte im Traume ihren Sohn K. als Leiche gesehen. Zwei Stunden später wurde Herr S., der Schwiegersohn dieser Frau, telegraphisch an das Sterbebett seines Schwagers berufen, welcher sein Vorhaben, das er früher strenge geheim hiett, auch zur Tat werden ließ. Bis zum Jahre 1836 lebte in dem eineinhalb Stunden von hier entfernten Dorfe S. ein Bauer, Jakob Filla mit Namen. Er galt für einen ruhigen, gutmütigen Menschen, war mtt einer Verwandten des Octspfarrers verheiratet, lebte in geregelten Verhältnissen, war Vater eines Knabens und eines Mächens. Nach sechsjähriger Ehe starb seine Frau. Von nun an ergab sich Filla dem Trünke, vernachlässigte seine Wirtschaft und verkaufte Stück für Stück seiner Habe. Eines Tages lud er meinen Vater ein, ihn zu besuchen; denn er habe Silbergeräte zum Verkaufe. Den folgenden Tag, am Dienstag eines schönen Herbsttages, leistete mein Vater seiner Einladung Folge. Meine älteste Schwester, welche damals elf bis zwölf Jahre zählte, ließ sich davon nicht abhalten, mitzugehen. Im Dorf angelangt, blieb das Mädchen durch irgend einen Zufall zurück. Als mein Vater zu Filla ins Haus kam, begrüßte er ihn freundlichst, brachte ihm auf einem Teller Zwetschken und sperrte die Tür von der Gasse ab. Er winkte meinem Vater zu, ihm in eine Hofkammer zu folgen, wo er das Silber verwahrt hatte. Mittlerweile war meine Schwester nachgekommen, und da sie durch die Eingangstüre nicht ins Haus gelangen konnte, bog sie um eine Ecke ein, kroch durch eine Heckenumzäunung in den Hausgarten und betrat im selben Momente den Hofraum, als Filla mit dem Vater in die Kammer treten wollten. Fillc, des Mädchens ansichtig, stand betroffen still und sagte zu ihr, „welcher Teufel hat auch Dich hergebracht". Er besann sich eine Weile und meinte, es wäre heute nichts aus dem Geschäfte. Als mein Vater etwa fünfzig Schritte schon vom Hause entfernt war, bemerkte er, wie der Handelsmann Wolf Tuschak in den Flur eines Nachbarhauses, wie solche früher vor allen Bauernhäusern zu finden waren, schlich, um vom Vater nicht gesehen zu werden. Tuschak war erst einige Monate verheiratet und war es nie seine Gepflogenheit, außer Haus zu übernachten. Als es jedoch Freitag Abend wurde und Tuschak noch immer nicht zuhause war, bemächtigte sich seiner ganzen Familie eine große Aufregung. Freitag, etwa eine Stunde nach Mitternacht, pocht es hastig am Fenster der Wohnung meines Vaters und eine geängstigte, zitternde Stimme ließ den Ruf „David, komm' her", vernehmen. Der Vater trat ans Fenster, vor welchem Zirl Tuschak, auch Zirl Scholetsetzerin, die Schwägerin Wolf Tuschaks, stand. „Hast Du nicht meinen Schwager Wolf begegnet", fragte sie. „Ja, Dienstag in S. hatte er sich vor mir versteckt", war die Antwort. Im Traume war Wolf bei mir und sagte, „er liegt bei Filla im Backofen erschlagen", sagte Zierl. „Ein Cholem ist ein Traum", meinte der Vater. „Filla hätte in seinem Leben keiner Katze etwas zuleide getan." Und nachdem er Zirl beruhigte, ging er zu Bette, konnte jedoch nicht einschlafen, denn Wolf kam ihm nicht mehr aus dem Sinne. Hingegen bemächtigten sich seiner Verdachtsmomente gegen Filla. Sonntag wurde die Abgängigkeit des Tuschak, als auch die Verdachtsgründe meines Vaters bei Gericht zur Anzeige gebracht. Montag vormittag mußte der Vater mit der Gerichtskommission nach S. fahren, um zu zeigen, an welcher Stelle er Tuschak zuletzt gesehen. Auch der Ortskaplan wurde zur Kommission beigezogen und als diese in Fillas Haus kam, saß er in seinem Zimmer, aß mit Behagen Aepfel, welche er mit aller Gemütsruhe schälte. „Weißt Du, was uns herführt", fragte ihn der Justitier. „Nein", war die Antwort. „Wir suchen die Leiche des Tuschak", sagte der Kaplan. „So suchet", gab Filla zur Antwort. Kammern, Keller, Böden, Brunnen, Scheune, Schupfen und auch der Backofen wurden durchsucht, aber nirgends wurde eine Spur gefunden. Bloß an einer Hacke klebten kleine Blutspuren. Darüber befragt, sagte Filla, daß diese noch vom Schweineschlachten herrühren. Man begab sich ins Zimmer, in welchem man Filla verhörte. Doch der Kaplan entfernte sich und trattin einen Winkel des Hofraumes. Dort sah er eine niedere Tür. Als er mit seinem Stocke daran stieß, tat sich dieselbe angelweit auf und ließ ihn in einen ziemlich breiten Stall blicken, wo er gewahrte, daß Stroh, wie etwa Stoppeln in der Erde stacken. Er kroch hinein, begann die lockere Erde wegzuscharren und geriet dabei mit seiner Hand zwischen den Daumen und Zeigefinger des gesuchten Leichnams, wodurch dessen Hand zum Vorschein kam. Der Kaplan verscharrte sie wieder sorgfältig, ging zurück ins Zimmer, wo Filla beim Verhör hartnäckig

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