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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-31 · 31 (31.7.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
31 (31.7.1908)
Date
1908-07-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 554 L>r. Lloco s MocvenscbrtN. Nr. 31 Aufführung sind Händels „Messias" und „Israel in Egypten" und Mendelssohns „Elias" sowie verschiedene seiner Orchester und Chorwerke in Aussicht genommen. Der Händel-Festchor und sein Orchester, insgesamt 4000 Sänger und Musiker, werden sich unter der Leitung von Dr. F. H. Cowen an den Aufführungen beteiligen. Petersburg. Die in Petersburg erscheinende Zeitschrift „Hed Hasman" erinnert in einem bemerkenswerten Leitartikel an die „Zusammenkunft vor fünf Jahren" und an die großen Fehler, die damals dadurch begangen wurden, daß man sich der Selbsttäuschung hingab, als deute die durch und durch judenfeindliche Aeußerung Plehwes, „die russische Regierung würde zur Ausführung des zionistischen Programms beitragen, sobald sie die Ueberzeugung gewinne, daß dadurch die Juden aus Rußland ausziehen", auf ein baldiges diplomatisches Eingreifen Rußlands zugunsten des Baseler Programms hin. Die Erfahrung der letzten Jahre meint das Blatt — sollte uns doch davor bewahren, uns anläßlich dxr Audienz Wolffsohns neue Enttäuschungen zu bereiten, was aber nach dem Lärm zu schließen, den diese Audienz verursacht, nicht überall der Fall ist. Das Blatt zweifelt nicht daran, daß die Hindernisse, die bislang dem zionistischen Vereinswesen in Rußland im Wege standen, nun beseitigt sein werden. Allein der Audienz eine hohe politische Bedeutung beizumessen und gar von ihr eine Wendung für die Gesamtlage der Judenheit im Zarenreiche zu erwarten, sei seiner Ueberzeugung nach eine naive Auffassung, die nur auf kraffer Unkenntnis der Dinge und Verkennung der in Rußland obwaltenden politischen Verhältnisse beruhen könne. Kischenew. (DieBluthunde an derArbeit.) Von hier kommt eine bedenkliche Nachricht: Kruschewan, der „geistige" und organisatorische Urheber des fürchterlichen Pogroms von 1903, lebt noch immer. Und er betreibt sein Handwerk in noch schlimmerer Art. Was sein blutrünstiges Blatt „Drug" in der letzten Zeit an Hetzartikeln leistet, ist kaum wiederzugeben. Denn er mahnt die Bevölkerung zu „großen" Taten; er möchte sich nicht „mit Kleinigkeiten wie Kischenew die Finger bespritzen", er sordert einen allruffischen Pogrom. Wenn man bedenkt, daß diese mörderische Wühlarbeit im finsteren Beffarabien vor sich geht, wird man begreifen, welch schwere Tage die Juden von Kischenew wieder durchmachen. Man hat allen Anlaß, an Kruschewans Zurechnungsfähigkeit zu zweifeln. Denn neuerdings hat er seine Mannen zu einer Beratung berufen — über die Frage, wie man Rumänien entgegentreten solle, wenn es sich anschicken werde, Beffarabien wieder an sich zu bringen. Und auch ein bestimmter Verteidigungsplan wurde für die Verbändler ausgearbeitet. Ist es nicht scherzhaft? Indes, es gibt keine Tollheit in Rußland, die nicht ihre Früchte trägt! Und jede Agitation wirkt irgendwo im bessarabischen Volke, das ja vor jeder verständigen Lektüre ängstlich behütet wird. Der Riesenpogrom in allen russischen Städten, den Kruschewan, von den Behörden unbehelligt, predigt, wird unter den augenblicklichen Verhältnissen nicht ausbrechen können. Nicht überall werden heute die hohen Gönner der Pogromorganisation soviel „Hooligans" zur Verfügung haben wie vor zwei Jahren. Aber das unwissende, in stumpfem Gleichmut hinbrütende Volk wird an vielen Orten immer eine Beute gewissenloser Agitatoren bleiben. In zahlreichen Gebieten des Reiches steht eine Hungersnot vor der Tür und damit die Gefahr von Ausbrüchen der Massenleidenschaften. Nie kann man wissen, ob nicht auch die Verantwortlichen in Rußland wieder einmal in einem Pogrom eine willkommene Ablenkung sehen würden. So lange sie Kruschewan nicht einsperren, Dubrowin nicht verfolgen und mit den Begnadigungen verurteilter Pogromhelden fortfahren, ist keine Gewähr gegeben, daß die blutigen Greuel von Byalistok die letzten in der Geschichte dieses übelregierten Landes sind. Die Kadetten und die Juden. Die Fraktion der konstitutionellen Demokraten der russischen Reichsduma hat jetzt, nach Schluß der ersten Session, ihren Rechenschaftsbericht herausgegeben. Hinsichtlich ihres Verhallens zur Judenfrage finden sich in diesem Berichte die folgenden Stellen: „Zur Judenfrage hat — unabhängig von der Fraktion — das Mitglied, Herr Nisselowitsch, wiederholt Stellung genommen. Die Fraktion als Ganze hat sich in der Verteidigung der Juden gegen die Angriffe der Rechten mit aller Energie beteiligt, besonders wenn diese mit Vorschlägen, die Juden betreffend, wie z. B. wegen Ausschließung der Juden, aus der Armee hervortraten. Den Versuch des Rechten, Zamislowski, einen solchen Antrag mit ziffermäßigen Daten zu begründen, hat Pergament mit glänzendem Erfolge zerstört. Diese Rede war — darin stimmen alle — überein eine der gehaltvollsten und besten Reden, die in der dritten Duma gehalten wurden, und hat auch auf alle einen tiefen Eindruck gemacht. Zur selben Frage sprachen auch Roditschew und Friedmann. Was die Frage betrifft, ob eine selbständige Gesetzesvorlage, betreffend die Regelung der Judenfrage, jetzt in die Duma eingebracht werden solle, steht die kadettische Fraktion auf dem Standpunkte, daß bei der gegenwärtigen antisemitischen Stimmung der Duma-Majorität an eine gerechte Lösung der Judenfrage nicht gedacht werden könne! Selbst in der ersten Platform, welche die Führer der Majorität in der Duma vor Eröffnung derselben durchführen wollten und nicht konnten — weil nicht alle sie akzeptieren wollten — wurde bloß von Aufhebung der „überflüssigen Begrenzungen" gegenüber den Juden gesprochen und selbst dies nur mit unklaren, halben Andeutungen zum Ausdruck gebracht. Da in den Zeitungen die Nachricht verbreitet wurde, daß Herr Nisselowitsch den Versuch gemacht habe, mit der Duma-Majorität diesbezüglich zu einem Uebereinkommen zu gelangen, mußte der Obmann der Fraktion, Miljukow, öffentlich erklären, daß die Fraktion diesen Unterhandlungen fernesteht. Gleichzeitig hiemit erklärte die Fraktion nochmals, daß laut dem Beschluß des Helsingforser Parteikongresses unsere Fraktion bereit ist, jede Bestrebung, welche nur irgendwie ernstlich mit dem Programm der Kadettenpartei übereinstimmt, mit allem Nachdrucke zu fördern." Begräbnis von Pogromopfern nach drei Jahren. Nicht menschliche Opfer des Jekaterinoslawer Pogroms waren es, die am 5. Juli von fastenden Juden auf den jüdischen Friedhof von Jekaterinoslaw getragen und dort unter Tränen der großen Trauergemeinde zu Grabe gebracht wurden. Es waren 13 Thorarollen, welche von ruchlosen Hooligans in den fürchterlichen Oktobertagen entweiht, geschändet und zerrissen wurden und bis heute nicht haben, wie es die Pietät vorschreibt, neben den anderen menschlichen Opfern begraben werden können. Wiederholt hat die jüdische Gemeinde um die Erlaubnis angesucht, den geschändeten Thorarollen die „letzte Ehre" zu erweisen, ohne sie bisher zu erlangen. Vor einigen Tagen endlich ist die behördliche Erlaubnis hierzu herabgelangt. Das Begräbnis wurde für Sonntag den 5. Juli anberaumt. Dieser Tag wurde in der ganzen Gemeinde als Festtag bestimmt und in allen Synagogen wurden die für Festtage festgesetzten Gebete verrichtet. Um 10 Uhr vormittags hatten sich im Hofe der großen Synagoge mehrere tausend Juden versammelt. Die Thorarollen wurden aus der Synagoge geholt, während der Kantor die Haskarah für die Opfer der Oktober- Pogrome rezitierte. Mit lautem herzzerreißendem Schluchzen hörte die Gemeinde die Namen der Märtyrer russischer Knechtschaft an. Von hier bewegte sich der Zug zur sogenannten Soldatsker Schul', von wo die westlichen Sisre Thora geholt wurden. Dann marschierte der endlose Trauerzug zum jüdischen Friedhof. Fast sämtliche Juden der Stadt haben an den traurigen Akt teilgenommen. Voran schritt der Kantor, der mit Chorbegleitung mehrere Psalmen sang. Das Leichenbegängnis dauerte an drei Stunden. Jeder hielt es für seine Pflicht, die Bahre, in welcher die Thorarolleu lagen, wenigstens einige Minuten lang auf seinen Schultern zu tragen. Den Thorarollen wurde neben dem „Brudergr.rbe" der Pogromopfer eine Ruhestätte angewiesen. Bevor die Rollen in die Grube gesenkt

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