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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-31 · 31 (31.7.1908) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
31 (31.7.1908)
Date
1908-07-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit, 648 Dr. JBlocD’0 MocbenscbrM. Nr. 31 Vom Jahrmarkt des Lebens. Die B nai B rith in England. Die Organisation der B'nai B'rith die im Jahre 1843 in New-Aork gegründet wurde und heute über 300 Logen mit mehr als 30.000 Mitgliedern zählt, hat in allen konstitutionellen Ländern Logen, nur in England gelang es bis heute nicht, eine solche ins Leben zu rufen. In der jüngsten Sitzung des Exekutivkomitees in New-Aork wurde beschlossen, neuerliche Versuche zu machen, in England Fuß zu fassen, doch dürste auch diesmal der Versuch mißlingen, obgleich man in England anerkennt, daß die B'nai B'rith dort, wo sie in Aktion ist, sehr segensreich wirke. Die Anglo Jewish Association hat, um eventuellen Versuchen, Logen in England zu gründen, zu begegnen, ihren Aktionsrahmen erweitert und in denselben besonders jene philanthropischen Ziele ausgenommen, welche die B'nai B'rith in allen Kulturländern in hervorragendem Maße fördern. Oliver Cromwells 25«. Todestag. Am 3. September werden es 250 Jahre, daß der berühmte englische Staatsmann gestorben ist. Die Juden Englands, die hauptsächlich der Freiheitsliebe dieses Staatsmannes die ersten Anfänge der Judenemanzipation zu danken haben, beabsichtigen, das Andenken Cromwells feierlich zu begehen. Der Emanzipator der norwegischen Juden. In Fargo (North Daketü) wurde vor zwei Wochen das Denkmal des Dichters und Philanthropen Henry Wergeland feierlichst enthüllt. Das Denkmal ist ein Geschenk des norwegischen Volkes zum Andenken ihres in der Fremde verstorbenen Landsmannes. Das Piedestal der Statue trägt die interessante Inschrift: „Er öffnete Norwegens Tore den Juden!" Das Festkomitee richtete an die Juden der Stadt die Einladung, auch ihrerseits einen Festredner zu entsenden, als welcher Dr. Deinard aus Minneapolis eine die Bedeutung der Juden für die zivilisierten Freiheitsstaaten würdigende Rede hielt. Mehr als 5000 Menschen waren bei der Feier anwesend. Abends gab die B'nai B'rith ein Bankett zum Andenken an den Beschützer der Juden in nordischen Landen. Eiu russisch-jüdischer Schriftsteller Ehrenbürger vo» Mailand. Der aus Rußland stammende jüdische Schriftsteller A. Wolinski wurde vor einiger Zeit zum Ehrenbürger von Mailand gewählt. Diese große Ehrung, die ein Ausländer bisher in Mailand nicht erhalten hat, wurde Wolinski für seine vortreffliche große Arbeit über den italienischen Maler und Gelehrten Leonardo da Vinci zuteil. Wolinski, der, wie erwähnt, Jude ist, war in früheren Jahren auch als jüdischer Schriftsteller, der jüdisch und hebräisch schrieb, bekannt. Eiu jüdischer Erfinder. Malchin. Am 4. Juli 1908 brachte der hiesige „General-Anzeiger" folgende intereffante Mitteilung: Am 18. September d. I. wird voraussichtlich in unserer Stadt eine bedeutsame Denktafel enthüllt werden. Am 18. September 1831 wurde in dem heutigen Hause des Kürschnermeisters Michaelsen neben der Apotheke als Sohn des Oberrates Liepmaun Marcus Siegfried Marcus geboren. (Liepmann Marcus hat sich um die Organisation der Juden in unserem Lande große Verdienste erworben. Von ihm rührt die Schrift her: Kurze Ueberficht der Berhältniffe der Ein- ' wohner mosaischen Glaubens in den Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinschen Landen, Güstrow 1833.) Es hätte sich damals Niemand in Malchin träumen lassen, daß das Genie des Neugeborenen einst eines unserer bedeutsamsten Verkehrsmittel erfinden würde. Etwa 1845 kam Siegfried Marcus zu einem Hamburger Schlosser in die Lehre, ging 1848 nach Berlin zu der damals neugegründeten Firma Siemens u. Halske und scheint (nebenher?) den Unterricht der Berliner Gewerbeschule genossen zu haben. Er wurde ein Günstling von Werner Siemens. 1852 war er bereits in Wien, im folgenden Jahre nahm er Stellung bei dem Hofmechaniker Kraft, darauf war er drei Jahre lang Mechaniker am physikalischen Institut des Josephinums, dann Assistent im chemischen Laboratorium von Professor Ludwig. Am 1860 machte er sich in der Mariahilferstaße selbständig. Vielerlei Apparate gingen aus feiner Werkstätte hervor, so z. B. ein Telegraphenrelais der österreichischen Bahnen, ein elektromagnetischer Sprengapparat, eine ventillose Rotationspumpe, Lampen, Pistolen usw. Für seine Thermosäule erhielt er die Goldene Medaille der Akademie und einen Preis von 2000 Gulden, für seinen Feldtelegraph, der 1870/72 in Verwendung war, eine Anerkennung des Generals von Blumenthal. Seit 1861 arbeitete Marcus an einem Benzinkraftwygen, vollendete ein unvollkommenes Modell 1868 und verbesserte dies bis 1875 zu einem brauchbaren Wagen, der heute im Besitze des Oesterreichifchen Automobilklubs in Wien ist. In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1898 starb Marcus in Wien. Auf Anregung des in Berlin lebenden Historikers der Technik F. M. Feldhaus soll die erwähnte Gedenktafel für Marcus zustande kommen. Bisher haben der Kaiserliche Automobilklub in Berlin, der Oesterreichische Automobilklub in Wien, der Rheinisch-Westfälische Automobilklub, der Bayerische Automobilklub, der Thüringische Automobilklub, die Firma Siemens u. Halske und die Vereinigung der Oesterreichischen Petroleum-Industriellen Beiträge zu der Bronzegedenktafel zur Verfügung gestellt. Nach dem ersten Entwürfe zeigt die Gedenktafel das von einer Lorbeerranke umrahmte Bildnis von Marcus. Links daneben sieht man sein erstes Automobil vom Jahre 1875. Rechts davon fährt ein moderner Rennwagen durch die Landschaft. Im Hintergründe dieser beiden Automobile ragen Schornsteine empor, die auf die neue Automobilindustrie hindeuten. Im Vordergründe liegen zwei gefesselte Sphinxe, die erstaunt auf die neuen Fahrzeuge blicken. Sie verkörpern das Naturgeheimnis, dem der Erfinder seine Erfolge entlockt hat. Die Inschrift der Tafel wird lauten: „Geburtshaus von Siegfried Marcus, Erfinder des Automobils, geb. 18. September 1831." So berichtigte, wie gesagt, der hiesige „General-Anzeiger" am 4. d. M. Aber schon am darauffolgenden Tage mußte er die nachfolgende Notiz bringen: „Zu unserem Bericht in letzter Nummer betreffend „Marcus- Denktafel" teilte Herr Kürschnermeister Michaelsen Hierselbst uns mit, daß an seinem Hause eine Gedenktafel nicht angebracht werden wird." Man kann sich ungefähr die. Gründe denken, die zu dieser Ablehnung der Ehrentafel für einen Juden geführt haben. _ Erfindung der Camera obscura und des Meßinstrumentes „Jaeobsftab". Als der erste Verfertiger der Kamera wird Erasmus Reinhold in Wittenberg 1540 bezeichnet. Der Jacobsstab hingegen, bekanntlich ein astronomisch-nautischer Stab zum Winkelmessen, wird Johannes Müller, dem unter dem Namen Regiomontan bekannten Mathematiker und Astronom (1736—1476) zugeschrieben. Beide Angaben entsprechen nach den neuesten Ergebnissen vertrauenswürdiger Forschung nicht der Wahrheit. Nach ihr ist der Erfinder sowohl des „Jacobsstabes" wie der Kamera, dieses wichtigsten Werkzeuges des Photographen, Levi ben Gerson, der unter dem Namen „Ralbag" bekannte Philosoph, Mathematiker, Exeget und Arzt des 14. Jahrhunderts. Im Alter von noch nicht 30 Jahren begann Levi mit der Abfassung seines großartig angelegten Werkes: „Milchamoth Ha-Schem". Dieses Werk enthält ein scharf durchdachtes und sorgfältig aufgestelltes System der Religionsphilosophie. Das fünfte Buch über Astronomie, das zugleich die Beschreibung der

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