Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 30 (24.7.1908)
- Date
- 1908-07-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021764-3021795--17532-3042411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 30 m. Llocd's Mocdenscvnn. Seite 541 erfolgte Demolierung zweier Einfriedungsmauern des neuen jüdischen Friedhofes lediglich auf Konkurrenzneid gegen den betreffenden (christlichen) Baumeister zurückführen, die traurige Tatsache bleibt aufrecht, daß der Vandalismus eben an jüdischem Friedhofe sein klägliches Mütchen kühlte. Zu Dank verpflichtet muß man dem Oberstuhlrichter von C z i f r a k sein, daß er sofort die nötigen Ermittelungen zur Habhaftwerdung der Täter einleitete. Der erwähnte Oberbeamte fungiert überdies auch als Kurkommiffär und wenn demselben hie und da in einzelnen öffentlichen Organen leise Vorwürfe wegen des — um einen gelinden Ausdruck zu gebrauchen — etwas sonderbaren und eines Kurortes unwürdigen Zustandes des hiesigen Kurparkes gemacht worden sind, so waren diese Rekriminationen deplaziert, weil dieser 8oi ämaut-Park Eigentum des Fürsten Esterhazy ist. Für Zerstreuungen und musikalische Genüsse ist reichlich gesorgt und da vermag Herr Cafetier Bank ein großes Verdienst für sich in Anspruch zu nehmen, da er mit nicht unbeträchtlichen Opfern die übrigens so treffliche Kurkapelle (Leiter Herr Hans Philipp) zwei Mal des Tages in seinem mit Recht stark frequentierten und beliebten Etablissement konzertieren läßt. A .. . t. Savanynküt. In unserem kleinen Kurorte hat sich auf Anregung eines Kurgastes, Herrn Heinrich Hufferl, Pens. Bahnbeamter aus Wien, ein rühriges Vergnügungskomitee gebildet, daß sich zur Aufgabe macht, allwöchentlich je eine Akademie, Theatervorstellung oder sonstige Festveranstaltungen zu arrangieren. Der erste Abend fand bereits am Donnerstag den 16. d. M. in den Prachtlokalitäten des Herrn Bank statt, welcher in Ansehung des wohltätigen Zweckes die Kosten der Veranstaltung aus eigenem trug, und wollen wir es gleich anfangs konstatieren, daß der Erfolg des Komitees, an dessen Spitze Herr Hufferl steht, vom besten Erfolg gekrönt war, umsomehr, da die Kunstkräfte, wohl aus dem Kurpublikum entnommen, Hervorragendes leisteten. Jede einzelne Vortragsnummer wurde mit frenetischem Beifalle ausgenommen. Besonders die der mitwirkenden Damen: Frl. Emmy Bellin (Soubrette), Frl. Theffa Horty (Kabaret), Frl. Emmy Wöllner (heitere Rezitationen), Frl. Tilde Silberstein (Dramat. Vorträge), Frl. A. Bernfeld (Salonvorträge), wie auch der Vortrag des Herrn Theodor Nenfeld. Die Herren Leitkam, Koas und Frankel sowie die Kurmusik unter der bewährten Leitung ihres Kapellmeisters Herrn Phillip, trugen viel zum Gelingen des Abends bei. Leider war der Menschenstrom ein so kolossaler, daß es unmöglich war, demselben entgegenzutreten und es wäre wünschenswert, sowohl aus hygienischen Rücksichten, wie auch im Jntereffe der Zuhörer, daß künftighin keine Kinder unter zehn Jahren und Mägde zugelassen werden, ausgenommen, wenn die Festvorstellungen im Freien stattfinden. Die artistische Leitung besorgte Herr 8tuä. med. Paul Straffer aufs beste. Der nächste Abend findet Freitag den 24. d. M. statt und ist es dem Komitee gelungen, die Mitwirkung des Herrn Theaterdirektors Charlv aus Düsseldorf zu gewinnen. Heinrich Ullmann jim. aus Oedenburg. Karlstadt. (Kroatien.) Samstag den 4. Juli fand im hierortigen Kultustemvel die Barmizwah-Feier des Sohnes unseres zweiten Kantors, Herrn Isidor Groß, der schon durch zwei Jahrzehnte in unserer Gemeinde wirkt, unter großer Beteiligung statt. Der Knabe, einer der besten Schüler am hiesigen Realgymnasium, wurde vom Herrn Oberkantor David Meisel in feierlicher Weise zur Thora aufgerufen, worauf der prächtige Junge den Maftir-Abschnitt selbst aus der Thora las. Mit zahlreichen Gratulationen und Geschenken wurden Eiternpaar und Barmizwah bedacht. Etsdorf. Samstag den 18. Juli feierte der Realschüler Josef Schafranek, Sohn des Herrn Simon Schafranek, sein Barmizwah- Fest. Im Tempel versammelte sich eine ansehnliche Menge von Freunden und Verwandten, wo der Konfirmand die Hafthora korrekt und mit vielem Verständnis meisterhaft vortrug. Elementar- und Religionsschule der deutschisraelitischen Knltusgemeinde zu Sofia. Dem Bericht, welchen der Direktor, Herr Dr. Rosenwaffer, für das Jahr 1907/08 veröffentlichte, entnehmen wir folgende interessante Daten: Das Schuljahr begann am 1./14. September 1907 und schließt am 22. Juni (5. Juli) 1908. Die beiden Institute, Elementar- und Religionsschule, wurden in diesem Jahre insgesamt von 103 Kindern besucht (gegen 45 im vergangenen Jahre), und zwar von 66 Knaben und 37 Mädchen. Die Religionsschüler, bezw. -Schülerinnen verteilen sich auf die hiesigen profanen Lehranstalten wie folgt: Bulgarische Schule 27 (7 Mädchen), deutsch-evangelische 7 (3 Mädchen), katholische 13 (7 Mädchen), rumänische 9 (6 Mädchen), Gymnasium 6 (2 Mädchen) und spaniolische Schule 4 (1 Mädchen). (2 Mädchen besuchten keine Profanschule mehr). In der Vorschule waren 14 Kinder (3 Mädchen). Es besteht die Absicht, bei Beginn des neuen Schuljahres den schon vorhandenen zwei Elementarklassen eine dritte Klaffe anzureihen. Außerdem ist in Uebereinstimmung mit der Schulkommiffion eine Vorschule errichtet worden, die als ein integrierender Teil der Schule anzusehen ist und für die Kinder in Betracht kommt, die das Schulalter (7 Jahre) noch nicht haben, körperlich und geistig so entwickelt find, daß sie unterrichtsfähig find und dem Vortrag des Lehrers folgen können Wir konstatieren mit Befriedigung, daß sowohl der Gemeindevorstand als auch die Schulleitung den lobenswerten Eifer aufbieten, daß diese Bildungsanstalt, welche für das spätere Fortkommen der Kinder allein maßgebend sein kann, ihrer Aufgabe völlig entspricht, und ist dies umsomehr anzuerkennen, als die materiellen Mittel nicht das Niveau des Notdürftigsten überschreiten. Mögen die wackeren Männer, welche nun an der Spitze der Gemeindeverwaltung stehen, in ihrem Kulturwerke ausharren und von den dazu Berufenen kräftig unterstützt werden. Feuilleton. Der Pogrom. Von Ossip Tymow.*) ... Es dauerte bereits zwei Tage. Ta man aber nicht mehr zu Mittag aß, sich aus der Straße nicht mehr grüßte, die Uhren nicht auszog und sich zur Nacht nicht mehr auskleidete — man schlief ja auch in Schuppen, Speichern und leeren Eisenbahnwagen — so war jeder Begriff von Zeit völlig verschwunden. Das Klirren der eingeschlagenen Fensterscheiben yallte noch immer in den Ohren nach. Diese grauenhaften Laute üben eine rätselhafte Macht auf die Menschenseele aus, und sie wird von ihnen ebenso berauscht, wie beim Anblick von Blut. Dieses Klirren schwört die Hölle herauf, es lockt die schwarzen Hnnde, die hinter den Straßenecken lauern, herbei. Und dann wird das Raffengehirn von epileptischen Krämpfen überfallen . . . Das Klirren der F.nsierscheiben ließ sich zuerst in der Nacht vernehmen; diese grünschillernden Laute ließen alle Augen sich weit öffnen und alle Hände erkalten. Das Gefühl einer unerhörten Beleidigung überströmte, einer mächtigen Springflut gleich, die Stadt und ließ den Himmel vor Scham erröten. Es ist immer so: sobald das Klirren der eingeschlagenen Fenster ertönt und die Kultur geohrseigt wird, erscheint auf dem nächtlichen Himmel ein zitternder Feuerschein, der den Himmel umfängt und von den Wolken eingesogen wird. Dann hörte man das Schreien vieler unsichtbarer und daher feindlicher Stimmen, und ein einziges Wort schwebte über dem wüsten Lärm, wie die Funken über dem Rauche schweben: Los! Looos! — Irgendwo in den Seitengassen begann es zu brennen, und der Feuerschein in den Wolken wurde immer unbändiger, lustiger, wahnsinniger. Durch die rosafarbene Straße lief auf den rosafarbenen Pflastersteinen ein rosafarbener Mann; ein anderer rosafarbener Mann lief ihm entgegen und streckte seine Hand aus. Ein kurzer, dumpfer Knall — und der erste Mann fiel hin. „Man schießt!" — Dieser Schrei schien auch so rosafarben. Das spöttische Echo wiederholte dröhnend: — . . . schießt . . . — Da erschienen plötzlich unsichtbare und gnadenlose Teufel; sie meldeten sich auf das Klirren der eingeschlagenen Fensterscheiben und erhoben ein blutiges Gebell. Der zitternde Feuerschein blinzelte mit seinen entzündeten Augen und schien geduldig und zuversichtlich auf etwas zu warten. Menschen mußten unsagbare Qualen erdulden. Man stürmte Wohnungen, Kinder- *) Aus dem Blaubuch.