Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 30 (24.7.1908)
- Date
- 1908-07-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 538 Dr. Llocb's MocbenscbrtN. Nr. 39 daß ein „internationales Zentralbureau für die jüdischen Auswanderer aus dem östlichen Europa" gebildet werde". Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat darauf gemeinschaftlich mit der Großloge für Deutschland in Gemäßheit der Frankfurter Beschlüsse die Arbeit in Deutschland weiter ausgedehnt, der er sich auch bereits vor der Konferenz mit großen Opfern an Geldmitteln unterzogen hatte. Es war eine zwiefache Aufgabe zu erfüllen; als Landesorganisation für Deutschland hatten wir zu fungieren, und es mußte von uns zugleich ein internationales Zentralbureau für die jüdischen Auswanderungsangelegenheiten in Berlin, angegliedert an den Hilfsverein, ins Leben gerufen werden. Das war im Jahre 1904/5. Im Jahre 1906 schloffen sich darauf die „Jca" und die Alliance in Paris den Arbeiten unseres Zentralbureaus für jüdische Auswanderungsangelegenheiten in dankenswerter Weise an und gewährte« uns für einen bestimmten Teil der Auswanderung ihre Beihilfe, und zwar die „Jca" mit 75 Perzent und die Alliance mit 10 Perzent. Es muß hervorgehoben werden, daß diese Subventionen für die von uns ins Leben gerufene Organisation als solche nicht verwendet werden durften und nicht verwendet wurden, daß alle Lasten für unsere Komitees an der Grenze, in den Hafenstädten und im Innern Deutschlands für die von uns gegründeten Herbergen, Verpflegungsstationen und Krankenanstalten, sowie auch die Ausgaben für einen beträchtlichen näher abgegrenzten Teil der Auswanderung selbst nach wie vor vom Hilfsverein getragen worden sind. Um ein Bild zu geben von den Summen, die trotz der dankbar anzuerkennenden Subventionen der Hilfsverein aus eigener Kraft für die Auswanderung aufgebracht hat und noch aufbriugen muß, sei auf die nachstehenden Zahlen verwiesen, die übrigens auch in unseren Jahresberichten klar und deutlich angegeben sind. Für die Auswanderung verausgabte das Zentralbureau für jüdische Auswanderungs- »Jca" Alliance angelegenheiten J ' i. 1.1904/5 rund 310.000 Mk. 310.000 Mk. kein Zuschuß kein Zuschuß „ „ 1906 „ 453.256 „ 253.402 „ 176.342 Mk. 23.512Mk. „ „ 1907 „ 400.000 „ 221.932 „ 157 119 „ 20.949 „ «„ 1908 bisher 100.0( 0 « 83.366 „ 14.288 « 2.326 „ Seit Ende 1904, also seitdem die große Auswanderungsbewegung einsetzte, bis heute find durch uns für die Auswanderung 1,263.256 Mk. ausgegeben worden. Davon entfielen auf die „Jca" 347.749 Mk., auf die Alliance 46.787 Mk. und auf den Hilfsverein 868.720 Mk. Laut Schreiben der Deutschen Konferenzgemejnschaft vom 25. Juni 1908 erreichte alsdann die Mitarbeit der Alliance an diesen Aufgaben am 1. April d. I. überhaupt ihre Endschaft. Die Zahlen werden genügen, um die Oeffentlichkeit über unsere Tätigkeit auf dem Gebiete des Auswanderungswesens zu unterrichten und sie in den Stand zu setzen, alle falschen Ausstreuungen auf diesem Gebiete wie auch auf anderen Gebieten als das zu nehmen, was sie find. Ich bedauere, die Oeffentlichkeit mit diesen Darlegungen belästigen zu müffen; aber sie sind eine Notwendigkeit, nachdem von den verschiedensten Seiten Anfragen wegen Klarstellung an mich gelangt find. In größter Hochachtung Dr. Nathan, Geschäftsführer des Hilfsvereins der Deutschen Juden im Ehrenamte. Holländische Frauen für die rumänischen Juden' In Amersfoot (Holland) haben mehrere holländische Damen ^ine Aktion eingeleitet, um an die Königin von Rumänien eine Adreffe gelangen zu lassen, in welcher dieser ans Herz gelegt wird, sich für eine gerechtere Behandlung der Juden in Rumänien einzusetzen. Die Adreffe ist von vielen tausenden der besten Gesellschaft Hollands angehörenden Damen unterfertigt worden and bereits an die Königin von Rumänien abgegangen. Neue jüdische Senatoren in Italien. Der König von Italien hat den Syndaco von Padua, Giacomo Civita, und den Professor der pathologischen Anatomie an der Turiner Universität, Dr. Pio Foa, zu Senatoren ernannt. Die italienische Presse würdigt vollauf die Verdienste der Ausgezeichneten um das Gemeinwohl Italiens und feiert insbesondere Prof. Foa als den Apostaten im Kampfe gegen die Tuberkulose. Paris. Kürzlich wurde hier das Denkmal des berühmten französischen Dichters Eugene Manuel in feierlicher Weise enthüllt. Der Präsident der Republik ließ sich bei dieser Feierlichkeit durch einen seiner Ordonnanzoffiziere vertreten. Unter den vielen Notabilitäten, die an der Seite von Frau Manuel, der Witwe des Dichters, Platz nahmen, bemerkte man Herrn Chaumie, den früheren Minister der Volksaufklärung. Bekanntlich war der Verewigte Inspecteur general du ministere de l'instruction publique. Eugene Manuels Denkmal befindet sich vor dem Lyzeum Janson de Sailly, neben der Avenue Henri Martin, nicht weit dem Hause, wo der Dichter seine letzten Tage verbrachte, in dem Viertel, welches er so unendlich liebte. Herr Liard gab das Terrain für das Monument her, und der bekannte Bildhauer Gustave Michel hat in einer rührenden Gruppe den Dichter und seine Helden, den Arbeiter und das junge Mädchen wieder aufleben lassen. Mehrere Reden wurden bei der Enthüllung gehalten. Der Dichter war ungemein populär sowohl in Paris als im ganzen Lande. Die Stadt Paris ehrte schon längst das Andenken des berühmten Mannes durch Benennung einer Straße in Passy nach seinem glänzenden Namen. So ehrt Frankreich, das schöne, freie Land, seine großen Söhne und Geisteshelden! Paris. Die vorige Woche stattgehabte Generalversammlung des französischen Rabbinerverbandes war von 33 Mitgliedern besucht; den Vorsitz führte der neue Großrabbiner des Konsistoriums, Alfred L e v y. Für die weite Oeffentlichkeit hatte die Tagung diesmal besonderes Interesse, weil man einen entscheidenden Beschluß in der bekannten Angelegenheit der Ehereform erwartete, die in der ganzen Diaspora so große Erregung verursacht hat. Unerwarteter Weise ist die Angelegenheit durch das Eingreifen eines Laien in erfreulichem Sinne beeinflußt worden. Während der Verhandlungen erschien nämlich Baron Edmund von Rothschild, um als Präsident des Konsistoriums der Versammlung die Grüße dieser Körperschaft zu überbringen und sich zugleich über die geplanten Ehereformen zu äußern. Baron Edmund setzte den Herren Rabbinen auseinander, daß er auf seinen Reisen während des letzten Jahres wahrgenommen habe, wie peinlich die reformatorischen Absichten der französischen Rabbinen im Kreise der gesamten Judenheit berührt hätten; namentlich habe ihm der Chief-Rabbi in London nach dieser Richtung überzeugende Mitteilungen gemacht. Der Baron bat die Rabbinen, doch ihre Kraft der Erhaltung des traditionellen Judentums zu widmen, nicht aber auf dem Wege von Reformen und Aenderungen immer weiter zu schreiten. Obgleich der Grand-Rabbin in seiner Erwiderung sich den Anschauungen des Barons keineswegs anschloß, wurde doch der erfreuliche Beschluß gefaßt, unter prinzipieller Aufrechterhaltung der Reformdekrete ihre Ausführung bis nach nochmaliger Prüfung, die im nächsten Jahre stattfinden soll, zu verschieben. London. In der letzten Sitzung der „Anglo Jewish Association" berichtete der Präsident Claude Montefiore über zwei auch in der jüdischen Presse bereits behandelte Anregungen auf Zusammenschluß der großen jüdischen Wohltätigkeitsorganisationen. Eines der beiden Projekte, das in einer Konferenz zu Berlin sowohl wie auch in Amerika behandelt worden war, gipfelte in dem Vorschlag, eine ständige dauernde Verbindung unter den verschiedenen Gesellschaften herzustellen. „JCA" und „Alliance Jsraölite" haben dem Vorschläge widersprochen und seine Ausführung damit unmöglich gemacht. Auf Anregung Jakob Schiffs ist man der Idee in anderer Form näher getreten. Es soll in jedem Lande eine der großen Organisationen als Zentralstelle bezeichnet werden, deren Aufgabe