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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-24 · 30 (24.7.1908) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
30 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr.. 30 m JBiocb’s Mocdenscbnru Seile 537 nahmen sie von dem Toten, der bekanntlich nach letztwilliger Anordnung nach Gotha zur Feuerbestattung überführt wurde, Abschied. Brandeis a. d. Elbe. Erzherzog Karl Franz Josef, welcher nach Abschluß seiner Rechtsstudien in Prag für längere Zeit seinen Wohnsitz im Schlosse Brandeis a. E. genommen hat, empfing am 14. d. M. den Vorsteher der Brandeiser israelitischen Kultusgemeinde Herrn JUDr. Richard Ullmann in Audienz. Der Erzherzog erkundigte sich angelegentlich über die Verhältnisse der Kultusgemeinde und entließ nach längerem Gespräche den Vorsteher mit den Worten: „Leben Sie wohl, Herr Doktor, und grüßen Sie alle Angehörigen der Kultusgemeinde von mir." Brünn. Sehr geehrter Herr Redakteur! Mit Beziehung auf die auch in Ihr sehr gesch. Blatt übergegangene Notiz, „Major Dreyfus auf dem Brünner Spielberge" gestatte ich mir zu bemerken, daß diese Nachricht nicht auf Richtigkeit beruht. Von einem Brünner Redakteur auf den angeblichen Besuch des Majors Dreyfus auf dem Brünner Spielberge aufmerksam gemacht, begab ich mich Montag den 13. d. M. dahin, ließ mir von der Beschließerin das Fremdenbuch vorzeigen und fand hier die Unterschrift vom 10. Juli: „E. Dreyfus du moulin, Paris.“ Der Major scheint es demnach nicht gewesen zu sein, der die „Prigioni des Silvio Pellico“, die Gefängnisse des berühmten italienischen Dichters, besuchte. Die Beschließerin erzählte mir, Dreyfus hätte alles ganz genau besichtigt und sich einen Resedastrauß aus dem Garten auf dem in sommerlicher Pracht prangenden Spielberge mitgenommen. Mit Hochachtung Doktor Max Grünfeld. Ableben eines jüdischen Ministerialrates. Aus Budapest wird uus geschrieben: Mit aufrichtiger Teilnahme verzeichnen wir die Nachricht von dem Ableben des Ministerialrates im Justizministerium Michael Szanto, der in Pernitz im Wienerwald, wo er Erholung suchte, gestorben ist. In dem Dahingeschicdenen verliert das Justizministerium einen hervorragenden Beamten, die Juristenwelt einen allseits anerkannten Rechtsgelehrten, die ungarische Gesellschaft einen sympathischen Mann, der durch seine große Bildung und sein bescheidenes leutseliges Wesen sich sehr viele Freunde erwarb. Michael Szantö ist in Paks im Jahre 1847 geboren. Nach Beendigung seiner Studien betrat er im Jahre 1873 als Rechtspraktikant der Budapester königlichen Tafel die juristische Lausbahn; im Jahre 1876 wurde er zum Gerichtsnotar bei dem Budapester königlichen Gerichtshöfe, ein Jahr später zum Vize-Staatsanwalt bei der Budapester königlichen Staatsanwaltschaft ernannt. Im Jahre 1882 wurde er mit dem Range eines Ministerialfekretärs in das Justizministerium berufen, wo er im Jahre 1890 zum Sektionsrat vorrückte. Im Jahre 1895 wurde er mit Titel und Rang eines Ministerialrates ausgezeichnet, im Jahre 1900 zum wirklichen Ministerialrat ernannt. Der Verblichene genoß den Ruf eines tüchtigen Juristen; er leistete hervorragende Dienste bei der Vorbereitung wichtiger Gesetze, so beispielsweise der kirchenpolitischen Gesetze, des Gesetzes über die Gerichtsbarkeit der königlichen Kurie in Wahlangelegenheiten u. a. Bei dem Abschlüsse. internationaler Verträge wurden die Dienste Michael Szüntös vielfach in Anspruch genommen. Der König würdigte seine Verdienste durch Verleihung des ungarischen Adels mit dem Prädikate „von NsmetkeSr". Szüntö war außerdem Besitzer des preußischen Kronenordens II. Klasse, mit dem Stern und des russischen Annenordens III. Klasse. Justizminister Dr. Anton Günther und das Justizministerium, an dessen Palais die Trauerfahne gehißt wurde, haben Beileidstelegramme an die Witwe gerichtet und werden Kränze auf die Bahre niederlegen. Der Verstorbene hat niemals sein Judentum geleugnet oder mißachtet. Jährlich zweimal, am Sterbetage seiner Eltern, kam er pünktlich in die Budapester orthodoxe Synagoge, um Kadisch zu sagen und namhaftere Spenden für jüdische Zwecke zu machen. Aus diesem Anlasse sei erwähnt, daß nach Szüntös Tode es nur noch einen Juden gibt, der die hohe Stelle eines Ministerialrates ohne Taufe erlangt hat. Es ist dies der Ministerialrat im Handelsministerium und Chef des Patentamtes Dr. Ludwig Ballai, der sich für allgemeine jüdische Angelegenheiten interessiert und in dieser Richtung auch publizistisch tätig ist. Ferner hat das Ministerpräfidium einen jüdischen Sektionsrat, Herrn Edmund Klein, der lange Jahre Jeschiöah- Bochur war und auch heute noch einwandfrei hebräisch schreibt. Von ihm und seiner Frau wird auch erzählt, daß bei ihnen streng religiöses Haus geführt wird. Auszeichnung jüdischer Bildhauer. Wie aus Budapest berichtet wird, hat der Kaiser den Schöpfern des Vörösmarthy-Denkmals, den Bildhauern Eduard Tel es und Geza Markus, in Anerkennung ihrer auf dem Gebiete der vaterländischen Kunst entwickelten Tätigkeit das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens verliehen. Ungarisch-Jüdischer Knlturverein. Der Rabbiner der Pester Gemeinde Dr. Simon Hevefi (Händler) richtet im „Egyenlöseg" an die Judenschaft Ungarns einen Aufruf zur Gründung eines „Ungarisch-Jüdischen Kulturvereines". Der zu gründende Verein, für welchen, unseren Informationen nach, die einflußreichsten Juden Ungarns bereits gewonnen sind, hat im großen und ganzen ähnliche Ziele wie die „Israelitische Allianz zu Wien" und unterscheidet sich insoferne von dieser Organisation, als er auch innerpolitische Ziele im Auge hat. So soll der Verein den bereits erworbenen und durch die Landesgesetze gewährleisteten Reckten der Juden Ungarns Geltung verschaffen, dieselben verteidigen, innere Mängel beheben und die durch die Zeitverhältnisse verursachten Schäden sanieren. Die nächste Aufgabe oes Vereines soll die Richtung der durch das Gesetz über den unentgeltlichen Volksschulunterricht in ihrer Existenz bedrohten jüdischen Volksschulen, die Versetzung der Kinder der in Dörfern vereinzelt lebenden Juden mit Religionsunterricht und die Rettung der in staatlichen Findelanstalten untergebrachten jüdischen Kinder *ürs Judentum sein. Da, wie uns bekannt, dieser Plan schon lange vorbereitet wurde und. wie erwähnt, die Zustimmung einflußreicher Kreise gefunden hat, dürfte diese neue Vereinigung, vorausgesetzt, daß sie sich nicht in die Streitfragen zwischen Orthodoxen und Neologen mischen wird — einer bedeutungsvollen Zukunft entgegengehen. Dem Bereirrspräsiderrten in den Tod gefolgt. Der Grundbesitzer I. M. P l e s ch. Präsident der Bekes- Szabaer Chewra Kadischa hat sich vor einigen Tagen wegen eines unheilbaren Leidens erschossen. Der Ausschuß des Vereines hielt gestern eine Sitzung ab, um über die Vorbereitungen zum Leichenbegängnisse seines allgemein beliebten Vorsitzenden zu beraten. Den Vorsitz in dieser Sitzung führte der Vizepräsident des Vereines, der Kaufmann Josef Lamberger. Kaum hatte er aber seine Vorschläge den Anwesenden mitgeteilt, als er plötzlich vom Stuhle fiel. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Die Leichen Plesch' und Lamberger's wurden unter großer Teilnahme gleichzeitig bestattet. Hilfsvereiu Deutscher Juden in Berlin. Hochgeehrte Redaktion. Den falschen Ausstreuungen gegenüber, die seit längerer Zeit im In- und Auslande über die Tätigkeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden und neuerdings besonders geflissentlich verbreitet werden, sehe ich mich veranlaßt, das Nachstehende in bezug auf unsere Hilfsaktion für die Auswanderer vor der Oeffentlichkeit klarzustellen. Auf Veranlassung des Hilfsvereins der Deutschen Jud n fand, wie bekannt, eine Konferenz am 4. und 5. Dezember 1904 in Frankfurt a. M. statt. Auf dieser Konferenz wurde beschlossen: „daß die einzelnen Länder Vorsorge treffen, damit die osteuropäische Auswanderung von Land zu Land überwacht werde:

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