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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-24 · 30 (24.7.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
30 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Llocb's Mocbenscdrtn. Sette 535 wenig Arbeit gibt, sich zahlreich zum Eintritte in die amerikanische Armee melden werden. Aus diesem Anlasse ist es wohl am Platze, zu betrachten, welche Rolle der Jude bisher in der amerikanischen Armee gespielt yat. Obgleich es zur Zeit der Revolution der amerikanischen Kolonien gegen England noch wenig Juden in Amerika gab, haben sie sich in verhältnismäßig großer Zahl der kolonialen Armee angeschlossen und für die Befreiung der Kolonien gekämpft. Ein Adjutant Washingtons war Jude und außerdem gab es sechs jüdische Kommandanten und Offiziere in der kolonialen Armee. Außerdem gab es natürlich zahlreiche jüdische Soldaten, die als einfache Kommandanten in der Armee standen. Fast ausnahmslos haben sich die jüdischen Soldaten ausgezeichnet. Einige Jahre später, als die Vereinigten Staaten schon einen formellen Krieg gegen England führten, zählte man in der amerikanischen Armee dreihundert jüdische Soldaten, die heldenmütig kämpften für die Freiheit Amerikas. Im Kriege gegen Mexiko hatte Amerika genau 1200 Juden in seiner Armee. Während des Bürgerkrieges haben sich in beiden Lagern ungefähr 18.000 Juden am Kriege beteiligt. Im spanisch-amerikanischen Kriege verfügte die Armee der Vereinigten Staaten über 4000 jüdische Soldaten. Diese Zahl wurde auf die Weise sestgestellt, daß so viele Soldaten das Verlangen gestellt hatten, am jüdischen Versöhnungstage einem Gottesdienste anwohnen zu dürfen. Dies alles ist vielleicht nicht so wichtig, als das Faktum, das über das Verhalten der jüdischen Soldaten im Kriege in Cuba und den Philippinen offiziell bekannt ist. Vor allem muß der Lobesworte gedacht werden, die der jetzige Präsident und damalige General Roosevelt den jüdischen Soldaten gezollt hat. Roosevelt kommandierte das berühmte Regiment der „Rough Riders", das das erste war, das ins Feuer kam und die 'berühmte „Bluttaufe" bei Santjägo erhielt. Roosevelt hatte unter seinem Kommando siebzehn jüdische Soldaten und erzählte wiederholt, daß jeder einzelne von ihnen im Kriege den größten Mut und die stärkste Ausdauer bekundete und sie alle Mitkämpfer durch ihren Heldenmut überraschten. Von Roosevelt stammt das geflügelte Wort: „Der Jude kennt im Kriege keine Angst!" Das Wichtigste jedoch ist, daß die Amerikaner aus eigener Anschauung erkannt haben, daß die Juden das beste, gesündeste und nützlichste Material im Kriege abgeben. Der Jude verträgt sowohl die größte Kälte, als auch die größte Hitze. Er leidet auch weniger von Krankheiten, als Mitglieder einer anderen Rasse. Er wird bei schnellen Dauermärschen weniger müde als seine Kameraden. Das wird hauptsächlich seiner ihm angeborenen Nüchternheit, Enthaltsamkeit und Mäßigkeit im Essen zugeschrieben. In der Front bleibt er selbst in größter Gefahr merkwürdig ruhig und ist der Erste, der den Feind attakieren möchte. James I. Harold schreibt hierüber , in der New-Iorker „Tribüne" : „Der Jude hat in Amerika bewiesen, daß er ein ganz ausgezeichnetes Soldatenmaterial bildet. In Rußland ist man mit den Juden in der Armee nicht zufrieden. Geht man der Frage auf den Grund, ‘ wird man leicht die Erklärung hiefür finden. Erstens werden in Rußland die Soldaten zwangsweise assentiert und eingereiht, während es in Amerika nur freiwillige Soldaten gibt, zweitens werden in Rußland solche zu Soldaten genommen, die sich nicht dazu eignen, drittens wird der Jude in Rußland selbst als Soldat stark verfolgt und weiters hat er keine Hoffnung, jemals avanzieren zu können. All das zusammen vermag auch den bravsten Menschen zu einem Taugenichts zu machen. Es ist ebenso Tatsache, daß überall, wo der Jude Freiheit und Gleichheit genießt, er auch, als Soldat durchaus zufriedenstellend dient. Korrespondenzen. Prof. Dr. August Wünsche iu Dresden. Mittwoch den 22. d. M. beging Herr Prof. Dr. August Wünsche seinen 70. Geburtstag. Prof. Dr. August Wünsche ist ein Großmeister der jüdischen Wiffenschaft, die er nicht bloß vollkommen beherrscht, sondern auch durch hervorragende Werke außerordentlich bereichert hat. Sein intimes Verständnis der jüdischen Literatur wandelte ihn zu einem Apostel derselben und er wußte ihre Schönheit der Welt zu verdolmetschen und mit künstlerischer Genialität zur Darstellung zu bringen. Im Prozeffe Rohling-Bloch war Prof. Dr. August Wünsche einer der über Vorschlag der „Deutschen Morgenländischen Gesellschaft" vom k. k. Wiener Landesgericht bestellten Sachverständigen und das Gutachten, welches er gemeinsam mit Prof. N ö l d e k e erstattet hat, würde allein genügen, seinem Namen in der Geschichte der jüdischen Wiffenschaft eine dauernde Erinnerung zu sichern. Aus Anlaß seines 70. Geburtstages entbieten die herzlichsten Wünsche dem greisen Gelehrten und aufrechten Mann von seltener Charakterstärke in dankbarer Gesinnung. Der Herausgeber und die Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift". Bericht über die Tätigkeit des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien I. Industrien. Spitzenhäkelei. Die Befürchtungen, es werden sich die Bestellungen von Häkelspitzen im Jahre 1908 in hohem Maße verringern, sind bisher erfreulicherweise nicht eingetroffen. Es wurden bis Ende Mai an Nettolöhnen ansbezahlt K 16.053.02, außerdem liegt noch unbezahlte Ware im Bruttolöhne von K 8.897.84 beim Zentralspitzenkurse, darunter Filet Guipurearbeiten im Bruttolöhne von K 264.40. Da im ganzen Jahre 1907 rund K 1200.000.— an Nettolohn für gehäkelte Spitzen nach Galizien gingen, so ist anzunehmen, daß, wenn die Bestellungen in demselben Umfange wie bisher einlaufen, noch immer vielleicht die Hälfte des vorjährigen Lohnes erreicht werden dürfte.., Spitzenklöppelei. Während wir Ende 1907 3 Klöppellehrerinnen in Galizien beschäftigten, sind derzeit deren 14 dort tätig, um dieser Industrie raschestens eine größere Ausbreitung zu geben. Wir haben auch eine staatliche Lehrerin mit der Inspektion unserer Klöppelschulen betraut, die Ende Mai in Galizien ihre Tätigkeit ausgenommen hat. Während wir zunächst die Spitzenklöppelei in den Häkelorten einzuführen beabsichtigten, um den derzeit weniger beschäftigten Häklerinnen einen Ersatz zu schaffen, gehen wir jetzt, durch die an manchen dieser Orte gemachten Erfahrungen veranlaßt, daran, sie nach solchen Orten zu verpflanzen, wo bisher eine Industrie von uns nicht eingeführt war. Sobald die Schwierigkeiten, die jede Einführung einer Industrie verursacht, überwunden sein werden, hoffen wir, auch in der Klöppelei einen schönen Erfolg zu erzielen, der allerdings, wie es in der Natur dieser Handarbeit liegt, erst nach längerer Zeit kräftiger in die Erscheinung treten wird. Zur Bestreitung der Kosten, welche die Entsendung der erwähnten Lehrerinnen uns verursacht, hat uns auf unser Ansuchen die Israelitische Allianz zu Wien pro 1908 eine Subvention im Betrage von K 5000.— zugesagt» wofür wir auch an dieser Stelle unseren innigsten Dank aussprechen. Kleider ko nfekt io n. Bis zum 22. Mai 1908 wurden in der Werkstätte in Tarnow K 16.396.98 an Lohn ausbezahlt, also ungefähr soviel als im vorigen Jahre, was mit Rücksicht auf die Depression, die mehrere Monate hindurch in dieser Industrie herrschte, gewiß nicht zu unterschätzen ist. Bis 10. Juni wurde nicht mit der vertragsmäßigen Arbeiterzahl gearbeitet und infolgedessen haben wir auch eine Subvention zu den Löhnen dem Unternehmer nicht bezahlt. Erst seit diesem Tage werden — wie uns der Unternehmer anzeigt — 80 Arbeiter beschäftigt. Haarnetzerei. Die bessere Konjunktur in Haarnetzen, von der wir in unserem Tätigkeitsberichte pro 1907 sprachen, hat uns veranlaßt, mit jenem Unternehmer, der die Haarnetzerzeugung seinerzeit in Galizien für uns eingeführt hat. neuerdings in Verhandlung zu treten, um ihn zu bewegen, in größerem Ausmaße, als er dies in letzterer Zeit getan hat, dortselbst Haarnetze erzeugen zu lassen. Diese Verhandlungen hatten den Abschluß ein.s Vertrages zum Ergebnisse, in dem sich der Hilfsverein verpflichtete, diesem Unternehmer durch 5 Jahre eine bestimmte Jahresiubvention zu zahlen, falls er nach einer gewissen Vorbereitungszeit im ersten Subventionsjahre an Arbeitslohn einen Betrag von K 100.00 und in den folgenden 4 Jahren zusammen einen Betrag von K 650.000 ausbezahlt. Dieser Vertrag trat am 1. Mai in Wirksamkeit. Weißstickerei. Die Schule für Weißstickerei in Jaworow, an deren Spitze am 26. Jännner l. I. eine neue Lehrerin trat, gedeiht

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