Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-24 · 30 (24.7.1908) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
30 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021764-3021795--17525-3042404
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 534 Dr. Llocb's MocdenscdrlN. Nr. 30 darf auch erwartet werden, daß der Jude, der seiner unbezwingbaren inneren Begierde nach Geburtslofigkeit folgend, einmal durch Taufe oder durch magistratische Konfefsionslofigkeit den in feiner historischen Verklärung so rührend gewordenen Namen Jude weggeworfen hat. sich noch irgendwie empfänglich erweisen werde für eine noch so vernünftige und richtige Vorstellung. Nein, den Toten der Nachruf, und dieser hat nur die Bestimmung, auf die Ueberlebenden zu wirken, diese um die Fahne zu scharen, welche von den Abgestorbenen im Stiche gelaffen wurde, damit diese den Riß heilen, die Lücken ausfüllen, welche durch das Absterben beigebracht werden. Wenn aber Zeiten erstehen, in welchen auch nur schon halbwegs emporgekommene Juden diesen Namen unerträglich finden und wir am Ende ihrer Laust bahn zu lesen bekommen: „seine Leiche wird in der Kapelle oder Kirche eingesegnet werden", dann ist zu erwarten, daß' andere Juden deren Erbschaft an Glanz antreten werden, dann ist es auch an der Zeit, diese Erben anzurufen, daß sie fester und strammer an dem Namen Jude halten. Und wer fich berechtigt hält, Fichte mit seinen Briefen an die deutsche Nation als Pfaffen, Jesuiten, Schäker und Deutschklerikalen zu verhöhnen, der mag es immerhin auch mir mit meinen Nach- und Zwischenrufen für den Namen Jude so ergehen laffen. So wollen wir es auch fteimütig heraussagen, was die „Oesterreichische Wochenschrift" mit ihren Verzeichnissen der Ausgetretenen und was sie mit diesen Nach- und Zwischenrufen erzielen will. Wir wollen es ganz einfach dahinbringen, daß kein einziger Verräter am Namen Jude, kein magistratisch, konfessionsloser Jude, kein getaufter jüdischer Streber auf eine einzige Stimme aller jüdischen Wähler bei irgend einem Wahlgange rechne. Damit mögen auch die Parteien in Oesterreich, die Sozialisten wie Fortschrittlich-Soziale, die Deutschen wie Slaven, die Liberalen wie auch die Klerikalen bei Ausstellung ihrer Kandidaten ernstlich fortan rechnen. An dem Erfolge, welchen da die „Oesterreichische Wochenschrift" aufzuweisen haben wird, an dem, was fie da für die Befteiung vom religiösen Zwange leisten wird, an dem, was sie und ihr Herausgeber Dr. Bloch schon für die Juden in Oesterreich geleistet haben, an den enormen historischen Feststellungen, die fie der Welt schon gebracht hat, wollen wir dann auch den Wert, die Bedeutung der „Oesterreichischen Wochenschrift" abschätzen und uns weiter wenig darum kümmern, daß fie von dem konfessionslosen Juden der „Arbeiter-Zeitung" als Käsblatt bezeichnet wird. Die Sozialisten stehen vor einer großen Aufgabe und haben demgemäß auch eine große Zukunft von längerer oder kälterer Dauer in Aussicht. Zunächst erscheint heute der von fast allen Zeitgenossen im Stiche gelassene Liberalismus nur noch von den starken Schultern der Sozialdemokraten getragen. Obwohl der Sozialismus seinem Wesen nach ein dem Liberalismus entgegenstehendes Prinzip bedeutet, so vermag er doch nur die ihm entgegenstehende Reaktion mit den Waffen des Liberalismus aus dem Felde zu schlagen. Wie die Reaktion, ist auch der Sozialismus eine Machtfrage. Die Macht ist bei den Majoritäten. Die Majorität kann von der Reaktion nur durch Aufklärung, durch Gründe der Vernunft, des Rechtes, der Billigkeit, der sicheren Vorteile, mit einem Worte — durch stramme Vertretung des Liberalismus abgezogen werden. Darum hat es heute durchaus nicht mehr jenes Beängstigende an sich, in den Reihen der Sozialisten für den Liberalismus zu kämpfen. Zu einem Schaden am Staate, an der Gesellschaft, an der Dynastie, kann es einstweilen noch lange nicht kommen. 30 Jahre schon behauptet fich bereits siegreich in Mittel- und Osteuropa die Jntrigue mit dem Namen Jude. Da haben es die Sozialisten in Oesterreich auf 88 Mandate für den Reichsrat gebracht, eine Zahl, welche ohne diese Jntrigue sicher nicht erreicht worden wäre. Der Name Jude ist zum Schibolet der Reaktion geworden, und weil die Reaktion ein großes Weh der Menschheit ist, so wird voraussichtlich der Sozialismus als deren einzige Abwehr immer weitere Menschenkreise ersaffen. Wenn fich jedoch die Sozialisten nicht mit eisernem undurchdringlichen Panzer gegen diese mit dem Namen Jude betriebenen Tücken wappnen, wenn sie fich sogar dem Verdachte aussetzen sollten, daß auch fie für den Namen Jude eine gewisse Anrüchigkeit gelten laffen, um fich jedenfalls eine gewisse Ueberlegenheit und Voranstellung über jene Genossen zu sichern, welche als Juden geboren wurden, wenn es den Anschein erhalten sollte, daß sie am Ende gar gerne den Namen Jude politisch und gesellschaftlich ein bischen bedrängt sehen, weil dies Wasser auf ihre Mühlen führt, dann haftet dem Sozialismus derselbe zersetzende Fehler der Lüge und Falschheit an, wie er dem Liberalismus in Oesterreich und Deutschland so verhängnisvoll geworden ist, dann muß auch das gleiche Schicksal sein Los sein. Amerika sacht fiidische Soldaten. Unter der Spitzmarke: „Warum sucht Uncle Sam Juden als Soldaten?" lesen wir in der New-Iorker „Wahrheit" die folgende interessante Darstellung: „In einem Artikel „Juden als Soldaten", den der stütz verstorbene jüdische Publizist Bernhard L a z a r e kurz vor seinem Tode veröffentlicht hatte, erzählt dieser die folgende Geschichte. Als einst Napoleon der Große vor einer deutschen Festung liegend auf Verstärkung wartete, entschloß er sich, seinen Angriffsplan zu ändern und wollte hievon den Kommandanten der zu seiner Hilfe nahenden Truppen verständigen. Auf welche Weise sollte dies nun bewerkstelligt werden? Einen Telegraphen gab es damals noch nicht und selbst, wenn es eine Telegraphenleitung gegeben hätte, so hätte fie der Feind sicherlich zerstört. Man mußte sich daher entschließen, die wichtigen Mitteilungen nur durch einen Courier an den Kommandanten gelangen zu laffen. Der Weg zu den erwarteten Truppen war durch die Deutschen besetzt und es schien ganz unmöglich, sich durch fie durchzuschlagen. Napoleon hielt einen Kriegsrat ab und es wurde beschlossen, die Soldaten auszusuchen, welche in drei verschiedenen Richtungen zu Pferde den Versuch machen sollten, so rasch als möglich die französischen Truppen zu erreichen. Von den drei Soldaten war einer ein Italiener, einer Franzose und einer ein Jude. Napoleons Wunsch wurde ausgeführt, der Kommandant der Hilfstruppen hat die wichtige Mitteilung von der Aenderung des Angriffsplanes rechtzeitig erhalten, aber nur durch einen der drei ausgesandten Couriers, und zwar von dem Juden, die anderen zwei blieben unterwegs liegen. Und der Jude? Er hatte acht Kugeln im Leibe, als er sein Ziel erreicht hatte. Die Aerzte fanden nicht genug Ausdrücke der Verwunderung darüber, wie ein Mensch über so viel Lebenskraft verfügen könne. Zu ihrem Erstaunen wurde der jüdische Soldat nach vierwöchentlicher Krankheit noch vollständig geheilt und konnte weiter dienen. Laut dem Rapport der Aerzte, die fich mit dem Falle eingehend beschäftigt hatten, war die Widerstandsfähigkeit und die Lebensenergie des jüdischen Soldaten hauptsächlich dem Umstande zuzuschreiben, daß er niemals dem Trünke ergeben war, weshalb auch sein Blut vollständig frei von dem zersetzenden Gifte des Alkohols geblieben und er die Verletzungen leichter überstehen konnte. Und außerdem lag in seiner jüdischen Natur das Gefühl der Geduld und der Ausdauer, das seinen zwei Kameraden abging." Bernhard Lazare gibt diese Geschichte als historisches Faktum und heute wird jeder unparteiische Sachverständige zugeben, daß der Jude das beste Material für eine Armee liefert. Dieses Geheimnis, oder besser gesagt, diese Wahrheit kennt die amerikanische Regierung, insbesondere aber der Präsident Roosevelt ganz genau. Dieser Ueberzeugung entsprang auch der Entschluß der Regierung, im Herzen des New-Iorker Ghettos eine Affentierungsstelle zu eröffnen, und sie gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Juden besonders jetzt, wo es so

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.