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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-24 · 30 (24.7.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
30 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Zölocd s Moebensevrtn. Sette 533 Vor wenigen Wochen hat die Deputation eines jüdischen Wohltätigkeitsvereines bei einem reichen Mann um eine Unterstützung angesucht und bescheiden auf die zunehmende Not speziell der armen, von der antisemitischen Strömung schwer bedrängten, jüdischen Handwerker hingewiesen — da sagte die junge Frau: „Was wollen Sie von uns, wir find ja keine Juden mehr!" Sie war bereits — „geburtslos". Daß „jüdische Pfaffen" polizeiliche Gewalt oder auch nur Mittel der Ueberredung anwenden, um Familienväter zur Beschneidung der Neugeborenen zu bestimmen, war uns wenigstens unbekannt. Der jüdische Religionsunterricht aber ist im wesentlichen nichts anderes als Unterricht in Bibel und in jüdischer Geschichte. Ueber den Bildungswert der Bibel haben nun einmal Männer wie Kant und Goethe ein anderes Urteil gesprochen, als die großen Gelehrten der „Arbeiter-Zeitung", die im Uebrigen der Meinung sind, daß es für einen freien Mann ganz unziemlich ist, in der Geschichte des eigenen Volkes vertraut zu sein. Eine intimere Kenntnis der jüdischen Geschichte scheint wohl der alleinseligmachenden Konfessionslosigkeit und ihrer Propaganda abträglich zu sein. Jndeß ist unseres Wissens der Reichsratsabgeordnete Dr. Julius Ofner ein Liebling der „Arbeiter-Zeitung". Warum verkündet er beim Wiener Magistrat nicht seinen „Austritt aus dem Judentum"? Uebt er bloß zarte Rücksicht aus die empfindsamen Wähler der Leopoldstadt oder sieht er in dem Austritt eine Infamie, mit welcher er sich nicht beflecken möchte? Eine Infamie, für welche die Judenstämmlinge der „Arbeiter-Zeitung" und ihre Hintermänner Propaganda betreiben. Die Reichsratsabgeordneten Doktor Diamond und Doktor Lieber mann sind Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion des österreichischen Abgeordnetenhauses: warum erklären sie sich nicht für „konfessionslos"? Unterlassen sie dies bloß aus Rücksicht auf die jüdischen Wähler von Lemberg und Przemysl oder sind sie nicht vielleicht auch von moralischen Motiven inspiriert, für welche bloß den Wiener Renegaten das Verständnis abgeht. Dieses Verständnis aber weiteren Kreisen zu erschließen, hat unser geschätzter Mitarbeiter Herr Dr. M. L. Stern übernommen, „ein jüdischer Pfaffe", dessen grundlegendes Werk: „Der naturwissenschaftliche und philosophische Monismus" die Aufmerksamkeit des großen Mach fesselte. Er ist hiefür wie kein zweiter legitimiert. Mach- und Zwischenrufe. Von Dr. M. L. Stern. III. Der Name Jude. Unsere Nach- und Zwischenrufe verfehlen den Eindruck doch nicht. Nach dem Volksspruche, was vom Herzen kommt, trifft auch ins Herz, ist auch schon ein magistratisch konfessionsloser Jude von unseren Nachrufen im tiefsten Herzen verwundet. In der Freitagsnummer der „Arbeiter-Zeitung" vom 17. Juli wälzt sich der Schwergetroffene im Staube der Niedrigkeit und läßt in dem Artikel „Jüdischer Klerikalismus" sein Schmerzensgestöhne vernehmen. Wir können ihm unser Mitleid nicht versagen. Hoffentlich werden die Leser der „Arbeiter-Zeitung" durch diese unfreiwillige Reklame aus die zwei Artikel „Uebertritt" und „Austritt" in Nummer 26 und 28 der „Oesterreichischen Wochenschrift" aufmerksam gemacht werden. Sie werden diese Artikel lesen wollen und uns ehrlich Bescheid sagen, ob da der Pfaff, der Schäcker. der Jesuit mit klerikalem Vorstoß seinen Sitz hat oder ob nicht vielmehr die abscheulichste Pfäfferei und Schäckerei, der widerlichste Klerikalismus und Jesuitismus, der arrogante Fanatismus der jüdischen, magistratischen Konfessionslosen in dieser „Arbeiter-Zeitung" herumspuken. Uebrigens schreit der gute Mann viel zu früh. Er möge, sich nur gedulden, wir sind ja erst am Anfänge. Er wird noch mehr zu hören bekommen und noch mehr zu schreien sich veranlaßt fühlen: „Denn Helfer werden hinaufkommen auf den Berg Zion für den von den eigenen Kindern verratenen und verkauften Namen Jude und sie werden das unparteiische Gericht der Aufklärung und der Wahrheit halten über die, welche wie Esau ihren Bruder heimtückisch überfallen und den Name Jude aus dem Hinterhalte des Magistrates verunglimpfen." Der Name Jude ist das Heldentum der ganzen Menschheit, weil nur Helden ihn tragen können, weil Jeder, der ihn weggeworfen, in derselben Minute aus einem Helden ein Feigling geworden ist, weil nur die mutigsten Helden Ehrenretter dieses Namens zu werden vermochten. Der Name Jude ist das Heiligtum der Menschheit, weil in ihm Vernunft und Erkenntnis über den Glauben erhoben erscheint; er ist das Kleinod der Menschheit, weil er den tausendjährigen Widerstand und Kampf gegen klerikalen Zwang siegreich und erfolgreich bestanden hat. Da sagt uns der konfessionslose Jude der „Arbeiter-Zeitung", man müsse sich vor dem Magistrate konfessionslos erklären, wenn man nicht religiös begraben sein will. „Und," fügt dieser konseffionslose Jude der „Arbeiter-Zeitung" hinzu, „der Pfaffe, der Schäcker. der Jesuit Dr. M. L. Stern scheint gar nicht zu ahnen, daß man aus solcher Ueberzeugung zum Magistrat gehen muß. um sich konfessionslos zu erklären." In der Tat, kann ich, darf ich als Verfasser des naturwissenschaftlichen und philosophischen Monismus so etwas auch nur ahnen?? 0 tsmpora, o mores, o zeitgenössische Welt, höre und staune! Der konfessionslose Jude, der keinen Glauben haben will, der so fest überzeugt ist, daß er nach dem Tode nicht mehr weiß, nicht mehr ist, der bangt sein ganzes Leben hindurch davor, wie sein Kadaver in die Grube geworfen wird, da er doch gar nicht dabei sein, nichts davon wissen und fühlen kann. Darum also beschimpft er seine Eltern, seinen Stamm, zerreißt er die Familienbande, schwächt er feine Brüder im Kanrpfe gegen den religiösen Zwang. Nein, nicht sich, seinen sterbenden Vater, seine sterbende Muiter sollte er zum Magistrate hinschleppen und rechtzeitig konfessionslos machen, denn bei i h r e m Begräbnis will und kann er sein, da sieht er mit eigenen Augen das ihm so verhaßte religiöse Begräbnis. Da geht es doch ihn etwas an, während sein Kadaver ihn ja gar nichts mehr angeht. So ein konfessionsloser Jude der „Arbeiter-Zeitung" meint aber schon genau so wie ein erbgesessener und eingeborner Antisemit, man könne den Juden alles einreden, man könne sich ihnen gegenüber jede Verlogenheit gestatten. So möchte er uns auch glauben machen wollen, daß man sich konfessionslos erklären müffe, um nicht durch religiöse Trauung gegen seine Ueberzeugung zu verstoßen, während wir doch wissen und Fälle bezeichnen können, wo Juden, die aus reinem jugendlichen Uebermut konfessionslos wurden, gerade zu dem Zwecke in den treuen Mutterschoß des Judentums zurückkehren. Von dem und manchem anderen noch, und so auch von dem religiösen Wahne und Fanatismus der magistratisch konsesswnslosen Juden werden wir noch gar viel in unseren „Nachrufen" zu sagen haben. Ganz zuletzt aber soll auch die Kultussteuer zur Sprache kommen, weil uns diejenigen Juden, welche wegen der Kultussteuer konseffionsloswerden, als die Erbärmlichsten und Letzten der ganzen Menschheit erscheinen, namentlich wenn es Söhne und Töchter von Rabbinern, Dajonim, Schochtim. Kantoren und jener tausenden Armen find, welche nur Dank der jüdischen Kultussteuer und Zedokoh ihre Kinder ernähren, studieren, zu Künstlern, Journalisten, Beamten und Gelehrten heranbilden lassen konnten, so daß diese sich heute schon als zu gut für den Namen Jude erachten. Wir werden auch von den konfessionslosen Juden der „Arbeiter-Zeitung" sprechen, deren Kinder, wenn nicht gar sie selbst noch in Not und Verlassenheit bei der barmherzigen jüdischen Kultussteuer Rettung suchen. Doch nicht die Tränen der Verlorenen wollen wir anregen. Wir schreiben nicht Weckrufe, sondern Nachrufe! So wenig, wie wir erwarten können, daß derjenige als der Alte über die Treppe wieder heraufkommen werde, der sich aus dem Fenster des vierten Stockes auf die Straße hinabgestürzt hat, so wenig

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