Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 30 (24.7.1908)
- Date
- 1908-07-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 532 Sr. LäoEs Wochen. chrM St. 30 er, bei aller Bescheidenheit, doch seiner Kunst sicher, Gott bittet, seine Kranken vor Kurpfuscherei zu bewahren. Die vielleicht apokryphen „Refuot" sind dogmatische Apercus, für den Sohn bestimmt, als Anleitung, sich die zum Studium der jüdischen Wissenschaften erforderliche geistige und physische Kraft zu erhalten. * * . * Dem Stil des Maimonides widmet I s r a e l F r i e dlaender eine kurze Erörterung, die zur Zeichnung seiner literarischen Persönlichkeit einen dankenswerten Beitrag liefert. Maimuni ist ein gewissenhafter Schriftsteller, der seinen Gegenstand viermal überlegt, aber zum rechten Verständnis zehnmal will gelesen werden. Er liebt die Bündigkeit und scheut sich, in zwei Kapiteln zu behandeln, was sich in eines fassen läßt. Seine Bilder sind mitunter drastisch, doch nie vulgär, sein Stil würdig und, frei von jedem Prunk, glänzend. * q- * Die vorstehenden Bemerkungen sollen einen weiteren Kreis auf das vorliegende Sammelwerk Hinweisen, in dem der Gelehrte, außer eingehenden Charakteristiken der Werke Maimunis (von PH. Bloch, B. Ziemlich s. A. und M. Peritz), noch über eine größere Anzahl von Einzelfragen der Maimuni-Forschung Auskunft erhalten wird. Wir wünschen dem Unternehmen rüstigen Fortgang. „Geisteshelden", Einzelschriflen über die „führenden Geister" aller möglichen Völker besitzen wir längst. „Griechische Denker" danken ihre Auferstehung einem Juden. Wer gibt uns Juden „Jüdische Denker"? Niedriger hangen! „Ich liebe jene Juden nicht, die stch bemühen, der Welt zu beweisen, daß sie keine Juden sind. Denn erstens glaube ich ihnen nicht und zweitens kann ich sie deshalb nicht leiden, weil sie das ableugnen, was ihnen nahe und teuer sein sollte". Leo Tolstoi. In der „Arbeiter-Zeitung" vom 27. Juni 1908 liest man unter dem Schlagwort: „Jüdischer Klerikalismus". „In Wien erscheint ein jüdischklerikales Käseblättchen, das weiter keine Beachtung verdiente, wenn es sich nicht eine Unverschämtheit leistete, für die auch die offizielle Vertretung der Wiener Judengemeinde mitverantwortlich wäre. Dieses Käseblättchen, das sich „Oesterreichische Wochenschrift" nennt, veröffentlicht nämlich allwöchentlich eine Proskriptionsliste der „Ausgetretenen", um sie in ihren Kreisen moralisch zu disqualifizieren und wirtschaftlich zu schädigen. Daß die Organe der Kuttusgemeinde zu einem solchen ans Straffällige grenzenden Treiben ihre Hand leihen, finden wir zwar von ihrem auf Seelen- und Steuerfang erpichten Standpunkt begreiflich; es ist aber ein vielleicht überflüssiger Beweis mehr dafür, daß der Staat die Matrikenführung selbst in die Hand nehmen sollte. Freilich, von einer unter dem Einfluß katholischer Pfaffen stehenden Verwaltung haben auch die jüdischen nichts zu fürchten. Und so tun es denn diese jenen an Unduldsamkeit ehrlichen Leuten, an Nachsicht, Heuchlern und Indifferenten gegenüber gleich. Ein Beispiel mag das belegen: Ein Dr. M. L. Stern verbreitete sich unlängst in einem Artikel über die „Ueberflüffigkeit", „Selbsterniedrigung", „Verlogenheit" und „Pietätlosigkeit" der Konfeffionsloserklärung eines Juden. Man sollte meinen, jede Religionsgemeinschaft müßte selbst das Ausscheiden Ungläubiger betreiben. Aber der jüdische Pfaffe eifert: ..Welcher Jude ist bemüssigt, irgend ein Bekenntnis abzulegen? Wo, wann wird ein Jude danach gefragt, was er glaubt oder nicht glaubt?" usw., nur um zu beweisen, daß ein Jude es nicht nötig habe, auch wenn er dem Glauben seiner Väter gänzlich entfremdet ist, auszutreten. Dabei verschweigt er. daß seine Pfaffen an jedem Neugeborenen die Beschneidung vollzogen wissen wollen. daß die jüdischen Kinder in den Schulen in den Religionsunterricht und zu religiösen Hebungen gezwungen werden, deren Verkünder in den letzten Jahren christlichsozialer Herrschaft gleich ihren Protektoren immer anmaßlicher geworden sind, daß es dem Geschmack eines ehrlich Ungläubigen nicht entsprechen muß, sich von einem Pfaffen „nach den Gesetzen Mofis" zur Ehe vereinigen zu lasten, und daß er sich vielleicht auch eine andere Form der Bestattung wünschen mag als die ihm odios gewordene des jüdischen Kultes. Vor allem aber will solch ein „Ungläubiger" mit seinem Gelbe jüdische Kultnszwecke nicht fördern, wenn der Schäker Dr. Stern auch meint, die Kultusstcuer komme hiebei nicht in Betracht. Und sie ist es auch, die den austretenden Juden zwingt, sich vor dem Magistrat konfessionslos zu erklären, worin der jüdische Pfaffe in schlecht gespielter Würde eine Selbsterniedrigung sieht. Warum haben sich die Kultus-, gemeinden nicht gescheut, diese politischen Behörden zu ihrem Büttel bei der Eintreibung der Kultussteuern zu machen? Die Herren Pfaffen mögen also mit der Auffassung' der Religion als Privatsache gefälligst auch sonst beginnen; wir. anderen stehen schon längst auf dem von Dr. Stern empfohlenen Standpunkt. An etwas wie ehrliche Ueberzeugung scheint dieser Herr nicht zu glauben; er sagt: „Nicht konfessionslos will der Jude sein, der sich vor dem Magistrat konfessionslos erklärt, sondern — geburtslos?" So dumm dieser Ausspruch ist, so beabsichtigt er vielleicht nicht ohne Erfolg, neuerfundene und geweckte jüdisch - nationale Instinkte dem jüdischen Pfaffentum dienstbar zu machen. Und dahin steuert ja längst der „Zionismi s", der mit jener schon eingangs charakterisierten Unduldsamkeit jede andere Meinung verketzert. Das Erwachen der Geister auch unter den Juden wird der jüdiscbe Jesuitismus wohl nicht aushalten. Immerhin schien es uns rntereffaiit, die in der letzten Zeit gehäuften jüdisch-klerikalen Vorstöße und die Gesinnungsverwandtschaft aller Pfaffen aufzuzeigen." Wir bringen vorstehenden Schmerzensschrei einer schwergekränkten Mannesseele wörtlich zur Kenntnis unserer Leser. Die ohnmächtige Wut, die sich in der grotesken Schimpferei offenbart, wird sie nur erheitern. Uns hat selbst der eigenartig verpöbelte Jargon dieser Herzensergüsse den Genuß nicht zu trüben vermocht, welchen die wehmütige Klage, daß wir durch die „Proskriptionsliste" unschuldige Personen „moralisch diskreditieren" und „wirtschaftlich schädigen", aller Welt bereiten muß. Solche zarte Rücksichtnahme auf private persönliche Interessen hat man in der „Arbeiter-Zeitung" sonst nie wahrgenommen, die in niedriger, gehässiger Beschimpfung der Gegner, Bloßstellung und Hervorzerrung ihrer persönlichsten und intimsten Angelegenheiten, höchstens. nur noch von dem „Deutschen Volksblatt" überboten wird. „Qui8 tulerit Gracchos de seditione querentes?1' Die zarte Schonung, welche die empfindsame „Arbeiter-Zeitung" für geistesverwandte ehrlose Verräter so eindringlich reklamiert, die in Zeiten schwerer Not aus den Kampfesreihen feige flüchten, möge sie selber in Zukunft beispielsvoll — Strei kbrecherngegenüber an den Tag leg e n. Die allwöchentliche Publikation der Austrittsliste — auf welche der Kültusvorstand nicht den geringsten Einfluß ausübt, hat infolge mehrfacher Geschehnisse im Laufe der Jahre als eine Notwendigkeit sich herausgestellt. Es kamen Fälle vor, daß ein Rigorosant bei, der Kultusgemeinde um Gewährung der Prüfungstaxen ansuchte und der Betrag wurde ihm bewilligt. Nach vierzehn Tagen figurierte der Ehrenmann mit seinem Namen in der Liste der „Ausgetretenen". Eine Braut überreicht ein Gesuch um Gewährung einer jüdischen Heiratsausstattungsstistung. Nach Erhalt des Betrages geht sie zum Magistrat, um ihren „Austritt" aus dem Judentum anzumelden. Ein Gewerbetreibender überreicht bei einem jüdisch-konfessionellen Untexstützungsverein das Gesuch um ein zinsenfreies Darlehen, das ihm bewilligt wird; unmittelbar vor der Auszahlung liest man seinen Namen in der Renegatcnliste. Eine Dame aus der Provinz studiert in Wien auf Grund eines Stipendiums, welches ihr ein jüdisch-konfessioneller Frauenwohltätigkeitsverein ihrer Gcburtsstadt großmütig bewilligt, und ihre dankbare Anhänglichkeit an das Judentum bewährt sie dadurch, daß sie beim Wiener Magistrat ihren Austritt aus dem Judentum amtlich anmeldet. Das sind die Schützlinge und die Protektionskinder der „Arbeiter-Zeitung!" Sollen jüdische K ultusste u er gelber dazu mißbraucht werden, um das gemeine, feile und ehrlose Renegatentum zu unterstützen? Aus diesen Gründen haben wir uns entschlossen, die Liste allwöchentlich der jüdischen Oeffentlichkeit zuzuführen, um Gemeinden und Vereine vor Betrug zu schützen. Die Leistung einer Kultussteuer bereitet dem magistratisch geaichten „Konfessionslosen" schwere Gewissensbedenken. Von dem großen Budget der Kultusgemeinde werden für „Pfaffen" und eigentliche „Kultusdiener" kaum 20°/g verausgabt; die Erhaltung der zahlreichen Armen- und Wohltätigkeits-Institute, des Altersversorgungs- und Siechenhauses, des jüdischen Spitases u. s. w. — solche „jüdische Kultuszwecke" wollen die Herren Ludo Hartmann und Gesinnungsgenossen .mit ihrem Gelde nicht fördern. Die armen und kranken Juden werden an die gut renommierte — Humanität des Wiener Stadtregimes gewiesen!