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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-24 · 30 (24.7.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
30 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 30 Jahrgang XXV Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. Wir«, 24. Juli 1908.- Brscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien» IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift» Wien. Inhalt: Leitartikel: Ein neues Werk über MaimomdeS. - Niednger hängen! — Nach- und Zwischenrufe. — Amerika sucht jüdische Soldaten. — Korrespondenzen: Prof. Dr. August Wünsche in Dresden. Bericht über die Tätigkeit des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien. Jubiläums-Hilfsverein für Waisen und verwahrloste Kinder aus den österreichischen Alpen- und Karstländern. Baden. Brandeis a. d. Elbe. Brünn. Ableben eines jüdischen Ministerialrates. Auszeichnung jüdischer Bildhauer. Ungarisch-Jüdischer Kulturverein. Dem Vereinspräsidenten in den Tod gefolgt. Hilfsverein deutscher Juden in Berlin. Holländische Frauen für die rumänischen Juden. Neue jüdische Senatoren in Italien. Paris. London. Rothschild als Postillon der Königin von England. Juden in der englischen Armee. Nur ein Jude oder ein Deutscher wird ausgenommen. Dr. Alexander Marmore! in Amerika. Die Karriere eines Oesterreichers. Rücktritt getaufter Juden in Rußland. — Vermischtes: Prof. Eduard Spiegler gestorben. Austritte aus dem Judentum. Mähr.-Weißkirchen. Ungarisch-Biod. Klosterneuburg. St. Georgen. Morris Rosenfeld. Saisonbrief aus Sauerbrunn. Savanyukut. Karlstadt. Etsdorf. Elementar- und Religionsschule der deutsch-israelitischen Kultusgemeinde zu Sofia. — Feuilleton: Der Pogrom. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. TSt. ft. Pofisparftaffensrnl Clearingverkehr fit. 810.976. Redaktion und Administration: Wien IX/i, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. oo - - =DC p Vexugsprri» für Vrflrrreirh: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Krone». Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gefpaltene Petitzeile 24 Heller. £ of> ■ ■ — Qo Ei« neues Merk nker Maimomdes Von Dr. Max Grunwald. In dem jüngsten Wiener Jubiläumsfestzuge, den von der Spitze bis zum Schlüsse mit Randglossen aus der Geschichte der Juden in Oesterreich zu begleiten ein unterhaltsames Geschäft bilden konnte, war auch das Judentum vertreten. Nicht in galizischen Spitzenklöplerinnen, nicht in einem jüdischen Hochzeitszuge oder einem unserer jüdischen Turnvereine. Auch nicht im historischen Teile etwa durch einen Proviantwagen mit der Firma des Retters aus allen Staatsnöten Samuel Oppenheimer oder einem der weitgerühmten patriotischen Umzüge der Prager Juden aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts oder Symbolisierungen des von Diego d'Aguilar geregelten Tabakmesens und des mit an erster Stelle von Rahel Levin und Fanny von Arnstein geleiteten Sanitätsdienstes während der Befreiungskriege. Sondern in einer Karikatur von der ästhetischen Höhe gewisser Wiener „Witz"blätter. Staunen wird über solche Zumutung nicht, wer weiß, in welchen Kreisen öffentliche Schandschaustellungen der Art jederzeit wiehernden Beifall ernten. Was in dem besonderen Falle unsere Empörung dämpfte, war ein plötzliches begeistertes Jubeln und Heraufwinken und Hüteschwenken vor unserem Fenster. Es galt unserem Nachbarn, einem hervorragenden Vertreter der Wiener Kunstwelt, einem Liebling des Burgtheaterpubliknms, — einem Juden. Wer ihn erblickte, dem sah man's im Auge aufblitzen, die Nächsten wies er empor, kein Ende nehmen wollte das Hochrufen und Grüßen. So war es immer. Die Offiziösen warfen der wohlgehegten Roheit des süßen Pöbels als billige Beute den Juden vor. Unwiderstehlich erzwang sich dennoch jederzeit auch j ü d i s ch e s Können Huldigung, wo Geist zum Geiste sprach. Ein solches Beispiel bietet „der große Adler" der Synagoge, Moses ben Maimön. Mit demselben Griffel, der ungezählten Juden das grausigste Urteil sprach, schrieben einst des Dominikus und des Franziskus fromme Jünger Lob und Preis dem „Führer der Verirrten". Wer kennt ihn heut, den größten Sohn des Judentums in dem letzten Jahrtausend? Wer, außer dem Fachmann, liest heut eines seiner Werke? Der Grund? Es fehlt an einem Volksbuch, das uns den großen Juden in voller Beleuchtung zeigt, das ihn unserem Geiste entdeckt und unser Herz lhm erobert, das die Weite der sieben Jahrhunderte aufhebt und ihn als einen der Unseren von heut, vielmehr von morgen zeigt. Dem Kinde schon gibt es wohl zu denken, daß ein Lessing in seinem „Jungen Gelehrten" — 1747 „verfertigt" und „auf dem Neuberschen Schauplatz 1748 zum ersten Male aufgeführt" — bereits „des Ben Maimon Jad chasacka" von einem christlichen Jüngling studieren läßt. Warum weiß der jüdische nach mehr als 150 Jahren nicht, daß der Arzt „Ben Maimon" dem Hause jenes Saladin nahe stand, dem eben dieser Lessing ein unvergängliches Denkmal gesetzt, daß dieser „Ben Maimon" die Hohe Pforte der Gedanken für das Urbild des „Nathan", des jüdischen Freundes unseres Lessing, war, daß bei diesem „Ben Maimon" ein Leibniz, ein Spinoza, vielleicht ein Kant in die Schule gegangen, und daß sein Wort, wie der Propheten Worte, noch heute seine Geltung hat und williges Ohr verdient? Zu einem solchen Werke liegt der Anfang vor. „Moses ben Maimon, sein Leben, seine Werke und sein Einfluß", so lautet der Titel des Buches, das die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" herausgibt und dessen erster Band (bei Fock in. Leipzig) soeben erschienen ist. Zu einer künftigen Darstellung des großen Mannes und seines Lebenswerkes enthält das Buch manchen wertvollen Beitrag. Vorausgesetzt wird die Bekanntschaft mit Maimunis Lebensgeschichte, noch genauere mit seinen Werken und genaueste Vertrautheit mit der Geschichte der Philosophie, die ihm voraugegangen. Einen einheitlichen Plan läßt das Unternehmen vermissen. Es bietet zunächst, was an Beiträgen gerade fertig war. * * Maimunis Vielseitigkeit legt den Vergleich mit einem Sonnensysteme nahe. Die Zentralsonne stellt seine Ethik dar.

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