Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 29 (17.7.1908)
- Date
- 1908-07-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 618 Dr. Llocb s Mocdenscdrm. Nr. 29 Es tritt in der kürzesten Zeit Bewußtlosigkeit des geschachteten Tieres ein. Eine von mancher Seite hervorgehobene teilweise Versorgung des Gehirns mit Blut durch die nicht durchschnittenen Vertebral-Arterien muß ich ablehnen. Gegen eine solche Auffassung spricht der Umstand, daß der noch kurze Zeit bestehende Blutstrom in den Vertebral-Arterien das Blut nock vor dessen Eintritt in das Gehirn durch große verbindende Blutkanäle an die durch geschnittenen oberen Stümpfe der Halsschlagadern abgeben muß. Dadurch wird nun die Entblutung eine vollkommenere und der Eintritt des Verblutungstodes beschleunigt. Damit sind wir bei einer anderen, die Schlachtmethoden betreffenden Frage angelangt. Es betrifft das den Ei. tritt der Bewußtlosigkeit des Schlachttieres oder, wie man sich auszudrücken Pflegt, den Eintritt des Todes. Letztere Ausdrucksweise ist aber nicht richtig, da es feststeht, daß das Leben der einzelnen Organe und Körperteile des bereits geschlagenen und möglichst entbluteten Tieres nicht in der gleichen Zeit und meist nur allmählich schwindet. Für die Frage der humansten Schlachtmethode kommt aber nur der rasche Eintritt der Bewußtlosigkeit in Betracht, die in der Einstellung der Funktionen der Hirnrinde gegeben ist. Es muß zugegeben werden, daß bei vivisektorischen Methoden der ganze Akt der Tieroperation in einer solchen Weise ausgeführt werden kann, daß selbst dann, wenn das Tier ein dem menschlichen annähernd gleiches Reflexions-Vermögen besäße, keine einzige der nötigen und sonst schmerzhaften Prozeduren empfunden und geahn werden. Dazu ist aber die Anwendung von schlaf- und schmerzlindernden Mitteln nötig, die bei der Prozedur des Schlachtend unzuläffig erscheint. Eine rasche Betäubung des Tieres durch einen einzigen, niemals fehlgehenden Schlag auf die Schädelknochen wäre ein entsprechendes Mittel mit Bezug auf die rasch eintretende Bewußtlosigkeit. In der Praxis erweist sich diese Methode nicht so einfach und nicht so sicher, als es wünschenswert ifl. Daher werden auch bei dieser Prozedur gewiffe vorbereitende Maßnahmen getroffen, um sowohl dem Schlagenden das Ziel zu sichern, als auch für den Fall eines Mißerfolges das Tier in der Gewalt zu behalten. Der Methoden, um Tiere der Bewegungsfreiheit zu berauben und in einer für die Schlachtung geeigneten Weise zu lagern, gibt es manche. Daß es sich dabei nur um solche handeln kann, die durch wissenschaftlich gebildete Tierärzte erprobt und gelegentlich der an Tieren auszuführenden Operationen, oder auch für den speziellen Zweck der Tötung der Tiere ersonnen wurden, ist selbstverständlich. Auf jene rohen Athletenproben, die man gelegentlich dieses Aktes der Schlachtung beobachten kann, nehme ich hier keine Rücksicht. Es gibt einfache Methoden des Jmmobilisierens, die, mit dem entsprechenden Rüstzeug unter Leitung des Tierarztes eingeübt, den Zweck in humaner Weise erfüllen. Ist einmal die Bewegungslosigkeit und Lagerung des Tieres erfolgt, so wird kaum mehr ein Zweifel darüber aufkommcn können, ob nun noch die Betäubung durch Zertrümmerung einzelner Schädelknochen und bei manchen Tieren auch von Hirnteilen eintreten soll, oder ob es zweckmäßiger erscheint, nun gleich zur Entblutung zu schreiten. Auf Grund dieser Erwägungen wird wohl jeder vorurteilsfre'e Sachverständige zu dem Urteil kommen, daß die Methode des .Schächtens" sowohl in hygienischer Hinsicht, als auch vom Standpunkte der Humanität allen anderen Schlachtmethoden überlegen ist. Sanitätsrat Klemensiewicz k. k o. ö. Professor der allgemeinen und experimentellen Pathologie. Das internationale Landwirtschaftsinstitut in Rom. Wie schon kurz gemeldet wurde, fand am 23. Mai Abends in Rom die feierliche Eröffnung des internationalen Laudwirtschaftsinstitutes statt. Daß die Anregung dazu, welche vor drei Jahren von David Lubin ausging, so schnell verwirklicht wurde, ist vor allem dem Eingreifen des jugendlichen Königs selbst zu verdanken, der an der Förderung der Landwirtschaft das regste Interesse nimmt. Wie B. Chimirri in der „Nuova Antol." (16. Mai 1908) mitteilt, richtete der Monarch am 24. Jänner 1905 folgendes, für die Geschichte des Institutes äußerst wichtige Schreiben an seinen Ministerpräsidenten Giolitti: Ein Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, Herr David Lubin, setzte mir mit jener Wärme, wie sie wirklicher Ueberzeugung eignet, eine Idee auseinander, welche mir umsichtig und gut schien und die ich deshalb der Beachtung meiner Regierung empfehle. Die ackerbautreibenden Klaffen, welche gemeiniglich am zahlreichsten sind und überall einen großen Einfluß auf die Geschicke der Rationen haben, können, wenn sie nicht vereint sind, weder ihre Erzeugnisse verbessern und nach Maßgabe des Bedarfes verteilen, noch dafür sorgen, daß ihre eigenen Interessen auf dem Markte vertreten werden, der immer mehr zu einem Weltmärkte wird. Bedeutenden Nutzen würde also ein internationales Institut stiften, welches, ohne jegliche politische Nebenabsicht, es sich zum Ziele setzte, die Lage der Landwirtschaft in den verschiedenen Ländern zu studieren und von Zeit zu Zeit die Art und Güte der Ernten anzngeben, so daß die Erzielung derselben erleichtert, der Handel weniger kostspielig und leichter würde und man zu einer entsprechenden Festsetzung der Preise käme. Dieses Institut könnte auch im Einverständnisse mit den schon bestehenden diesbezüglichen nationalen Aemtern Mitteilungen über den landwirtschaftlichen Taglohn in den verschiedenen Gegenden bringen, so daß die Auswanderer an ihm einen nützlichen und sicheren Führer hätten; es könnte auch gemeinsame Schutzmaßregeln veranlassen gegen jene Krankheiten bei Pflanzen und Tieren, gegen welche teilweise Vorkehrungen weniger ausrichten; endlich könnte es einen heilsamen Einfluß auf die Entwicklung der gegenseitigen Unterstützung auf dem Lande und des landwirtschaftlichen Versicherungs- und Kreditwesens ausüben. Von einem solchen Institute, welches ein Organ zum Zusammenschlüsse aller Landwirte und damit ein gewichtiges Friedenselement wäre, würden sicherlich noch viele andere wohltätige Wirkungen ausgehen. Ein würdiger, glückverheißender Sitz für dasselbe wäre Rom, wo die Vertreter der sich anschließenden Staaten und der am meisten interessierten Genossenschaften zusammenkommen müßten in der Weise, daß die staatliche Autorität und die freie Willenskraft der Landwirte einträchtig voraugingen. Ich habe Vertrauen, daß die Erhabenheit des Zieles alle Schwierigkeiten des Unternehmens überwinden läßt. Mit diesem Vertrauen verbleibe ich in Wohlwollen Ihr wohlgeneigter Vetter , „ . . Vittorio. Emanuele Durch die Vermittlung der diplomatischen Vertreter kam es zunächst am 28. Mai 1905 zu einer internationalen Versammlung, auf welcher 120 Delegierte erschienen. Dort wurde fast einmütig beschlossen, das Institut zu einer dauernden, und zwar staatlichen Einrichtung zu machen. Nur Fürst Lobkowitz hatte im Namen der österreichischen Delegierten den Vorschlag gemacht, es sollten für das Institut von den landwirtschaftlichen Vereinigungen Vertreter mit entscheidender Stimme gewählt werden und die Vertreter der Regierungen nur eine beratende Stimme haben. Dieser Vorschlag wurde aber nicht aufrecht erhalten. Eine hochherzige Spende des Königs ermöglichte die baldige Herstellung eines Jnstitutsgebäudes in der Villa Umberto I. (ehemals Villa Borghese). In diesem neuen, von dem Architekten.Pafferini geschmackvoll errichteten Heim wurde denn auch das Institut in Gegenwart des Königs, der Königin, der Prinzessin Letizia und hoher Würdenträger feierlich eröffnet. Zuerst sprach der Minister des Auswärtigen. T i t t o n i, welcher hervorhob, daß der König, indem er im Interesse Italiens und der ganzen gebildeten Welt seine Aufmerksamkeit aus die große Mutter Erde und ihre Früchte richtete, das neue Italien an seine sagenhafte und geschichtliche Vergangenheit erinnerte und zugleich allen den Weg eines fruchtbaren Friedens zeigte. Er schloß mit dem Wunsche, es möge das neue Institut „ein glänzender Leuchtturm sein auf den Meeren der Ernten und über alle Völker das LiLt der Brüderlichkeit und wirtschaftlichen Erlösung verbreiten"'! Das klingr alles etwas materialistisch und freimaurerisch und erinnert an eine Art Wettbewerb mit' dem päpstlichen Rom. Andererseits enthält es durchaus keinen Widerspruch, sich Rom in doppelter Gestalt, als Mittelpunkt der materiellen und geistigen Wohlfahrt, zu denken. Senator F a i n a. Präsident des königlichen vorbereitenden Komitees, begrüßte das neue, aus den Vertretern