Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 28 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 510 sr. Lloco s Mscvenscbrlrr. Nr. 26 eine herzliche Ansprache an die Schulkinder, worauf der Präses der Kultusgemeinde, Herr Dr. Broder, in wohldurchdachtcr, schwungvoller Rede die Bedeutung dieser Schule nicht nur für den Ort, sondern für die ganze weite Umgebung hervorhob, denn die Mehrzahl der' diese Schule besuchenden Kinder sind nicht aus Zablocie, sondern aus den Dörfern und Ortschaften der Umgebung, wo unsere Glaubensgenossen zerstreut und einzeln, aber zahlreich wohnen und absolut keine Gelegenheit hätten, ihre Kinder zweckentsprechend, besonders in der Religion, unterrichten zu lasten. Er sprach im Namen der Kultusgemeinde allen freunden und Förderern der Schule, insbesondere der Baron Hirsch- Stiftung, welche seit Beginn ihrer Tätigkeit diese Schule bedeutend subventioniert, den wärmsten Dank aus. So möge diese Schule zum Heile des Judentums weitergedeihen! Hamburg. Herr Dr. Sonderling, Rabbiner in Göttingen, ist als Nachfolger des Herrn Dr. R i e g e r zum Prediger am hiesigen Tempel gewählt worden. Ein jüdischer Tauschprosefsor in Paris. Die Pariser Universität steht schon seit vielen Jahren mit der Harvard-Universität in sogenanntem Professorentauschverkehr. Präsident Eliot von Harvard hat nun den Professor Samuel Montefiore Waxmann für diese Stelle auf die Dauer des Schuljahres 1908—1909 ernannt. Proftffor Waxmann, der ständig an der Universität in Syracuse romanische Literatur doziert, wird in Paris über englische Sprache und Literatur Vorlesungen halten. Rom. (Auszeichnung.) Wie berichtet wird, hat der König von Italien Herrn Ello Morpurgo in Rom, Mitglied der Deputiertenkammer und gewesenen llnterstaatssekretar im Post- und Telegraphen-Departement, den Kronenorden erster Klasse verliehen. London. Herr Dr. Raphael Breuer in Frankfurt a. M. ist in der am Sonntag stattgehabten Gemeindeversammlung der Bethamidrasch-Gemeinde in London-Nord mit großer Majorität zum Rabbiner gewählt worden. Feuilleton. Tiergestalte« des Teufels. Eine kulturhistorisch sehr interessante Darstellung über die Metamorphosen des Teufels in Sage und Legende gibt Dr. Ludwig Hopf in der Zeitschrift „Neue Weltanschauung". Er schreibt dort: Der Teufel ist ein höllischer Protheus. Das phantastische Mittelalter begnügte sich nicht, ihm alle möglichen Menschengestalten beizulegen, sondern sprach ihm auch die Fähigkeit zu, sich in jede Tiergestalt mit Ausnahme der des Lammes zu verwandeln. Beginnen wir im zoologischen System mit dem Affen, der schön in Hellas und Nom als ein dämonisches Tier aufgefaßl wurde. So erschien dieses Tier schon den Kirchenvätern des ersten Jahrhunderts (Justinus und Tertullian) als eine vassende Verkörperung des Teufels, weil dieser bemüht sei, dem Göttlichen ein Gegenstück aufzustellen und als „Affe Gottes" es nachzuäffen. So fehlt es auf einem der Gemälde des Campo Santo in Pisa nicht an Teufeln, die in Gestalt schwarzer scheußlicher Affen die Körper der Verdammten in der Hölle peinigen. Daß der Teufel da und dort Fledermausgestalt annahm, ist aus der bösen, dämonischen Natur, die man diesem nächtlichen Tiere zuschrieb, leicht erklärlich. In der Legende vom heiligen Vedastus verfinstern Teufel in Gestalt eines Schwarmes von Fledermäusen den Himmel» und auf alten Holzschnitten erscheinen die Hexen auf ihren nächtlichen Besenritten zum Blocksberg von Fledermausteufeln begleitet. Nicht minder verlockend als Erscheinungsformen und dem wilden Charakter des Teufels eigentlich noch mehr entsprechend sind die Tiere aus der Ordnung der Raubtiere. Die alten Bilder, die den Teufel als Löwen darstellten, werden sich wohl in erster Linie auf Petr. 1,5,8 bezogen haben, wo es heißt, der Teufel schleiche herum wle ein brüllender Löwe und suche, wen er verschlinge; dann aber auch auf die Worte in Psalm 91, 13: „Auf den Löwen und Ottern wirst du gehen und treten auf die jungen Löwen und Drachen." In europäischen Ländern, wo es keine Löwen, gibt, begnügte sich der Teufel während des Mittelalters häufig mit der Gestalt eines Katers, und zwar, wie es heißt, „von der Größe eines mittelmäßigen Hundes". Schon im dreizehnten Jahrhundert spielte der schwarze Katerteufel eine große Rolle. Auf einer anonymen italienischen Radierung wirft der Teufel in Bärengestalt unfolgsame Kinder in einen Sack, während er ein anderes verschlingt, und in der grandiosen Schilderung des jüngsten Gerichtes von Andrea Orcagna in der Capella Strozzi sitzt der Fürst der Hölle als grimmiger Bär, in der rechten Pratze eine schlangenumwundene Keule und einen der Verdammten im Rachen über einem Keffel, worin die armen Verdammten schmoren. Es scheint diese Auffassung eine speziell italienische gewesen zu sein. In der deutschen Naturgeschichte des Teufels figuriert der Bar nicht, wohl aber der Hund und der Wolf. Der Hund war in heidnischen Zeiten den unterirdischen Gottheiten geweiht; als schwarzer Höllenhund bewacht der Teufel in deutschen Sagen unterirdische Schätze; als schwarzer Pudel spielt er eine Rolle in der Sage vom „Faust". Augustin vergleicht den Teufel mit einem angeketteten Hund, der wohl bellen, aber nur den beißen kann, der sich ihm freiwillig nähert. Zwischen dem Hund und dem Wolf ist auch in der Naturgeschichte des Teufels kein großer Unterschied. Schon im Rigveda erscheint der Wolf als ganz und gar dämonisch. Wölfe waren die Begleiter des altgermanischen Gottes Odin, der nach Christianisierung der Deutschen sofort zum Teufel wurde. So treten denn häufig in den deutschen Teufelssagen Wölfe auf; im Anklang an den Wolf Fenris, den Sohn Lokis und Bruder der Helle, figuriert der Teufel in altdeutschen Dichtungen als Hellewolf. Auch für die Gestalt des Schweines schrieb man dem Teufel eine besondere Vorliebe zu. Schon im Neuen Testament lesen wir, daß die von Christus aus den Besessenen ausgetriebenen bösen Geister in eine Herde Schweine gefahren seien. Gregor der Große soll den Teufel aus einer arianischen Kirche durch Reliquien ausgetrieben haben, worauf er in Gestalt eines Schweines hmausgelaufen sei. Eine der bekanntesten und gewöhnlichsten Erscheinungsformen des Teufels ist der Bock. Mögen die Kirchenlehrer dabei an die bocksfüßigen Satyrn oder an das Lieblingstier des Gottes Donar gedacht haben, genug, es gab eine Zeit, und diese war namentlich das fünfzehnte und sechzehnte Jahrhundert, wo der Bocksteufel ganz besonders in der Mode war. Als Stier scheint sich der Teufel nur selten maskiert zu haben. Nur der Abt Richalmus hatte eine Vision, worin er ihn hinter dem Rücken der Frommen als wilden Stier, schwarz, gehörnt, mit glühenden Augen und einem langen Rüssel erblickte. Ohne diesen absonderlichen Rüssel, aber auch mit schrecklichen Augen, ist er auf einem Gemälde des Campo Santo in Pisa abgebildet. Viel mehr wissen Sage und Dichtung von schrecklichen Teufelspferden zu berichten. Als einst der heilige Petrus auf dem Markte vor einer großen Menge andächtiger Zuhörer predigte, erschien nach der Legende der neidische Teufel in Gestalt eines schwarzen Pferdes und suchte die Menge auseinander zu sprengen. In ebensolcher Gestalt erschien er dem arianischen Gotenkönig Theodorich, während er im Bade war. Voll Begierde, das schöne Pferd zu besitzen, eilte er aus dem Bade, aber kaum hatte er das Roß bestiegen, als dieses mit ihm unaufhaltsam davonrannte, und nur dem Umstande, daß er unterwegs den Namen Gottes und der heiligen Jungfrau aussprach, hatte der König seine Rettung zu verdanken. Vogelgestalt anzunehmen, muß dem Teufel weniger zugesagt haben. Die Sagen und Legenden darüber sind selten, und dementsprechend auch die Bilder. In der Darstellung der Geschichte des Hiob von G. Pencz tritt der Böse als Vogel auf, aber von unbestimmtem Charakter. Man möchte glauben, die Raubvögel, namentlich die nächtlichen, düsteren Eulen, sollten ihm behagt haben, aber nur der bekannte Cäsarius von Haisterbach will einmal den Teufel als Geier gesehen haben, und dann findet sich noch die Sage von Endo, in der ein Falke auftritt, der nur der Teufel sein konnte. Weniger selten steckt er in dem Körper eines Raben. In einem schwedischen Volksliede ist so recht der blutige Menschenmörder aus der Hölle zu erkennen, wenn es darin heißt: „Es flog ein Rabe über das Dach, Hatt' Menschenfleisch in den Krallen, Drei Tropfen Blutes träuften herab, Ich spürte, wo sie gefallen." Seltsamerweise erscheint der Teufel auch in Gestalt einer Schnepfe. Im oberschwäbischen Donaugebiet wenigstens wird die Bekaffine, der Riedmäkeler, für den Teufel selbst gehalten. Niemand würde es wagen, das Fleisch dieses Vogels zu essen, da er sonst wahnsinnig würde. Unter den Kriechtieren wäre wohl keins so geeignet, dem Teufel als Maske zu dienen, wie das Krokodil, der grimmige Leviathan des Alten Testaments, aber nur in Jesaia 27,1 wird auf dessen Beziehung hingewiesen, und von bildlichen Darstellungen dieser Art ist mir nichts bekannt. Ebenso ist in der Naturgeschichte des Teufels nur der eine Fall, und zwar aus dem 13. Jahrhundert verzeichnet, wo der fromme Aegidius erklärte, daß der Teufel unter der Schale einer gewaltigen Schildkröte sei; dagegen muß der Höllenfürst für die Schlangen eine besondere Liebhaberei gehabt haben. Hat er doch schon im Paradiese, als es sich darum handelte, das erste Menschenpaar zu verführen, der Schlange den Vorzug vor allen anderen Tieren gegeben. Diese Darstellung des Sündenfalls mit dem Teufel als Schlange findet sich schon in den Katakomben. Von Amphibien kommt als Erscheinungsform des Teufels nur die Kröte in Betracht. Es existiert zwar ein von Myricenus gestochenes Blatt nach einem Bilde von P. Breughel, wo der Teufel in Gestalt eines großen Frosches einen Geizhals in einem mit Nägeln gespickten Faß hin und her rollt, allein es ist nicht ausgemacht, ob nicht damit eine Kröte gemeint ist, denn diese als nächtliches, häßliches und für giftig gehaltenes Tier spielt auch sonst in der Naturgeschichte des Teufels eine Rolle; so namentlich in der traurigen Geschichte der