Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 28 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 508 Wr. LLocb s MocvenscdrM. Nr. 28 ein Gespräch anknüpfen, es ausforschen, wo es in Arbeit steht und ihm einen besseren Arbeitsplatz mit höherem Lohn in Aussicht stellen. Auf diese Weise wird das Mädchen in ein verrufenes Haus gelockt, das von seinem Arbeitsplätze sehr weit entfernt liegt und wo es seinen etwaigen Freunden und Bekannten ganz entrückt ist. Das Mädchen wird dann so gedemütigt und bedroht, daß es zu protestieren fürchtet, selbst wenn es die Landessprachen hinreichend beherrscht, was jedoch selten der Fall ist. Ost versucht das unglückliche Geschöpf dann gar nicht mehr, in seinen Bekanntenkreis zurückzukehren, weil es sich seines Falles schämt und wird auf diese Weise so isoliert und von seinem Uebeltäter abhängig, daß es auch dann nicht wagt, sich zu beklagen, wenn er es tätlich mißhandelt. Das Uebel ist wie gesagt — so schließt der Bericht — über die ganze Welt verbreitet. Die Männer und Frauen, die an dem Mädchenhandel beteiligt sind, gehören allen möglichen Nationalitäten an, der größte Teil ihrer Opfer jedoch stammt aus dem Osten und Süden Europas. Die Gesellschaft hält eine gründliche Sanierung dieses Hebels nur dann für möglich, wenn alle jüdischen Wohlfahrtsvereine und einschlägigen Komitees des Kontinents sich zu gemeinsamer Arbeit vereinigen und mit der Londoner Gesellschaft kooperieren, da die meisten Opfer über London nach dem überseeischen Hafen gebracht werden. Die wichtigste Ausgabe der gemeinsamen Tätigkeit müßte die Durchsetzung einer strengeren internationalen Gesetzgebung gegen den Mädchenhandel sein. Auszeichnung eines galizischen Chederjungerr. Anläßlich des Schulschlusses wurde der aus Galizien stammende Heimann Fenster in der städtischen Mittelschule in Newyork mit dem größten Preise ausgezeichnet. Es ist dies ein Jahresstipendium, welches dem Schüler wöchentlich 1.50 Dollar einbringt. Heimann Fenster, der erst im 13. Jahre steht und vor eineinhalb Jahren mit einem Verwandten nach New-Iork kam, erhielt diese Auszeichnung, weil er in der ganzen Klasse sowohl relativ als auch absolut die besten Fortschritte in den Schulgegenständen auswies. Fenster ist der zweite Sohn einer Witwe, die erst vor drei Monaten ihrem Sohne nach New- Iork folgte. Heimann Fenster hat in Galizien den Cheder besucht. Emigration nach Argeutinien. Aus Buenos-Aires wird der „N. I. K." von einem gelegentlichen Korrespondenten geschrieben: Die starke ökonomische Krisis, die während des ganzen Jahres 1907 in Argentinien sich geltend machte, ist jetzt zwar im Abnehmen begriffen, aber sie läßt ihre unangenehmen Nachwirkungen noch immer spüren. Besonders auf den Handel der hier ansässigen russischen Juden hat die Krisis geradezu vernichtend gewirkt. Viele waren gezwungen, ihre Geschäfte ganz zu liquidieren, und zwar unter erheblichen Verlusten. Fast alle Banken haben ihnen den Kredit aufgekündigt. Das hat selbstverständlich seinen Einfluß auf die Emigration aus Argentinien nicht verfehlt. Im Jahre 1907 sind nach Buenos-Aires 2518 Juden aus Europa eingewandert, von denen 380 in den Kolonien der Jewish Colonisation Association (JCA) installiert wurden. 815 blieben in Buenos-Aires, und die übrigen 1324 hat das offizielle Jnsormationsbureau auf eigene Kosten, d. h. auf Kosten der Regierung in verschiedene Städte Argentiniens geschickt. Aus Argentinien sind im selben Jahre 1894 Juden ausgewandert. Ein Teil von diesen begab sich nach Rußland zurück, der größere Teil ging nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Wie der „Jüdische Emigrant" mitteilt, hat sich die Emigration nach Argentinien im Jahre 1907 im allgemeinen um 73 Prozent und die jüdische nur um 29 V2 Prozent gegenüber dem vorhergegangenen Jahre verringert. Aus der t rritorialrstischen Bewegung. Aus Anlaß der dritten Jahreswende der Gründung der territorialistischen Partei findet am 2. August d. I. in London eine Festversammlung der „British Jto Federation" statt. Der Konseil beschloß, einen Tag vor dem Massenmeeting die Sommerkonferenz der Federation abzuhalten, in welcher, wie aus Londonberichtet wird, wichtige Beschlüsse gefaßt werden lösten. Vermischtes. Kranzablöfungsfpendeu zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien, 1., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des sei. Komm.-Rat Emanuel K a u d e r s: Von Vorstand der israelitischen Union X 20.—, Bernhard Weiß 20.— , Moriz Breitner 10.— , Bernhard Hohenberg und Frau 10.—, Benno Goldschmidt 10.—, Karl und Arnold Schmeichler 20.—, W. Kohn 30.—, kais. Rat Jonas Weil und Frau X 20.—. Zusammen K 140.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Siegfried Schwarz: Von Sabine Schwarz X 10.—, Helene Rakauer 10.—, Bernbard Zilz 10.—, Josef Bund 5.—, Salomon Eisner 2.—, Siegfried Thein 10.—, Dr. Eduard Biz 5.—. Zusammen X 52.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Egon Nieger: Von Julius Markstein X 10.—, Philipp Goldmann 10.—, Heinrich Rieger lO.—, Dr. Heinrich Rieger 5.-, Oskar Klein 3.—, Ella Nieger X 10.—. Zusammen X 48. . Anläßlich des Ablebens des fel. Leopold Raudnitz:Von S. Reik X 10.—, Dr. A. G. 10. - , Hugo Klein X 2.—. Zusammen X 22.-. Anläßlich des Ablebens der sel. Katharina Friedjung: Von A. Herzka X 10.-. Anläßlich des Ablebens des sei. Ignatz Rüstig: Von Frau M. R X 10.—. Wien. Ingenieur Ernst B r o d, Baukommissär der k. k. österreichischen Staatsbahnen, Sohn des Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe Herrn S. B r o d, wurde zum Oberingenieur der k. k. österreichischen Staatsbahnen ernannt. Wien. (Nekonvaleszentenheim.) Der rührigeVo rstand des Vereines „Nekonvaleszentenheim für arme Frauen und Kinder" läßt gegenwärtig nach den Plänen des Herrn Architekten J.Modern auf der herrlichen Besitzung, XIII-, Lainzerstraße 172, ein großes Nekonvaleszentenheim erbauen. Aus der für die Durchführung des Baues a sges-rriebenen Konkurrenz ging der Stadtbaumeister Arnold Barber hervor. Die Eröffnung dürste noch in diesem Jahre erfolgen und wird damit einem dringenden Bedürfnis weiter Kreise der notleidenden Bevölkerung Rechnung getragen. Wien. (Mädchenunterstützungsverein.) An den Privatschulen dieses humanitären Vereines wurde das Schuljahr am 3. d. M. geschlossen. Die Fortbildungsschule zählte im abgelaufenen Schuljahre 48, der Handelslehrkurs 56, der Bureaukurs 33. die Fachschule für Kleidermachen 30, die Fachschulen für Weißnähen und Sticken 44 Schülerinnen. Der Unterricht wurde durchwegs unentgeltlich erteilt, die Erfolge waren sehr befriedigende. Die bedürftigsten Schülerinnen wurden mit Lernmitteln uud Mittagskost, Ortsfremde mit Wohnungsbeiträgen unterstützt; auch wurden Schulbäder verabfolgt. — Die Einschreibungen für das neue Schuljahr finden vom 14. September ab in der Schulkanzlei, II., Pillersdorfgasse 8 statt. Wien. Wir werden um Aufnahme folgender Erklärung ersucht: „Ich erkläre hiemit, daß ich in meinen Vorträgen über meine amerikanische Reise bezüglich des dortigen Judentums keinen anderen Standpunkt eingenommen habe, §ls in jenen Vorträgen, die ich in Amerika selbst hielt. Was ich dort am amerikanischen Judentum lobte, lobte ich hier, und was ich hier tadelte, fürchtete ich dort nicht zu tadeln. Die Behauptung des Gegenteils, die nun in manchen amerikanisch-jüdischen Blättern auftauchte, beruht entweder auf Unfähigkeit der Urheber, zu verstehen, was ich sagte, oder auf bösem Willen oder auf beidem. Mit ganz vorzüglicher Hochachtung Dr. Nathan Birnbaum." Austritte aus dem Judentum. vom 28. Juni Ms 4. Juli 1908. Bernheim Marie, geb. 19. Februar 1887, Treffen, Kärnten, Pfaidlerin, VI., Joanelligasse 6. Connard Anna Marie, geb. 21. Juni 1864 zu ßilg, Preussen, VI., Worellstrasse 2. Connard Leopold, geb. 28. August 1866, Fünfkirchen, Schauspieler, VI., Worellstrasse 2. Chatinä Frida, geb. 17. Jänner 1889, Galatz, Gymnasiastin, IX., Garnisongasse 3. Fechner Julius, geb. 29. Mai 1857, Wien, k. k. Rechnungsrat im Finanzministerium, II., Praterstrasse 27. Felsenburg Hans Mendl, geb. 20. Juli 1885, Wien, Schriftsteller, II., Zirkusgasse 47. Langer Johann, geb. 16. Juni 1888, Wien, Tapezierergehilfe, XX., Meldemannstrasse 27.