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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-10 · 28 (10.7.1908) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
28 (10.7.1908)
Date
1908-07-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 28 V»r. Vioch's WvoxrnfchrM. Sette 505 Leipnik. (Die israelitische Kultusgcmeinde gegen Abgeordneten Dr. Sommer.) Der Ausschuß der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde hat in seiner Sitzung am 2. Juli einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher er seiner Entrüstung darüber Ausdruck gibt, daß der Reichsratsabgeordnete Dr. Sommer für die Einschränkung des Bildungsdranges der Juden stimmen konnte, ohne vorher auf seine Stelle als Lehrer an der höheren Handelsschule in Olmütz zu verzichten. In der Resolution wird darauf hingewiesen. daß die Olmützer Handelsschule von einem hohen Prozentsatz jüdischer Schüler und Schülerinnen besucht und von jüdischen Religionsgenossen reichlich unterstützt wird. Dadurch, daß er für die Einschränkung der Zahl der jüdischen Schüler stimmte, hat er nicht nur im allgemeinen gegen seine Pflicht als Lehrer gehandelt, indem er einem Teile der österreichischen Staatsbürger die ihnen gewährleistete bürgerliche Gleichberechtigung entziehen wollte, sondern auch im speziellen als Lehrer dieser Anstalt, die ihm den Lebensunterhalt gewährt und deren Interesse er in jeder Beziehung zu wahren verpflichtet ist. Oderbe. g-Bahnhos. Am 29. v. M. feierte der hiesige israel. Bethausverein das Fest seines zehnjährigen Bestandes, verbunden mit einer Kaiser-Jubiläumsfeier. Das Fest wurde in großem Stile arrangiert und fiel auch glänzend aus. Es waren Einladungen ergangen an die k. k. Bezirk-Hauptmannschaft, an die Nachbargemeinden und deren Seelsorger, sowie an die verschiedenen Korporationen und Vereine, welche auch größtenteils dem Rufe folgten. Die Feier begann um halb 2 Uhr nachmittags mit einer Festsitzung, bei welcher anwesend waren die Herren: Viktor Lustig, Bürgermeister von Schönbichel, Oderberg-Bahnhof und Kopitau. Obmann des Bethausvereines. Hermann Jmmerglück, Odinannstellvertreter und Gründer des Vereines. Josef Zänker, Dr. Max Beer, Jakob Kaßler Gründer. H. Bellak und Leopold Wiener Gründer und Vorstandsmitglieder, Jg. Kohn, Dr. Goldklang, Dr. Zeckendorf, Emil Spitzer. Josef Schwartz. Ed. Eichenbaum, Edw. Kolban und Ad. Huppert Vorstandsmitglieder des Bethansvereines; der k. k. Bezirkshauptmann aus Freistadt Herr Jaxa v. Bobowski; Landtagsabgeoidneter und Bürgermeister von Oderberg-Stadt Dr. Karl Ott; die Schuldirektoren Schefauer und Kozdony Als Deputation der benachbarten Kultusaemeinden: Mähr.-Ostrau, der Präses Dr. Alois Hilf, Tempelvorsteher M. Krasny, Dr. Max Beer, Ehrwürden Dr. Jakob Spira, Dr. Ferber, Oberkantor Löwy; der Kultusgemeinde Bielitz, kaiserl. Rat Josef Pollak Präses. Voisteher Dr. Aaronsohn; der Kultusgememde Ratibor, Synagogen Vorsteher Schick» Ehrw. Dr. Dienemann. Der Obmann Herr B. Lustig eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in welcher er die Gäste aufs herzlichste begrüßte und die zehnjährige Tätigkeit des Vereines schilderte, wie auch den Umstand hervorhob, daß der Verein so weit gediehen sei, um üch zu einer Kultusgemeinde umzugestalten. Hierauf erbat sich Herr Emil Spitzer, Obmann des Festkomitees, das Wort zur Verlesung der Huldigungsdepesche an Se. Majestät, welcher begeistert beigestimmt wurde. Zum Schlüsse gab auch Herr Synagogenvorsteher Schick aus Ratibor in einigen kräftigen, mit großem Pathos vorgetragenen Worten seinen und seiner Gemeinde Gefühlen für den Bethausverein Ausdruck, welche mit großen Beifallskundgebungen belohnt wurden. Anschließend wurde ein solenner Festgottesdienst abgehalten, welchen Herr Oberkantor Goldmann mit Chor und Harmoniumbegleitung in höchst gefälliger und andachtsvoller Weise ausführte und dem Herr Rabbiner Dr. Spira mit seiner glänzenden Festrede eine besondere Weihe verlieh. Ein Kaiserjnbiläums-Sommerfest versammelte die Festgäste im Garten des „Hotel Austria", zu welchem ein rühriges Komitee große Vorbereitungen getroffen hatte und auf Initiative des Herrn Emil Spitzer viele Spenden auch von auswärts eingelaufen waren. Um 7 Uhr abends fand eine große Kaiserhuldigung statt. Dieselbe wurde durch einen Prolog, gesprochen von der hochgeehrten Gattin des Herrn Bürgermeisters Lustig, eingeleitet, worauf Herr Emil Spitzer ein selbstverfaßtes Kaiserhuldigungsgedicht in hinreißender Weise zum Vortrage brachte, wodurch die Begeisterung der Anwesenden ihren Höhepunkt erreichte und in einem stürmischen dreimaligen „Hoch" auf Se. Majestät zum Ausdruck k m. Die Gäste blieben noch bis nach Mitternacht in höchst animierter Stimmung beisammen, unter ihnen auch der k. k. Bezirkshanptmann, dessen Freundlichkeit und Leutseligkeit man nicht genug rühmen kann. Das Fest ergab einen bedeutenden Reinertrag, der zu verschiedenen wohltätigen Zwecken verwendet wurde. Berlin. (Die Juden im preußischen Abgeordnetenhause.) Das „jüdische Element" im preußischen. Abgeordnetenhause ist durch die Neuwahlen verstärkt worden. Bis auf Herrn Münsterberg, der in Danzig mit seinen zwei freisinnigen Kollegen den Konservativen hat weichen müssen, sind die früheren jüdischen Mitglieder des Hauses wiedergewählt. Die Herren Aronsohn, Cassel, Gerschel, Peltasohn, Rvsenvw, Wolff kehren wieder in die zweite Kammer zurück. Zu ihnen treten als neue preußische Volksvertreter hinzu die Herren Heimann, Hirsch und Waldstein. Die reinen Antisemiten haben ihre letzten Vertreter bei den Wahlen ein gebüßt. Generalversammlung der Jewish Colonisation Assoeiatio». Am 28. Juni, vormittags 10 Uhr, fand in Paris die Generalversammlung der Jewish Colonisation Affociation statt. Sie wurde geleitet von Herrn N. Leven, Vorsitzenden des Administrationsrates. Anwesend waren die Herren: Leonhard L. Cohen. Paul Errera. Dr. Ed. Lachmann. Vertreter der Gemeinde Berlin, Herbert G. Lousada, Claude G. Montefiore, Vertreter der Anglo- Jewish Association, Dr. A. Netter, Vertreter der Alliar.ee Jsraelite Universelle, Fr. Philippson. Vertreter der Gemeinde Brüssel und S. Reinach, Mitglied des Rates. Herr Dr. Blau, Vertreter der Gemeinde Frankfurt, hatte sich entschuldigt und Herrn Dr. Lachmann mit der Ausübung seines Mandats beauftragt. Nach Erledigung der geschäftsordnungsmäßigrn Verhandlungsgegenstände verlas der Präsident einen Bericht, dem wir folgendes entnehmen: Der Bericht gedenkt zunächst in warmen Worten der Verdienste des verstorbenen Charles Haügarten und geht dann aus die Tätigkeit der „Jca" im Berichtsjahre ein. An erster Stelle stand auch im verflossenen Jahre das Koloniiationswerk \\i Argentinien. Diese jüdischen Kolonien, die die „Jca" selbständ'.g gegründet hat und deren älteste jetzt 15 Jahre besteht, fahren nach dem Berichte fort, sich günstig zu entwickeln. Die To'albevölkerung, die Anfang des Jahres 11.974 Seelen betrug, belief sich zu Ende des Jahres auf 13.212. Die Fläche des bearbeiteten Gebietes stieg in diesem Zeitraum von 58.400 auf 64.000 Hektar, die Zahl des Viehes wuchs von 104.000 aus 142.000. Ebenso wie der eigentliche Ackerbau stieg auch die Viehzucht, die eine der Haupterwerbsquellen der Landwirtschaft in Argentinien bildet. Mit Genugtuung verweilt der Bericht bei der Tatsache, daß die Besserung der Verhältnisse eine allgemeine war und daß auch diejenigen der Kolonisten, die bisher unzufrieden waren, sich erholt haben und ihr Auskommen finden. In Moisesville, wo die klimatischen Bedingungen der Großkultur nicht günstig find, find die Kolonisten dazu übergegangen, die Zucht der Luzerne, die auf diesem Boden sehr gut gedeiht und im Lande leicht abgesetzt wird, in größerem Maßstabe zu betreiben. Zugleich gestattet diese Kultur eine Vermehrung der Viehzucht. In den Kolonien der Provinz Entre Rios, die insgesamt ungefähr 7000 Seelen zählen und bisher unter Schwierigkeiten zu leiden hatten, beweisen die Resultate der beiden letzten Jahre, daß lüchtige Arbeiter dort genau so wie anderswo zu Wohlstand gelangen können. In allen unseren Kolonien wissen die Kolonisten Nutzen zu ziehen aus den Hilfsmitteln, die wir ihnen zur Verfügung gestellt haben; sie verstehen es jetzt, Florakultur und Viehzucht zu verbinden, Milch zu gewinnen und zu verkaufen rc. Sie arbeiten mit Hilfe ihrer Kinder und fast nur jüdischer Arbeiter, und das Bewußtsein, Arbeit zu finden und in einem jüdischen Milieu leben zu können, wird in den Kolonien immer gewisser. Bemerkenswert ist auch der Geist der Solidarität, Ux unter den Kolonisten herrscht, und die Leichtigkeit, mit der sie ihre Gemeindeangelegenheiten regeln; überall haben sie Genossenschaften gegründet, die die Grundlage einer autonomen Verwaltung bilden, der Selbstverwaltung, die zu erzielen wir bestrebt find. Die Mehrzahl der öffentlichen Lasten, die Kosten des Sanitätsdienstes, Unterhaltung der Synagogen, Bäder un:> Friedhöfe, der Verkauf des Koscherfleisches, des Biblivtheksdienstes rc. wird heute von den Kolonisten selbst aufgebracht. Die „Jca" trägt nur noch zu dem Etat der Schulen bei. Hierbei beteiligen sich auch die Provinzverwaltungen. Auch gibt die „Jca" alljährlich an Bedürftige Borschüffe auf die Ernte.

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