Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 28 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 28 Dr Llscb s Mocdenscdrtn. Sette 501 Zeitschrift folgenden Bemerkungen Raum geben. Wie aus der veröffentlichten kurzen Inhaltsangabe zu schließen ist, scheint das samaritanische Josuabuch nicht nur, wie dort erwähnt, von den arabischen Historikern des 12. und 15. Jahrhunderts, sondern sogar der früheren Jahrhunderte benützt worden zu sein. Es dürfte den Herrn Dr. Gaster interessieren, daß manche samaritanische Berichte sich in den arabischen Geschichtswerken der ersten Jahrhunderte d. H. wiedererkennen lassen, von denen einzelne in die späteren Midraschim Eingang fanden. Mit dem samaritanischen Buche übereinstimmend, erzählte auch der Historiker Jakulu (lebte im 4. Jahrdh.), p. 47, daß eine Zauberin der zu besiegenden Völker die Sonne zurückhalten wollte, die aber Josna durch sein Gebet schwächte. Denselben Gedanken finden wir in Pirke de R. El. 52: rnb-ias rntjoia ’mama nx-i Josna sah die Wahrsager der Völker, die die Planeten zurückhalten konnten, sich gegen die Israeliten verbinden u. s. w. Auch das Buch der Prophetenlegenden des Muhammed al-Kisai (lebte im 2. Jahrh. d. H), dessen Edition nach mehreren Mss. ich besorge, enthält manche Berichte, die mit der Schilderung des samaritanischen Textes parallel gehen. So weiß z. B. auch al-Kisai ‘) über die Entdeckung der Sünde Achans folgendes zu erzählen. Josna erbte vom Hohepriester Harun ein Kleid, das mit zwölf Zeichen gegen die zwölf Stämme versehen war. So oft ein Angehöriger eines Stammes sich gegen Gott vergangen hatte, nahm das seinen Stamm bedeutende Zeichen eine veränderte Gestalt an. Als Josna das Zeichen des Stammes Juda verändert sah, stellte er eine Untersuchung an und eruierte den Uebeltäter. Diese Darstellung bildet gewiß die Grundlage für folgende Erzählung im Buche Pirke de El. 38: 2"' "1)22 GniE» b& 2'228 2"'2 y»l.T HX2 “ Josna bemerkte, daß von den zwölf Steinen am Brustschild des Hohepriesters, die den zwölf Stämmen entsprachen, der des Juda sich verdunkelte und seinen Glanz verlor, und wußte, wo der Sünder zu suchen sei. Nach Tabari, ed. Barth, I. p. 514, hieß der Täter „Achar" und der Ort, wo er gerichtet wurde — „Tal des Achar" dem biblischen TDy pöy entsprechend. Auch bei al-Kisai hat ein Hohepriester Al-aizar eine führende Rolle. — Schilderungen vom Stillstehen der Sonne und des Mondes finden sich bei Tabori I, p. 513, Ntiv I, p. 142, Taalihi p. 147 und al-Kisai, bei letzteren mit legendarischen Zutaten, die im Talmud Md Midrasch ihren Ursprung finden. So rührt die Anschauung, daß das Stillstehen der Sonne knapp vor Anbruch des Sabbaths erfolgte, gewiß, wenn auch nicht direkt aus Jeruschalmi Sabbath, Abschn. I, her. .1-,^^ N2L>2 inn' Jericho wurde am Sabbath erobert. Ebenso erzählen Tabori und Taalihi die Geschichte der Verschwörung der fünf armenischen Könige in wörtlicher Uebereinstimmung mit der Bibel, wogegen al-Kisai die Ueberschreitung des Jordan legendarisch darstellt, daß nämlich zwei an den Ufern des Flusses befindliche Berge sich ausdehnten und zwei Brücken bildeten.') Auch die List der Gibeoniter und der Friedensschluß mit ihnen findet bei al-Kisai Erwähnung, der sie zu Bewohnern von Askalvn stempelt. Hoffentlich wird der samaritanische Originaltext zu weiteren Resultaten führen und man darf dem Erscheinen desselben mit Spannung entgegensehen. Dr. I. E i s e n b e r g. Belmonte. Geehrter Herr Redakteur! Bezugnehmend auf die in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes befindliche Notiz über die holländisch-jüdische Familie de Belmonte möchte ich Folgendes bemerken: Emanuel de Belmonte war weder Pfalzgraf, noch war es der König von Spanien, der ihn zuerst nobilitierte. Vielmehr war es Kaiser Leopold II. von Oesterreich, der wie Geyer v. Rosenfeld im „Deutschen Herold", Jahrgang 1890, S. 124, ausführt, der ihm ddo. Wien, ') Der arab. Text mit wiffenschaftlichen Anmerkungen wird demnächst der Oeffentlichkeit übergeben, wozu noch eine deutsche Nebertragung folgt. , 2) AehnlichBerachoth.Abschn.9: pj*^apl mH nm na )p’2"lK 26. V. 1673 für seine Person das kleine Palatinal verlieh. Das Diplom aber erhielt er nicht, so wie man erfahren hatte, daß er Jude sei. Erst zwanzig Jahre später (11. Juni 1693) erhielt er vom spanischen König Karl II. den Titel eines Barons. Das nicht ausgesolgte Diplom dürfte fich im P. T. Adelsamt, das dem Ministerium des Innern untersteht, noch vorfinden. Baden bei Wien. 8tnä. jar. Paul Diamant. Kongreß der Esperantisten. Die Angelegenheit der Esperantoweltsprache trüt durch den in Dresden statlfiildenden IV. Elperantlstenkongreß in eine Phase, welche diese Sprache zu einer die Allgemeinheit sehr beschäftigenden Frage machen wird. Die königlichen und städtischen Behörden in Dresden kommen dem Kongreß in der zuvorkommendsten Weise entgegen. Mehrere hohe Staatswürdenträger in Dresden haben sich dem Komitee angeschlossen. Der König von Sachsen hat für die von Emanuel Reicher geleitete Festaufführnng „Iphigenie von Goethe" in der von Dr. Zamenhof stammenden Uebersetzung ins Esperanto das königliche Opernhaus zur Verfügung gestellt, das an diesem Abend für die Oeffentlichkeit geschloffen ist. Die städtischen Behörden mit dem Stadtoberhaupt an der Spitze werden den Kongreß offiziell empfangen. Das Prachtgebäude der königl. technischen Hochschule ist dem Kongreß zu den Versammlungen übergeben worden. Es werden da einige zwanzig Fachsitzungen stattfinden, von Gelehrten, Technikern, Kaufleuten rc. Sowohl in der protestantischen, wie in der katholischen Hofkirche werden zwei Gottesdienste in Esperanto abgehalten. Vierundzwanzig in der Esperantosprache ausgebildete Schutzleute werden, mit einem Abzeichen versehen, in einzelne Straßen verteilt, um den Kongreßteilnehmern etwa dreißig verschiedener Nationen Auskunft erteilen zu können. Herr Emanuel Reicher, dem wir diese intereffante Mitteilung verdanken, ist der Ansicht, daß diese so l-icht zu erlernende und schön klingende Sprache sehr bald eine allgemeine Verbreitung finden wird. Die Jnaugnrierung des Dr opfie-College. Vorige Woche hat das Kuratorium des Dropsie-College für das Studium der hebräischen Sprache und verwandte Wissenschaften in Philadelphia ihre diesjährige Versammlung abgehalten. Den Vorsitz führte Dr. Cyrus Adler. Anwesend waren die MitgliederLouis Marshal, William B. Hackenbnrg, Louis Gerstley, Oskar B. Teller, Ephraim Lederer. Hon. Mayer Sulzberoer. David Sulzberger, Dr. Harry Friedenwald und Erwin Wolf. Staatssekretär Oskar S. Straus hatte wegen unaufschiebbarer amtlicher Geschäfte sein Fernbleiben entschuldigt. Dr.Schlechter, Präsident des »Jevvish Theological Seminary« von New-Dork wurde in das Exekutivkomitee gewählt. In den engeren Ausschuß wurden gewählt die Herren: Dr. Cy.us Adler, Präsident, Hon. Mayer Sulzberger. Vizepräsident. David Sulzberger, Ehrensekretär, Oskar B. Teller. Kassier. Dr. Adler legte den Arbeitsplan des College vor, besprach die Möglichkeit einer Kooperation mit anderen Anstalten, den Lehrplan und die zu schtffenden Graduierungen usw Seiner Ansicht nach müssen drei Abteilungen geschaffen werden, und zwar: 1. Bibelsprache und Literatur, 2. rabbinische Sprache und Literatur und 3. Verwandte Wissenschaften und ihre Literaturen. Es wurde bereits eine Korrespondenz mit amerikanischen und europäischen Universitäten, wie auch mit den östlichen und speziell orientalischen Hochschulen, betreffend die in diesen Anstalten jetzt gepflogenen wiffenschaftlichen Arbeiten eröffnet. Die Anstalt wird jedem Studierenden ohne Unterschied des Geschlechtes, der Religion, Raffe oder Farbe zugänglich sein. Die Vorlesungen werden so geartet sein, daß sie hauptsächlich für Theologen aller Konfessionen, Philologen und Philosophen von Interest' und Wert sein werden. Es wurde beschlossen, daß die Vorlesungen im College unwiderruflich im Herbste des Jahres 19<>9 ihren Anfang nehmen werden. Die Wahl der Professoren wurde m dieser Sitzung nicht vorgenommen. Die Christlich-Sozialen in Amerika gegen den Antisemitismus. Der Bund der Christlich-Sozialen Amerikas hat auf seiner jüngsten, drei Tage dauernden Konferenz eine scharfe Absage an die europäischen Christlich-Sozialen erlaffen, die sich mit dem-Antisemitismus identifizieren. Die betreffende Resolution lautet: „Der Bund der Christlich Sozialen ist gegründet zum Zwecke der Ausbreitung der Kenntnis der Grundsätze religiösen Glaubens und Fühlens. Angesichts der politischen Bedeutung des Ausdrucks „christlichsozial" in europäischen Ländern ist es nötig, auszudrücken, daß sich der Bund in seinem Geiste und Ziele völlig von den sogenannten christlichsozialen Parteien in Deutschland und anderen Ländern unterscheidet. Er hat nichts gemein mit den halbphilanthropischen und sozialen Reformbewegungen, die öfters als christlichsozial bezeichnet werden. Er hat aber auch keinen Zusammenhang, im Gegenteil, er verurteilt aufs entschiedenste die sogenannte christlichsoziale Partei in Deutschland, Oesterreich und anderen Ländern des Kontinents, die eine heftige antisozialistische und nnchristliche Propaganda des Antisemitismus betreibt und die Sozialdemokeatie, die Bewegung der arbeitenden Klaffe, bekämpft."