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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-10 · 28 (10.7.1908) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
28 (10.7.1908)
Date
1908-07-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 500 Or. Llocb's Mscvenscbrtrr. Nr. 88 auf dieser Fahne das die ganze Menschheit tragende Wort: „Ehre Vaier und Mutter?" In die Mitte dieser Fahne, gerade in dieses Gebot, macht jeder Jude einen schmerzhaften Riß, der sich geburtslos machen will, der sich vor dem Magistrat konfessionslos erklärt. Unsere Geistesströmung mag immerhin gegen jede göttliche und menschliche Autorität, auch gegen die der Eltern, gegen jede Pietät, auch gegen die für die Eltern gerichtet sein. Wir mögen immerhin bestreiten, daß Eltern über ihre Kinder es vermögen, daß sie ihren Glauben, ihre religiöse Weltanschauung, ihre politische Gesinnung teilen, daß ihre Kinder genau gleich ihnen dem Jom Kippur im rührenden Sterbegcwande verklärt, fastend, betend, hoch gestimmt, vom All durchdrungen vom frühesten Morgen bis zum Äusblinken dreier Sterne am abendlichen Himmel feiern, daß sie gleich ihnen ein Maasserbuch führen, nach welchem sie gewissenhaft den zehnten Teil des Jahreseinkommens aus Werke der Nächstenliebe verwenden. Aber die Autorität hinsichtlich unserer Geburt wird den Eltern doch nie und nimmer bestritten werden können. Wie wollten wir gegen unsere alte Mischnah da aufkommen, die schon lehrt: „Autoritativ sind die Eltern für die Kinder hinsichtlich körperlicher Schönheit, der Körperkraft, des Reichtums, der Lebensdauer, der geistigen Anlagen und der-Stammesangehörigkeit." Ob nun der Name Jude wirklich ein böses Erbteil oder gar ein Schimpf ist, das werden wir uns doch nicht von unseren Feinden, nicht von unseren falschen Freunden sckgen lassen, darüber wollen wir die Geschichte und die zeitgenössische Weltlage besser befragen. Vom Zabrmarkt des Lebens. Eberhard Schräder. Von Rabb. Dr. D Feuchtwang. In Berlin wurde dieser Tage ein ausgezeichneter Mensch und Gelehrter zu Grabe getragen, dem auch in jüdischen Blgttern ein warmes Wort des Nachrufs geziemt. Meine Feder führt allerdings die große Verehrung des treuen Jüngers für den Meister und Freund. Jedoch die vorurteilsloseste Welt der Wissenschaft muß diesem berühmten Assyriologen und Theologen die Palme reichen. Eberhard Schräder ist am 5. Jänner 1836 zu Braunschweig geboren und studierte in Göttingen Theologie und orientalische Sprachen. Im Jahre 1862 habilitierte er sich in Zürich, woselbst er im Jahre darauf zum ordentlichen Professor der Theologie ernannt wurde. Schon damals befaßte er sich mehr mit Orientalia als mit Theologie. In Zürich war er Kollege und Freund des später in Wien so berühmten Historikers Max Büdinger, dem Grüße zu bestellen er in keinem seiner Briefe an den Schreiber dieser Zeilen vergaß. Im Jahre 1870 wurde er nach Gießen, 1873 nach Jena und 1875 nach Berlin berufen, wo er endgiltig in die philosophische Fakultät übertrat und sich fast ausschließlich den orientalischen Sprachen und Insbesondere der Assyriologie widmete. Der ausgezeichnete Theologe, der die berühmte Einleitung in das Alte Testament de Weites neu bearbeitet hatte und dem das hebräische Altertum zur Heimat geworden war, war geradezu prädestiniert zur Durchforschung der keilinschriftlichen Literaturdenkmäler, die in so tiefer, noch immer nicht genügend erkannter Beziehung zu der hebräischen Antike stehen. Er war der e r st e Bahnbrecher der Assyriologie in Deutschland und hat die erste größere Grammatik der assyrischen Sprache entworfen. — Das Vernehme seiner imponierenden Erscheinung, das Maßvolle seines Wesens und seine durchaus edle Gesinnung kamen auch in seinen großen Werken zum Ausdrucke, in denen nur reife Früchte tiefgründigster Forscherarbeit niedergelegt find. Wie er ein ganzer Mensch und Mann war, so sind seine Arbeiten. Sein Hauptwerk „Die Keilinschriften und das Alte Testament" war epochemachend und enthält bis heute die unvertilgbaren Grundlinien für alle Forschungen, die sich auf das ungeheure Gebiet des Vergleiches der altbabylonisch-ossyrischen Ueberlieferung mit der der Hebräer erstrecken. Er hat den Weg gezeigt und mit gleicher Sicherheit und Ehrlichkeit ist kaum einer nach ihm diesen Weg gegangen. Das Buch K. A. T., auch ins Englische übersetzt, wurde von der ganzen wissenschaftichen Welt, besonders von den Theologen aller Konfessionen und Orientalisten mit Begeisterung ausgenommen. — Diese Gleichheit aller Konfessionen ist charakteristisch. Denn Eberhard Schräder war völlig frei von irgend welcher konfessionellen Befangenheit. In seinem freundlichen, gastlichen Professorenhause am Kronprinzenufer verkehrten jüdische Theologen mit katholischen, protestantischen, muhammedanischen und japanischen. Das ist wörtlich zu nehmen, denn seine Kollegien über Assyriologie wurden von allen gehört. Sein engerer Schülerkreis, zu dem auch ich gehörte, hing mit Begeisterung an ihm. Und alle, die etwas Recht.s geworden sind, wurden seine Freunde, mit denen er in stetem Verkehre blieb. Er war edel und treu. Seine polemischen Schriften zeichnen sich durch Scharfsinn und Schlagfertigkeit aus, so z. B. sein berühmtes, gegen Gutschmiedt gerichtetes Buch „Keilinschriften und Geschichtsforschung" (1878). Die Gründung der „Keilinschriftlichen Bibliothek", in der die wichtigsten keilinschriftlichen Denkmäler gesammelt sind, ist ein unsterbliches Verdienst. Kein Historiker der Antike kann dieses Werk entbehren. Die jüdische Wissenschaft zumal hat allen Grund, Schräder ein ewiges Andenken zu bewahren. Dem alttestamentarischen Schrifttum kam er mit tiefstec Pietät und größter Ehrfurcht entgegen, so sehr auch sein kritisches Messer geschärft war. Von der zügellosen Wildheit modernster Bibelkritiker war er weit entfernt: schon deshalb, weil ihm hypothetische Hirngespinste gegenüber der Ueberlieferung stets als nichtig erschienen. Das zeigte auch seine Reserve gegenüber dem von Friedrich Delitzsch, seinem großen Schüler in Szene gesetzten und vom deutschen Kaiser favorisierten Bibel-Babelsturme. Oeffentlich äußerte sich Schräder nicht. Seine stille Gelehrtennatur war diesem halb politisch-nationalen Unternehmen gänzlich abhold. Aber privatim tat er es in seiner präzisen Art. Ich habe in meiner Schrift: „Zur Aufklärung über Bibel und Babel" seine an mich gerichteten Aeußerungen neben denen Opperts veröffentlicht. Ihm war es lediglich um wissenschaftliche Wahrheit zu tun und Panbabylonismus war ihm ebenso fremd wie der wissenschaftliche Antisemitismus, der sich hinter gar vielen gelehrten Arbeiten der Gegenwart verbirgt. — Edle Bescheidenheit war die hervorragendste Eigenschaft des' Geheimen Regierungsrates Professors Dr. Konrad Eberhard Schräder, Mitgliedes der Berliner Akademie und vieler auswärtiger großer wissenschaftlicher Korporationen,- dessen Mitarbeiterschaft bei allen enzyklopädischen Werken über orientalisches Altertum der ganzen Welt angestrebt wurde. Er streute mit freigebigen Händen Anregungen aus und anerkannte die kleinste wissenschaftliche Leistung seiner Schüler, die er mit allen Mitteln förderte. Wir verehren ihn aber auch mit unvergänglicher Aufrichtigkeit. Zu seiner Schule gehören nächst dem glänzenden Friedrich Delitzsch Paul Haupt, Bezold, Hugo Winckler, C. F. Lehmann, A. I. Kundtzon, Heß, Felix Peiser, Peter Jensen u. v. a.; diese alle bereits Kapazitäten auf dem ungeheuren Gebiete der Assyriologie, die ungeahnte Resultate für die Gesamtkultur derVölker desOrients und Okzidents täglich zutage fördert. In der so interessanten Geschichte der assyriologischen Wissenschaft wird Schräders tadelloser Name ebenso unvergeßlich sein nnd bleiben, wie im Kreise der Gelehrten und besonders seiner in Dankbarkeit ergebenen Schüler. Die samaritanische Ausgabe des Buches Josua Sehr geehrter Herr Doktor! Wollen Sie zu dem in der „Oesterr. Wochenschrift" vom 9. v. M. aus dem „Times" reproduzierten lehrreichen Artikel „Die samaritanische Ausgabe des Buches Josua" von Dr. M. Gaster in Ihrer geschätzten

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