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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-03 · 27 (3.7.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Sk. 27 Dr. Llocb's MoevensebrM. Seite 4SI Zwistes bereits fehlt und die Arbeit eines Menschenalters mit Undank zu lohnen auch nicht als „jüdische Nationaljugend" gepriesen werden dürfte. Franzensbad. (Bankier Reitzes. Dr. Stransky in Asch. Israelitische Kultusgemeinde.) Es entbehrt nicht eines gewissen Reizes, folgendes von dem jetzt in den Ehestand getretenen jungen Bankier Reitzes zu erfahren. Als er vor kurzem hier Aufenthalt hatte, besuchte ihn auch der Funktionär der israelitischen Gemeinde zwecks einer Spende für das israelitische Hospital für arme Kurbedürftige. Der betreffende Funktionär wurde von der Braut des jungen Herrn Reitzes ziemlich unwirsch ausgenommen und mit der Bemerkung verabschiedet: „Mein Bräutigam ist ja kein Jude mehr." In diesem Augenblicke trat Herr Reimes selbst in die Erscheinung, griff huldvollste in das arische Portemonnaie und überreichte eine Spende von L 2 — sage zwei Kronen. — Zu dem jüngsten Wutanfall des Dr. Stransky anläßlich der Rede des Herrn Dr. Straucher ist zu bemerk-n, daß, Dr. Straucher die Stadt Asch viel zu glimpflich behandelt hat. Es dürste keine Stadt in Oesterreich existieren, die so antisemitisch ist Und die den Juden ihre ganze Industrie und ihren Wohlstand so zu danken hätte, als Asch. JhrenAntisemitismus schöpfen die dortigen Antisemiten hauptsächlich aus dem Aerger über Verluste an Juden in den Krachzeiten. Diese Verluste waren aber verschwindend gering gegenüber den an Wiener, ungarischen und polnischen Juden verdienten Millionen. — Diese mit hervorragenden Antisemiten so gesegnete Stadt baute vor einigen Jahren ein Schlachthaus und dekretier, e, daß darin nicht geschachtet werden darf. Die israelitische Kultusgemeinde läßt durch ihren Rabbiner in Asch Religionsunterricht erteilen und da die gesetzliche Vorschrift von monatlich 2mal geradezu lächerlich erscheint, wandte sich die israelitische Kultusgemeinde vor Jahren wiederholt an den Ortsschulrar Asch mit der Bitte, wöchentlich Imal, also monatlich 4mal das Schulzimmer für den Religionsunterricht zur Verfügung zu stellen. Die israel. Kultusgemeinde machte sich erbötig, die Kosten der Heizung und Reinigung selbst zu tragen. Die Bitte wurde aber immer zurückgewiesen mit der Motivierung, daß nur gewährt werde, was gesetzlich vorgeschrieben sei. Rekurse, die bis zum Landes-Schulrat gingen, blieben ebenfalls erfolglos. In der Kultusgemeinde Franzensbad amtiert seitdem der neue Rabbiner Herr Dr. Spitzer und der gesanglich begabte Kantor Herr Stell er, deren Wirken ein frisches Leben erzeugt, das von allen Kreisen mit Befriedigung beobachtet wird. Hoffentlich wird die Kultus gemeinde. blühen und gedeihen und aus den Kämpfen, die sie gegen Widersacher aus den Reihen jener Mitglieder zu führen hat, die sich nicht schämen, während der Kurzeit aus nachweisbar nur eigennützigen Geschäftszwecken Privatminjanim (Privatgottesdienst) zu veranstalten und dadurch den öffentlichen Synagogengottesdienst schädigen, mit dem einer gerechten Sache würdigen Siege hervorgehen. Bei einer intelligenten, energischen Leitung der Gemeinde muß dieser Sieg kommen und müßten die Quertreibereien und Beinstellereien endlich einmal aufhören. Eine Deputation jüdischer Schanker beim galizischen Statthalter. Am 37. d. M. sprach im Namen des provisorischen Komitees der Organisation jüdischer Schanker — über deren Gründung wir bereits berichteten — eine Deputation beim Statthalter Bobrinsky vor, um ihm die Wünsche der jüdischen Schänker Galiziens vorzutragen. Mitglieder der Deputation waren: Guensberg und Meth aus Dawidow, Fett aus Dembitz, Koblik aus Rzsezow, Siegel und Nischei aus Lemberg. Sprecher der Deputation war Herr Fett, der auch dem Statthalter das Memorandum — eine Arbeit des Herrn Moses Frostig — überreichte. In dem Memorandum wird besonders verlangt, daß die Bezirkshauptmannschaften nur solchen Personen Schankkonzessionen erteilen mögen, welche in dem Fache selbständig arbeiten, ferner, daß bei Erteilung von Konzessionen die Gutachten der Schänkervereine, welche jetzt in allen Teilen des Landes gegründet werden, berücksichtigt werden mögen. Der Statthalter erwiderte, daß er die Bezirkshauptmannschaften beauftragen werde, in Zukunft nur an wirkliche Fachmänner und ältere Schänker Konzessionen zu erteilen und versicherte die Abordnung, daß er die Forderungen der Organisation, von welcher die Deputation entsendet wurde, so weit als nur möglich unterstützen und fördern werde. Der Statthalter drückte seine Befriedigung darüber aus, daß dir Schänker daran gehen, eigene Fachorganisationen bilden und er werde den Bezirkshauptmannschasten auftragen, die Bestrebungen der Schänkervereine zu berücksichtigen, auch wenn sie aus nichtkonzessionierten Schänkern bestehen sollten. Der Statthalter sprach ferner die Hoffnung aus, daß die Vereine, denen alle Schänker werden angehören können, der Behörde in der gerechten und die Interessen der Schänker berücksichtigenden Erteilung der Konzessionen behilflich sein werden. Auch betreffend die Sonntagsruhe, gegen welche das Memorandum einen Protest enthält, versprach der Statthalter, alles zu tun, was ihm Rahmen des Gesetzes möglich sein werde, um den Wünschen der Deputation und ihrer Auftraggeber zu entsprechen. Der Lemberger Bischof und die Jude». Auf seiner Firmungsreise kam der Lemberger Bischof dieser Tage auch in die in der Bukowina gelegene Gemeinde Moldauisch-Banila, wo er u. A. auch von einer Deputation der Judengemeinde, die den Bischof mit einem Sefer Thora entgegengekommen war, empfangen wurde. Auf die Begrüßung des Führers der Deputation erwiderte der Bischof: „Ich kann mich dessen rühmen, daß ich überall, wohin ich komme, das friedliche Einvernehmen der Bevölkerung mit den Juden fördere. Und die Juden müffen auch geachtet werden, so sie an ihrer erhabenen Religion festhalten." Kinderraub i» Galizien. Das Verbrechen des Kinderraubes, begangen gegen jüdische Eltern, graffiert in Galizien in erschreckender Weise. Die öffentlichen Blätter melden einen traurigen Fall, der sich vor einigen Tagen, in der Nacht vom 12. auf den 13. v. M. in dem Dorfe Czarna ereignet hat. Da ist plötzlich die 15jährige Tochter des Schankers Hirsch Gerstner verschwunden. Allgemein bezeichnete man den Gendarmerie-Postenführer Michael Sabot als denjenigen. der das Mädchen in ein Kloster entführt hat. Und tatsächlich wurde auch festgestellt, daß sich das Mädchen im Kloster von Mogilany bei Krakau aufhalte. Bon hier wurde es wieder in das Krakauer Kloster der Felicianerinnen überführt. Dort befindet es sich noch, trotzdem bereits die Eltern die Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet haben. München. Dem Unteroffizier Abraham Gutmann in der Schutztruppe zu Deutsch-Südwestafrika wurde daS bayerische Militär-Verdienstkreuz II. Klaffe mit Schwertern verliehen, und zwar in Anerkennung seiner hervorragenden, kriegerischen Tapferkeit im Feldzuge gegen die Hereros- Gutmann ist bayerischer Jude! Georg Brandes für die finnländischen Inden. Die Intervention der Deputation finnländischer Juden bei Georg Brande-, als dieser in Helfingfors weilte, scheint doch nicht ohne Eindruck auf Brandes geblieben zu sein. In einer der letzten Nummern der „Politiken" widmet BrandeS der Judenftage in Finnland einen längeren Artikel, in welchem er seine Anficht über dieselbe in Folgendem zusammenfaßt: „Die Frage ist die: Warum verweigert das finnische Volk, das ja selbst um seine Freiheit die schwersten Kämpfe zu bestehen hat und im Allgemeinen doch ein fteiheitsliebendes Volk ist, warum, frage ich, verweigert dieses Volk gerade dieser kleinen Minorität, die ihrerseits, doppelte Unterdrückung und Verfolgung zu ertragen hat, selbst die elementarsten Bedingungen menschlicher Existenz? .... Schmerzlich berührte es mich, von einem jüdischen Studenten, der in Finnland geboren und erzogen wurde, zu hören, daß nur in der Zeit der Herrschaft deS ruffischen Reaktionärs Bobrikow, der wenigstens keinen Unterschied machte zwischen Finnen und Juden, die letzteren es halbwegs gut hatten. Bobrikow, der verachtete Tyrann, war also humaner, als der finnländische Senat! Das finnische Volk muß doch zumindest anderen gegenüber so handeln, wie es haben will, daß man ihm gegenüber handle!

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