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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-03 · 27 (3.7.1908) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Xlocb’s MocdenscvrM. Sette 489 An Spenden gelangen zur Verlesung: Von Herrn Theodor Ritter von Taussig anläßlich der Vermählung seiner Tochter Gertrud mit Herrn Dr. Ludwig Schüler: für die Armen-Anstalt ....... X 300.— für das Blinden-Institut.„ 300. - für den Frauen-Verein.„ 300.— für das Taubstummen-Jnstitut . . „ 100.— für den Talmud-Thora-Verein . . „ 100.— für den Frauenhort . \ . v . . . „ 100.— für die Kinderbewahranstalt . . . „ 100.— für den Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen ....... 100 — für den Mädchenunterstützungsverein „ 100.— für die Volksküche.„ 100.— für den Theresien-Kreuzerverein. . „ 100 — für den Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten ..„ 100 — für das Ferienheim.„ 100.— - für die Sammlung für arme Bräute „ 100 — K 2000 — Von Familie Baumgarten anläßlich des Ablebens des Herrn Emanuel Baumgarten als Spende f. d. Cbewra-Kadischa X 100.— Von Herrn Josef Schwiedernoch für arme Juden .... X 4. Von Herrn Emanuel Grünwald, Kultusvorsteher, anläßlich des 60jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers ein wertvolles Proches für den Tempel in Floridsdorf. Von Herrn Bethausvorsteher Albert Winterberg: 2 blaue Samt-Manterl mit Goldstickerei, 2 Paar Kle-Kodesch, in Silber, vergoldet, 1 Ziz in Silber, vergoldet, 2 Jodajim in Silber, vergoldet und die dazu gehörige Kassette. Der Präsident berichtet über die Jubelfeier des 50jährigen Bestandes des Leopoldstädter Tempels und konstatiert mit Genugtuung den erhebenden Eindruck, den die würdige Feier bei allen Teilnehmern zurückgelassen hat. Ueber Antrag des Herrn Dr. Markus Spitzer wird den Funktionären der Dank ausgesprochen. Ueber Antrag des Vertreterkollegiums, konform dem Vorschläge des Kuratoriums und in Entsprechung der vom k. k. niederösterreichischen Landesschulrate gegebenen Anregung wird das Örgansationsstatut der Bildungsanstalt dahin ergänzt, daß die Vorrechte, welche die Absolventen der vier unteren Klaffen einer Mittelschule bei der Aufnahme vor den Absolventen der Bürgerschule genießen, auch jenen Aufnahmswerbern zuerkannt werden,, die den im Sinne der Ministerialverordnung vom 26. Juni 1903, Z. 22503, M.-B.-Bl. Nr. 37, mit Bürgerschulen verbundenen einjährigen Lehrkurs absolvierten. Sekretär Dr. Adler berichtet, daß auf Grund eines von der Kommission für Kultusangelegenheiten getroffenen Uebereinkommens zum Novembcrtermine d. I. eine koschere Selchwarenfabrik mit 5 Verkaufsstellen in Betrieb gesetzt wird. Bei den Vereinbarungen wurden alle vom Kultusvorstande, beziehungsweise vom ehrwürdigen Rabbinate festgesetzten Bedingnisse von den Kontrahenten akzeptiert. Der Betrieb und die Verkaufsstellen dieser zu errichtenden Fabrik werden unter strenger Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates stehen. Das Vertreter-Kollegium hat dem , Übereinkommen, um dessen Zustandekommen sich Herr kais. Rat Siegm. K a u d e r s besonders bemüht hat, zugestimmt und beantragt dem Plenum, dasselbe zu genehmigen. Cs gelangen sodann mehrere Anträge des Vertreter- Kollegiums betreffend Verleihung von Stiftungen zur Verlesung, welche einstimmig angenommen werden. In gleicher Weise gelangt ein Antrag des Vertreter- Kollegiums betreffend eine Lohnerhöhung der Wärterinnen im Rothschildspital zur Beratung. Nach einer eingehenden Debatte, an-welcher die Herren kais. Rat K anders, Wilhelm Kuffn e r, Emanuel H o f f m a n n, Hofrat Dr. Rappaport, Dr. Bauer, Max Frank, Prof. Dr. Jos. P o l l a k sich beteiligten, wird im Sinne des vom Vertreter-Kollegium gestellten Antrages beschlossen. Sekretariats-Konzipist Dr. Leopold Stern referiert über den Beschlußantrag des Vertreter-Kollegiums, wonach die bisherige Praxis des Kultusvorstandes betreffend die in der Verwaltung der Kultusgemeinde stehenden Fonde und Widmungen auch statutarisch festgelegt werden solle, so daß also diese Fonde und Widmungen zu keinen anderen Zwecken als zu jenen, für welche sie bestimmt worden find, Verwendung finden dürfen. Der Antrag auf Aufnahme einer diesbezüglichen Bestimmung in das Kultusgemeindestatut wird einhellig angenommen und ist der k. k. Statthalterei zur Genehmigung zu unterbreiten. Der Präsident nimmt bei dieser Gelegenheit den Anlaß wahr, seiner Anerkennung der schwierigen und mühevollen juristischen Arbeitsleistung, welche der Sekretariats-Konzipist Doktor Stern in dieser Angelegenheit entfaltet hat, Ausdruck zu geben. Erledigung dringender Angelegenheiten währendderSommerferien. Nachdem das Vertreter-Kollegium bereits zugestimmt hat, seine Agenden während der Sommermonate an das Präsidium zu übertragen, wird auch dem Plenum in Antrag gebracht, während der Sommermonate seine Agenden dem Präsidium gegen nachträgliche Genehmigung zu übertragen. Dieser Antrag wird mit dem ausdrücklichen Zusatze angenommen, daß von diesen Agenden jene ausgeschloffen find, welche eine dauernde Belastung des Gemeindevermögens zur Folge haben. Der Präsident erklärt hierauf die öffentliche Sltz rng für geschloffen. Spenden imBethause, XVIII., Schopenhauerst r a ß e: Von Herren: Karl Blumenschein X 4.—, Philipp Frank 2.—, Heinrich Freiberger 10.—. Dr. Gabriel Hesky 2.—, Simon Friedmann 2. , Rudolf Käser 30.—, Ignaz Ehrlich 25.—, Richard Berger 4.—, Josef Teltscher 10.—, S. I. Stern ^0. -, Nathan Ncnmann 6.—, Leopold Kreilisheim 2.—, Emanuel Hoffmann 20.—, Prof. O. Löwenstein 9.—, Ferdinand Wiener 15.— , Alfred Lewinsohn 5.—, Heinrich Glückstal 160.— , Max Kohn 6.—. Philipp Drechsler 18.—, Jakob Stern 6.—, Heinrich Paschkes 4.—, Israel Rosenberg 6.—, Hermann Guttmann 4.—, Adolf Hagerl.—, Leopold Stern K 5.—. (Von 25 Personen zusammen X 386.— .) Ein Beitrag zur Säuglingsfürsorge. Der Philanthrop Mr. Nathan Strans in Wien. Einem Berliner antisemitischen Blatte ist das Malheur passiert, einen Juden zu loben. Nathan Straus, der Bruder des amerikanischen Handelsministers, wurde als Philanthrop bezeichnet und seinen Bestrebungen im Interesse der Verminderung der Kindersterblichkeit Erfolg gewünscht. Wahrscheinlich hat das Antisemitenblatt nicht gewußt, daß Straus Jude ist, denn bei Amerikanern find altbiblische Namen ja keine Seltenheit. Oder es spekulierte darauf, daß in den trägen Gehirnmaffen seiner Leser der Gedanke nicht aufleuchten werde, daß ein Mann, der als Bayer und Amerikaner und Menschenfreund bezeichnet wird, Jude sein könne. Denn nach antisemitischen Vorstellungen kann ein Jude nur Jude, nicht aber Amerikaner, geschweige denn Bayer und ein guter Mensch sein, dem ein antisemitisches Blatt Erfolg zu wünschen über's Herz bringt. Jedenfalls wird nicht erwähnt, daß Straus, der mit so großen Opfern aus seiner Tasche in verschiedenen Ländern so viel Nützliches geschaffen, Jude sei. Wenn es sich aber um einen noch so kleinen Miffetäter handelt, dann wird nicht nur niemals verabsäumt, ihn den Lesern als Juden zu bezeichnen, sondern die Gelegenheit gleich benutzt, um allen Juden die Ehre abzuschneiden und die verletzendsten Folgerungen daraus zu ziehen. Als Präsident des New-Dorker Gesundheitsamtes lernte Straus aus eigener Erfahrung die horrende Sterblichkeitsziffer unter den Säuglingen kennen, deren Ursache in der mangelhaften Nahrung bestand, die ihnen verabreicht wurde. Denn mehr als ein Drittel der Milch, die wir genießen, ist von Tuberkeln vergiß et, die den zarten Organismus eines Säuglings mit rasender Schnelligkeit zer-. stören. Herr Straus hat nun ein Laboratorium errichtet, in dem nach einem eigenen, höchst einfachen System die Milch pasteurisiert und von allen schädlichen Keimen befreit wird: sinnreich konstruierte Apparate, die es ermöglichen, alle Manipulationen vorzunehmen. ohne daß eine Menschenhand mit der Milch in Berührung kommt; Flaschen mit rundem Boden, die man nicht unverkorkt stehen lassen kann (wodurch die Milch mit der von Keimen erfüllten Lust in Berührung käme), da die Milch sonst auSrinnen würde. Das Laboratorium in New-Pork besteht seit dem Jahre 1891, und feit der Zeit ist die Sterblichkeit der Säuglinge von 96 vom Hundert auf 55 gesunken. Die Milch wird vollständig kostenlos oder gegen einen ganz geringen Beitrag verteilt, und es sind im Jahre 1905 mehr als 3 Millionen Flaschen und mehr als 1 Million Gläser Milch zur Verteilung gekommen.

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