Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 27 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 2 7 Werte 488 Sr. Llocv's Mocdensevrttt. separatistisch-orthodoxen jüdischenReligionsgesellschaftin Frankfurt ä. M. Er: hat eine große Anzahl bedeutender wissenschaftlicher Arbeiten publiziert, die alle Kampfschriften der jüdischen Orthodoxie in Deutschland waren. Wir erwähnen nur die „Neunzehn Briefe über Judentum" (1836), „Choreb. ein Versuch über Israel und seine Pflichten" (1838), „Die Religion im Bunde mit dem Fortschritt" (1854), „Uebersetzung und Erklärung des Pentateuch" (1867—78), „Uebersetzung und Erklärung der Psalmen" (1882). Die Hirsch-Centenarfeier hat auch eine Reihe literarischer Veröffentlichungen gezeitigt, die hier kurz angezeigt seien. In erster Reihe nennen wir den von Dr. Raphael Breuer-Frankfurt als Huldigungsgruß für S. R. Hirsch veröffentlichten stattlichen Sammelband „Unter seinen: Banner", der neben zahlreichen Essays über die verschiedensten modernen Probleme im zweiten Teil auch mancherlei interessantes Material zur Biographie Rabbiner Hirsch^ enthält. Wir gestehen, daß uns der II. Teil, der einzelne Aufsätze aus der Feder Samson Raphael Hirsch' enthält, ungleich willkommener war als der I. Teil, in welchem der Autor seinen Großvater zu kopieren versucht. Allein nicht jeder darf das Gleiche unternehmen und nicht jedem ziemt das Gleiche. Geradezu peinlich ist man berührt von der Art, in welcher der Verfasser über Männer wie Z u n z und Sachs aburteilt. „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden, historisch entwickelt von Zunz", zeigen denn doch mehr als „die unentwegte Treue und Zuverlässigkeit eines Zettelkastens". Willkommener war uns eine andere Gabe zur Centenarfeier, nämlich die von der Redaktion des „Israelit" veranstaltete „SamsonRaphaelHirs ch-J u b i l ä u m snummer". Aus dem Inhalte heben wir hervor die wichtigsten Aufsätze und Briefe: S. R. Hirsch' erste Rabbinerstelle. Nach den Akten des großherzogl. Ministeriums dargestellt vom Landrabbiner Dr. Mannheimer in Oldenburg. Der Parallelismus der Satzglieder. Aus einem Briefe S. R. Hirsch' an Moses Mendelssohn in Hamburg. Sei stark und fest. Aus einem Briefe S. R. Hirsch' au Simon M a i in Hamburg. Samson Raphael Hirsch als Oberlandesrabbiner von Mähren. Von Rabbiner Dr. David Feuchtwang in Wien. Religionsphilosophisches in S. R. Hirsch' Kommentar zum Pentateuch. Von Prof. Dr. Fink in Frankfurt a. M. Ein Wort über S. R. Hirsch' wissenschaftliche Methode. Von Dr. Samuel A. Hirsch in London. Zur Würdigung der schriftstellerischen Eigenart Samson Raphael Hirsch'. Von Dr. Herm. Deutsch in Fürth. Aphorismen zur Grundlegung der jüdischen Ethik im Geiste Samson Raphael Hirsch'. Von Jakob Rosenheim in Frankfurt a. M. Bibliographie der Werke und Aufsätze S. R. Hirsch'. Bon Heinrich Eisenmann in Frankfurt a. M. Belmoute. Die Belmontes sind Sprößlinge einer berühmten portugiesisch - marranischen Familie. Jakob Israel Belmonte, der mit Jakob Tirado den Grundstein zu der bald so groß und berühmt gewordenen Amsterdamer Gemeinde legte, .war aus Madeira nach Emden gekommen, von wo er dann nach Amsterdam ging. Er war Dichter und schilderte in Versen, die von der Inquisition verhängten Qualen unter dem Namen Hiob. (1593). Auch sein Sohn David Belmonte war für das Judentum begeistert und trug einen der Wechselgesänge vor, welche der ehemalige Märrane Paul de Pina, der einst schon nahe daran war, Mönch zu werden, zur Verherrlichung der ersten Amsterdamer Synagoge Bet Jakob verfaßt hatte. Etwas mehr als ein halbes Jahrhundert später bekleidete bereits Manuel de Belmonte das Amt eines spanischen Residenten in Holland, nachdem er vom Könige von Spanien zum Pfalzgrafen gemacht worden war. (De Barrios Triumpho bet Govierno populär p. 61 fg. zitiert in Gesch. d. Juden C. IX. S. 515 und B. 10, S. 4 u. 200.) Es ist vielleicht mehr als wahrscheinlich, daß der päpstliche Nuntius in Wien Fürst Granito de Belmonte der marranischen Familie Belmonte entstammt. Er dürste der Sprößling eines solchen Mitgliedes der Familie sein, dem es nicht gelungen ist, aus dem Lande der Inquisition zu entkommen, und im Christentume geblieben ist. Prag, 26. Juni. Stark. Eine interessante rabbinische Frage. Recht romantisch ist die Grundlage einer rabbinischen Frage (Schaaloh), die der Oberrabbiner von Bonyhad (Ungarn), ein Amtskollege aus Russisch-Polen, zur Entscheidung vorlegte. Der Sachverhalt ist folgender: Bor einigen Wochen verstarb in einer Stadt Russisch-Polens der alte Schochet der Gemeinde. Einige Tage später träumte der Sohn des dortigen Rabbiners, daß der verstorbene Schochet an sein Bett gekommen und ihn zu erwürgen drohte, wenn er nicht nach dem Verstorbenen „Kaddisch" sagen werde. Deutlich hörte er, wie der Schochet ihm jedesmal zurief: „Du bist mein Sohn und hast die Pflicht, nach mir Kaddisch zu sagen!" Der Sohn des Rabbiners erzählte jedesmal den Traum seinem Vater. Dieser beschwichtigte anfangs seinen Sohn, er möge dem Traume keine Bedeutung beimessen. Nachdem sich aber der Traum zum Viertenmale wiederholt hatte, ließ der Rabbiner die Witwe des Schochet zu sich rufend Als diese vom Traume hörte, legte sie reumütig das folgende Geständnis ab: Noch vor 30 Jahren, als sie Amme war, gab mir die Frau Rabbinerin in der Nacht ihr Kind zu stillen. Da passierte mir im Schlafe das Unglück, daß ich ihr Kind erdrückte. In meinem Schrecken gab ich der Frau Rabbinerin mein Kind zurück und gab vor, daß das tote Kind das meinige sei." Nun ergibt sich die Frage, ob die Witwe glaubwürdig sei und ob man sich auf einen Traum stützen könne. Die Rechtsfrage ist vom rabbinischen Standpunkte eine recht komplizierte. Die Entscheidung des Bonyhader Rabbiners soll bereits erflossen sein und demnächst in Druck erscheinen. Das Grab des Sabbathai Zewi. Aus der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, wo der falsche Meffias Sabbathai Zewi eine, große Rolle gespielt hatte, wird geschrieben: Einem Aufsatze des hier lebenden Schriftstellers Weitzne'r ist zu entnehmen, daß der in Smyrna im Jahre 1626 geborene Sabbathai Zewi vom Sultan Mohammed IV. nach dem Stäbchen Dulcigno in Albanien verbannt wurde. Diese Ortschaft ging im Jahre 1878 in den Besitz Montenegros über. In diesem Orte seiner Verbannung soll Sabbathai Zewi im Jahre 1676 gestorben sein. Die montenegrinische Regierung wird nun um die Bewilligung angesucht, in den Friedhöfen von Dulcigno Nachforschungen nach dem Grabe des Sabbathai Zewi anstellen zu dürfen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde vom 24. Juni 1908 unter dem Borsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Im Einlauf finden sich: Gratulationsschreiben anläßlich der Feier des 50jährigen Bestandes des Leopoldstädter Tempels von: dem Vereine „Frauenhort", IX. Bez.; dem Vereine „Adaß Jisroel", Schiffsynagoge, ll., Gr. Schiffgaffe; Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald; Herrn Bethausvorsteher Albert Kohn, Slatina, Slavoniem