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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-03 · 27 (3.7.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Llscb's Mocvenrcbrin. 4S7 haben. Diese erzählen allein auch noch von einem freundin der Hand gehabt? Hat er da nicht gefunden, daß jede schaftlichen Verkehr zwischen Jesus und Anstaltsdirektion in einer besonderen Tabelle übersichtlich den Schriftgelehrten, während bei Matthäus darstellt, welcher Konfession die Schüler des eben abgevon Vorneherein eine bittere Feindschaft gegen sie uns entschlofsenen Schuljahres angehören? Noch mehr! Die kongegentritt. Er hat die heftige Rede von Jesus mit ihren fessionelle Statistik wird nicht nur an den Mittelschulen, siebeNWeherufen über die Pharisäer komsondern auch an den Hochschulen geführt. Herr Schmid hat poniert und er hat durch die Worte „euch ist gesagt also etwas verlangt, was längst besteht, und dafür Tod und worden ... ich aber sage euch" die Lehre Jesu als eine Teufel in Bewegung gesetzt. neue und „bessere" derjenigen der Schriftgelehrten entgegen- Die Christlich-Sozialen haben sich für die Resolution gestellt. mit allem Eifer eingesetzt, um mit der Zahl ihrer Anhänger - Aus dieser Tendenz heraus werden uns zu demonstrieren, und haben sich eigentlich eine Blamage Stellen verständlich, wie »Ihr habt gehört, daß gesagt ist: geholt, eine Blamage nicht bloß für sich, sondern auch für Du sollst deinen Feind hassen." Ein solches Gebot ist nie die Deutschen in den Sudetenländern, die bei der Beratung gegeben worden, weder vom . Alten Testament, wie der Wortder Wahlreform auf Grund der „jüdischen" Steuergelder laut des Satzes annehmen läßt, noch auch von den Schrift- Begünstigungen bei der Wahlkreisrinteilung reklamiert und gelehrten, wie christliche Gelehrte zur Verteidigung dieses erhalten haben, — die aber durch die Demonstration bei der auffallenden Spruches glaubten, annehmen zu dürfen." Abstimmung über diesen Antrag es dahin gebracht haben, (S. 79—80.) daß kein Jude in Mähren und Schlesien in Zukunft wagen „. . . Wo immer wir Jesus in den Evangelien im wird, einem Deutschen die Stimme zu geben. Kampfe mit den Pharisäern und Schriftgelehrten sehen, Die Polen, die Tschechen stimmen durchgehends gegen bestreitet er nicht „Das Gesetz"/ an und für sich, wie es Schmid; sogar die Geistlichen unter ihnen oder Männer von später Paulus tat, sondern nur einzelne rabbinische Erweiprononzierter Vergangenheit, wie etwa Dr. Baxa. Warum terungen desselben. . . . Als die Pharisäer ihm Vorhaltungen sollen sie — um eines Nichts willen — die jüdischen Wählerdarüber machten, daß seine Schüler Aehren an einem Sabschäften verstimmen, die vielleicht der Kräftigung ihrer Nation bath ausrauften, da entschuldigte er das als einen Notzugute kommen könnten? Aber die Herren mit der deutschen, stand, verwies auf ähnliche biblische Beispiele und sprach zu mutgeschwellteu Ueberzeugnngsbrust fürchten nichts so sehr, ihnen: „Der Sabbath ist um des Menschen willen gemacht als Judenknechte geschimpft zu werden. Und vor dieser und nicht der Mensch um des Sabbaths willen." (Mark. Furcht kapituliert alles, was ein Politiker an geistigem 2,37; bei Mat. und Luc. nur „des Menschen Sohn ist Rüstzeug besitzen muß, vor allem der Verstand. Herr auch über den Sabbath"). Das war die Anwendung Bei den slawischen Abgeordneten ist die Liebe zum eines Grundsatzes, den die Schriftgelehrten selbst für Fälle eigenen Volkstum und die politische Erwägung der nationalen der Gefährdung des Lebens aufgestellt haben und der im Nützlichkeit stärker, als der Widerwille und die Abneigung rabbinischen Schrifttum in der Fassung 'Ni mioa rav azb gegen das Judentum. Bei den Deutschen ist der AntisemitiSra& 'omtfö on« „euch ist der Sabbath übergeben, nicht mus stärker als die Liebe zum eigenen Volke uyd in dem aber ihr dem Sabbath" überliefert ist". (S. 99.) Drange, den Judenhaß zu befriedigen, opfern sie willig und Diese wenigen. Beispiele genügen, um Methode und blind die wichtigsten Interessen des deutschen Volkes. Aus Wert der Eschelbacherischen Arbeit richtig einschätzen zu dieser Tatsache haben die österreichischen Juden die Konkönnen. sequenzen zu ziehen. _ Uns aber obliegt es, solchen Arbeiten nicht nur ein wissenschaftliches sondern auch ein praktisches Interesse ent- Samson Raphael Hirsch. gegenzubringen. -— Die jüdische Orthodoxie in Deutschland feierte dieser . . _ w . Tage den hundertsten Geburtstag ihres genialen Gründers Vom Aäbrmarkt des Lebens. Samson Raphael Hirsch. Zweifellos war S. R. _ . Hirsch einer der genialsten Männer, welche das vorige Dre Resolution Schund. Jahrhundert hervorgebracht hat, der es verstanden hat, den Die berühmte Resolution des Staatsgewerbeschulunscheinbarsten Formen überkommener jüdischer Bräuche Professors und Staatsmannes Heinrich Schmid, die die «ne poetische Symbolik zu verleihen, welche in gleicher Weise Anlegung einer Statistik der jüdischen Mittelschüler fordert, Geist und Gemüt ergreifen. Philosophisch geschult und ist also im Abgeordnetenhause mit 305 gegen 163 Stimmen dichterisch veranlagt, war er prädestiniert, der neuen Richtung abgelehnt worden. Wirft man einen Blick auf die Abder jüdischen Orthodoxie in Deutschland Ziel und Richtung stimmungsliste, so gewahrt man. daß es fast ausschließlich zu weisen. Diese neue Richtung unterschied sich wesentlich Deutsche sind, die mit Ja votiert haben. Die' übrigen von der alten Orthodoxie, deren talmudisch geschulte Ber- Jasager sind die Klerikalen unter den Tschechen, Slowenen ireter die Einheit des Judentums stets hochhielten. Die und Italienern. Daß die Christlich-Sozialen sozusagen in berühmtesten orthodoxen Rabbinen Galiziens und Rußlands imposanter Geschlossenheit für den Resolutionsantrag einwirkten in friedlicher Eintracht in ein und derselben Getraten und agitierten, wird niemanden verwundern. Sie meinde mit freisinnigen Vorstehern, die in ihrer Lebenskönnen sich den Luxus erlauben, ihr ganzes Gewicht für führung von dem überlieferten Gesetz sich emanzipiert hatten, einen Antrag einzusetzen, der, wie die Resolution Schmid. Ihre Religiosität war mit einer traditionellen Sanftmut schon seiner Natur nach ohne jeden praktischen Effekt bleiben und Toleranz verschwistert. In solcher Nachgiebigkeit sah mußte, auch wenn er angenommen und — durchgeführt aber Samson Raphael Hirsch einen Verrat. Er ging den worden wäre! Es war viel Lärm um nichts! Konsequenzen seiner Anschauungen bis zu dem letzten Ziele Um den Unsinn der Resolution des Herrn Schmid zu nach; ja er schreckte selbst vor der Vorstellung eines Schisma begreifen, genügt es, darauf zu verweisen, daß der Antrag nicht zurück und in der Tat hat er die Trennung nicht nur schon längst durchgeführt ist, daß schon seit Jahrzehnten. , zuerst gepredigt, sondern auch praktisch durchgeführt, ehe es noch einen Staatsmann Schmid gegeben hat, in ganz! / SamsouRaphael Hirsch ist am 30. Juni 1806 Oesterreich eine Statistik der Mittelschüler jüdischer Konfession t ^zu Hamburg geboren, war ein Schiller des berühmten Talgeführt wird! Allerdings auch der christlichen und etwa!^mudisten Jakob Ettling er und fungierte nacheinander mohammedanischen. Ja, hat denn der Schulmann SchmidL^als Landesrabbiner in Oldenburg, als Oberrabbiner in niemals den Jahresbericht irgend einer österreichischen«Osnabrück, als LandeSrabbiner von Mähren und Schlesien. Mittelschule, sei es eines Gymnasiums oder einer Realschule,"1851 übernahm er die geistige Führung der neugegründeten

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