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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-03 · 27 (3.7.1908) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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•eite 486 Dr. Llocb s MoevenscbriN. Nr. 37 Barmherzigkeit, denen, »die reinen Herzens" sind und »den Friedfertigen" das »Schauen Gottes", denen, „die um der Gerechtigkeit willen verfolgt und geschmäht werden", Freude und Lohn im Himmel verheißt. (Bergl. Matth. 5, 3 mit Jesaias 57. 15. 61, 1. 66, 2. Vers 4 mit Psalm 37, 11. Vers 5 mit Jesaias 61, 2, 60. 20. Vers 6 mit Jesaias 51, 1. Psalm 22, 27. Vers 7, Psalm 41, 2 und Spr. Salom. 14, 21 ff. sowie Talmu b. Sabb. 151 d. Vers 6 mit Psalm 7, 10. 11, 7. 73, 1. Vers 9 mit Jesaias 52. 7. 54, 10. 13. Vers 10 und 11 mit Jesaias 51, 7. 11.) Seme Güte und Menscheufreundlichkeit tritt uns hell und warm in seinem Verkehre mit Sündern und Sünderinnen entgegen, sowie auch mtt den Zöllnern, die von den Volksgenossen zumeist gemieden wurden, well sie als Juden sich zu Schergen der Fremdherrschaft hergabeu. Wegen ihrer vielfach ungerechten und gewaltsamen Forderungen wurden sie den Dieben gleich geachtet. Aber neben dem Triebe eines liebe- und verständnisvollen Herzens folgte er auch in dieser rettenden Tätigkeit den Lehren und Anregungen der heiligen Schrift. Alle Propheten haben nicht nur zur Buße und Rückkehr zu Gott gemahnt, sondern auch immer wieder verkündigt, daß jede Sünde gesühnt und vergeben werden könne. Insbesondere hatte Ezechiel es als hellige Aufgabe bezeichnet, die Sünder und Frevler zu warnen und ihnen für ihre Besserung die Verzeihung und Gnade Gottes zu verkündigen (33, 7, ff.). Ihnen nachfolgend, konnte Jesus erklären: »Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Gehet hin und lernet, was es heißt: »Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer." Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder (Matth. 9, 12, f. mit Bezug auf Hosea 6, 6). Uud nach der Sttafrede desselben Propheten gegen die Hirten Israels, daß sie die schwachen Schafe nicht gestärkt, die kranken nicht geheilt, die verletzten nicht verbunden, die verirrten nicht zurückgebracht, die verlorenen nicht gesucht, entwarf er dar BUd von dem gute» Hirten, der vor allem den verirrten Schafen nachgeht (Ezech. L4,. 1 ff? fvgl. auch Jes. 40,11] Matth. 18 11 ff.) (S. 69—70). ... »Daß diese Lehren der Liebe nicht nur schöne Worte blieben, sondern das Leben des jüdischen Volkes wirksam bestimmten, dafür liefert das Neue Testament uns selbst die Beweise in zahlreichen Erzählungen und Bildern aüs den Zuständen, die Jesus vorfand, und die es absich t s l o s uns vorführt. Sie zeigen uns zumeist ein harmloses, freundliches, in Freuden und Leiden teilnahmsvolles Volksleben. Hervorgehoben sei nur die Erzählung von der armen Witwe am Gotteskasten, die gleich den Reichen ihr Scherfleiu herbeibringt (Marcus 12, 41 ff), wie die von der gastfteundlichen Aufnahme, die Jesus überall, insbesondere mehrfach bei den Pharisäern fand, Erzählungen, die sich allerdings bemerkenswerter Weise nur bei Lucas finden (7, 36 11, 37 ff. 14, 1), während Matthäus sie offenbar absichtlich gestrichen hat. . . . Die Armut hatte Jesus mit einer Anzahl Schriftgelehrter seiner und der folgenden Zeiten gemein, die wie Hillel, Josua, R. Akiba, R. Meir mühsam von der Arbeit ihrer Hände sich ernähren, während sie gleichzeitig durch Geist, Wissen und Tugend unter ihren Gefährten, wie beim Volke eine hervorragende Stellung einuehmen. Ihre Beispiele beweisen insgesamt, daß es falsch ist, dem jüdischen Volke jener Zeit eine übertriebene Schätzung des Mammons vorzuwerfen, daß vielmehr in ihm eine seltene Achtung vor der geistigen Größe lebte, die über jeden äußeren Mangel hinwegsah. Aus diesen Verhältnissen heraus ist das Auftreten und die Wirksamkett Jesus zu verstehen. Aus dem vom Judentum gelehrten, seine Zeit ganz besonders bewegenden Gedanken der N ä ch st e nl i eb e h a t e r gr^chöp f t und für sie hat er bei seinen Zuhörern volles Verständnis, und Empfänglichkeit gefunden. Die Ausführung des im 3. Buche Mosis 19. 18 verkündigten Gebotes: »Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst" hat Jesus nicht erst, wie christliche Gelehrte meinen, aus der großen Zahl der übrigen Gebote hervorzuheben und zu besonderer und umfassender Geltung zu bringen brauchen, und er hat es nicht erst, wie Harnack meint, aus der Verflechtung mit dem gottesdienstlichen Rttual loslösen müssen. Ein Menschenalter vor ihm hat bereits Hillel zu einem Heiden, der, nach einem damals vielgebrauchten Bilde, das Judentum kennen lernen wollte, während er auf einem Fuße stehe, gesprochen: »Was dir zuwider ist, das tue auch deinem Nebenmenschen nicht. Das ist der Inbegriff unserer Lehre, das übrige dessen Ausführung. Gehe hin und lerne sie (Sabbat 31 a)" (S. 72—74). »Als Jesus eigenartig zu bezeichnen ist seine Forderung, »auch den Feind zu lieben", und die fernere »Ihr sollt nicht Widerstand leisten dem Bösen, sondern so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den anderen auch dar. Und so jemand mit dir rechten will und deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel. Und so dich jemand nötigt, eine Melle zu laufen, so gehe zwei mtt ihm". (Matth. 5, 39 ff. Lucas 6, 27 ff.) Diese. Forderungen gehen allerdings über die Lehren der Schriftgelehrten wett hinaus. Die Schriftgelehrten haben zur Selbstbeherrschung und zur Ergebung in Gottes Willen aufgefordert und gesprochen : „Die geplagt werden, und nicht wieder Plagen, Schmähungen anhören, aber nicht erwidern, in Liebe zu Gott wirken und in Leiden heiter bleiben, für die gilt das Wort der Schrift: die Gott lieben, deren Licht gleicht der Sonne, wenn sie hervortritt in ihrer Kraft. (Sabbath 661>.) Die Worte Jesu aber verlangen diese Ergebung selbst den Menschen gegenüber und die geduldige Hinnahme des an uns verübten Unrechts." (S. 35.) „Seine Lehren, auch den Feind zu lieben, dem Uebel nicht zu widerstreben, demjenigen, der uns auf die linke Wange schlägt, auch die rechte hinzureichen, erscheinen uns wie verlorene Klänge einer fernen Welt, wenn wir an die?ganze Entwicklung der Geschichte denken, seitdem das Christentum eine weltbeherrschende Religion geworden ist, wenn wir ins Auge fassen, daß heute noch die beste christliche Gesellschaft denjenigen mit ihrer Acht belegt, der nach ihnen handeln will. Das sind Mondesstrahlen, mild und sanft, aber sie wärmen nicht, rufen kein Wachstum hervor und schaffen keine lebende Frucht." (S. 92.) »Das Evangelium ist eben keine selbständige in sich abgeschlossene und vollständig religiöse Lehre. Jesus kannte und wollte niemals eine solche geben. Er stand auf dem festen Grund der religiösen Lehre und Ueberlieferung seines Volkes, die er nicht aufheben wollte, sondern durch seiue Verkündigung als Messias und Bringer des Reiches Gottes erfüllen und zu der er nur einige weitere, aus seiner Geistesart und aus verwandten Einflüssen geschöpfte Lehre hinzugefügt hat. Ein Christentum ohne die feste Grundlage bei Alten Testamentes schwebt haltlos in der Luft und zerfließt in flüchtige, ihre Gestalt immer wieder ändernde Nebel." (S. 91.) »Und so spricht auch alles dafür, daß die von den Evangelien gebrachten heftigen Reden Jesu gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten nicht von ihm stammen, sondern erst in späterer Zeit entstanden sind und eine immer schärfer gewordene Waffe des aufstrebenden Christentums gegen die Vertreter des Judentums waren. Die Formel »euch ist gesagt worden ... ich aber sage euch", findet sich nur bei Matthäus. Dieser hat auch die kürzeren und einfacheren Lehrsätze und Sittensprüche, die sich in dem Evangelium des Lukas zerstreut finden — die Evangelien des Markus und Johannes kennen die meisten überhaupt nicht — zu einer zusammenhängenden Rede auf dem Berge vereinigt." . . . »Eine solche planmäßige und kunstvolle Zusammenstellung ist unverkennbar erst die Arbeit eines späteren Redakteurs, welche Markus und LukaS noch nicht gekannt

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