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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-03 · 27 (3.7.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27 M. JSlocb’s Mocbenscbrm. Sette 486 geben. Die Aufstellungen Haruacks über die Persönlichkeit Jesu erfahren eine quellenmäßige kritische Prüfung. Die von Harnack hervorgehobenen drei Hauptgedanken in der Predigt Jesu: 1. das Reich Gottes und sein Kommen; 2. Gott der Vater und der unendliche Wert der Menschenseele; 3. die bessere Gerechtigkeit und das Gebot der Liebe, werden in ihrem jüdischen Ursprünge im Einzelnen aufgezeigt. Die einführenden Bemerkungen sowie die letzten Partien des Buches, die einen sehr wertvollen Ueberblick über den Gang der christlichen Religion durch die Geschichte bieten, zeigen die Meisterschaft Eschelbachers in der Einordnung und Behandlung historischer Tatsachen. Man kann es gerade nicht behaupten, daß die alttestamentarischen und sogar bte rabbinischen Quellen von Harnack und den anderen hervorragenden Theologen keine Berücksichtigung erfahren. Man findet sehr viel Lobenswertes, „Neutestamentarisches" sogar im rabbinischen Judentum, aber was in Neben- und Relativsätzen zugegeben wird, erfährt in kräftigen Hauptsätzen eine gänzliche Abschwächung. Am interessantesten nach dieser Richtung hin erscheint mir der in Tausenden von Exemplaren verbreitete „Jesus" von W. Bousset. Das Werk muß auf den Uneingeweihten den. Eindruck der äußersten Wissenschaftlichkeit machen. Bousset kann nicht genug an den Evangelien Kritik üben, er gibt ferner nicht nur den Einfluß des prophetischen Judentums, sondern auch den der späteren jüdischen Schriftgelehrsamkeit in ausgedehntestem Maße zu, „da ein Einfluß Jesu auf die spätere Gelehrsamkeit ausgeschlossen ist". Und dennoch wird in unbegreiflicher Weise die Persönlichkeit Jesu auf einen Jsolierschemel gesetzt. „Daß Gott kommen, daß Gott herrschen, daß die Gerechtigkeit siegen, das Gute triumphieren soll, das füllt seine Seele ganz und gar." Und dennoch findet sich dieser Gedanke in unübertroffener, unvergleichlicher Schönheit gerade in einem Produkte der jüdischen Schriftgelehrsamkeit ausgesprochen, in der Roschh ischana-Tefila, einer Schöpfung des Amoräers Rabh, wo zugegebenermaßen ein „Einfluß Jesu ausgeschlossen ist". In seiner Ablehnung neutestamentlicher Lebensauffassung kommt Bousset, bewußt oder unbewußt, in jene bedenkliche Nähe des Judaismus, der einem Schopenhauer den unphilosophischesten Grimm abgelockt hat. Und dennoch glaubt Bousset von dem sogar zeitlosen Judentum als von einem überwundenen Standpunkte reden zu können. Die Hauptsache ist: In den Neben- und Relativsätzen kommt die Wissenschaft, in den Hauptsätzen die ererbten Instinkte zum Wort. Da hat der fromme Luther einen leichteren Standpunkt als die modernen Raffengelehrteu „Göttis wort und gnade ist/ein farender Platzregen, der nicht wider kompt, wo er eyn mal gewesen ist. Er ist bey den Juden gewest, aber hyn ist hyn, sie haben nu nichts." (Luthers Sendschreiben an die Ratsherren rc.) Eschelbacher sucht in diesen und ähnlichen Fällen aus den selbst aufgestellten Prämissen die sich notwendig ergebenden «Schlüsse zu ziehen. Ich muß mir leider versagen, ein Referat über den vielfach verschlungenen Inhalt des Werkes zu geben, und will mir nur erlauben, für die Leser dieser geschätzten Zeitschrift einige Beispiele aus der die Genealogie der Hauptlehren Jesu behandelnden Partie, wenn möglich mit den Worten des Autors, mitzuteilen: In Bezug auf den Begriff vom Reich Gottes behauptet Harnack, Jesus habe wohl diesen der religiösen Überlieferung seines Volkes entnommen, er habe darunter einerseits eine zukünftige äußere Herrschaft Gottes verstanden, anderseits aber ein Innerliches, das bereits in der Gegenwart seinen Einzug hält. Diese letztere Anschauung, daß das Reich Gottes nicht „mit äußerlichen Gebärden kommt, daß es schon da ist", sei sein wirkliches Eigentum. Eschelbacher macht nun darauf aufmerksam, daß Jesus bezeichnender Weise diesen Satz vom Reiche Gottes (Lucas 17, 20 ff.) den Pharisäern zur Antwort gibt, was nicht anders heißen soll als, wie es bereits Lighfott nach Anführung mehrerer rabbinischer Stellen deutet: „Euere eigeneSchulen lehren ja, daßdasGottesreich imMenschen sein solle". Eschelbacher verzeichnet nun eine Reihe von Stellen aus dem A. T. sowie dem rabbinischen Schrifttum, wo '-iD rrobö im Gegensatz zu p-n nVwoö nur im zweiten Sinne genommen werden kann. Interessant ist, was Eschelbacher in Bezug auf den Gedanken von der Kindschaft Gottes Harnack zu erwidern weiß. „Den Gedanken von der Gotteskindschaft findet Harnack ausgesprochen in den Worten Jesu: „Freut euch nicht, daß euch die Geister untertan sind, freuet euch aber, daß eure Namen im Himmel angeschrieben sind." Er findet in diesen Worten „mit ganz besonderer Kräftigkeit den Gedanken hervorgehoben, daß das Bewußtsein, in Gott geborgen zu sein, in dieser Religion das Entscheidende ist. Selbst die größten Taten, sogar die Werke, die in Kraft dieser Religion getan werden, reichen nicht heran au die demütige und stolze Zuversicht, für Zeit und Ewigkeit unter dem väterlichen Schutze Gottes zu stehen." Schlagen wir nun aber die angeführten Worte an ihrer Quelle nach, so finden wir (Lucas 10, 20 ff.), daß Jesus sie zu seinen Jüngern sprach, als sie von der Sendung, zu der er sie ausgesandt hatte, zurückkehrten und freudig ihm berichteten: „Herr, auch die Teufel sind uns in deinem Namen untertan". Jene Worte bedeuten danach, daß die Jünger ihre Anerkennung und ihren weiteren Lohn im Himmel erhalten werden, und haben eine ganz bestimmte und beschränkte Bedeutung. Der Gedanke aber, den Harnack in ihnen sucht, ist mit unvergleichlicher Kraft und Klarheit ausgesprochen in den Psalmversen: „Wen habe ich im Himmel, und außer dir begehre ich nichts auf Erden. Wäre gleich mein Fleisch und mein Herz dahingeschwunden, Goit ist immer meines Herzens Hort und mein Teil." (S. 54—55.) Den Gedanken von der väterlichen Vorsehung Gottes findet Harnack in dem Spruche angegeben: „Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Doch fällt derselben keiner auf die Erde ohne euern Vater. Nun aber sind auch euere Haare auf dem Haupte gezählt" (Mat. 10, 29. Luc. 12,16). Auch diese Worte, meint Eschelbacher. habe Jesus an seine Jünger gerichtet, damit sie sich nicht fürchten sollen auf dem Wege, den er sie gesendet. „Die Lehre von Gottes Vorsehung selbst aber durchzieht die ganze heilige Schrift, sie beherrscht die Reden der Propheten. Sie wird in ergreifender Weise den Bedrückten gegenüber verkündigt: „Es schauet der Herr von seiner heiligen Höhe, blicket vom Himmel zur Erde, zu hören das Seufzen der Gefangenen, zu befreien die dem Tode Verfallenen." Diese Lehre wird ausgedehnt auf das Wallen Gottes in der Natur und auf seine Fürsorge für alle Geschöpfe. Es preist der Psalmist den. „der den Himmel bedecket mit Wolken, der Erde Regen bereitet, das Gras aus den Bergen hervorsprießen läßt, der dem Vieh seine Speise gibt, den jungen Raben, die zu ihm rufen." (S. 55—56). Was Eschelbacher in Bezug auf den dritten Kreis von Gedanken, in denen Harnack das Wesen des Evangeliums sich entfalten sieht, die bessere Gerechtigkeit und das Gebot der Liebe, zu sagen weiß, verdient besondere Beachtung. „Von den prophetischen Schriften hat er insbesondere diejenigen des I e s a i a s in seinen Gedankenkreis ausgenommen. Ihnen, wie den Psalmen sind die Seligpreisungen, richtiger nach dem hebräischen ->-ivn „Heilsverkündigungen", entnommen, in denen er gleich jenen den Glauben und die Hoffnung seiner Jünger und derer, die ihm weiter folgen, stärkt und in zum Teil fast wörtlicher Uebereinstimmung mit ihnen „den geistigen Armen", d. h. den an Herz und Geist Zerschlagenen und Gebeugten das Himmelreich und eine glückliche Zukunft, den Sanftmütigen und Trauernden Trost, denen, „die nach Gerechtigkeit verlangen", Sättigung, den „Barmherzigen"

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