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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-03 · 27 (3.7.1908) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 482 R. 27 Dr. Vlock's WochrnfchrM. schritten ist Rohling in ein Dicht gestellt worden, dass er am basten täte, von der Bildfläche g a n z z u tfe tschwinden. Ich sollte meinen, das Gewissen müsste ihn doch, endlich schlagen ob seiner Unredlichkeit und seines wilden Fanatismus. £s ist geradezu entsetzlich, dass dieser Mann sogar die hundertmal widerlegte Fabel von dem rituellen Cbristenmord sich erbietet zu beschwören. Mit einem-Manne, der hiezu bereit ist, gibt ei keine wissenschaftliche Verständigung mehr. Ich kann es daher nur billigen, dass -Sie die Polemik gegen ihn jetzt 'abbrechen. In aufrichtiger Wertschätzung ihr ergebenster; Professor Dr. Köhler. Professor Dr. Carl Siegfried in Jena schrieb: Herrn Bezirksrabbiner Dr. J. 8. Bloch in Wien-Floridsdorf. Jen a, den 14. Jänner 1883. Sehr geehrter Herr! Recht sehr danke ich Ihnen für Ihre gefälligen Zusendungen, sowohl für die frühere, Ihre biblischen' Forschungen betreffende, als auch für die letzten, die Polemik gegen Rohling enthaltenden. Freilich war es ein sehr unerquickliches Geschäft, mit einem Manne zu verhandeln,* für den es keine Gesetze der Sitte und der Sittlichkeit gibt, aber es musste ja einmal geschehen! Ob Sie freilich die breite Masse, die einem solchen Führer folgt, werden erreichen können, bleibt fraglich. Für Ihre freundlichen Erwähnungen meiner Person danke ich Ihnen recht sehr, obwohl ich die ausgezeichneten Prädikate ablehnen muss, die Sie mir dabei beilegen. — Auf-S. 31 ist insoferne in der Schrift ein Irrtum, als der dort angeführte Ausspruch nicht auf Rohling, sondern auf gewisse christliche Zeitungen ging. lieber Rohling habe ich mich in dem theologischen Jahresberichte 1881, S. 33 nur ganz kurz geäussert und ihn in Bezug auf Delitzsch einen »unwürdigen Gegner« genannt und früher einmal seine Bücher als Sumpfpflanzen bezeichnet, die der deutschen Nation Schande machen. .Verzeihen Sie, dass ich meinen Dank so kurz fasse, aber, ich habe jetzt als Prorektor allerlei zu tun. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ihr ergebenster Prof. Dr. Carl Siegfried. ^Dv. Adolf J e linek berichtete in der „Neuzeit" Nr. 52 vom Jahre 1882: »Der geheime Kirchenrat Prof. Franz Delitzsch äusserte, dass die Erwiderung des Herrn Rabbiners Dr. '"B'loch gegen Rohling in der »Wiener Allgemeinen Zeitung« das Beste sei, was bisher gegen Rohling geschrieben wurde. Zahlreiche andere Vertreter deutscher Wissenschaft haben sich in Zuschriften und in öffentlichen Enunziationen mit gleicher Schärfe gegen Rohling zugunsten Bloch's geäußert und auf dem sechsten internationalen Orientalisten-Kongreß zu Leyden kam es zu einer außerordentlich eindrucksvollen Manifestation, in welcher feierlich erklärt wurde, daß der von Rohling in die hebräischen Texte hineingelegte „Sinn nichts als dessen eigener abenteuerlicher und entsetzlicher Wahn ist." Bon dieser feierlichen Manifestation der auf dem VI. Orientalistenkongreß versammelten Gelehrten hat der Vorstand der „Deutschen Morgenländischen Gesellschaft" durch sein geschästsführendes Mitglied Professor Dr. Konstantin Schlottm a n n in einem Schreiben an Dr. Bloch offiziell Mitteilung gemacht. („Akten und Gutachten in dem Prozesse Rohling contra Bloch", S. 123.) Das alles hat die österreichische Unterrichtsverwaltung noch nicht veranlaßt, gegen den Prager Professor irgendwie einzuschretten. In einem Artikel vom 24. Jänner 1883 in der „Wiener Mgem. Zeitmrg" welcher Herrn Rohling seines letzten „wissenschaftlichen" Gewandes entkleidet, bemerkte Dr. Bloch Wer die Hetzmethode Rohlings: „Es genügt Herrn Rohling nicht, die k. k. Regierung als stillen Kompagnon seiner antisemitischen Wühlerien überall darzustellen; er entblödet sich nicht, bei seinen ärgsten und schändlichsten Hetzereien auf Se. Majestät selbst sich zu berufen. In seiner Emmziation vom 13. Dezember 1883, wo er die Lügen von „Hunden" und „Eseln" .vorbringt und did Verleumdung in die Welt hinäusruft, daß .der Jude von religionSwegen befugt ist, alle Nichtjuden auf jede Weife auszu» beuten„ sie physisch und moralisch zu vernichten, Leben, Ehre und Eigentum derselben zu verderben, offen und mit Gewalt, wie heimlich und. meuchlings — das darf, ja soll, wenn er kann, der Jude von religionSwegen befolgen, damit er sein Volk zur irdischen Weltherrschast bringe" — wird der Name Sr. Majestät unseres Kaisers nickt weniger'als zweimal erwähnt und angerufen als heilige Bürgschaft für die Wahrheit seiner Anklagen. In seiner Hetzschrift vom 14. Dezember 1883, in welcher er sich erbietet, die rituellen Morde der Juden eidlich zu bekräftigen („ich kann auch dies auf Verlangen amtseidlich erhärten"), wird wiederum auf Se. Majestät hingewiesen und eine Mische Bemerkung daran geknüpft, welche ebenso unzart als hn« patriotisch." ' „In den Schandartikeln Rohling's vom 31. Dezember, welche die unwiderlegbarsten Beweise bieten für seine Unfähigkeit und Verlogenheit, beruft er sich wiederum auf — „den Willen Sr. Majestät des Kaisers". In seinem Schmähschreiben ferner gegen die k. k. Olmützer Staatsanwaltschaft vermißt man ebenfalls nicht den Hinweis auf den Kaiser. Während christliche Fachmänner, Universitäts-Lehrer ersten- Rangesihn als völligen Ignoranten, als unwissenden Laien auf dem Gebiete der hebräisch-rabbinischen Literatur öffentlich gezeichnet haben, während er nicht einmal in der Lage ist, die öffentlichen Anklagen gegen seine falschen, wahrheitswidrigen eidlichen Aussagen gerichtlich zu entkräften, schützt und stützt er seine Autorität als Gelehrter mit Berufung darauf/ daß er „von Sr. Majestät dem Kaiser als Fachmann in den fraglichen Materien aufgestellt wurde 11*. „Dieses Verfahren ist geradezu unerhört l Während aller Welt das Wort Sr. Majestät bekannt ist: „Ich dulde keine'Judenhetzen in meinem .Lande!" sucht dieser Herr, der doch auch Staatsdiener ist und Sr.'Majestät den Eid der Treue geleistet hat," in dem anderen Volke den Glauben zu verbreiten, als fänden sein antisemitisches Treiben, seine Verleumdungen und Hetzereien allerhöchstenorts Billigung und Förderung." -- Da aber die österreichische Unterrichtsverwaltung trotz alledem Und alledem beharrlich schwieg,' wurde R o h l r it'gT immer kühner.;;.. v ‘' *•'" Bereits am 4. Mai 1881 hatte er seine Depofitionen in Bezug auf den Talmud bei Gelegenheit eines Prozesses bei dem königl. Landesgericht zu Dresden als ..Sachverständiger" mit seinem Amtseid bekräftigt. Am 12. Mai 1883 wandte er sich an das k. k. Oberlandesgericht zu Lemberg mit einem Eibesang e b o t in dem Prozeß Ritter. DüS Oberlandesgericht hat aber mit Rücksicht auf die Publikationen Bloch's das Schreiben ohne Antwort gelassen. Am 19. Juni 1883 meldete sich Professor Rohling bei dem Gerichtshof in N y i r e g yh az a, um gegen die Beschuldigten von T i ß a-E ß l ä r gerichtlich einvernommen zu werden. So unternahm denn Dr. Bloch neuerdings in einer in der „Wiener Morgenpost", publizierten Artikelserie, diesen Herrn zu stellen. •: „Dieser Herr Professor wartet demnach mit Nichten, bis man ihn ruft — er lauft geradezu den Gerichtsleuten mit dem „Verlangen" nach, stellt öffentlich Jedermann seinen Eid zur beliebigen Verfügung! Ich fühle mich deßwegen durch mein Gewissen genötigt, neuerdings gegen den genannten Herrn wegen seiner angebdtenen zeugeneidlichen Aussage öffentlich -dre Anklage des angehotenen Meineides zu erheben, und bin bereit, diesefchwere Anklage vor jedem Forum zu begründen." „Endlich muß aber doch ein Forum gefunden werden, vor welchem die gewohnheitsmäßig betriebene Lüge, welche Gewissen und Scham verloren hat, nach Wahrheit und Gesetz gerichtet wird." „Da er dennoch für alle seine horrenden Lügen keinen anderen Wahrheitsbeweis übrig hat, als den — vielmißbrauchten Eid, und da er gar diesen Eidschwur anbietet, um zeugeneidlich eine „plumpe Erdichtung verbündeter Unwissenheit^ (Delitzsch) zu erhärten, so muß er sich gefallen lassen, daß Man öffentlich gegen ihn die Anklage drang ebot enen Mein ei des^erhebt. Ein k. k. Professor mit wiederholten fals/chen Eidesleistungen ist ein Unikum selbst in der bunten, wechselreichen Geschichte österreichischer Universitäten." . ' „So sicher es ist, daß in den mehr als fünfzigtausend unglücklichen Frauen, welche als Hexen dem Feuertod zügeführt wurden, zusammengenommen nicht die Summe von Dummheit, Aberglaube und Niedertracht vorhanden war, als in den-. fanatischen Ketzer- und Seelen'richtern, die unter dem Jubel einer blöden Menge für sie den Scheiterhaufen geschichtet hatten, so gewiß ist es, daß, die Chorführer des Antisemitismus welche über die Verderbtheit der Juden klagen, aus Haß und Neid gegen unsere Gesamtheit Gift- und Galle speien, an Verworfenheft die schlimmsten Elemente des Judentums weit übertreffen." So wurde denn der Prager Professor unter dem Drucke der öffentlichen Meinung gezwungen, gegen Dr. B l o ch den Gerichtsweg zu beschreiten und bei dem k. k. Wiener LandeSgericht die Ehrenbeleidigungsklage zu überreichen. Der Prozeß dauerte an zwei Jahre. Der Geklagte und sein Anwalt erweiterten den Rahmen der prozessualen Vorbereitung über tzas übliche Maß, denn der gewöhnliche Wünsch'des Änwaltes, ein günstiger, äußerlicher Ausgang des Prozesses, durfte nicht mehr das wichtigste Ziel ihrer Arbeit sein, sie suchten mit aller Kraft, mit redlichem Eifer nach Wahrheit und Aufklärung.

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