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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-03 · 27 (3.7.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Bloch’s Jahrgang XIV Zentralocoan kür die gesamten Ilnteressen des Judentums. Wies, 3. Juli 1908. LrscbeLnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Wresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Inhalt: Leitartikel: Warum wurde der Profeffor für hebräische Altertümer ander theologischen Fakultät der Universität Prag, Kanonikus Dr. August Rohling, von der österreichischen Unterrichtsverwaltung seines Postens enthoben? — Eine Aufgabe für den „Oesterreichisch- Jsraelitischen Gemeindebund". — Das Judentum und das Wesen des Christentums. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Resolution-Schund. Samson Raphael Hirsch. Belmonte. Eine interessante rabbinische Frage. Das Grab des Sabbathai Zewi. — Korrespondenten: Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde. Ein Beitrag zur Säuglingsfürsorge. Nachträgliches zur Generalversammlung der israelitischen Beerdigungs-Brüderschaft in Prag. FranzenSbad. Eine Deputation jüdischer Schänker beim galizischen Statthalter. Der Lemberger Bischof und die Juden. Kinderraub in Galizien. München. Georg Brandes für die finnländischen Juden. — Vermischtes: Wien. Talmud-Thoraverein für die westlichen Bezirke. Israelitischer Humanitätsverein zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen, Wien II. Das Mannheimer-Gebetbuch in der Schule. Austritte aus dem Judentum. Preßburg. Prag. Bisenz. Verband der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen. Riga. — Feuilleton: Ein moderner Schriftsteller in Jerusalem. — Neue Bücher. — Brieflasten. Inserate. OQ O O oG — ' Oö BsjugÄpr*fe für Destrrreirh: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene PetitzeUe 24 Heller. =Do V. ft. jrarftaflTenatnt Sleartng-Vertzebr Är. 810.976. Redaktion und Administration: H/I, Hahngaffe Nr. 15. , Telefon Nr. 14.847. Warum wurde der Profeffor für hebräische Altertümer an der theologisch in Fakultät der Uninerfitat Prag- Kanonikus Dr. August poljling, von der osterreichischenWnterrichtsnerwaltungseinesPostens enthoden? In der Sitzung des österreichischen Herrenhauses vom Samstag den 27. Juni 1908 hat der gewesene Ministerpräsident, Graf Franz Thun, bei Besprechung des Falles Wahrmund sich folgenderweise geäußert: „Die Anschauung, als ob ein Professor sakrosankt wäre, als ob er machen könnte, was er will und daß er absolut nicht gemaßregelt werden könne, halte ich für einen gefährlichen und unrichtigen Standpunkt. Es ist auch nicht richtig, daß bisher keine Maßregelungen vorgekommen sind und ich weise darauf hin, daß dies schon tatsächlich Hochschulprofessoren gegenüber geschehen ist. Allerdings ist dies in der Oeffentlichkeit damals ganz anders beurteilt worden. Ich will nur einen Fall herausgreifen, der mir sehr wohlbekannt ist. Profeffor Rohling an der Universität in Prag hat nach einer authentischen (!?) Nebcrsetzung des Talmud wissenschaftliche Thesen aufgestellt, von denen die Negierung das Gefühl gehabt hat, daß die Vertretung dieser Anschauung bei der Bewegung, die damals herrschte, zu sehr unangenehmen Komplikationen führen könnte. Hofrat Rohling ist pensioniert worden. Aber ich habe — wenigstens in der „Neuen Freien Preffe" — damals nie gelesen (Heiterkeit), daß man ein kritisches Urteil darüber gefällt hat, daß ein Professor gemaßregelt worden ist. (Lebhafte Heiterkeit.) Das Ganze ist als selbstverständlich behandelt worden und damit war die Sache fertig." In dem Leitartikel vom Sonntag den 28. Juni antwortete die „Neue Freie Presse" dem gräflichen Redner: „Er hat ganz nach christlichsozialer Methode in einer Polemik, gegen unser Blatt die Frage aufgeworfen, warum kein Widerspruch gegen die Versetzung Rohlings in den Ruhestand erhoben würde. Sollte der ehemalige Statthalter von Böhmen wirklich nicht wissen,-daß Rohling nicht wegen seiner Auffassung vom Ritualmord, sondern wegen gefährlicher Bedrängnisse mit Eidschwüren, über die in dem Buche Josef Kopps näheres zu lesen'ist, pensioniert wurde?" Um der' Weiterverbreitung dieser Geschichtslüge, deren- Natur gerade in den Kreisen des Herrenhauses am richtigsten emgeschätz't werben Müßte, Einhalt zu tun,' müssen nachstehende Tatsachen in der Erinnerung der Zeitgenossen wieder aufgesiüscht werden. Profeffor August Rohling unternahm, nachdem er ein ordinäres Falsifikat unter dem Titel „Talmudjude" zu Hetzzwecken publiziert hatte, welches an zwölf Auflagen erlebt hat, im Dezember 1882 in der Wiener „Tribüne" in einer Reihe von Brandartikeln die Wiener Bevölkerung gegen die Juden aufzuhetzen. Von diesen Artikeln aus der „Tribüne" wurden lautBerhandlungsprotokoll bloß in Buchform 200.000 Exemplare verbreitet. Dabei trat Rohling mit dem Nimbus eines „k.?. Professors" an der ältesten deutschen Universität, als Priester der katholischen Kirche auf; er erbot sich bei jeder Gelegenheit, seine Behauptungen gerichtlich mit dem Eide zu bekräftigen, überschüttete den Leser, der sie nicht kontrollieren konnte, mit einem wahren Wolkenbruch von erlogenen, gefälschten, verdrehten Zitaten und spekulierte mit wahrhaft teuflischem Behagen auf die niedrigen Leidenschaften des großen Haufens, der jederzeit schnell bereit ist, die praktischen Konsequenzen aus derartigen „wissenschaftlichen" Leistungen zu ziehen, er wurde bejubelt und gefeiert und verherrlicht als eine „wissenschaftliche Leuchte". Auf den österreichischen Gymnasien waren diese Schand- und Lügenschristen sozusagen die Modelektüre der Professoren geworden und ein jüngerer Philologe, der als Supplent an ein Gymnasium in Niederösterreich kam, ohne die Werke des großen Prager „Talmudisten" studiert zu haben, erzählte, daß er von seinen Kollegen wegen seiner Unwissenheit viel gehänselt wurde; man beeilte sich, ihm ein Exemplar von Rohlings neuester- Schrift unentgeltlich zu überreichen. Eine prompte Antwort erhielt er in einer Reihe von Artikeln in der „Wiener Allgemeinen Zeitung" aus der Feder des damaligen Floridsdorfer Bczirksrabbiners Dr. Josef S. Bloch,' welcher den Prager Kanonikus als Ignoranten und ordinären Fälscher entlarvte. Der Professor der Theologie und hebräischen Altertümer an der Universität Erlangen, Doktor Köhler, Verfasser der berühmten Jahresberichte der Deutschen; morgenländischen Gesellschaft, schrieb unter dem 28. Jänner. 1883 an Dr. Bloch: , »Sehr geehrter Herr Bezirksrabbiner! Ihre drei Streitschriften gegen Dr. Rohling habe ieh von Anfang bis zu Ende sorgfältig und mit warmer Teilnahme und auch mit stets steigender Entrüstung über Rohling durchgelesen. Genehmigen Sie meinen besten Dank! Durch Ihre und durch Dr. Delitzsch Streit- 1! 1 •! |.

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