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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-26 · 26 (26.6.1908) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
26 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Llocd's Mocdenscvrin. Sette 4SI Morgen zu fliehen, alles zu lassen und zu dem Volk meiner Kindheit wiederzukehren. Aber mit dem Tage stieg der Zweifel in mir auf und als die Glocken nach mir riefen und die Menge wartend die Kirche umgab, die Diener mir die goldenen Gewänder auf die Schultern legten, da vermochte ich nicht, all dem Glanz aus Erden, all der Macht über den Menschensinn zu entsagen und ich schritt hinan zur Kanzel. Da entsandte dich der Heilige, mich zu rufen. Ich aber wollte vorerst meine Predigt sprechen» denn an meinen eigenen Worten, am entzündeten Gemüt derer, die mich umringten, gedachte ich meinen Willen zu stärken, um dann vor dem Meister in meinem Trotze bestehen zu können. Du riefst zum zweiten Male und siehe, da verließ mich aller Widerstand und ich folgte, wie ein Kind in der Dämmerung dem Ruf der Mutter nachgeht. Ich kam zum Meister und er rang um meine Seele und gewann sie. Er wies mir den Weg, wie ich mich von meiner Schuld erlösen könne und ich wurde zum Büßer von dieser Stunde an. Vor dem König und vor allem Volke bekannte ich mein Verfehlen; dann zog ich aus dem Land. Ich kam hierher und verbrachte meine Jahre in der Läuterung meiner Seele und erwartete den göttlichen Losspruch. Denn wisse, der Baalschem hat mir verkündet: .Wenn einst einer zu dir kommt aus fernem Land und dir deine Geschichte erzählt, deute es als das Zeichen der Befreiung aus den Ketten deiner Taten.' Und als du kamst und alles Geschehene deinem Gedanken entrückt war, da verstand ich. daß dies um meinetwillen sei, weil ich das Meine noch nicht vollbracht habe. Und ich versenkte mich aufs neue in die Tiefen der Hingabe. Nun aber, da du dich entsannest, weiß ich, daß mir geholfen ist. Du aber, mein Freund, wirst nun eine Stätte haben und nimmer flüchtig sein auf Erden; denn alles, was mein ist, will ich mit dir teilen, aus dessen Munde mir das Wort der Lösung kam." __ Atrratrrr. Gedenkrede bei der Enthüllung eines neuen Grabsteines für den Ober-Landesrabbiner von Mähren und Schlesien Rabbi Mordechai Benet s. A. gehalten auf dem Friedhofe in Nikol?durg von Dr. M. Levin, Rabbiner zu Nikolsburg, am 76. Begräbnistag des unvergeßlichen großen Lehrers, am Sonntag den 12. Adar Scheni 5668 (15. März 1608). — Von der Israel. Kultusgemeinde Nckolsburg veröffentlicht. — Wien 1908. Die altehrwürdige Kultusgemeinde Nikolsburg hat sich mit der Veröffentlichung der Gedenkrede, welche ihr gelehrter Rabbiner seinem großen Amtsvorgänger gehalten, ein Verdienst erworben. Die rührende, wahrheitsgetreue Schilderung von dem Leben und Wirken des Gaon muß in unserer so thoraarmen Zeit zweifaches Weh erwecken. Der Gaon Rabbi Mordechai Benet hat nicht wenig zum Ruhme der Nikolsburger Kehtllah beigetragen, das Gedenkblatt, welches Dr. Levin dem großen Rabbi weiht, ist eine dem unvergeßlichen Lehrer in Israel würdige Ehrung, die seiner Gemeinde zum Lobe und ihm selbst zur Ehre gereicht. Die Rede muß auf die Zuhörer großen Eindruck gemacht haben, weil das tote Wort noch so erhebend wirkte. Schöne, fließende Sprache und geistvolle Midraschauslegung finden wir hier vereint. Dabei kein Wort zuviel. So nur und nicht anders durfte das Gedenkblatt für Rabbi Mordechai Benet s. A. abgefaßt werden. Die mustergiltige Gedenkrede kann auch Fachkreisen wärmstens empfohlen werden. Dr. F. Rich. Heinschel. Reue Bücher. Dr. Raphael Breuer. Unter seinem Banner. Ein Beitrag zur Würdigung Rabbiner Samson Raphael Hirsch's. (Frankfurt a. M., Gebrüder Knauer. 315 und VIII Seiten Groß-8", broschiert Mk. 4.50, geb. Mk. 5.50.) Zionistisches A-B-C-Buch. Herausgegeben mit Unterstützung zahlreicher sachverständiger Mitarbeiter von der zionistischen Bereinigung für Deutschland. Verlag. Zionistisches Zentralbureau Berlin. Charlottenburg, 1908. Samson Raphael Hirsch-Jubiläums-Rummer. Herausgegeben von der Redaktion des „Israelit" zum 25. Siwan 5668. Frankfurt a. M. Krirfkafte«. K. S- Mit sicherem Prophetenblick. Die Prinz Heinrich-Fahrt hat einen Leser der „Schleswiger Nachrichten" veranlaßt, Nachforschungen darüber anzustellen, ob nicht schon in der Bibel die großen technischen Erfolge der Jetztzeit vorausgesagt seien. Und siehe da I Sein Suchen wurde belohnt. Denn auf was anderes als das Automobil kann Vers 5 des 2. Kapitels des Propheten Nahum hindeuten? Heißt es doch dort: „Die Wagen rasen auf den Gaffen und raffeln auf den Straßen, sie blicken wie Fackeln und fahren untereinander her wie die BUtze, sie straucheln auf ihrem Zuge, und das Schutzdach wird aufgerichtet." — An Telegraph und Telephon dachte zweifellos der Psalmist, als er (Psalm 19, 5) sang: „Ihre Schnur geht aus in alle Lande und ihre Rede an der Welt Ende." Heinrich Berger, städt. Lehrer, XV. Bez. Allerdings steht dem Kultusvorsteher das Recht zu, von den Angestellten der Kultusgemeinde zu verlangen, daß sie durch Verletzung der religiösen Handlungen des Judentums kein öffentliches AergeruiS erregen E. S. 8. Für uns ungeeignet. Dr. K. Lippe in Jassy. Ihre gründliche Beleuchtung des Diktums von der „wahrhaft alttestamentarischen Rachsucht", welches der Abgeordnete Dr. Hofmann von Wellenhof im Abgeordnetenhaufe des österreichischen Reichsrates am 13. Juni 1908 unter lebhafter Heiterkeit der Zuhörer sich leistete, können wir leider aus preßgesetzlichen Gründen nicht publizieren. Wie einst, als es noch Mode war, die Rabbinen zur öffentlichen Disputation zu zspingen, staatlicherseits das Terrain der DiSkuffton beschränkt und jede kritische Berührung der kirchlichen Dogmen und des Neuen Testamentes bei Lebensgefahr verboten wurde, so wachen noch heute Staatsanwaltschaft und Polizei darüber, daß die gleichen Grenzen eingehalten werden. Wehe dem jüdischen Publizisten, der für ein solches Vergehen ein Urteil österreichischer Geschwornen zu erwarten hat. Libertö. Wird mit Dank abgelehnt. „Haschoel". Eine Hausindustrie für jüdische Mädchen wird bloß in Galiüen eingeführt und nicht in Niederösterreich. Wir empfehlen dem Mädchen den Besuch einer Handelsakademie im Interesse seiner Zukunft. Die Absolvierung einer Lehrerbildungsanstalt ist zwecklos bei den heutigen Zeitverhältniffen. »vivo anni.« Der 15. Elul 1868 war Mittwoch am 25. August M. Fried in N. Sz. Es gibt in Oesterreich kein jüdisches Spital für Kinder; in Budapest nimmt das Adele Brody-Spital auch Kinder in Pflege. Dieses untersteht der Budapester Religwnsgemeinde. T. O. In Auffee ist eine koschere Restauration. Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der laufenden Abonnementsgebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man fick der in der heutigen Nummer brigrlegten Posterlagscheine Mteg*. Aj, M„iniSr-N°n der ..OrSerr. WockrnlckrM". Danksagung. Anlässlich meines fünfzigjährigen Berufsjubiläuma sind mir so überaus zahlreiche ehrende Kundgebungen zugekommen, dass ich mich ausserstande fühle, jedem einzelnen zu danken. Ich entbiete demnach auf diesem Wege zuvörderst dem Vertreter und Dolmetsch der Glückwünsche des Bürgermeisters der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien Herrn Gemeinderat Kleebinder, der Bezirksvertretnng des IL Bezirkes, der löbl. Presse, dem verehrten Vorstande nnd den geschätzten Bethansvorständen der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, dem ehrw. Rabbinate, den Herren Oberkantoren, den Korporationen, den lieben Kollegen, Freunden und Bekannten, sowie allen, die durch Wort und Schrift und sonstige Beweise ehrenden Gedenkens meine Jubelfeier verherrlicht hatten, den innigsten tiefgefühltesten Dank. Julius Heimann Chordirigent am Tempel der Leopoldstadt.

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