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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-26 · 26 (26.6.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
26 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Sette 477 »r Ls Vr. Vwch*s Wochenfttzrist. wahr, wie das letztere jeder Rechtsbafis entbehrt. Trotzdem hat der Vorstand in seinem Bestreben, auch minder billigen Wünschen entgegenzukommen, Monate hindurch mit den Herren verhandelt. Es wurde ihnen vom Vorstand und Rabbinat das Recht eingeräumt, bei Einrichtung und Ueberwachung der Mikwah mitzuwirken Ihr Rabbiner wurde vom Herrn Oberrabbiner direkt eingeladen, fich mit dem Rabbinat über die einschlägigen rituellen Fragen auseinanderzusetzen. Wäre es den Herren wirklich bloß um das Kaschrut der Mikwah zu tun gewesen, so hätten fie die Aktion des Rabbinats, welches selbstverständlich in dieser Sache ausschließlich von dem Bestreben geleitet ist, alle Garantien für das Kaschrut zu schaffen, kräftigst unterstützen müffen. Durch ihr Vorgehen hat Vorstand und Rabbinat die Ueberzeugung gewonnen, daß es fich ihnen nicht um die Sicherstellung des Kaschrut oder — um bei dem Bild des Herrn, Dr. Bloch zu bleiben — nicht um die entsprechende Anfertigung des Kleides, sondern um den Triumph des ausschließlichen Besitzes handelt, den die Herren erringen wollten. Der Alleinbefitz und das ausschließliche Ueberwachungsrecht der Mikwah hat mit religiöser Observanz absolut nichts zu tun und sollte bloß dem Parteiinteresse dienen', welches es erfordert, daß die Vertrauenswürdigkeit des Rabbinats als dermaßen minderwertig hingestellt werde, daß selbst eine gemeinsame Beaufsichtigung mit demselben als unzulässig betrachtet werden müsse. Man glaubte dem Rabbinat zumuten zu dürfen, daß es sich selbst den Makel minderer Vertrauenswürdigkeit anheste, indem es fich von der Beaufsichtigung der Mikwah ausschalte und diese, wie es in der Resolution heißt, „dem jeweiligen Rabbinat der Adaß Jißroel übertrage". Es gibt wohl keinen vernünftigen Menschen, so er nicht von Parteileidenschast beeinflußt ist, der eine derartige Zumutung billigen könnte. Aber auch abgesehen davon, daß das Rabbinak fich zu einer solchen Selbstentäußeruvg nicht verstehen konnte, durfte es auch im Gefühle seiner Verantwortlichkeit nicht zugeben, daß eine hochwichtige religiöse Institution einem Vereine ausgeliefert werde. Die ganze Aktion war nichts als ein Versuch den bereits in Angriff genommenen Bau der Mikwah zu verhindern; das wird nicht mehr gelingen. Die Drohung mit der Errichtung einer separaten Mikwah kann den Vorstand kalt lassen. Der Vorstand will mit der Mikwah einem religiösen Bedürfnis genügen, aber durchaus kein Geschäft machen und braucht daher die Konkurrenz nicht zu fürchten. Uebrigens ist in Wien Raum genug für zwei solche Institute. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung Wiens kann den Bestand von mehreren Mikwahs vollkommen garantieren. Marcus Schreiber, Moses März, Josef Spieler. Cäeilie Eisenberger. Nach einem Leben voll Arbeit, aber auch reich an Erfolgen, ist Frau Cäeilie Eisenberger, Gründerin und Ehrenpräfidentin des Mariahilfer israel. Frauen-Wohltätigkeitsvereines, hochbetagt verschieden. Sie war eine Frau von geradezu klassischem Charakter, voll Tatkraft und Willensstärke, ausgestattet mit ungewöhnlichen Geistesgaben, die fie allezeit in rechtlicher Weise zur Geltung und Verwerfung brachte. Geboren in Prag, jener altehrwürdigen, interessanten Stadt, die auch interessante Frauen-Naturen hervorbringt — wohl eine Folge des doppelten Druckes, den unsere Volksgenossen dort als Juden und Deutsche zu dulden haben — stellte Cäeilie Eisenberger den Typus einer Prager jüdischen Frau dar; klug und' einsichtsvoll, voll Zähigkeit und Ausdauer, in hervorragendem Maße befähigt, den Kampf ums Dasein erfolgreich zu bestehen. Zu diesen Eigenschaften gesellte fich ein unermüdlicher Arbeitseifer, nichts haßte fie mehr, als den Müßiggang und unnütze Zeitverschwendung, wie fie überhaupt das Muster einer tüchtigen, wirtschaftlichen Hausfrau war. An der Seite ihres Gatten, des Kommerzialrates Sigmund Eisenberger s. A.. hatte fie vielfach Gelegenheit, ihre reichen Geistesgaben und ihre Arbeitskraft zu betätigen, und wenn heute die Firma S. Eisenberger zu den angesehensten der Residenz zählt, so ist dies nicht zum Geringsten ihr Werk. Trotz ihrer eifrigen, geschäftlichen Tätigkeit fand fie aber immer noch Zeit, sich auf anderen Gebieten zu betätigen; fie verfolgte mit regem Interesse die politischen und Tagesfragen und nahm lebhaften Anteil an kulturellen und humanitären Bestrebungen, denn in dieser hochgesinnten Frau schlug auch ein edles, weiches Herz; strenge gegen fich, war fie milde gegen Andere und kein wahrhaft Bedürftiger hat vergeblich an ihre Hilfe appelliert. Allein auch auf dem Felde der Wohltätigkeit offenbarte fich die Gründlichkeit und Rechtlichkeit ihres Wesens und fie erfaßte frühzeitig die Mängel einer veralteten Armenpflege, die fie durch Gründung des Mariahilfer Frauen-Wohltätigkeitsvereines zu beseitigen suchte. Was Cäeilie Eisenberger durch ein Bierteljahrhundert als Präsidentin dieses Vereines geleistet, das gehört der Geschichte des jüdischen Armenwesens unserer Stadt an, und wenn einmal diese Geschichte geschrieben werden wird, dann wird der Name Cäeilie Eisenberger darin in goldenen Lettern glänzen. Das Denkmal, das fie fich damit gesetzt, wird bestehen, dauernder als Erz, und die spätesten Geschlechter werden diese Frau preisen, deren Leben gewidmet war der Arbeit und der Nächstenliebe! Das Leichenbegängnis der Verewigten fand am 23. d. M. unter großartiger Beteiligung statt: au ihrer Bahre hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Taglicht den verdienten Nachruf, der alle Anwesenden aufs Tiefste bewegte. Namens des Vorstandes des Frauen-Wohltätigkeits-Bereines sprach Frau Hermine Schüller einige herzliche Abschiedsworte, worauf, was von Cäcilie Eisenberger sterblich war, zur ewigen Ruhestätte geleitet wurde. B . . . Y. Breslauer Ferienkurse in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer. Die vom Verein israel. Lehrer in Schlesien und Posen eingesetzte Kommission hat beschlossen, auch in diesem Jahre in Breslau einen Ferienkursus in Religionswissenschaften, dm vierten in der Reihe, einzurichten. Der Kursus wird eine Dauer von etwa drei Wochen haben und am Montag den 6. Juli seinen Anfang nehmen. In dankenswerter Weise haben das verehrte Dozenten-Kollegium des dortigen jüdischtheologischen Seminars, ferner die Herren Rabbiner Doktor Zuckermandel und Dr. Deutsch in voller Uneiqennützigkeit sich bereit erklärt, im Interesse der Sache Vorlesungen aus dem Gebiete der Religionswissenschaften zu halten. Es jverden lesen: Seminarrabbiner Professor Doktor L e w y: Mechiltha (zweimal wöchentlich), Einblick in die Geschichte der Liturgie (zweimal wöchentlich). — Dozent Dr. Brann: Geschichte der deutschen Juden im l5. und 16. Jahrhundert (sechs Vorlesungen), Pentateuch - Exegese (sechs Vorlesungen), Methodik und Didaktik des nachbiblischen Geschichtsunterrichtes (mit Probelektionen) (drei Vorlesungen). — Dozent Dr. Horovitz: Ethik der jüdischen Religionsphilosophen (sechs Vorlesungen). Homiletik mit Hebungen (drei Vorlesungen). — Rabbiner Dr. Znckermandel: Ueber Trauergebräuche (sechs Vorlesungen). — Rabbiner Dr. Deutsch: Apologetik des Mittelalters (drei Vorlesungen), insgesamt 15 Stunden in der Woche. Kantoren soll gleichzeitig Gelegenheit geboten werden, sich im Kantoralen weiter fortzubilden. .. Diese Zusammenstellung dürfte wohl allgemein befriedigen, doch sind die Herren Dozenten nicht abgeneigt, um etwaigen Wünschen in Bezug auf das Stoffgebiet der Vorlesungen entgegenzukommen, noch einige Aenderungen eintreten zu lassm. Der Kursus, der unentgeltlich ist, steht jüdischen Lehrern und Lehrerinnen frei. Wir laden die Kollegen und Kolleginnen freundlichsi zu dem Besuche ein und werden uns freuen, wenn recht viele in Schlesiens Metropole sich einfinden würden.

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