Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 26 (26.6.1908)
- Date
- 1908-06-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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«fette 476 Dr. Blocb's Moedenscdrm. Nr. 26 Nach dem Schlußworte des Referenten wurde der Lehrplaneutwurf in der Fassung der Unterrichtskommission angenommen. Regelung des Beerdigungswesens in Floridsdorf. Nachdem die Chewra-Kadischa Floridsdorf anläßlich der Einverleibung des XXI. Bezirkes auf das von ihr bisher ausgeübte Recht zur Versehung der Friedhofagenden in Floridsdorf unter gewiffen Modalitäten Verzicht geleistet hat, hat nunmehr der Kultusvorstand betreffend die Besorgung der Friedhofagenden in Floridsdorf für das Jahr 1908 unter billiger Rücksichtnahme auf die bisher bestandenen Verhältnisse Uebergangsbestimmungen getroffen. Dagegen treten ab 1. Jänner 1909 die für die Wiener Kultusgemeinde festgesetzten Bestimmungen über das Beerdigungswesen und die statutenmäßig normierten Taxen und Gebühren für Leichenbegängniffe auch für den XX l. Bezirk in Kraft. Für Grabstätten für Verstorbene, welche im XXI. Bezirke wohnhaft waren, wurden gleichfalls ab 1. Jänner 1909 nachfolgende Taxen festgesetzt: L Klaffe.K 1200 — IL „ .„ 600.— m. „ .. 300.— IV. .. . 100.— Betreffend der von Mitgliedern der Chewra-Kadischa (nach dem Stande vom 1. April 1907) zu zahlenden Grabgebühren werden mit der Chewra-Kadischa Verhandlungen gepflogen. Bei diesem Anlaffe wurde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß die Mitglieder der Chewra-Kadischa nach wie vor die rituellen Gebräuche bei Leichenbegängnissen überwachen und sich auch an der Ausübung derselben persönlich beteiligen werden. Behufs Kontrolle der entsprechenden Ausführungen von Aufträgen zur Pflege und Schmückung von Gräbern und Grüften auf dem Zentral-Friedhofe durch den Kontrahenten der Kultusgemeinde wird gegen Bezahlung eines Jahrespauschales ein Fachmann bestellt. Es wird prinzipiell beschloffen, bei Reservierung von Gräbern und Grüften auf dem Zentralfriedhofe Zuschläge zu den Normalgebühren fallweise zu berechnen. Dem Tempelverein für die Bezirke Wieden und Margareten werden bezüglich seines Rabbiners und dem Tempelvereine im XIX. Bezirke bezüglich seines Kantors bis auf Widerruf Begünstigungen betreffend Mitwirkung bei Leichenbegängniffen von Vereinsmitgliedern oder Betfitzinhabern ihrer Bereinstempel gewährt. Stiftuugsangelegenheiten. Die Erträgniffe aus dem „Ludwig Pollak-Legate", welche alljährlich an zehn wohltätige Vereine unter besonderer Bedachtuahme des Mädchen-Unterstützungsvereines in der Leopoldstadt zu verteilen find, werden für das heurige Jahr nebst dem genannten Vereine noch nachfolgenden Vereinen und Wohltätigkeitsanstalten zugewiesen: Ausspeisungsverein für den XII. bis XV. und für den XVI. und XVII. Bezirk, Schulküche XX. Bezirk, Fanny Jeiteles Pfründnerstistung, Speiseanstalt der israelitischen Armenanstalt, Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim, Kaiser Franz Josefs-Ferienheim, Ferienkolonie für jüdische Waisen, Israelitische Kinderbewahranstalt. Verliehen werden: Die Ignaz Blumenseld-Widmung für Maler (1 Platz zu K 1800.—) an den von den Zensoren, den akademischen Malern Leopold Horovitz, Professor Kasimir Pochwalsky und David Kohn, primo loco / vorgeschlagenen Maler Leo Katz; die Michael Cohen da Silva-Stiftung für eiuen Handwerkergehilftn zur Etablierung als Meister (1 Platz zu X 800.—) und die Ignaz Theumann-Ausstattungsstiftung ,(1 Platz zu K 2000.-). Nach Erledigung von Subventionen und Personalien wird die Sitzung um 2 Uhr nachmittags geschloffen. Spenden im Bethause II., Tempelgasse. Von Herren: Hermann Krämer Kronen 80.—, Fritz Fürst 75.—, Michael Brösler 20.—, Jakob Wolf 10.—, Dr. Charles Sp. Szekely 60.—, Rektor Dr. Adolf Schwarz 10.—, Adolf Haß 30.—, Josef Bernhard Böhm 100.—, Isidor Goldblatt 110. , Bernhard Grosner 25.—, Dr. Adolf Schmied! 10.—, Ignaz Beckmann 75.—, Simon Menzeles 75.—, Bernhard Reicher 100.—, Wilhelm Perlsee 10. , Rudolf Kohn 100.—, Jacques Fischhof 20.—, Dr. Adolf Herzfeld 20.-, Josef Szolt 50.—; zusammen Kronen 960.—. - Den Spendern wird der Dank votiert. Zur Mikwahfrage. Zu dem Berichte in Nr. 24 der „Oesterr. Wochenschrift" über eine Versammlung vom 7. Juni betreffend die Mikwahfrage. erhalten wir folgende Zuschrift: Die Gefertigten, welche die Ehre hatten, der auf Veranlaffung des Herrn Hofbauer in Angelegenheit der Mikwah, am 7. Juni abgehaltenen Besprechung als Delegierte anzuwohnen, sehen sich veranlaßt, zu dem über den Verlauf der Besprechung in der vorwöchentlichen Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" erschienenen Bericht einige richtigstellende Bemerkungen zu machen. Unrichtig ist, daß 23 Vereine der Einladung Folge geleistet haben, da die ganze Versammlung, einschließlich Einberufer und „Vertreter der Presse", kaum 15 Teilnehmer zählte. Ueberdies enthielt die Einladung keinerlei Tagesordnung und die Erschienenen wußten vorher gar nicht, über welchen Gegenstand beraten werden soll. Eine Versammlung schlichter Männer aus dem Volke, denen nicht Gelegenheit gegeben war, sich über eine wichtige Frage entsprechend vorher zu informieren, plötzlich auf einseitige Information hin, vor die Entscheidung zu stellen, zeigt kein objektives Vorgehen. In der Tat haben auch einige Herren auf das Unstatthafte des Vorganges hingewiesen und dadurch die Annahme der Resolution verhindert. Herr H o f b a u e r, der Wortführer der Schiffschul, versichert allzu naiv, er habe nur aus Taktgefühl weder die Schiffschul noch die polnische Schul zur Besprechung eingeladen. Man kann dem Herrn Berichterstatter hier den Borwurf nicht ersparen, daß er es verabsäumt hat, die wahrhaft klassische Jnterpellationsbeantwortung in die rechte Beleuchtung zu rücken. Es ist auch nicht richtig, daß gegen Herrn Rabbiner Mayersohn in jener Versammlung irgend eine Rekrimination erhoben wurde. Andernfalls wäre es Pflicht des Berichterstatters gewesen, die gegen die Tätigkeit des Herrn Rabbiner Mayersohn gefallenen, angeblich „sehr abfälligen Aeußerungen" gewissenhaft zu registrieren. Die Gemeinde hätte dann erfahren, wie es um das Wiener Rabbinat bestellt ist. Wir sind keine Zeitungsschreiber von Beruf, haben keine Rücksicht zu nehmen weder nach oben, noch nach unten und dürfen uns daher gestatten, eine dieser „sehr abfälligen Aeußerungen" mitzuteilen: Ein sehr ehrenwerter Herr Delegierter klagte nämlich schmerzbewegt, er habe die traurige Erfahrung gemacht, daß ein Fleischhauer — ob Jude oder Nichtjude blieb unermittelt — der aber Koscherfleisch ausschrotet — es unterlassen habe, sich Ethrog und Lulaw anzuschaffen. Wir überlassen es getrost der verehrlichen Redaktion darüber zu entscheiden, ob es billig ist, derartiges Gerede mit „sehr abfällige Aeußerungen" zu umschreiben. Seit Jahren steht der Bau einer entsprechenden Mikwah auf der Tagesordnung. Seit Jahr und Tag besteht ein Mikwahkomitee innerhalb des Vorstandes und wird die Angelegenheit als aktuell behandelt, und zwar nicht über Wunsch der Resolutionisten, sondern über Betreiben des Rabbinats und der sich um dasselbe scharenden, nach Tausenden zählenden hiesigen Frommen. Wenn trotzdem, erst in jüngster Zeit, mit dem Baue ernst gemacht wird, so find es eben jene Resolutionisten, welche die Verzögerung veranlaßten. Jahrelang bestrebte sich die Schiffschul, glaubhaft zu machen, daß die frommen, gesetzestreuen Juden Wiens ausschließlich in ihrem Lager stehen; jahrelang wußte sie auch glaubhaft zu machen, sie hätte die Alleinbeauffichtigung der Mikwah „rechtsgültig ersessen". Das erstere ist ebenso un-