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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-26 · 26 (26.6.1908) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
26 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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———-*■ mwammmseaäasease&ssä Sette 474 Geheimnis vom Glück und Gedeihen Amerikas. Selbst diejenigen, die nur auf einiqe Jahre nach Amerika kommen und dann in ihre Heimat zurückkehren, bringen dem Lande viel ein. „Ich will die Komödie nicht mehr milmachen!" Eine der wichtigsten Stützen der sogenannten,,Salvation Army" von Boston, deren Hauptzweck die Bekehrung der Juden zum Ehristentume ist, war „Reverend" Freuder, angeblich gewesener Rabbiner, der seit fünfzehn Jahren Judenmission in Amerika treibt. Freuder gilt als hinreißender Redner und in allen großen Agitations- Versammlungen der Mifsionsgesellschaft wurde er als Hauptredner ausgestellt. So war es auch, wie die „Newyork Times" melden, vergangene Woche in Boston. In einem der größten Lokale sollte Reverend Freuder einen Vortrag über „Jesus und der Talmud" halten und die Häuptlinge der „Salvation Army" freuten sich schon auf den gewohnten großen Erfolg der Agitationsrcde. Wie ein Blitz aus heiterm Himmel wirkte es auf alle Anwesenden, als Freuder nach einer ziemlich objektiven Differtation über den Talmud, mit einem Male innehielt und folgende Sätze in die verdutzte Versammlung rief: „Ich gelobe es, nie mehr einen Juden von seinem Glauben abzubringen and zu verführen! Ich erkläre hiemit, daß die ganze Judenmission nichts anderes als Humbug und Komödie ist und — ich will diese Komödie nimmer mehr mitmachen!" Sprach's und verließ den Saal. Die Versammelten wäre» durch diese unerwartete Wendung so überrascht, daß fie in ihrer Verlegenheit lärmend auseinandergingen. __ ^Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Knltusvorstaudes vom 14 Juni 1908 unter dem Borsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Im Einlaufe befinden sich an Spenden: Von Frau Rebecca M.utner im Aufträge der Frau Sarah BrodSich, Kiew, zur Verteilung an jüdische Arme. . . K 500.— Von den Hinterbliebenen des Herrn Louis Bab für Arme unter besonderer Berücksichtigung des Kaiserin Elisabeth- Lehrmädchenheims und des Vereines „Treubund" . . „ 500. — Von der Familie Baumgarten zur Verteilung an Arme.K 200.— zur Verteilung an die Jnsaffen des Versorgungshauses.. , 100.— „ 300 — Von Herrn E. Freima für den Armenfond.. 30.— Von Anonymus zur Verteilung an Arme. . „ 2.— Weiters: Dankschreiben der Familie Baumgarten für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens des Herrn Emanuel Baumgarten. Dankschreiben des Kultusvorstehers Herrn Dr. I. König für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich seines 60. Geburtstages. Dankschreiben des Tempelvereines Wieden-Margarethen für das Kondolenzschreiben des Kultusvorstandes anläßlich des Ablebens seines Obmann-Stellvertreters kais. Rat Adolf Lichtblau. Dankschreiben des Ehepaares Jakob und Fanny Landau für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich seiner goldenen Hochzeit. Entscheidung des Verwaltungs-Gerichtshofes, womit ausgesprochen wird, daß die Einbringlichmachung rückständiger Kultussteüern im Wege der politischen Exekution auch in dem Falle zuläffig ist, wenn die betreffenden Zensiten späterhin aus der israelitischen Religionsgenoffenschaft ausgetreten find. Entwurf eines neuen Lehrplanes für Volks- und Bürgerschulen: Referent Vertreter Dr. Alfred Berger legt den Entwurf des neuen Lehrplanes für Volks- und Bürgerschulen vor und erläutert die Grundsätze, welche bei Abfassung des neuen Lehrplanes richtunggebend waren. Auf die Details übergehend, hebt derselbe hervor, daß der Lehrplan für Volks- und Bürgerschulen, welcher auf Grund des Plenarbeschlusses vom 2. Juli 1900 derzeit in Geltung besteht, von der I. Klaffe ab das Ueberschen und Memorieren wichtiger Sätze, Responsen und Benediktionen fordert. Er stellt nicht Rr. 26 den Uebergang aus dem Kompert'schen Lehrplane, sondern die Abänderung des Lehrplanes von 1894 dar. In diesem letzterwähnten Lehrplane wurde die Kenntnis der wichtigsten Stellen des Pentateuch neben der biblischen Geschichte und „Religionslehre" als Lehrstoff festgestellt. Obwohl kaum der zwölfte Teil aller Verse des Pentateuch für sämtliche Volks- und Bürgerschulklassen vorgeschrieben war, wurde das Lehrziel nicht erreicht. Die Aenderungen, welche der neue Lehrplan (1900) aufwies, bezogen sich auf folgende Punkte: 1. Der früher vorgeschriebene Lehrstoff aus dem Pentateuch wird nach der Richtung hin gesichtet, daß alle schwer zu übersetzenden Stellen Wegfällen, daß im Gebetbuche vorkommende Stellen und zwar aus dem Gebetbuche genommen werden, daß letzteres etwas mehr in den Vordergrund gerückt werde, um eine verständnisvolle Teilnahme am Gottesdienste zu ermöglichen. 2. Die Zweistufigkeit der biblischen Geschichte entfällt; in der Volksschule wird diese nur bis zum Tode Moses genommen, damit der Stoff so gründlich behandelt werden könne, daß in der Bürgerschule eine kurze Wiederholung genügt. 3. Die systematische Religionslehre entfällt; dagegen werden auf jeder Stufe die Lehren unserer Religion im Anschlüsse an den Text oder in möglichst wörtlicher Uebersetzung in entsprechender Verteilung gelehrt und dem Gedächtnisse eingeprägt. Nachdem sich bei Durchführung des Lehrplanes vom Jahre 1900 herausgestellt hatte, daß der beabsichtigte Zweck, die Kinder zur Teilnahme am Gottesdienste, namentlich am Jugendgottesdienste, heranzubilden, nicht erreicht werden könne, wurde im Jahre 1907 der Lehrerkonferenz der Auftrag erteilt, einen neuen Lehrplan vorzulegen, in welchem bezüglich der biblischen Geschichte größere Konzentrationen und Vereinfachungen und bezüglich des hebräischen Lehrstoffes besonders die Fertigkeit im hebräischen Lesen und die Kenntnis der Liturgie behufs Teilnahme der Jugend am Gottesdienste anzustreben sind. Der nuümehr vorgelegte Lehrplan will den angestrebten Zweck erreichen zunächst durch Einführung von Geschichtsbildern an Stelle der vollständigen biblischen Geschichte, durch Eliminierung des Pentateuchs als speziellen Lehrgegenstand in der Volksschule und durch Einführung von Memorierübungen bezüglich der im Gottesdienste häufig vorkommenden Responsen. Auch hebräische Grammatik als selbständiger Gegenstand wurde in der Volksschule eliminiert. ' In dieser Form erscheint der Religionsunterricht in der Volksschule als unmittelbare Vorbereitung des Religionsunterrichtes nicht bloß der Bürgerschule, sondern auch der Mittelschule; während aber in der Bürgerschul: bereits von der ersten Klasse Pentateuch, wenn auch in sehr mäßigem Umfange, als Lehrgegenstand eingeführt erscheint, werden in dem in Ausficht genommenen neuen Lehrplan für Mittelschulen die beiden ersten Jahre ausschließlich zum Unterrichte im Siddur verwendet. Der Referent erklärt, daß er sich mit dieser Abänderung des Lehrplanes für Mittelschulen, der in einem späteren Zeitpunkte den Vorstand beschäftigen wird, nicht befreunden könne und dies zur Vermeidung von Mißverständnissen schon jetzt betone. Mit welcher Gründlichkeit der neue Lehrplan seitens der maßgebenden Faktoren behandelt wurde, erhellen die folgenden Tatsachen: Das Komitee, welches aus der Mitte des ständigen Ausschusses der Religionslehrer gewählt wurde, hat in etwa 15 Sitzungen den Lehrplanentwurf behandelt, welcher dann im ständigen Ausschuß an vier Sitzungstagen, sohin in drei Vollkonferenzen der Religionslehrer und schließlich in fünf Sitzungen der Kommission für Unterrichtsangelegenheiten den Gegenstand eingehender Beratungen bildete. Darauf wurde im Mai d. I. über Vorstandsbeschluß die Veröffentlichung des neuen Entwurfes durchgeführt, um über denselben Stimmen aus dem Publikum und aus Fachkreisen zu vernehmen. Kritiken des Lehrplanes sind von Rabbiner Dr. K u r r e i n, Teplitz. und Professor Dr. Grünfeld in Brünn publiziert worden, welche in sachlicher Beziehung eine Aenderung des Lehr- Dr. Mscb's MscdLKscwrm.

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