Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 26 (26.6.1908)
- Date
- 1908-06-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 Montag abends besuchten die Teilnehmer des Kantorentages das Burg- und Hofoperntheater und Dienstag abends fand im „Hotel Guth" ein Bankett statt, das durch die ausgezeichneten gesanglichen Darbietungen wahrhafte Kunstgenüsse bot. Der Kantorenverein kann zu dem Ergebnisse des Kantorentages beglückwünscht werden. Der Prozeß gegen die Bielostoker Pogromisteu, der eben stattfindet, fördert eine Fülle interessanter Details zutage, die es verdienen, aufmerksam betrachtet zu werden. Bei der Vernehmung der Offiziere des Kasan'schen Regiments erklärten diese, den Befehl erhalten zu haben, alle Häuser beschießen zu lassen, aus deren Fenstern etwas geworfen würde, selbst wenn es ein von einem Kinde geworfener Strohhalm wäre. Bon wem die Offiziere diesen unmenschlichen Befehl erhalten hatten, erfährt man nicht. Noch bezeichnender ist die Aussage, die ein Schutzmann zu Protokoll gab. Er gab an, gesehen zu haben, daß Juden aus den Fenstern und von den Balkons auf die orthodoxe Prozession geschoffen hätten. Als er später gefragt wurde, ob er es auch wirklich gesehen habe, daß es Juden gewesen seien, die schossen, gab der Wackere zur Antwort, er sei zu weit entfernt gestanden, um die Personen zu erkennen, aber selbstverständlich könnten niemals Orthodoxe auf die Prozession geschoffen haben . . . Diese Aussage ist doch klastisch! Und doch find diese Zeugenvernehmungen bezeichnend dafür, auf welche Weise die ruffischen Judenmetzeleien überhaupt zustande kommen. Man gewinnt ein Bild von der Grausamkeit und niederträchtigen Gesinnung dieser Hetzer, die tausende Unschuldiger hat hinmorden lassen, weil es ihnen so gefällt. Jemand hat auf die orthodoxe Prozession geschoffen; niemand hat den Täter gesehen, keiner hat einen bestimmten Verdacht. Doch man ist nicht lange im Zweifel; wer wird's denn gewesen sein? Die Juden natürlich! Ein Orthodoxer wird doch nicht auf die Prozession schießen! Welcher Gedanke! Einer hat's ausgesprochen, ein zweiter hat's gehört, hundert murmeln es nach ... Die Juden haben auf die Prozession geschoffen. So wird das Feuer geschürt, so werden Pogroms gemacht. Zuletzt kommt dann noch das Militär und schießt Kinder nieder, die aus den Fenstern Strohhalme werfen . . . Ein arisches Religionsfest mit Blutvergießen. Ein Heiligenfest mit blutigem Auszange, wie jetzt erst bekannt wird, wurde in der Nähe Subiacos beim Heiligtume der Dreieinigkeit abgehalten. Alljährlich strömen dort tausende von Bauern aus den Sabinerbergen, Calabrien und Apulien zusammen. Weiter Weg, wenig Schlaf und Weingenuß machen die Menge reizbar. Als sich alles zum Heiligtum drängte, wurde ein Mann vom Schlage getroffen, was eine ungeheuere Panik hervorrief. Der Tote wurde weggetragen und die Menge folgte nach. Am Wege wurhen nun noch einige Bauern von herabstürzenden Felsen getötet. Dies sah. die Menge nun als eine Züchtigung Gottes an. Auf dem Rückwege nach Subiaco, das 20 Kilometer entfernt war, ging es durch pittoreskes Gebirge. Ein wildes Schießen mit Gewehren und Pistolen begann, um durch die Schüffe die Gnade der Dreieinigkeit herabzurufen. Dabei fallen rechts und links Verwundete. Unter furchtbarem Geschrei dauerte das Schießen au, dazwischen hörte man lautes Beten. Karabinieri schafften mit einigen übriggebliebenen Besuchern der Feier mehr als 30 Verletzte, darunter viele Schwerverwundete, nach Subiaco. Um das phantastische Schauspiel vollständig zu machen, gerieten unterwegs einige Häuser in Brand, die wie Fackeln in die weiten Täler hineinleuchteten. („Deutsches Volksblatt", 16. Juni 1908.) Im persischen Parlament bilden die Priester die Mehrzahl. An ihrer Spitze oder vielmehr an der Spitze der ganzen Volksvertretung steht, wie wir einem Seit« 473 Briefe eines der wenigen Vertreter der persischen Intelligenz. Dr. phil. Kitabgi Chan, an die „Gazette de Lausanne" entnehmen, der Großpriester Aga Seid Abdulla, der wahre Urheber der konstitutionellen Bewegung in Persien, der Mann, der von seiner Kanzel herab, ohne die persönliche Lebensgefahr zu berücksichtigen, ohne Rast noch Ruh das elende Regiment des Prinzen Aine - ed - Dowle verurteilt hat. Das. ist der Mann, dem das persische Volk seine Freiheit verdankt. Ihm zur Seite fitzt der Großpriester Aga Seid Mohammed, ein ehrwürdiger Greis mit langem, weißen Bart. Merkwürdig! Diese beiden Großpriester, diese beiden Abkömmlinge des Propheten, diese beiden Stützen der Nation find auch die Vertreter der Christen und Juden im perfischen Parlament. Welch ein schönes Beispiel für den angeblichen Liberalismus gewiffer Völker des Westens! Ganz in der Nähe der beiden Männer fitzt ein weißbeturbanter Imam. Auch er hat an Juden und Christen denkwürdige Worte gerichtet: Ihr seid die Kinder desselben Vaterlandes wie wir; darum seid ihr unsere Brüder; wo immer ihr auch sein möget, seid ohne Furcht; wir werden da sein, um euch zu lieben, euch zu helfen, euch zu beschützen . . . Widmung für die Hofbibliothek. Justizrat Dr. Mar St ei n s.ch n e id e r in Berlin, der Sohn des im Vorjahre verstorbenen berühmten Orientalisten und Bibliographen Profeffors Dr. Moritz Steinschneider, eines gebürtigen Oesterreichers, hat der Wiener Hofbibliothek das wohlgetroffene Porträt seines Vaters pietätvoll gewidmet. Diese Widmung wurde vom Direktor der Hofbibliothek, Hosrat Professor Dr. Ritter v. K a r a b a c e k mit folgendem Schreiben beantwortet: „Euer Hochwohlgeboren hatten die Güte, in Ihrem Namen und im Namen der Familie des verstorbenen Gelehrten Profeffors Dr. Moritz Steinschneider das wohlgetroffene Porträt dieses ausgezeichneten Mannes der k. k. Hofbibliothek als Geschenk zu widmen. Der Unterzeichneten Direktion gereicht es zum besonderen Vergnügen, Euer Hochwohlgeboren für diese willkommene Spende den wärmsten Dank auszusprechen, indem fie zugleich Euer Hochwohlgeboren bittet, der gütige Vermittler des Dankes auch bei der Familie des Verblichenen sein zu wollen." Jüdisches vom Berliner Kongresse. Der bekannte Publizist und pensionierte Sektionschef im österreichischen Ministerium des Aeußern, Geheimrat Baron Ludwig Doczi (ein getaufter Jude), erzählt in einem längeren Artikel einige persönliche Erinnerungen an den vor genau dreißig Jahren stattgefundenen Berliner Kongreß, in welchem auch folgende, die Juden intereffierende Stellen sich finden: „Es betrübt mich, zu erzählen, was mir Graf Andrasiy von seinem ersten Zusammentreffen mit Lord Beaconsfield (Disraeli) sagte: ein gewaltig kluger Staatsmann von echt englischem Eigennutz und Selbstgefühl, aber — Sie entschuldigen wohl — man steht ihm an, daß sein Großvater mit Hasenfellen gehandelt hat." Ich erlaubte mir, zu erwidern, daß die meisten Lords in hohem Alter wie alte Juden aussehen. Im weiteren Verlaufe des Aufsatzes gibt Doczy das folgende, interessante Gespräch Andrassys mit dem russischen Staatsmanne Schuwaloff wieder: „Nach einer Sitzung, in welcher Oesterreich-Ungarn die Religionsfreiheit nnd Gleichberechtigung der Juden in Rumänien durchgesetzt (?) und unter europäischem Schutz gestellt hatte (!) gehen beide Herren nach Hause. Schuwaloff schiebt seinen Arm unter denjenigen des österreichisch-ungarischen Kollegen und fragt gemütlich: „Mein lieber Graf haben Sie die Juden gern?" „So ziemlich!" antwortet Graf Andrassy. „Aber in Rumänien gibt es viel Juden!" Und beide lachten. . . . Bon den Inden in China. Aus Rewyork wird gemeldet: In einer hier veranstalteten öffentlichen Versammlung von Chinesen, in welcher auch Juden anwesend waren und das Wort ergriffen, sprach unter Anderen auch der chinesische Botschafter Wei-Ting. Der anwesende Reformrabbiner Dr. Wise interpellierte den Botschafter wegen der schlechten Lage der Juden in China. „Im Innern des Reiches," antwortete der Botschafter, „mag wohl die Lage der Juden keine besonders günstige sein, aber in Hong-Kong, Shanghai und anderen großen Städten gibt es sogar jüdische Millionäre." In derselben Versammlung ergriff auch der amerikanische Handelsminister Oskar Strauß das Wort und sagte: „Die jüdischen Einwanderer haben großen Anteil an dem Aufblühen Amerikas. Gerade in der Einwanderung liegt das große Dr. Mocb's MocbenscbrM.