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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-26 · 26 (26.6.1908) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
26 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 472 Dr. Llocv s MocvensebrtN. Sk. 26 Vom Aabrmarkt des Lebens. S«jähriger Bestand des Leopoldstädter Tempels. Aus Anlaß des fünfzigjährigen Bestandes des Leopoldstädter Tempels in der Tempelgaffe fand am 18. d. M. um 10 Uhr vormittagsein Festgottesdienst statt. Der Tempel, bekanntlich ein Meisterwerk des Architekten Ludwig Förster, in dessen Atelier der junge Theophil Hänfen arbeitete, konnte kaum die große Zahl der Teilnehmer am Feste faffen. Es waren unter andern anwesend: der Präsident der israelitischen KultuSgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem I. Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn, die Mitglieder deS Kultus- und BethauSvorstandes, der Sekretär kaif. Rat Dr. Lieben, Sekretär Dr. Adler und der Oberrabbiner Dr. Güdemann, die Rabbiner und Kantoren sämtlicher jüdischen Synagogen in Wien, die Obmänner der Gotteshäuser, ferner David Ritter von G u t m a n n, die Reichsratsabgeordneten Hofrat Kamillo K u r a n d a, Dr. Löwen st ein, Gemeinderat Ferdinand Kleebinder, Bankdirektor Dr. H am m erf chl a g, die kaif. Räte Bogel, Dr. S. Krüger, Gemeinderat Doktor Osstlr Hein, Religionsinspektor Kanitz u. v. a. Nach einem einleitenden Gebet trug Oberkantor Bela Guttmann den Sulzerschen Psalm 134 meisterhaft vor. Besonders wirkungsvoll war der unter der unübertrefflichen Leitung des genialen Chormeisters Prof. Joseph Sulz er stehende vorzüglich geschulte Chor. Dann betrat Oberrabbiner Dr/Güdemann die Kanzel und hielt eine tiefdurchdachte Festrede. Als die Predigt zu Ende war, wurde die heilige Lade ausgehoben und nach einem Umzug mit den Thorarollen sprach Rabbiner Dr. Schmied! das Gebet für den Landesvater. Dann wurde die Volkshymne gespielt und vom Chor gesungen. Zum Schluffe spendete Rabbiner Dr. David den Segen. Er gedachte noch der unvergänglichen Verdienste des Oberrabbiners Dr. Adolf Jelliuek, des Oberkantors Josef Goldstein und aller Vorstände, die seither der Rasen deckt. Mit dem überaus effektvoll. vom Chore vorgetragenen Sulzerschen Adön ölom (Es-dar) endete die Feier. JubiläumsKautorentag. Der anläßlich des 35-jährigen Bestandes des österr.» uugar. Kantorenvereiues am 22., 23. und 24. Juni in Wien abgehalteue Kantorentag hat einen überaus imposanten Verlauf genommen. Am 21. 8 Uhr abends wurden die zahlreich von auswärts eingetroffenen Berufsgeuoffen vom 1. Vizepräsidenten, Oberkantor I. Bauer, begrüßt, und am 22. 11 Uhr vormittags fand im großen Sitzungssaale der Wiener Kultusgemeinde unter dem Vorsitze des Präsidenten, Oberkavtor I. S i n g e r, die Festsitzung statt, an welcher in Vertretung der Wiener Kultusgemeinde Herr Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer und Sekretär Dr. Adler, Vorsteher Zolles vom Synagogeuvereine „Beth Israel", Bethausvorsteher Wasservogel, Vertreter auswärtiger Gemeinden, die Rabbiner Dr. David, Dr. Feuchtwan g, ferner die auswärtigen und Wiener Kantoren teilnahmen. Die Eröffnungsrede des Präsidenten klang in einer Huldigung für Se. Majestät den Kaiser aus, worauf von der Versammlung die Volkshymne gesungen und die Absendung eines Huldiguugstelegrammes beschlossen wurde, das bereits am uächsten Tage durch die Kabinetskanzlei Sr. Majestät dankende Beantwortung fand. In der Festsitzung ergriffen noch Herr Dr. Markus Spitzer, die Vorsteher Zolles und W a s s e r v o g e l, die Rabbinen Dr. David und Dr. Feuchtwang. Vizepräsident Bauer und Kantor I. L ö w i t das Wort. Die Beratung der Standesfragen begann Dienstag deu 23. d. M., 10 Uhr vormittags, mit der Erstattung des Berichtes durch den Vereinssekretär Dr. L ö w y, an welchen sich eine ringebende Debatte knüpfte, die am 24. d. M. fortgesetzt wurde. Nach Beendigung der Debatte wurden folgende Resolutionen einstimmig angenommen. Der Käntorentag spricht die einmütige Ueberzeugung aus, daß die Jnvaliditäts- und Altersversorgung, sowie die Versorgung für die Witwen und Waisen der im Amte verstorbenen Kantoren nicht auf dem Wege der alleinigen Selbsthilfe, sondern nur unter Mitwirkung der Gemeinden durchgeführt werden kann. Er begrüßt die nach dieser Richtung im Gesetze über die obligatorische Versicherung der Privatbeamten (worunter auch sämtliche Kultusbeamte verstanden find) gegebene Initiative und spricht die Hoffnung aus, daß das auf dem letzte^ jüdischen Gemeindetage in Wien im April dieses Jahres angeregte Projekt der Gründung einer eigenen Penfionskaffe für alle jüdischen Kultusbeamten in absehbarer Zeit zur Verwirklichung gelangen werde. Zur Beseitigung der zahlreichen Uebelstände, die derzeit bei der Anstellung und Entlassung von Kantoren, sowie während der Dauer ihres Vertragsverhältniffes mit den einzelnen Gemeinden zutage treten, find möglichst im Einvernehmen mit den Gemeinden sowohl von diesen als auch von den Kantoren einzuhaltende Normen aufzustellen, die dem Ansehen der israelitischen Kultusgemeinden, sowie der Würde und Bedeutung des kantoralen Berufes entsprechen. Besserung der Verhältniffe ist jedoch nur durch einmütiges und einträchtiges Zusammenstehen aller Kantoren zu erreichen. Um der Willenskundgebung der kantoralen Berufsgenoffenschaft größeres Gewicht zu verleihen und einen möglichst großen Teil derselben an die Einhaltung der aufgestellten Normen zu binden, ist nicht nur allseitiger Eintritt der Kollegenschaft in den österreichischen Kantorenverein erwünscht, sondern auch die Darstellung eines innigeren Kontaktes zwischen den einzelnen Fachverbindungen anzustreben. Der Kantorentag ist von der Notwendigkeit einer mit staatlicher Autorität ausgestatteten Kantorenschule durchdrungen, die nicht nur durch Hebung des allgemeinen Bildungsniveaus bedeutungsvoll für den kantoralen Nachwuchs, sondern auch auf die Forderung der sozialen und materiellen Verhältniffe des gesamten Kantorenstandes von wohltätigem Einflüsse sein wird. Da aber der kantorale Funktionär in jeder israelitischen Kultusgemeinde unentbehrlich ist und da es besonders durch die in vielen Gemeinden notwendige Verquickung des kantoralen Amtes mit dem des Religionslehrers auch im Interesse der Kultusgemeinden liegt, ein durch bestimmten Studiengang für alle Funktionen des vielseitigen Amtes möglichst ausgebildetes Materiale zu beschaffen, erachtet der Kantorentag es als Aufgabe der Gemeinden und Gemeindeverbände, auf eigene Kosten im Anschlüsse an die Lehrerseminare Kantorenschulen zu errichten, deren Absolventen der gesetzlich zu schützende Titel „Kantor" und die staatliche Anerkennung als Religionsdiener zuteil werden soll. Mit besonderer Befriedigung nimmt der Kantorentag die Mitteilung deS Vorstandes des Oesterreichisch-ungarischen Kantoren- Vereines zur Kenntnis, daß im Einvernehmen und mit Unterstützung der Wiener Kultusgemeinde und des Allgem. österr. israelitischen Bundes und im Anschluffe an die von elfteren erhaltene oder von letzteren in Aussicht genommene Religionslehrerbildungs-Anstalt eine Kantorenschule errichtet werden soll. Jnsolange nicht für die Bestellung eines Kantors die Vorlage eines Reifezeugnisses einer Kantorenschule als gesetzliches Erfordernis gilt, möge das Bestreben des Allgem. österr. israelitischen Bundes, sowie des Oesterreichisch-ungarischen Kantoren- Vereines dahin gerichtet sein, die Gemeinden zu veranlassen, nur Absolventen von Kantorenschulen als Kantoren anzustellen. Für die gegenwärtig amtierenden Kantoren ist auch bei späterem Stellenwechsel der Nachweis der abgelegten Fachstudien zu erlassen. Der Allgem. österr.-israelitische Bund wird ersucht, bei den Vorarbeiten für die geplante Gesamtorganisation der österreichischen Judenschaft die in dieser Resolution niedergelegten Wünsche des Käntorenvereines zu berücksichtigen. Mit der Durchführung aller Arbeiten, die zur Verwirklichung der in den Resolutionen angestrebten Ziele führen sollen, Wird der Vorstand des Oesterr,-ung. Kantoren-Vereines betraut.

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