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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-19 · 25 (19.6.1908) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
25 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 458 Dr. JBlocD'ö Mocvenscvrtn. Nr. 25 tätig. Von den Mitteln für die Unterhaltung der Schulen abgesehen, wurden noch 77.72311 Kronen an Unterstützungen mannigfacher Art verausgabt, für Beköstigung, Bekleidung,' Unterstützung der Kinder und deren Eltern rc. Die Ausgaben find naturgemäß gewachsen, was aus der Errichtung neuer Kurse für Erwachsene und Zurückgebliebene erklärlich ist. Die „Baronin Hirsch - Stiftung" hat, wie in den vorhergegaugenen Jahren, auch i. I. 1907 ihr Tätigkeitsfeld erweitert. Die Näh-, Dienstboten- und Arbeitsschulen weisen durchgehends günstige Resultate auf. In allen diesen Anstalten, die sich leider nur in einigen Städten Galiziens befinden, wird das Sparsystem gepflegt. Jedes Mädchen erhält für die geringste Dienstleistung Entlohnung. Das Geld kommt in die Sparkasse, und mit berechtigtem Stolz wird im Berichte darauf hingewiesen, daß diese Ersparnisse mitunter ansehnliche Ziffern erreichen. Unter Hinzurechnung von Stipendien und Unterstützungen hat die Stiftung im abgelaufenen Jahre 63.808‘86 Kronen ausgegeben. Ablehnung der iuuerpolitischen Betätigung durch die Zionisten. Während die österreichischen Zionisten gegenwärtig ihre Haupttätigkeit fast ausschließlich der innerpolitischen Betätigung widmen, wurden vorige Woche auf den zionistischen Kongreffen zweier verschiedener Länder Beschlüffe gefaßt, welche eine Anteilnahme der Zionisten an der inneren Politik vollständig ablehnen. Der in Budapest abgehaltene Kongreß der ungarländischen Zionisten nahm eine Resolution an, in welcher betont wird, daß „der Zionismus keinerlei unbefugten Einfluß auf die innere Politik irgend eines Staates anstrebt". Der Breslauer Zionistentag wieder nahm ebenfalls einen Beschlußantrag an, wonach „der Zionistentag es ablehnt, in die innerpolitischen Kämpfe Deutschlands sich irgendwie einzumengen und die Unterstützung einer bestimmten politischen Partei der Zionisten zu empfehlen". Die deutschen Zionisten verwahrten sich weiters gegen den Vorwurf, als wären die Zionisten keine guten Patrioten, und sandten an den Kaiser ein Huldigungstelegramm. Generalversammlung des Mährisch-schlesischen Rabbinerverbandes. Im großen Saale des deutschen Kasinos in Olmütz fand am 28. v. M. die diesjährige Generalversammlung des Mähr.-schlesischen Rabbinerverbandes statt. Bon den Herren Rabbinen waren erschienen: Dr. Freimann (Holleschau), Doktor Ludwig Lewy (Brünn), Dr. B. Oppenheim (Olmütz), Doktor I. Günzig (Loschitz), Dr. Tauber (Prerau), Dr. Hillel (Leipnik), Dr.Rabbinowitz (Mähr.-Weißkirchen), Dr. Frankl-Grün (Kremsier),. Dr. Steif (Rausnitz), Dr. Hoff (Bisenz), Dr. S. Mandl (Neutitschein), Dr. Spira (Mähr.-Ostrau), Dr. Drobinski (Friede!), Dr. Goldschmied (Proßnitz), Dr. Rudolfer (Jägerndorf), Doktor Kurrein (Teplitz), Dr. Rosenmann (Schönberg), Dr. Mehrer (Freistadt, Schlesien), Dr. Reach (Gaya!, Dr. Rudolfer (Hotzenplatz). Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde mit Doktor Eben an der Spitze war vollzählig erschienen, wie auch eine stattliche Anzahl Damen und Herren aus den besten Kreisen der jüdischen Bevölkerung. Der Saal war dicht gefüllt und bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Der Obmann Herr Dr. Freimann aus Holleschau eröffnete die Generalversammlung und begrüßte die erschienenen Gäste und Mitglieder. Nach einem kurzen intereffanten Ueberblick über die Geschichte der Juden in Olmütz in früheren Jahrhunderten beleuchtete der Redner die wichtigen Bestrebungen und die heiligen Aufgaben des Rabbinerverbandes zur Förderung und Hebung des jüdischen Geisteslebens und erstattete den Jahresbericht. Nachdem der Redner noch den lebhaften Wunsch des Rabbinerverbandes betonte, das Verhältnis zwischen Gemeinde und Rabbiner inniger und dauernder und die Tätigkeit beider wirksamer und segensreicher zu gestalten, ergriff der Präsident der Olmützer Kultusgemeinde Herr Doktor Eben das Wort und gab in herzlichen, warm empfundenen Worten seiner Anerkennung für die erhabenen Ziele des Rabbinerverbandes Ausdruck. Die Stunde, bemerkte Herr Dr. Eben, in der die Herren Seelsorger heute über die wichtigsten Angelegenheiten ihres Standes beraten sollen, sei geeignet, in Allen Gefühle zu erwecken, die sich in einem herzlichen Dank für die Einberufer der Versammlung auslösen. Im Namen des Rabbinerverbandes dankte Herr Dr. Freimann dem Redner für die fteundliche Begrüßung und für die trefflichen Worte von reichem Inhalte und reifem Verständnisse für die Aufgabe des Judentums und die erhabenen Ziele seiner Führer und Leiter und ersuchte dann den Herrn Dr. Oppenheim, als Dank für seine Bemühung um das Zustandekommen der heutigen Versammlung die Leitung der öffentlichen Verhandlungen zu übernehmen. In begeisterten und schwungvollen Worten gedenkt Herr Dr. Oppenheim des sechzigjährigen' Regierungsjubiläums des Kaisers und bringt unter begeisterter Zustimmung ein Hoch aus auf die erlauchte Person unseres geliebten Herrschers, das in den Wunsch ausklang: Gott möge ihn zum Glücke und Wohle alle Völker Oesterreichs noch lange in ungeschwächter Kraft erhalten. Hierauf erteilte der Vorsitzende dem Herrn Rabbiner Dr. Kurrein aus Teplitz. dem Präsidenten des Böhmischen Rabbinerverbandes, das Wort zu seinem Vortrage: „Rabbinismus und Modernismus", .der eine volle Stunde währte. Lebhafter Beifall und langanhaltender Applaus lohnten die überaus interessanten Ausführungen des Vortragenden. Hierauf erstattete Herr Rabbiner Dr. Lewy aus Brünn nachstehendes Referat: Das Referat des Dr. Lewy beschäftigte sich mit dem israelitischen Bundestag vom 27. und 28. April und seiner Haltung den Rabbinen gegenüber. Der Referent führte etwa aus: Auch die Rabbinen begrüßen freudig die Zusammenfassung aller unserer Kräfte in eine Gesamtorganisation, von der — abgesehen von der Vertretung nach außen — auch manche fruchtbare Anregung für die Entwicklung des inneren jüdischen Lebens in den Gemeinden ausgehen könnte. Freilich wird die Abgrenzung der Kompetenzen für diese jüdische Behörde unter Wahrung der Autonomie der Gemeinden, den Eingriff in die Gewissensfteiheit in jeder Richtung betreffend, keine leichte sein. Ein Fehler wurde schon bei der Zusammensetzung des Komitees begangen; auf die Veranlassung des Prager Vorstandes wurden die Rabbiner ausgeschlossen. Haben wir Juden noch das Recht, über Vorurteile in nichtjüdischen Kreisen zu klagen, wenn wir selbst nicht frei von Vorurteilen und Parteilichkeit find? Oder war dieses Gesetz gerecht und unparteiisch? Man hörte Worte wie: „Wir wollen keinen Klerikalismus! Haben wir Juden einen Klerikalismus oder eine Hierarchie? Wäre eine Hierarchie entstanden, wenn unter 23 Laien auch vier sachverständige Rabbiner Sitz und Stimm^ gehabt hätten?" Schließlich ist durch Intervention des Herrn Dr. Fialla-Brünn Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann als einziger Repräsentant des Standes ins Komitee gewählt worden. Entschiedene Zurückweisung verdient die Behauptung des Referenten Dr. Sonnenschein, die Rabbiner seien niemals in früherer Zeit Vertreter des Judentums gewesen. Dr. Lewy bebeleuchtete nun eingehend in einem historischen Rückblick die Entwicklung des Vorsteheramtes, von den „Aeltesten" und der Parallelerscheinung der Presbyterier im Christentum an bis zur Gegenwart. Dann stellte er fest, wie oft Rabbiner und jüdische Gelehrte Führer und Vertreter des Judentums waren. Besonders wurde auf Rabbi Jofchmann aus Roschemi, den großen Fürsprecher und Befehlshaber der deutschen Juden im 16. Jahrhundert, hingewiesen. Auch in der Neuzeit treffen wir überall Rabbiner in den Vertretungen der Juden. Als Napoleon I. im Jahre 1806 den Juden, die in Frankreich und Italien wohnten, eine Verfassung und eine autoritative Vertretung geben wollte, da knüpfte er in seiner Vorliebe für das Altertum an das Synhedrion an. Das große Synhedrion, das er im Jahre 1807 nach Erledigung der Vorarbeiten durch die Notabelnversammlung nach Paris berief, bestand wie sein Vorbild aus 71 Mitgliedern, die sich auf Grund kaiserlichen Edikts aus 46 Rabbinen und 25 Laien zusammensetzten. Eine Schöpfung des Sauhedrins ist die französische Konfistorialverfassung.

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