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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-19 · 25 (19.6.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
25 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Rr. 25 Vr. Vwry's Wochrnfttzripr» Sette 457 Mann kennzeichnen wollte, dann warf man ihn mit Baurat Marmorek zusammen. Er aber schwieg — in richtiger Schätzung jener Leute, die seine Ehre zu untergraben versuchten. Dann kam etwas, was doch unerträglich war. Baurat Marmorek wurde in Lemberg zum Besuche einer zionistischen Versammlung eingeladen und dort so freundlich empfangen, wie dies einem altverdienten Zionisten, einem der ersten Mitarbeiter Theodor Herzlos gebührt. Darauf schrieben die Herren aus der Türkenstraße nach Lemberg, man solle den Bäurat Marmorek nicht wieder so auszeichnend empfangen, da sie sonst gezwungen sein würden, die Akten Marmorek zu veröffentlichen. Das war dem schwergekränkten Manne zu viel. Er sammelte seine Freunde um sich und diese verlangten von den Herren Aufklärung über ihr Vorgehen. Am letzten Distriktstage, Sonntag den 14. Juni, ist diese Aufklärung geworden. Die Herren, welche den Baurat Marmorek seit Jahren mit giftigem Hasse verfolgt hatten, mußten öffentlich erklären, daß sie dem Manne, den sie gequält und verleumdet haben, den sie verdächtigt und beschimpft hatten, daß sie diesem Manne persönlich nichts Unehrenhaftes nachzusagen wissen und daß er nicht einmal politischen Verrat geübt habe, wie einer ihrer Anhänger dort noch zu behaupten wagte. Und nun zu den jüdischen Studenten. Sie sind die Stütze und Hoffnung der Nation. Die Studenten jeder Nation sind deren schönste Zukunftshoffnung. Der jüdische Student, der sich offen zu seinem Volke bekennt, ist außerdem unser Stolz, denn es verlangt mehr als gewöhnlichen Mut, sich immer und überall als Jude zu bekennen. Dieser unser Stolz und diese unsere Zukunftshoffnung ist in verleumderischer Weise gegen einen Mann gehetzt worden, der als einer der ersten sich und seine ganze Existenz im Kampfe sür sein Volk, für seine Ueberzeugung aufs Spiel gesetzt hat. Die jüdisch-nationalen Studenten haben nun das Wort. An ihnen ist es, zu zeigen, wie hoch sie die in tükischer Weise angetastete Ehre eines Mannes und Gesinnungsgenossen, wie hoch sie sich selbst einschätzen. Die Erwerbung und Widmung des Grundsteines für den Leopoldstädter Tempel durch Dr. Ludwig August Frankl. Von Sigmund Hufftrl. Archivbeamter der israel. Kultusgemeinde Wien. Unter dem 29. August 1856 richtete der Genannte an die damaligen Vertreter die nachstehende Zuschrift: „Während meines Verweilens im gelobten Lande beschäftigte mich auch der Gedanke der verehrten Gemeinde, der ich meine Dienste zu widmen die Ehre habe, eine Reliquie vom heiligen Boden mitzubringen, die zugleich ein Zeichen meines steten Eingedenkseins an Sie und meiner dankbaren Verehrung wäre. Durch den Pascha von Jerusalem begünstigt und — wegen der fanatischen Scheichs — von seinen bewaffneten Dienern begleitet, stieg ich in das Grab des Königs David auf dem Berge Zion, über dem sich jetzt eine Moschee erhebt und das vielleicht seit einem Jahrtausend kein Jude vor mir betreten hatte. Als ich wieder heraustrat auf den mit Schutt überhäuften Berg, besuchte ich den sephardischen Juden Herrn Perez, der einen kleinen Teil des Berges Zion vor Jahren kaufte und bepflanzt hat. Er ist der einzige Jude in Jerusalem, vielleicht in Palästina, der einen Acker bestellt. Mitten auf demselben erhebt sich eine uralte Palme, ringsum ragen größere und kleinere Felsstücke heraus. Ich brach ein Stück von ihnen und ließ einen Grundstein für den im Bau begriffenen zweiten Tempel in Wien aus demselben formen. Sicherer und schöner als auf Zion kann kein Tempel gegründet sein! Auf den zwei kürzeren Seiten des Steines ist der Name der Stadt Jeruscholaim und die Jahreszahl 5616 eingegraben, während die Längenseiten in erhabener Goldschrist folgende Sprüche unseres königlichen Sängers zeigen: „Von Zion aus — der Schönheit Inbegriff, strahlt Gott einher!" Pf. 50, V. 2. und „Deine Knechte lieben jeden Stein davon (von Zion) und jedes Erdstäubchen davon finden sie anmutig." Ps. 102, V. 15. Den Deckel ziert erhaben und vergoldet das Wappen Davids und die Symbole des Ueberschuffes, vier Weintrauben. Indem ich, hochverehrte Herren, diesen Grundstein für die Gemeinde in dem oben angedeuteten Sinne freundlich anzunehmen bitte, ergreife ich den Anlaß zum Ausdrucke der hochachtungsvollsten Ergebenheit. Die Baron und Baronin v. Hirsch-Stiftungen. Die Jahresberichte der „Baronin Clara von Hirsch Kaiser- Jubiläums-Stiftung" und der „Baron Hirsch-Stiftung" find soeben zur Ausgabe gelangt. Die erstere, von weil. Baronin Clara Hirsch-Gereuth in's Leben gerufen, besitzt momentan ein Vermögen von 4,695.100 Kronen und hat zum Zweck, armen Kindern jüdischer Eltern Mittagskost und Kleidungsstücke zu bieten, durch Errichtung von Arbeitsschulen, Verleihung von Stipendien rc. jungen Leuten beiderlei Geschlechtes den Weg des Erwerbslebens zu ebnen und unverschuldet Verarmte nicht bloß zu unterstützen, sondern mit d?n Mitteln zur Gründung einer neuen, sicheren Existenz zu versehen. Eigentlich find beide Stiftungen in ihren Bestrebungen innig verwachsen. Beide verlegen das Schwergewicht ihrer Tätigkeit auf Galizien und die Bukowina, also auf jenen Teil Oesterreichs, wo Judennot und tiefstes Elend förmlich zuhause find. Die trockenen statistischen Ziffern offenbaren, wie es mit dem Leben der Million Juden, die den Osten Oesterreichs bevölkern, bestellt ist. Diese „Luftmenschen" oernachläffigen im harten Erwerbskampf ihre Kinder, insoweit nämlich, als ihnen die Mittel fehlen, denselben durch Schulbildung die Möglichkeit zu einem befferen Dasein zu schaffen. Diesem Jammer soll die „Baron Hirsch-Stiftung" abhelfen, deren alleiniger Zweck es ist, den Bolksschul-Unterricht in Galizien zu fördern. Ungeheuere Summen wurden dieser Kulturarbeit bis jetzt zugewandt, und es ist keine Aussicht vorhanden, daß dieselben sich verringern werden, denn das Elend in Galizien ist ein stationäres. Im letzten Jahre find die Ausgaben von 454.828'11 auf 470.626 56 Kronen gestiegen; das gegenwärtige Stiftungskapital beträgt 18,492.152 Kronen. Die vorliegenden Berichte erscheinen uns viel zu knapp gehalten. Sie zeigen auch nicht annähernd den Umfang und die Bedeutung der von den beiden Stiftungen geleisteten Arbeit; sie beschränken sich auf ein ansehnliches Ziffernmaterial, während mit einer anschaulichen Schilderung dem Jntereffe des großen Wohlfahrtswerkes weit beffer gedient wäre, weil es weiteren Kreisen ein plastischeres Bild geben könnte. Ein Jahresbericht ist im gewissen Sinne eine Agitationsschrift, oder soll es wenigstens sein. So fehlt es z. B. an wichtigen Erklärungen in den Berichten. Vor Kurzem erst kamen Klagen aus armen galizischjüdischen Gemeinden, daß die Leiter der Stiftung sich mit der Absicht tragen, ihre Schulen in Boryslaw, Przemysl, Stanislau rc; eingehen zu laffen, weil sie „ihre Miffion bereits erfüllt hätten." Die betroffenen Juden sehen in diesen Schulen ihren einzigen Rettungsanker und find nun trostlos, daß man sie ihnen schließen will. Um so bedauerlicher erscheint es, daß eine betreffende Bemerkung oder Widerlegung unterblieben ist. Allerdings reden die Zahlen eine beredte Sprache und machen jeden Kommentar überflüssig. Im letzten Jahre wurden in den Stiftungs-Schulen 7549 Kinder unterrichtet; außer 168 Lehrpersonen für allgemeine Disziplinen waren 35 Lehrer des Hebräischen

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