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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-19 · 25 (19.6.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
25 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Oette 456 Rr. 25 Dr. Mocd's MocvenscbrtN. Umbauten und angebaute Türme noch verstärkt worden ist. Diese Verstärkung der Befestigung stammt aller Wahrscheinlichkeit nach von Salomo her (1. Könige IX, 17). Als Festung hat Gezer dann unter den Makkabäern noch einmal eine Rolle gespielt (Makkabäer IX, 52), und auch die aus dieser Zeit stammenden Mauern lassen sich Nachweisen; sie sind durch die Bauart, die eine gewisse Eile in der Bauausführung nicht verkennen läßt, leicht von den früheren zu unterscheiden. Die Wohnhäuser der israelitischen Periode bestehen meist aus mehreren Räumen und einigen schmalen, durch dünne Wände von einander getrennten Vorratskammern, in denen noch vielfach Korn gefunden wurde. Weizen, auch Gerste und Erbsen fanden sich zum Teil noch in den großen Gefäßen, in denen man im Orient noch heute vielfach das Korn aufzubewahreu pflegt. Die Hausmauern sind aus gewöhnlichen Feldsteinen errichtet, die nur an den Ecken und Türen sorgfältiger behauen wurden. Die großen und unregelmäßigen Fugen verschmierte man mit Lehm. Zisternen, die namentlich bei Belagerungen von größter Wichtigkeit waren, sind in großer Anzahl ausgegraben und gereinigt worden. Sie bargen zum Teil in ihrem Schutt iuteressante Funde. Unten fanden sich zahlreiche Scherben von Krügen, die beim Schöpfen der Hand des Unachtsamen entglitten oder zerbrachen. Unter anderem fand sich ein großes, fast einen halben Meter im Durchmesser haltendes flaches Tongefäß. das bereits in alter Zeit zerbrochen und repariert worden ist. Am Rande war ein keilförmiges Stück ausgebrochen und, wie die längs des Bruches durchgebohrten Nietlöcher zeigen, mit Bronzestiften wieder zusammengenietet worden. Daß diese Art, wertvolle Gefäße zu reparieren, in Palästina wohlbekannt und angewendet wurde, haben auch andere Funde gelehrt. In einer Zisterne fand sich auch ein kleiner goldener Haarschmuck, der vor Jahrtausenden einem Mädchen beim Wasserschöpfen wohl entfallen ist. Die Bauart dieser Zisternen ist ziemlich gleichartig. Ein etwa anderthalb Meter tiefer Schacht von einem Meter Durchmesser ist senkrecht durch den Felsen gehauen und öffnet sich unten zu einer Kammer von fünf bis acht Meter Durchmesser und sechs bis sieben Meter Tiefe. Bon besonderem Interesse ist auch das alte kanaanitische Heiligtum, eiu sogenannter Hochplatz, wo neun große Monolithen, Mazzeben, von zwei bis drei Meter Höhe aufgestellt waren. Die Errichtung solcher Steinsäulen hat sich noch weit bis in die israelitische Zeit hinein erhalten, nicht nur die Patriarchen, auch Samuel, Elia rc. errichteten solche Steine, salbten sie und erklärten sie für heilig. Unter dem Heiligtum von Gezer fanden sich viele Gräber von geopferten Kindern. Auch aus anderen Funden wissen wir, daß die kanaanitische Religion, deren Ausrottung im Alten Testament immer wieder gefordert wird, ungeheuer grausam war. Sellin deckte in Taanah ein Feld auf, in dem zwanzig Kinder in großen Krügen beigesetzt waren, die in den Gefäßen durch darüber gefüllte Erde erstickt, also sämtlich geopfert waren. Es handelt sich wohl meist um Erstgeborene, da die Kinder nur eine Woche alt waren. Auch bei Errichtung eines neuen Gebäudes wurden von den Kanaanitern Menschenopfer dargebracht; so fand Dr. Schuhmacher in Megiddo ein Skelett direkt in einer Wand vermauert, in der kanaanitischen Westburg in Taanah lag neben der Torstube die Leiche eines Knaben, und in Gezer war sogar eine Frau mit Kind eingemauert. Ein Bauopfer wird bekanntlich auch einmal im Alten Testament erwähnt (1. Kön. XVI., 34), und da auch die Israeliten zu Zeiten zu den kanaanitischen Göttern abfielen, wird auch bei ihnen dieser grausame Kult zeitweise ausgeübt worden sein. Es läßt sich jedoch aus den Funden Nachweisen, daß nach dem zwölften Jahrhundert die Kinderopfer selten werden und in den späteren jüdischen Schichten sich keine Spuren mehr davon finden. Fassen wir nun kurz zusammen, was im allgemeinen die archäologischen Ausgrabungen in Palästina ergeben haben, so ist es zunächst die Tatsache, daß sich vor der Einwanderung der Israeliten eine eigene kanaanitische Kultur hat Nachweisen lassen, die namentlich an ihrer Topfware mit schraffierten Ornamenten und eigenartig gebogenen und gewölbten Henkeln kenntlich ist. Daß Babylonien mit seiner weiter entwickelten Kultur aus die kanaanitische eingewirkt hat, ist aus den Tontafelfunden längst bekannt, daneben ist aber ein egyptischer Einfluß nachzuweisen. Egyptische Inschriften wurden an mehreren Orten gefunden, daneben egyptische Götterbilder, Basen, Räucherschalen, Skarabäen rc. in großer Anzahl. Die weißgelben und olivgrünen Gefäße oder glänzend schwarzen mit roter Verzierung verraten dagegen den phönizischen Einfluß, der aber wohl erst nach dem vierzehnten Jahrhundert einsetzt. Mit dem Eindringen der Israeliten macht sich zunächst ein Rückschritt bemerkbar. Die Vorgefundene kanaanitischamoritische Kultur wird zum Teil zerstört, während die neuen Herren des Landes im Zeitalter der Richter noch in wildem Ringen begriffene, wenig organisierte' und unzivilisierte Stämme sind, bei denen sich noch keine Spur von Kunstfertigkeit findet. (1. Samuelis XIII, 19. „Es war aber kein Schmied im ganzen Lande Israel gefunden . . . und mußte ganz Israel hinab ziehen zu den Philistern, wenn jemand hatte eine Pflugschar, Haue, Beil oder Sense zu schärfen.") Metallarbeiten verstanden sie demnach überhaupt nicht, und ihre Töpfe und Krüge, die die Ausgrabungen geliefert haben, rotbraun und ohne Dekoration, oder mit ungeschickten einfachen Strichen und Wellenlinien verziert, machen mit ihrer plumpen Form gleichfalls einen primitiven Eindruck. Mit der Weiterentwicklung des Volkes macht sich bald, sowohl in seinen eigenen Erzeugnissen als in der Importware, der Verkehr mit dem Auslande gellend. Der Einfluß Babyloniens tritt im Vergleich zur präisraelitischen Epoche zurück, während der Einfluß Egyptens und Phöniziens, mit deren Herrschern König Salomo in regem freundschaftlichen Verkehr stand, für die nächsten Jahrhunderte vorherrscht. Seit dem achten Jahrhundert macht sich in steigendem Maße der griechische Kultureinfluß geltend, der dann von der Zeit nach dem babylonischen Exil bis in die römische Zeit in ganz Palästina der mächtigste bleibt. Korrespondenzen. Die Ehre des Baurates Marmorek. Ein offenes Wort an die jüdisch-nationale Studentenschaft Wiens. Jeder jüdische Student, der sich mit nationaler Politik beschäftigt, hatte davon gehört, daß Baurat Marmorek von der zionistischen Parteileitung des innerösterreichischen Distriktes in Acht und Bann getan war. Von diesen Herren war es immer wieder in die studentischen Massen getragen worden, daß er in unehrenhafter Weise an der Partei Verrat geübt habe. Dessen find hunderte von Studenten Zeuge. Nun ist die Jugend — radikal an sich — gegen menschliche Gebrechen im allgemeinen sehr wenig nachsichtig. Hört sie gar von Verrat, murmell man etwas von selbstsüchtigen Gründen bei politischer Betätigung, dann erwacht in jedem Studenten alles, was unverdorben und ehrliebend in ihm lebt. Ekel, Wut und Verachtung steigen auf; er steht den Geschästspolitiker in den dunkelsten Farben und hält ihn für einen Menschen tiefster Ordnung. Das alles hat Oskar Marmorek, k. k. Baurat, einer der bekanntesten Architellen unserer Stadt, Kultusrat in Wien, einer der ehrenhaftesten, gütigsten und hilfsbereitesten Menschen an sich selbst erlebt. Wenn man im Kreise der jungen Zionisten einen geringwertigen, verräterischen und vertrauensunwürdigen

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