Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 25 (19.6.1908)
- Date
- 1908-06-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 25 Dr- Llocb's Mocvenscbnn. Seite 455 gründet, eine Gesellschaft, die sich die systematische wissenschaftliche Erforschung des heiligen Landes zum Ziel setzte und bereits nach drei Jahren die erste Expedition aussenden konnte. In unmittelbarer Nähe von Jerusalem wurde gegraben und in einer Tiefe von 20 Meter ein Teil der alten davidisch-salomonischen Stadtmauer gefunden. Vor allen Dingen wurde aber eine neue Vermessung des ganzen Landes vorgenommen, an der sich auch der 1878 gegründete Deutsche Palästina-Verein beteiligte. Ausgrabungen größeren Stiles begannen dann 1890 mit der Aufdeckung von Tell Hasy, des alten biblischen Lachis im Südwesten von Palästina durch den englischen Archäologen Flinders Petrie. Man fand hier die Trümmer von sieben verschiedenen Niederlassungen übereinander, die nach den Gegenständen namentlich nach der Topfware, die in den einzelnen Schuttschichten gefunden wurden, für verschiedene Kulturepochen in Anspruch genommen wurden und zum Teil sogar datiert werden konnten. Die Ansiedelungen der ältesten Periode gehörten der präisraelitisch-amoritischen Kultur an und zählten offenbar zu den im Alten Testament erwähnten Städten der Amoriter, die „groß und himmelhoch befestigt sind" (5. Mos. I. 28), denn die aufgedeckte Festungsmauer zeigte stellenweise bei einer Höhe von zirka drei Meter eine Dicke von über neun Meter. Sie war erbaut aus großen Lehmziegeln der babylonischen Form, die in Bindern und Läufern versetzt waren. Nach den Kleinfunden, wie zum Beispiel einigen egyptischen Skarabäen, die der XVIII. Dynastie angehören, dürfte die Festungsmauer etwa hundert Jahre vor der für die Einwanderung der Israeliten angenommenen Zeit errichtet worden sein, als die Egypter begannen, auf Eroberungen auszuziehen und man zur Abwehr in Syrien und Palästina Festungen und Burgen baute. In der jüngsten präisraelitischen Schicht entdeckte man unter anderem eine Keilschrifttafel, welche den Namen eines Gouverneurs von Lachis nennt, der bereits aus den Fell el Amarna-Briefen bekannt war, wo sein Name in der Korrespondenz zwischen den eghptischen Behörden und ihren kanaanitischen Beamten erwähnt wird. Heber den Amoriter-Städten lagerte eine ziemlich mächtige Schicht von Schutt und Asche, die Kunde gibt von der Invasion der Israeliten und der Zerstörung von Lachis durch Josua. „Und der Herr gab Lachis auch in die Hände Israels, daß sie sie des anderen Tages gewannen und schlugen sie mit der Schärfe des Schwertes, und alle Seelen, die darinnen waren. (Josua X, 32.) Bei dieser Zerstörung wurde natürlich auch die Festungsmauer eingeriffen, doch fand sich auf dem stehengebliebenen Fundament der alten Mauer eine spätere Befestigung, die wahrscheinlich von Rehabeam herstammt. (2. Chronika XI, 9.) Auch aus der Zeit Salomos haben sich einige Reste gefunden in Gestalt von großen Steinplatten, die mit Pilastern in flachem Relief geschnitzt sind. Diese in der Nähe der Tore zutage gekommenen Bauglieder sind umso mehr von Interesse, als sie das früheste Beispiel israelitischer Architektur darstellen. Es sind Platten von feinem weißen Kalkstein von geringer Härte. Die Rückseite zeigt eine Bearbeitung mit dem Steinhammer, ganz ähnlich wie eine unvollendete Säule jener Zeit, die sich jetzt in der russischen Kirche in Jerusalem befindet. Die Vorderfläche ist mit dem Zahneisen bearbeitet und dann mit scharfen Feuersteinsplittern glatt geschabt; sie zeigt in Relief einen aus Basis und Schaft bestehenden Pilaster, der oben durch eine Volute abgeschlossen ist. Professor Petrie möchte diese Volute mit den so oft erwähnten Hörneraltären in Verbindung bringen, doch sind diese Hörner, die nur jetzt aus Abbildungen von Kreta bekannt sind, ganz anders angeordnet. Auch an Rehabeam sind die Festungsmauern, wie aus der Verschiedenheit des Materiales und der Bauart hervorgeht, noch mehrfach erneuert worden, ohne daß wir einem bestimmten Könige diese Erneuerung zuschreiben könnten. Diese letzte Ausbesserung und Verstärkung der Stadtmauer dürfte dagegen vom König Mauasse herrühren, der im Jahre 660 Jerusalem neu befestigte (2. Chron. XXXIII, 14) gegen die unter Psammetich herauziehenden Egypter. Lachis liegt auf dem direkten Wege zwischen Egypten und Jerusalem, so daß es geradezu eine fortisikatorische Notwendigkeit war, die Werke von Lachis zu erneuern und zu verstärken. Bei der Unterwerfung Palästinas durch Nebukadnezar im Jahre 590 ist denn auch Lachis, trotzdem sie zu den stärksten Festungen des Landes gehörte (Jer. XXXIV, 7) belagert und zerstört und damit aus dem Buche der Geschichte ausgelöscht worden, denn eine spätere Besiedelung des Ortes hat nicht wieder stattgesunden. wie aus den Funden an der Oberfläche — griechische Topfware des fünften Jahrhunderts — hervorgeht. Unter Leitung von Bliß und Macalisher wurde von 1899 bis 1900 bei Tell es Safi, wo sich zahlreiche mykenische Scherben famen, auch das alte Gath entdeckt und ausgegraben, bei Tell Zakarrija das alte Azekah. Auch bei Tell el Judeideh und Tell Sandahannah fanden sich Reste von Städten und Burgen aus der ältesten kanaanitischen bis in die römische Zeit herabreichend, die sich jedoch nicht mit Ortschaften, die uns aus dem Alten Testament bekannt sind, identifizieren lassen Der deutsche Palästina-Verein veranstaltete namentlich Ausgrabungen in Jerusalem und fand bei Tell el Mutesellim das alte M egiddo, während der österreichische Forscher Dr. Sellin das biblische Taanach in der Megiddo-Ebene aufgedeckt hat. Eine weitere Aufgabe, die sich der Palestine Exploration Fund gestellt und unter Leitung von Macalisher im Jahre 1902 in Angriff genommen hat, ist die von äußerst wichtigen und reichen Resultaten begleitete Ausgrabung der alten Stadt Gezer, die nach der Bibel (1. Könige IX. 16) Salomo von seinem Schwiegervater, dem Könige von Egypten, als Mitgift bekam. Auch bei dieser Ausgrabung sind Reste und Spuren einer ganzen Reihe von übereinander liegenden, den verschiedensten Kulturepochen angehörenden Ansiedelungen zutage gekommen. Die unterste Schicht gehört eimm prähistorischen Volksstamm an, der noch in Hütten wohnte. Diese Höhlen zeigen in den Felsen gehauene Zimmer von unregelmäßiger Form, bei deren Herstellung wahrscheinlich die vorhandenen natürlichen Felsspalten und Höhlen benutzt wurden. Das Metall war diesem Volksstamme noch vollkommen unbekannt, dagegen haben sich zahlreiche Steinmesser, Sägen und Geräte von Knochen gefunden, auch grobe Topfware mit einfachen Strichornamenten verziert. Erst in der dritten Schicht von unten findet sich Bronze und in der fünften auch bereits Eisen neben Brouze. Wie aus den egyptischen, mykenischen und phönizischen Fundgegenständen hervorgeht, gehören die vierte und fünfte Stadt der Zeit kurz vor der israelitischen Einwanderung bis bald danach an. Eine strenge Scheidung der kanaanitischen Riederlaffungen von den israelitischen, wie wir sie bei Lachis durch eine mächtige Aschenschicht beobachten können, ist in Gezer nicht vorhanden, die Stadt ist bei der israelitischen Einwanderung wohl erobert, aber nicht total zerstört worden. (Jos. XVI, 10: „Und sie vertrieben die Kanaaniter nicht, die zu Gezer wohnten.") Die älteste Befestigung der Stadt Gezer, die gefunden wurde, stellt ein Erdwall dar, der außen und innen mit Steinen verkleidet ist. Eine spätere Verteidigungslinie verläuft außerhalb dieses Walles und umschließt ein größeres Gebiet. Diese spätere Befestigung besteht aus einer Mauer aus großen unregelmäßig gespaltenen Steinen, deren große Zwischenräume mit kleineren Steinen ausgefüllt sind. Nach ihrer Zerstörung wurde eine neue, regelmäßigere, zirka vier bis fünf Meter dicke Mauer errichtet, in die über dreißig feste viereckige Türme in unregelmäßigen Zwischenräumen eingebaut wurden, und die in einer späteren Periode durch