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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-19 · 25 (19.6.1908) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
25 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 454 M.,'Lwcv'2> Mocdenscvnn. Nr. 25 gezeigt werden, daß die samaritanische Fassung spätestens im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung entstanden ist. Eine kurze Inhaltsangabe wird den Charakter des Buches am bestell kennzeichnen. Die Geschichte beginnt mit dem Tode Moses und setzt die Erzählung genau in derselben Weise fort, wie der massoretische Text, indem es den Einzug der Kinder Israels in das Land Kanaan Unter der Führerschaft Josuas und des Hohepriesters Eleasar wortgetreu wiedergibt. Die Auskundschafter werden nach Jericho geschickt und werden .durch Rahab gerettet. Es werden die Vorbereitungen zur Ueberschreitnng des Jordan gemacht, dessen Wasser sich beim Herannaben der Bundeslade teilen. Die Erscheinung des Engels Gottes, die Eroberung von Jericho und so weiter bis zur vollständigen Einnahme des Landes. Die Erzählung geht für immer parallel mit den Schilderungen des mafforetischen Textes bis zum Ende des 13. Kapitels. Von hier angefangen unterscheiden sich die zwei Texte gründlich voneinander. Die Verteilung des Landes unter 97, Stämme, die im mafforetischen Texte in acht langen Kapiteln ausführlich beschrieben wird, erscheint hier in einem einzigen Kavitel zusammengedrängt. Die beschichte des Altarbaues durch die 8'/, Stämme, die jenseits des Jordans zurückgekehrt sind, fehlt in brr samaritanischen Ausgabe ganz. An Stelle desien hat das samaritanische Buch die Erzählung von dem Kriege der unter Führung des Königs Schobah vereinigten shrischen Könige gegen Josua und der Hilfe, die er vom Könige Nobah, dem Herrscher der jenseits des Jordans lebenden 21/, Stämme, erhalten hat. Wahrsager unterstützen Schobah mit ihren Zauberkünsten und sie umgebe» Josua mit sieden eisernen Mauern, welche mit Hilfe der Posaune, in welche der den König Nobah begleitende Priester Pinchas gestoßen, hinweggeblasen wurden. Das Buch schließ» dann mit einer an die in Schechem versammelte Menge gerichteten Ansprache. Eleas-'r stirbt, ihm folgt Pinchas und um diese Zeit, 13 Jahre nach dem Einzüge, schreibt Abisba jene berühmte Gesetzesrolle, welche noch heute den eifersüchtig geführten Schatz der Samaritaner bildet. Der samaritanische Text unterscheidet sich also von dem mafforetischen in manchen, wenn auch geringfügigeren Punkten. Er läßt die Wiederholungen und Doppelstellen weg. Er weiß nichts von dem Inzident in Gilgal und von der Beseitigung des „Vorwurfes Egyptens". Er weiß auch nichts von dem Stillstehen der Sonne und des Mondes. Die verschiedenen Ereigniffe werden mit genauen Daten versehen und beschrieben. Der Hohepriester Eleasar spielt bei der Errichtung des Altars in Schechem und bei dem Segen und Fluch am Berge Gerisim eine wichtige Rolle. Laut dem samaritanischen Text geht Achan in einen heidnischen Tempel von Jericho und entwendet ein goldenes Idol. Seine Sünde wird dadurch entdeckt, daß die Steine seines Brüstschildes sich verdunkeln und ihren Glanz verlieren, so oft sein Name genannt wird. Die Anspielung auf die Väter, die „fremden Köttern gedient", in der Schlußrede Josuas an die versammelten Stamme fehlt hier ebenfalls. Andererseits sind wenige Stellen aus dem Deutoronomium und anderen Büchern eingefügt, um die Heiligkeit des Berges Gerisim nachzuweisen. Ebenso sind auch Hymnen und Gebete, genannt „Sang der drei Kinder", eingeschaltet. Ich kann nicht umhin, hier, wenn auch nur kurz, die zahlreichen Fragen und Probleme zu berühren, die aus dieser neuen Fassung entstehe». Vor allem steht die Frage, ob ihr Text echt ist und zweitens, wenn ja, welcher Periode gehört sie an? Die Vergleichung mit der mafforetischen Bibel muß alle Zweifel beseitigen. Denn beide Fassungen Kimmen in überraschender Weise in jenen Kapiteln und Versen überein, die ihnen gemeinsam sind. Die samaritanische Fassung bat alle die knappen Formen, seltenen Ausdrücke und eigenartigen syntaktischen Konstruktionen, die der mafforetischen Bibel eigen sind. (Es wird sich bald Gelegenheit bieten, diese Aehnlichkeit zu konstatieren, da der Text mit einer Einleitung, Uebersetzung, nebst Bemerkungen in der folgenden Nummer der Zuschrift der deutschen orientalischen Gesellschaft erscheinen wird.) Aber abgesehen von dieser inneren Evidenz, ist auch die Tatsache zu beachten, daß dieses samaritanische Buch schon im 12. Jahrlmndert einem arabischen Geschichtsschreiber als erste Quelle diente. Im 15. Jahrhundert bediente sich Abulfath, der seine Geschickte der Samaritaner unter den Augen des damaligen Hohepriesters schrieb, ebenialls desselben Textes. Ja, selbst der Schenker und Verkäufer der liier behandelten Manuskripte haben auch heute noch keine Ahnung von der Wichtigkeit des Buches, in besten Besitz ich verhältnismäßig am eine Kleinigkeit gelangt bin. In der Einsamkeit der Berge von Ephraim sind all die großen Probleme der modernen Bibelkritik unl'ekannt und im 12. Jahrhundert, als der Text ins Arabische paraphrasiert wurde, hat wohl Niemand von ihnen geträumt. Die Autentt'itat kann nicht bloß aus dem Grunde bestritten werden, daß der Trxl bisher unbekannt geblieben. Auch der samaritanische Pentateuch dlub, trotzdem er mariner großen Zahl von Manuskripten erhalten blieb und den Kirchenvätern nicht unbekannt war, dennoch 15 Jahrhunderte oder noch länger völlig unbekannt, bis der berühmte Reisende Pietro della Vau ihn im Jahre 1616 in Damaskus entdeckt hatte. Ja. die Samaritaner selbst wurden erst nach Verlauf von wenigstens tausend Jahren, seit der Eroberung Palästinas durch die Araber, sozusagen wiederentdeckt. Sir John Mandeville war wahrscheinlich der einzige westliche Reisende, der die Samaritaner erwähnte und Scaliger, der die arabische Geschichte von Josua entdeckte, war gleichzeitig der erste, der die Samarttaner wieder entdeckte. Aber das letzte und entschied nste Argument, das auch das Datum angibt, liefert Josephus. Die Erzählung in Josephus' „Jüdische Altertümer" verrät eingenaue Kenntnis des samaritanischen Textes. Der Hohepriester Eieasar spielt eine hervorragende Rolle, das Inzident in Gilgal ist weggelaffen. Die Anspielung auf die Väter, die „fremden.Göttern dienten", fehlt ebenfalls. Als sicherer Beweis jedoch ist die Tatsache anzusehen, das; die Aufteilung des Landes unter die 9 Y? Stämme in Josephus nichts anderes als eine treue Kopie des samaritanischen Textes ist. Der samaritanische Text muß älter sein als Joiephus, wenn er ihn als echte und verläßliche Quelle benützte. Die Geschichte der Samaritaner und die innere Evidenz des Textes reichen hin, um seine Entstehung annähernd festzustellen. Die Spaltung zwischen den Juden und den Samaritanern erfolgte in der Mitte des fünften Jahrhunderts (432 vor unserer Zeitrechnung). Ueber die Beziehungen der beiden Sekten ist bis zurück ins zweite Jahrhundert, da die Fehde zwischen den Samaritanern und Juden zur Bitterkeit wuchs und König Hyrkan im Jahre 128 Schechem einnahm und verwüstete, ist nichts Näheres bekannt. Von jener Zeit angefangen finden wir im Neuen Testament nichts, das auf Beziehungen zwischen den zwei Gruppen Hinweisen würde. Wenn die Samaritaner demnach irgend ei r Buch der Bibel übernommen, so kann dies nur in der Mitte des zweiten Jahrhunderts geschehen sein. Und die Samaritaner würden nur dann ein Buch der Bibel übernommen haben, wenn es ihren Zwecken dienen, ihren Anspruch, daß sie die wahren Vertreter Israels seien, unterstützten könnte... Ein Resultat ergibt sich aus dem Studium dieses neuen Textetz: daß zur Zeit, als das Buch Josua von den Samaritanern adoptiert wurde, dieses noch nicht einen Teil des geheiligten Kanons bildete. Das einzige Buch, das damals sowohl von den Juden, wie auch von den Samaritanern betrachtet wurde, war „das Gesetz". Der Pentateuch wurde von ihnen mit großer Ehrfurcht behandelt. Die geschichtlichen Bücher waren damals sicherlich noch nicht mit Heiligkeit bekleidet, sie galten stets als Geschichtsbücher der Ereignisse. Der Text dieser Bücher befand sich noch nicht in festem, endgiltigem Zustande. Dem Wesen nach stimmen beide Texte überein. Während jedoch der massoretische Text ein Teil des heiligen Kanons wird und dadurch vor Entstellung geschützt bleibt, ist der samaritanische seinem Schicksale überlassen. Er wurde nicht einmal in alten Handschriften erhalten. Ich habe keine gesehen, und wie der Hohepriester berichtet, gibt es auch keine. Das Wunder ist nur, daß trotz alledem der hebräische Text des samaritanischen Buches Josua in so vollständiger Form hat erhalten bleiben können. Die Abgeschlossenheit der Samaritaner von der Außenwelt hatte das eine Gute, daß sie sie zu Depositären eines alten Glaubens gemacht, und wenn sie eine Mission zu erfüllen hatten, so haben sie sich derselben mit bewunderungswürdiger Treue entledigt. Nach 2000 Jahren haben sie das Buch Josua produziert, das nur wenig abweicht von der Form, in welcher ihre Vorfahren es erhalten haben. Und jetzt ist die Reihe an der modernen Bibelwissenschaft. Archäologische Ansgrobungen in Palästina. Von Dr. A. Köster. Während in den Ländern der griechisch-römischen Kultur durch den Forscherfleiß zahlreicher Gelehrter der verschiedensten Nationen in den letzten Dezennien unermeßliche Schätze aus Tageslicht gefördert lvurden. hat die Ausbeute der archäologischen Ausgrabungen in Palästina sich in bescheideneren Grenzen gehalten. Die Bewohner Palästinas waren im wesentlichen ein Volk ohne Kunst, dem dazu nur eine verhältnismäßig kurze Zeit der Blüte und des nationalen Wohlstandes beschieden war, so daß bei den Grabungen monumentale Bauten und große Kunstwerke von vornherein nicht zu erwarten waren. Dafür waren es aber zum Teil religiöse Gesichtspunkte, die eine Erforschung des heiligen Landes als wünschenswert erscheinen ließen, und bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts lassen sich deshalb die Palästina - Forschungen zurückverfolgen, deren Resultate ebenso interessant wie für das Verständnis des Alten Testamentes und seiner Geschichte von größter Wichtigkeit sind. Den Anfang der modernen Palästina-Forschung bezeichnen das 1841 erschienene Werk von Edward Robinson: „Bibileal Researches“ und die verschiedenen Schriften von T. Tobler. Es waren dies die ersten Beschreibungen des heiligen Landes, denen selbständige und ausgedehnte Beobachtungen der Herausgeber zugrunde lagen, die sich beide wiederholt und längere Zeit in Palästina zur Erforschnng des Landes aufgehalten hatten. Im Jahre 1865 wurde dann in England der Palestine Exploration Fund ge-

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