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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-19 · 25 (19.6.1908) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
25 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dr. Llocd's MocdenscdrtN. Seite 449 Rr. 25 können^ in Mer.diesem Zwecke dienenden Anstalt unterzubringen, waren fast in' allen Fällen erfolglos. Handelte es sich doch zumeist um Kinder, die schon in bezug auf die Heimatsberechtigung nicht jenen Anforderungen entsprechen konnten, die von den derzeit bestehenden Hospizen gefordert werden. Die Angehörigen dieser Kinder gehören fast durchwegs der ärmsten Klasse an, so daß auch die Zahlung von Verpflegskosten ausgeschlossen erschien. Als ein trauriges Zeichen unserer Zeit konnte aber auch wahrgenommen werden, daß die Politischen Verhältnisse nicht ohne Einfluß auf jene Humanitätsanstalten geblieben find, die mit interkonfessionellen Geldern gegründet und erhalten werden, sei es von Vereinen, sei es von zur Einhebung von Umlagen berechtigten Körperschaften. So sah nun der Vorstand des Vereines Ferienheim ein, daß für diese armen, kranken Judenkinder etwas geschehen müsse. Er dehnte sein Wirken über jene Ziele aus, die bei seiner Gründung ins Auge gefaßt waren, indem er alljährlich eine Gruppe solcher Petenten in ein Jodbad entsandte. Freilich konnte dies nur in einem ganz bescheidenen Umfange geschehen. Aus den Jahresausweisen des Vereines Ferienheim ist zu entnehmen, daß im Ganzen während des 16-jährigen Bestandes 266 Kinder teils in Bad Hall, teils im Jodbade Darkau jenen Kuren zugesührt wurden, deren fie bedurften. Die Erfahrungen der Aerzte in den letzten Jahren lernten uns die großartige Heilwirkung der See kennen und wenn ursprünglich die Abficht bestand, ein eigenes Heim in einem Jodbade zu errichten, so ist es nur zu begrüßen, daß an die Stelle dieses Planes die Idee der Errichtung eines Seehospizes getreten ist. Ein aus der Mitte der Vorstandsmitglieder und Beiräte des Vereines „Ferienheim" konstituiertes Komitee begann nun die erforderlichen Vorarbeiten zur Begründung eines Seehospitzvereines. Nach eingehenden Erwägungen kam das Komitee zu dem Schlüsse, daß der zu gründende Verein seine Wirksamkeit nicht allein auf in Wien, wohnhafte Kinder, sondern auf Schützlinge aus allen Ländern unserer Monarchie erstrecken soll. Dazu war es zunächst notwendig, mit den Hauptstädten in Fühlung zu. treten und zu ermitteln, ob und inwieweit die zu schaffende Institution von auswärts auf materielle Förderung rechnen könne. Diese Fühlungnahme hat günstige Ausfichten eröffnet. Unsere Delegierten, welche in dieser Angelegenheit mehrfache Reisen unternommen haben, fanden allseits bei den berufenen Faktoren die freundlichste Aufnahme. Ein besonders reges Interesse für die Sache konnte in Triest wahrgenommen werden, woselbst durch die Tatkraft der Herren Komm. Edmund Richetti Edler v. Terralba, Rabbiner Doktor U. Brettholz und Dr. Julius Graf, ein Lokalkomitee fich der Aktion annahm und bis zum heutigen Tage eine ansehnliche Summe von Spenden für das zu schaffende Seehospiz erzielte. In Wien selbst, aber auch in der Provinz fand unsere Idee zahlreiche Gönner, so daß ein Betrag von fast K 90.000.— teils erlegtteils gezeichnet erscheint, obwohl die offizielle, große Werbeaktion nunmehr erst beginnen soll. Das vorbereitende Komitee hat seine Aufgabe auch darin erblickt, Schritte zur Erlangung eines geeigneten Bauplatzes an der Adria einzuleiten. Auch zu diesem Zwecke wurden kommisfionelle Reisen unternommen, wobei darauf Gewicht gelegt wurde, daß an jeder Besichtigung nebst einem ärztlichen und einem technischen auch ein juristischer Berater teilnehme. Wenn das vorbereitende Komitee-auch augenblicklich noch auf keine positiven Erfolge in der Platzfrage Hinweisen kann, so wird doch das reiche gesammelte Material dem Kuratorium des österreichischen Seehospitzes ein wertvoller Arbeitsbehelf sein. Das vorbereitende Komitee hat in zahlreichen Sitzungen und nach Erwägung aller in Betracht kommenden Umstände und Verhältnisse ein Statut für den zu gründenden österreichischen Seehospitzverein ausgearbeitet, welches -mit Erlaß der k. k. niederösterreichischen Statthalterei vom 27. Februar d. I. die Genehmigung gesunden hat. - Da es ausgeschlossen erschien, schon im Jubeljahre Schützlinge in ein eigenes Heim entsenden zu können, da jedoch anderseits darauf Gewicht gelegt wurde, daß der Verein seine Positive Tätigkeit schon in diesem Jahre beginne, hat das vorbereitende Komitee die nötige Vorsorge getroffen, damit schon im Jahre 1908 30 arme, kranke, jüdische Kinder im Seebade Gradno entsprechend untergebracht werden können. Eine geräumige Wohnung wurde gemietet, eine Vereinbarung mit dem Görzer Seehospizverein wegen Benützung seiner Badeanstalt getroffen, Arzt und Pflegerin gewonnen und was gewiß für viele der Schützlinge von Bedeutung ist, rituelle Verköstigung fichergestellt. Die Kosten, welche aus dem Betriebe erwachsen, sollen teils durch die Zinsenerträgnisse der bisher eingegangenen Seehospizspenden, teils aus einem Beitrage des Vereines Ferienheim gedeckt werden. Im Vormonate hat in Wien der allgemeine österreichische israelitische Bund getagt, an deffen Versammlung die Vertreter der meisten Kultusgemeinden Oesterreichs teilgenommen haben. In Erfüllung einer vom vorbereitenden Komitee vorgebrachten Bitte hat der Vorsitzende des Bundestages, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien Herr Dr. Alfred Stern, den Vertretern der auswärtigen Gemeinden von der bevorstehenden Errichtung des Seehospizes für jüdische Kinder Mitteilung gemacht und die Gemeinden zur tatkräftigen Förderung dieses Unternehmens aufgefordert. Von der Erwägung geleitet, daß die geplante Aktion nur unter Mitwirkung erprobter Berater und nur unter Förderung aller jener Körperschaften, die im Hinblick auf den Zweck hiezu kompetent erscheinen, durchgeführt werden kann, hat fich das vorbereitende Komitee sowohl an die Staatsbehörden, als auch an die Kultusgemeinde und an die größeren jüdischen Korporationen um Namhaftmachung von Delegierten für den zu bildenden Zentralausschuß gewandt. Als eine Anerkennung der Wichtigkeit und Dringlichkeit des geplanten Unternehmens ist es zu betrachten, daß diese Schritte von dem besten Erfolge begleitet waren und daß die gewünschten Delegierungen tatsächlich vorgenommen wurden. Was die finanziellen Erfolge des vorbereitenden Komitees anbetrifft, wird bemerkt, daß zu Händen des Vereines Ferienheim Zuwendungen im Gesamtbeträge von X 39.136°98, zu Händen des Triester Komitees K 11.476 70 eingelaufen find. Ueberdies steht die Uebertragung einer beim Vereine Ferienheim errichteten Widmung für die Skrofulosenkolonie per K 10.000 an das Seehospiz bevor und von einem bekannten Wohltäter ist für den Fall des Zustandekommens der Betrag von K 30.000 gezeichnet worden. Die Gesamtauslagen während der zweieinhalbjährigen Vorarbeiten für Drucksorten, Porti, Propaganda und Reisen beziffern fich insgesamt auf K 2345.— und werden aus dem Zinsenerträgnisse der eingelausenen Spenden gedeckt. Das vorbereitende Komitee gibt der sicheren Erwartung Ausdruck, daß Patriotismus, Opferwilligkeit und Nächstenliebe Zusammenwirken werden, damit im Jubeljahre der Grundstock gelegt werden könne zum ersten österreichischen Seehospiz für arme jüdische Kinder. Nunmehr ergriff der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern das Wort. In herzlicher, schwungvoller Rede würdigt derselbe die Bedeutung dieser neuen Institution und gibt seiner Freude Ausdruck, daß gerade in diesem Saale, in welchem vor wenigen Wochen seitens der Kultusgemeinde die Errichtung eines jüdischen Knabenwaisenhauses als Jubiläumshuldigungswerk beschlossen wurde, nun auch diese neue Institution ihre gründende Sitzung abhält. Der Präsident gibt seiner Bewunderung Ausdruck, für die Tatkraft und die bedeutenden Leistungen der Vorsitzenden, der er namens der ganzen Gemeinde den innigsten Dank ausspricht. Die hierauf vorgenommenen Wahlen hatten folgendes Ergebnis: In den Zentral-Ausschuß wurden gewählt: Der Vertreter des hohen k. k. Ministeriums des Innern, der Vertreter des hohen k. k. Ministerinms für Kultus und Unterricht, der Vertreter des hohen k. k. Finanzministeriums, als Delegierter der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei der Landes- Sanitätsreferent Herr k. k. Statthaltereirat Dr. August Netolitzky, als Delegierter der k. k. Polizei-Direktion Herr k. k. Oberkommiffär Viktor Pichler; ferner Dr. Alfred Berger,

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