Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-19 · 25 (19.6.1908) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
25 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021764-3021790--17432-3042306
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sette 448 Dr. Llocd's MocvenscLrM. Nr. 25 Sache ist uun wieder das Heitere, daß der Vater Wahrmunds» herhalten muß, um Argumente gegen die Juden zu liefern, derenn Interessen angeblich der Sohn betreibt. Im „Deutschen Volks-» blatt"; ist eine Blutenlese aus einem seiner Artikel spalten-» laug Luter dem Titel zu lesen: „Professor Wahrmund 86v.U der Judenschaft ius Stammbuch." Darin ist breit ausge-? führt, daß man die Juden aus der christlichen Schule ver-'^ treiben müsse, weil sie dort die christliche Majorität irreli-'! giös machen, um chre Weltherrschaft über sittlich haltlose Massen leichter auszuüben. Schlußfolgerung: Treibet die Juden aus den Schulen und seid religiös! Wenn ihr dem alten Wahrmund für seine Lehren dankbar sein wollt, so schmeißt ihr den jungen, den Schützling des internationalen Judentums, hinaus! Eine hübsche und zarte Logik, die durch den Hinweis auf das Judentum noch reizender wird. Die einzige Opposition gegen die Christlich-Sozialen machen unter den Deutschen im Parlamente die radikalen Antisemiten; die Studentenbewegung machen hauptsächlich radikale Antisemiten; Professor Wahrmund jun. ist ein radikaler Antisemit. Daraus folgt für das „Deutsche Volksblütt", daß die Juden an allem die Schuld haben. Und die Redaktion befindet sich nicht etwa im.Steinhof! Das „Deutsche Volksblatt" braucht uns übrigens im vorliegenden Falle nicht zu warnen, worauf wir unter allen Umständen pfeifen. .Wir sind in der Wahrmund-Sache durchaus nicht mit dem Herzen engagiert, da es sich um den antisemitischen Sohn eines antisemitischen Vaters handelt. Und wären wir engagiert, so würden wir erst recht schweigen, da wir sehr wohl wissen, daß jede freisinnige Bewegung verloren ist, der sich Juden anschließen. Wir überlassen es den Völkern Oesterreichs in deren eigenem Wirkungskreise, ob sie sich von den maskenlosen Christlich- Sozialen in den Vormärz hineintreiben lassen wollen. Diesen schen wir kommen und wünschen, daß er möglichst rasch komme, daß die Lueger-Partei ihre Siege rasch erfechte. Denn je höher und schneller diese klerikalen Antisemiten steigen, desto sicherer und tiefer werden sie fallen. Gi« Keehospitz für arme jüdische Kinder. . Unter besonders glücklichen Auspizien hat am 10. d. M. im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde Wien die konstituierende Generalversammlung einer Institution stattgefnuden, die berufen ist, als ein imposantes Werk jüdischer Nächstenliebe eine ebenso dringende als wichtige Mission zu erfüllen. Vom Vereine „Kaiser Franz Josephs-Ferienheim" initiiert und begründet, bezweckt der Verein „Oesterreichisches Seehospitz" nach den Inhalt seiner Statuten a) Verpflegung und ärztliche Behandlung skrofulöser, rhachttischer, sowie hochgradig anämischer, israelitischer Kinder ohne Rücksicht auf deren Zuständigkeit und Wohnort, und zu diesem Zwecke Errichtung und Erhaltung eines oder mehrerer Sechospitze; d) Betrieb der mtt solchen Anstalten zusammenhängenden und, deren Zwecke fördernden Unternehmungen. Die Betelligung an der Generalversammlung, in welcher als erste Proponentiu die unermüdliche Präsidentin des Vereines „Ferienheim", Frau Sofie Grünfeld den Vorsitz führte, war eine ebenso zahlreiche, als illustre. Die hohe k. k. niederösterreichische Statthatterei war durch den Landessanitätsreferenten Herrn Statthaltereirat Dr. August Netolitzky, die 1 1 Polizeidirektion durch den k. k. Polizeioberkommisiär Herrn Vittor Pichler vertreten. Namens des Kultusvorstandes erschienen: Der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Ster n, die Kultusvorsteher Hofrat Dr. Benno Rappaport und Dr. Alsted Berger, Dr. I. König und der Erste Sekretär kaiserl. Rat Dr. Theodor Lieben. Delegierte hatten entsendet die Vereine: „Verband der israel. Humanttätsvereine Bnai Brith für Oesterreich": Herrn Dr. Edmund Ko hu; der Verein „Eintracht Bnai Brith": «Herrn Dr. Moritz Schnabl; der Verein „Wien Bnai Brith": «Herrn Professor Dr. S. Ehrmann; „Frauenhort": die »Damen Klotilde Benedikt und Frau Dr. G. Kohn; ff„Kinderheim" und „Elisabeth Lehrmädchenhort": Herrn kais. Rat ^Dr. S. Krüger; „Kinderschutz": Frau Albert Winterberg; s-„Brigittenauer Frauenwohltätigkeitsverein": Frau Dr. Emilie [ Weiß. Es halten sich des ferneren eingesunden: Die Herren Rabbiner Dr. David, Dr. Bach sowie viele andere. In einer schwungvollen Eröffnungsrede wies die Vorsitzende nach Begrüßung der Erschienenen darauf hin, daß der Verein „Kaiser Franz Josephs-Ferienheim" die Notwendigkeit der Begründung einer derartigen Fürsorgeinstitution aus seiner in 16 Jahren gesammelten Erfahrung empfunden habe, also nicht etwa durch eine momentane Idee zu dieser Schöpfung gelangt sei. Ein Komitee hat sich durch mehr als zwei Jahre mit den Vorbereitungen und Vorarbeiten beschäftigt, deren Ergebnisse der Versammlung unterbreitet werden. Als Huldigungswerk für den Monarchen, getreu dessen Intentionen, übergibt das Ferienheim das begonnene Werk dem nun zu wählenden Vorstand, welcher bereits einen Betrag von fast 100.000 K als Grundstein vorfindet. Namens des Proponentenkomitees erstattet nun Sekretär Guido Fuchsgelb den folgenden Bericht: „Ein Jubeljahr für Oesterreichs Völker ist angebrochen, ein Jahr, in welchem dem greisen Monarchen, der weise und gütig seit sechs Jahrzehnten Oesterreichs Geschicke lenkt, die Liebe und Anhänglichkeit der Bürger seines Staates in einer Form zum Ausdruck gebracht wird, wie sie die Weltgeschichte wohl kaum aufzuweisen vermag. Bis in die spätesten Tage werden jene Denkmale, die von dem 60jährigen Regierungsjubiläum Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. künden werden, Zeugnis geben, nicht allein von treuem Bürgerfinn, sondern auch von der Herzensgüte dieses Herrschers. Schon aus Anlaß des 50jährigen Regierungsjubiläums hatte der Kaiser seiner Willensmeinung dahin Ausdruck'gegeben, daß der denkwürdige Tag seines Regierungsantrittes nicht durch rauschende Feste, sondern durch Werke der Nächstenliebe gefeiert werde. Vereine, Korporationen und Personen entbrannten in edlem Wettstreit und eine imposante Zahl von Wohlfahrtsinstitutionen aller Orten und aller Arten sind damals erstanden. In derselben Weise will unser Kaiser sein 60jähriges Regierungsjubiläum gefeiert sehen. Wie vor einem Jahrzehnt, so werden auch im heurigen Jubeljahre zahlreiche Wohlfahrtsinstitutionen erstehen, zum Angedenken an die seltene Feier. „Für das Kind", so lautet die Devise, die von Allerhöchster Stelle gegeben wurde. Und unter dieser Devise legt das vorbereitende Komitee des österreichischen Seehospizes die Förderung seiner Aktion, über deren gegenwärtigen Stand Bericht erstattet wird, allen Menschenfreunden ans Herz. Der Verein Ferienheim in Wien, dessen Tätigkeit nun seit 16 Jahren in der Entsendung armer, jüdischer Kinder in Ferienkolonien, Heilbäder und Kurorte besteht und der aus Anlaß des 50-jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers, das als Musterinstitut bekannte Kaiser Franz Josephs-Ferienheim zu Vorkloster-Tischnowitz errichtete, hat schon im Jahre 1906 den Beschluß gefaßt, anläßlich des 60-jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers ein Fürsorgeinstitut für skrofulöse und rhachitische Kinder zu schaffen. Dieses Institut soll mit Rücksicht auf die umfangreichen Agenden und die großen Aufgaben, die der Verein Ferienheim als solcher zu erfüllen hat, durch einen eigenen, zu kreierenden Verein errichtet und verwaltet werden. Wie sehr die geplante Institution einem dringenden Bedürfnisse entspricht, mögen die nachstehenden Ausführungen beweisen: Gelegentlich der ärztlichen Untersuchung der beim Verein Ferienheim einschreitenden Petenten — es find deren alljährlich zirka 1200 — ausschließlich Wiener Kinder — wurden in jedem Jahre fast 50 an Skrofulöse, Knochentuberkulose oder hochgradiger Rhachitis leidende Bewerber vorgefunden. Die Bemühungen, diese armen, unglücklichen Geschöpfe in einem Stadium, in welchem dieselben noch der Gesundung zugeführt werden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.