Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 25 (19.6.1908)
- Date
- 1908-06-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ffir.325 Dp- Bloch’s .m 0(7 o Zentraloroan für die gesamten Unteressen des Judentums. - - =^° —□=□— _ ■ =öo L. k. pvUfpmxluitftiuatii G Slearlng-Verkebr «r. 810.970. «edaktton und Administration: »irn n/i, Dabngasse Hr. 15. Telefon Nr. 14.847. OG: ö Do Wien, 19. Juni 1908. Br öd) eint jeden Freitag. Brief-Adresse: Mlen» IX/i, Dkdngssse 15. Telegramm-Adresse: Llocv's Mocbenscdrltt» Mlen. DO? Ttxpx&tprxim flbe tijb-iUki * I HalbtLhri- 8 Kronen: Mn-elexemplar« 50 Heller, jfiis*— i—rinlt Halbjährig 10 Kronen. Ganrjsthrig 20 „ «»»eigen: Di« 4m«I gestenl» len» Petit»«u» 24 Heller. ÖO - - -- Oft Inhalt: Leitartikel: Vater und Sohn. — Ein Seehospitz für arme jüdische Kinder. — Rede des Abgeordneten Tr. Mahler in der 85. Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses vom 11. Juni 1908. — Die samaritanifche Ausgabe des Buches Josua. — Archäologische Ausgrabungen in Palästina. — Korrespondenten: Die Ehre des Baurates Marmorek. Die Erwerbung und Widmung des Grundsteines für den Leopoldstädter Tempel durch Dr. Ludwig August Frankl. Die Baron und Baronin von Hirsch- Stiftungen. Ablehnung der innerpolitischen Betätigung durch die Zionisten. Generalversammlung des Mährikch-schlefischen Rabbinerverbandes. Die Generalversammlung der israelitischen BeerdigungLbruderjchaft (Chewra-Kadischa) in Prag. Eine Versammlung jüdischer Schankwirte. Karlsbad. Auch die Getauften sind ausgeschlossen. Die Zahl der Juden in Budapest. Triumphe zweier jüdischer Künstler. Petersburg. — Vermischtes: Spendenliste aus der Plenarsitzung am 24. April 1908. Wien. Austritte aus dem Judentum. Krems a. d. D. Pilsen. — Feuilleton: Die vergessene Geschichte. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Kater and Kotz«. Professor Wahrmund würde der Regierung einen riesigen Gefallen erweisen, wenn er auf den Mars übersiedeln wollte oder wenigstens an eine unzugängliche Stelle des Landes, in welchem der Pfeffer wächst. Anders wird ja die Klippe nicht verschwinden, die den Lauf des österreichischen Staatsschiffes fortwährend aufhält. Zwar, wenn es auf die Regierung angekommen wäre, die hätte nicht einen Augenblick lang eine Frage aus diesem Menschen gemacht, dessen Auslieferung die Klerikalen in Erfüllung der gegen die Moderuisten gerichteten letzten Bulle des Papstes von ihr verlangten. Wenn sich die Sache ohne Zeugen hätte abmachen-lassen, so hätte ein löbliches Ministerium ihnen den Wahrmund im Ketzerhemd übergeben und hätte Holzstoß und Fackel aus Steuergeldern geliefert. Und die freisinnigen Parteien hätten sich zweifelsohne mit der Erklärung beruhigen lassen, daß nach einstimmigem Beschluß der Juristenfakultät von Innsbruck der Verbrennungstod nicht besonders weh tue. Aber die Studenten mischten sich in den Ehrenhandel zwischen Regierung und Klerikalen; sie drohen den Abgeordneten ihrer Parteien, die Rednertribünen unter den Füßen anzuzünden und die Regierung, die ohne Deutsche keine Zweidrittelmajoritäten hat, ohne die Christlich-Sozialen aber nicht einmal die absolute, sinnt wieder einmal über das berühmte Rätsel nach, wie man einen Pelz waschen könnte, ohne ihn naß zu machen, und .wie man das perpetuum mobile des Wahrmundfalles aus der Welt schafft. Alle Freunde guten Humors können die Lösung des Rätsels und seiner Zwischenstufen mit Vergnügen abwarten. Daß Wahrmunds Name der Name eines Prinzipes geworden sei, daß man nicht mehr um seine Kanzel kämpfe, sondern um alle Kanzeln im Reiche, mag man einem Tiroler einreden — das ist der Stärkste im Glauben. Wenn nun schon der eine Fall mit einem Siege der Studenten endigen würde, wäre damit die Eroberung der Universitäten durch die Klerikalen aufgehalten? Diese Eroberung hat ja nicht die Oeffentlichkeit zum Kriegsschauplätze,, sondern das Präsidialbureau des Uisterrichtsministers. Nicht drei Tage lang werden die Christlich-Sozialen den Marchet leben lassen, wenn er ihnen nrcht die Leute ernennt, die sie ihm Vorschlägen. Und wie wir die Wetterfestigkeit der Liberalen kennen, wird sich Marchet auch nicht drei Sekunden lang sträuben, diese Ernennungen vorzunehmen. Wenn also Wahrmund morgen wieder in Amt und Würden ist, so ist für die Gegenwart, etwas gewonnen, für die Zukunft aber gar nichts» weder für die Universitäten noch eine Hoffnung auf das Parlament» wo eine so scharfe prinzipielle Sache nicht einmal einen Schein von Liberalismus weckte. Es hat im Gegenteile der Aufmarsch der Parteien gezeigt, daß die Christlich-Sozialen im Parlamente nicht über hundert Mann verfügen, sondern über dreihundert aus allen Parteien und daß die Machtprobe des Freisinns seine Ohnmacht zum Resultate hatte. Noch um eine Hoffnung wurden gewisse Optimisten betrogen. Diejenigen nämlich, welche glaubten, daß an der Wahrmundsache vielleicht die Christlich-Sozialen selbst zugrunde gehen könnten. Weil doch den Wiener Abgeordneten der schwarze Klerikalismus unmöglich recht sein könnte, den die alpenländischen Abgeordneten entfalten, daß ein Pattai mit einem Schraffl und Hagenhofer unmöglich Zusammengehen könne. Das hat nun der christlichsoziale Professor Mayr in der Budgetdebatte berichtigt, hat unter Beifall aller Gesinnungsgenossen gesagt, in dieser Affäre wäre die ganze Partei ein Herz und eine Seele. Die Christlich-Sozialen genieren sich nicht mehr, die schwarze Feder auf den Hut zu. stecken und ihre Wahlfonds aus früheren Zeiten mit Universitäten und allem zu bezahlen, woran die Kirche ein Interesse hat. Die offene Schwenkung des Verganiblattes war der letzte Schritt zu dieser Wandlung. Dieses Organ hat sich bisher um die Wahrmundsache immer herumgedrückt, hätte gerne schon ein Kompromiß gesehen, damit der Partei der deutsche Neunerausschuß erhalten bleibe. Aber nun kam offenbar ein Wink von oben und mit aller Schärfe wird Wahrmund als Vorkämpfer der Sozi, Juden und Freimaurer bezeichnet und demgemäß behandelt. WMjEs ist erreicht! Wo immer sich zwei in Oesterreich streiten, ist der Jude der dritte, der sich absolut nicht zu freuen hat, weil es auf ihn ausgeht. Die nationalen Kämpfe der Tschechen und Deutschen endeten mit dem beiderseitigen Boykott der Juden. Und jetzt, wo sich klerikale Antisemiten mit nationalen Antisemiten streiten, endet der Streit mit einer. Hetze der christlichsozialen Presse gegen die Juden. An dieser