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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-12 · 24 (12.6.1908) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
24 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 442 Dr. Moch's WochrnfchrM. N r. 24 Wie». Dem eben erschienenen Jahresberichte der 29. Verwaltungsperiode des Humanitären Vereines zur Unterstützung armer kranker Israeliten in Wien entnehmen wir mit lebhaftem Bedauern, daß ein Defizit von . zirka 3000 Kronen vom Vorstände konstatiert wird, was sich trotz der auf gleichem Niveau stehenden Zahl der beitragenden Mitglieder und trotz der Opferwilligkeit der eifrigen und rührigen Vorsteher, namentlich des hochherzigen Obmannes Herrn Markus Bondi, teilweise dadurch erklären läßt, weil die außerordentlichen Spenden bedeutend im Rückstände geblieben, anderseits durch die notorische Steigerung der Fleischpreise das Pauschale an den Restaurateur Herrn Leopold Brody erhöht werden mußte; gleichwohl wollen wir der erhebenden Hoffnung Raum geben, daß im Laufe des kommenden Jahres das Gleichgewicht hergestellt wird. Wie». (Trauung.) Sonntag den 14. Juni l. I., um 723 Uhr nachmittags, findet im israelitischen Tempel, X V., Turnergaffe 22, die Trauung des Fräulein Therese Neufeld. Tochter des Herrn Heinrich N e u f e l d, Präses der Chewra-Kadischa Fünfhaus, mit Herrn Franz Flesch statt. Wien. (Trauung.) Dienstag den 16. Juni l. I. um 10 Uhr vormittags findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Olga Schlesinger, Tochter des Herrn Karl Schlesinger aus Vinkovce, mit Herrn Jakob Marmorosch aus Kolomea statt. Wie». (Trauung.) Montag den 8. Juni l. I., um 3 Uhr nachmittags, fand im israelitischen Gemeindetempel zu Floridsdorf die Trauung des Fräulein Rosa L ö w, Tochter des Oberlehrers Herrn Ignaz L ö w, mit Herrn Richard Vogel, Beamter der israelitischen Kultusgemeinde, statt. Den Trauungsakt vollzog Herr Rabbiner Dr. R o s e n m a n n, der in seiner Trauungsrede an das Brampaar besonders auf die vorzüglichen Eigenschaften des Brautvaters Herrn Oberlehrer L ö w hinwies. Den gesanglichen Teil besorgte Herr I. Kantor Rosenberger samt Chor. Die zahlreichen Freunde und Verehrer des Brautpaares, sowie viele Kollegen des Bräutigams waren bei der Trauung anwesend. Wien. (S i j u m-F e i e r) Verflossenen Dienstag fand im Bet-Hamidrasch des Vereines „Beth Israel", II., Leopoldsgasse 29, eine religiöse Feier statt, die davon Zeugnis gab, daß es in dem fortschrittlichen Wien noch Kreise gibt, wo Sinn, Verständnis und Begeisterung für das Studium der Thora und ihre Wissenschaften vorhanden sind. Im genannten Bet-Hamidrasch werden nämlich seit seinem Bestände täglich Früh und Abend und allsabbathlich nachmittags Jedermann zugängliche Vorträge aus dem S ch u l ch a n-A r u ch, der Mischna, dem Midrasch und dem Raschi Commentar gehalten. Nun galt es nach vollendeter Absolvierung der sechs Bücher der Mischna den üblichen Sijum abzuhalten und die Feier mit einem Mahle, einer *Suda schel Nit2v3.l1« abzuschließen. Bei der Feier hatten sich eingesunden: Ehrw. Rabbiner Mayersohn als Leiter des Bet-Hamidrasch, der Synagogenvorstand Oberkantor M. Schorr, die übrigen Funktionäre, Vereinsmitglieder und viele Talmudisten und Thorafteunde. Die Würze des Mahles, um dessen Zustandekommen der Talmudgelehrte B. Weiß sich vielfach bemühte, bildete eine Auslese von diwre thore, und waren es besonders die von Rabbiner Mayersohu, dem Literaten M. Weißmauu und dem Religionslehrer D. Skutezky gehaltenen Vorträge, die lebhaften Beifall fanden und den wesentlichen Teil zum Gelingen der schönen Feier beitrugen. Wie«. Der Verein „Soh'lom haijr“ mit der Tendenz, jüngeren Leuten in Jerusalem zum Talmud-Studium und zugleich zum Erlernen eines Handwerkes Gelegenheit zu geben, besteht seit etwa 3 Jahren und wurde derselbe von dem in Gott ruhenden Rabbiner Dr. Stern- Heim vor ca. 2 Jahren ins Leben gerufen, seit dieser Zeit ersprießlich wirkend. Der allzufrüh verstorbene Begründer dieses Humanitären Vereines war ein gebürtiger Hannoveraner, bekleidete einige Jahre eine Stelle in der Londoner Talmud - Thora und ging später behufs Studiums nach Palästina, um daselbst die dortigen sozialen und kulturellen Verhältnisse unserer Glaubensgenossen näher kennen zu lernen, und das Fazit dieser an Ort und Stelle geholten Erfahrungen war eben die Initiative zur Kreierung des erwähnten Vereines, der gleichsam um die Wohlfahrt der jungen Generation in der hiesigen Stadt sich angelegentlichst kümmert und dies in noch größerem Maßstabe tun könnte, wenn ihm die hiezu erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt würden. Diesbezüglich die wahren Wiener Zionsfreunde ernstlich anzuregen, ist der Zweck dieser Zeilen. Wien. Die Huldigungsfeier anläßlich des 60 jährig. Regierungs- Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers wurde am 1. Tage des Wochenfestes im Beth-Hacheseth „Talmud-Thora" in der Malzgasse bei immenser Beteiligung abgehalten. Nach einleitender Rezitation des Psalm 61 wurde der Jubiläumsgesang: Es lebe Franz Jostph! von dem Kantor Schabse Weiß mit einem Männerchore eindruckoollst vorgetragen. Darauf folgte Festrede und Gebet vom Vereinsrabbiner Schenk, der die historische Wichtigkeit des Tages vom religiösen und puristischen Standpunkte geziemend beleuchtete, welche auf die Herzender Zuhörer erhebend und erbauend wirkte. Nach dem üblichen Kaisergebete schloß die würdevolle Feier mit begeisterter Absingung der hebräischen Volkshymne. Allen Teilnehmern wird sicherlich diese schöne und durchwegs gelungene dynastische Feierlichkeit unvergeßlich bleiben. —n. Wien-Floridsdorf. (Jubiläums-Peroches.) Am verflosienen Offenbarungsfeste wurden die Gemeindemitglieder beim Betreten des Gotteshauses durch ein Jubiläums-Peroches überrascht, das vom Herrn Kultusvorsteber Emauuel Grünwald aus Anlaß des Regierungsjubiläums Sr. Majestät für die Bundeslade unseres Tempels gespendet wurde. Herr Rabbiner Fr. Rosenmann nahm in seiner Festpredigt Veranlassung, diese ebenso patriotische wie religiöse Zuwendung zu erwähnen und auch auf die sonstigen Verdienste des Herrn Spenders um Gemeinde und Gotteshaus hinzuweisen. Der prachtvoll schöne Vorhang ist vom Herrn I. M. Belf geliefert worden. Austritte aus dem Judentum vom 31. Mai bis 6. Juni 1908. Franzos Stefanie, geb. 1886, Wien, IX., Servitengasse 21. Hahn Leopold, geb. 1875, Wien. Korn Leopold, Privat, geb. Wien, VIII., Piaristengasse 46. Mahler Marie, Bürgerschülerin, geb. 1894, Wien, XVill., Martiristrasse 26. Popper Leopold, geb. 1876, Austerlitz, XII., Schönbrunnerstrasse 140. Kremsier. Am 2. Festtage feierte der Vorsteher unserer Chewra- Kadischa Herr Leopold Kreisler seinen 60. Geburtstag, sowie das 25jährige Jubiläum als Vorsteher der Chewra-Kadischa. Durch seinen Eifer, seine Bereitwilligkeihmnd Aufopferung in diesem heiligen Berufe hat Herr Kreisler hohe Verdienste sich erworben, er scheute nicht die Mühe, bei Kranken, gehöre er welcher Klasse immer an, "auch Nächte zu wachen, mit Trost beizustehen. Am Tage des Jubelfestes begrüßte ihn eine Deputation, bestehend aus den Vorständen Josef Fischer, Hermann Löff und Leo Riesenfeld, die ihm eine reich ausgestattete Adresse des Vereines überreichte, wobei Herr Vorsteher Löff eine schöne Ansprache hielt. Eine Episode aus dem Wirken des Herrn Kreisler darf nicht unerwähnt bleiben. Als der hiesige alte Friedhof vor Jahren aufgelöst wurde, war er derjenige, welcher bestrebt war, die Exhumierung der alten Leichen aufs gewissenhafteste zu überwachen, damit die Ueberreste teuerer Angehöriger ungeschmälert in ihr neues Grab gelangen sollen, wofür ihm wohl alle Enkel und Urenkel den tiefgefühltesten Dank wissen. A. R. Brüx. Hier starb an Hirnschlag der 37 jährige Stadt- und Bahnarzt Dr. Hermann Kohn. Durch feine außerordentliche Tätigkeit im Berufe, seine stete Hilfsbereitschaft und sein liebenswürdiges Benehmen hatte er fich die Wertschätzung und Zuneigung der gesamten Bevölkerung erworben. Die israelitische Kultusgemeinde verliert in ihm eines seiner würdigsten und angesehensten Mitglieder. An seinem Grabe trauern eine junge Witwe und seine hochbetagten Eltern. Der Verblichene war der Sohn des bekannten Badearztes Dr. Kohn in Königswart. Zborow. Herr Juda L a b i n e r, Lehrer an der Baron Hirsch-Schule und hebräischer Literat, feiert am 20. Juni mit seiner Gattin Jetty, geb. Fuchs, das Fest der silbernen Hochzeit. Flöhau. Herr Rabbiner B. Katz ist seit dem 1. Mai 1908 in der israelitischen Kultusgemeinde Flöhau, Böhmen, angestellt und hat sich sehr rasch die Sympathien aller Kreise seiner Gemeinde erworben. Berlin. Der durch seine Tätigkeit an der Brigittenauer Synagoge bestbekannte Oberkantor I. Oesterreicher wurde an die neuerbaute Synagoge in Berlin, Neckarstraße, als Oberkantor berufen. Dies verdient umsomehr Beachtung, als in Preußen die Anstellung ausländischer Kantoren und Rabbiner gesetzlich unzulässig ist. Der Probevortrag des Herrn Oesterreicher fand so ungeteilten Beifall, daß die Gemeinde keine Mühe scheute, seine Anstellung durchzusetzen. Durch längere Studien hat Herr Oberkantor Oesterreicher ungemein, an Stimme gewonnen. Die feierliche Installierung fand vor kurzem statt.

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