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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-12 · 24 (12.6.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
24 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 24 Dr Lloeb's Mloebenscbrm. Sette 441 sollen. Noch nie gab es einen Augenblick in der Geschichte der Juden, in welchem die Notwendigkeit eines Zufluchts- . landes klarer zutage gelegen wäre, als jetzt. Weder unsere Emigranten, noch unsere Philanthropen wissen, wohin sie sich wenden sollen. Der Ausblick in die Zukunft Rußlands ist durchaus düster. Jetzt oder nie ist die Stunde für die „Jto" gekommen! Laßt uns denn herzhafter als je zusammenarbeiten an der Schaffung jenes Zentrums von Licht und Hoffnung, durch welches wir das Leben unseres Volkes erhellen und emporheben wollen! Und mögen alle unsere Freunde mit Ihnen fich des Abends in dem Gedanken erfreuen, daß die ersten Zeichen des aufsteigenden Lichtes bereits am Horizont erschienen find. Ihr ergebener Präsident Israel Zangwill m. x." Der Inhalt des Briefes wurde von den Versammelten mit großem Jubel ausgenommen. Es sprachen dann noch Mr. S p i e l m a n n, Frau I. Auerbach, Mr. H. M. K i f ch, Ehrensekretär Clement I. S a l a m a n, Reverend D. Wasserz u g u. m. A. Heldenmütige jüdische Soldaten. Die antisemitische russische Presse hört noch immer nicht auf, für den Ausschluß der Juden aus dem Militärdienst zu agitieren, indem sie die Juden in ihrer bekannten Weise verleumdet. Nun meldet sich im „Rjetsch" ein russischer Hauptmann, der den russisch-japanischen Krieg mitgemacht hat und, wie er offenherzig zugibt, im Allgemeinen kein besonderer Freund der Juden ist, und erzählt das folgende interessante Erlebnis während des Krieges: „Einige Bergbatterien hatten eine jener unglücklichen Positionen besetzt, die von unseren Kommandanten mit Stolz als die besten Verteidigungspunkte ausgewählt wurden. Es war dies ein Hügel, den man von allen Seiten nach Herzenslust beschießen konnte. Die Japaner haben fich keinen befferen „Verteidigungspunkt" ihres Feindes wünschen können. Es kam auch bald die unausbleibliche schreckliche Katastrophe. Gegen Abend war auch schon die Hälfte unserer Batterien aus den Reihen geschossen. Unseren Bitten, die Position zu ändern, wurde kein Gehör geschenkt. Endlich um Mitternacht wurde beschloffen, die blutige Position zu verlassen und sich auf einen niederer gelegenen anderen Hügel zu verfrachten. Nun galt es, dies so anzustellen, daß die Japaner nicht sofort bemerken, daß wir von unserer bisherigen Stellung verschwunden find. Es mußte also auf diesem Punkte zum Scheine weitergeschoffen werden. So wurden denn auf der schrecklichen „blutigen Position" gewissermaßen zur Demonstration zwei Mann zurückgelassen, ein Jude und ein Kosak. Ein hübsches Pärchen! Und wie das praktische Leben sich um den nationalen Haß nicht kümmert und die Theorie, daß der Russe und der Jude angeblich schon von Natur aus einander feindlich gesinnt sein müßten, einfach ignoriert, so haben auch diese zwei allein zurückgebliebenen Menschen wacker ihre Pflicht erfüllt. Der Jude ersann ein köstliches Mittel, die Japaner über den wahren Sachverhalt hinwegzutäuschen. Er grub ein Loch in die Erde, in welchem beide sich verbergen konnten, während sie ihre Menageschüsseln und Blechbüchsen in der Sonne hielten. Der Kugelregen der Japaner flog über ihre Köpfe hinweg. Mit wahrem Heldenmut haben diese zwei Männer den Rückzug der Batterien gedeckt. Ich kann überhaupt bestätigen, daß in dem Truppenteil, den ich zu befehligen hatte und in welchem fich zahlreiche Juden befanden, diese sich durchwegs ausgezeichnet haben und den übrigen Soldaten zum Muster dienen konnten." Bei dieser Gelegenheit sei auch ein interessanter Brief erwähnt, den der Generalmajor Mileant an den Sirzaner Polizeimeister gerichtet und der im „Bessarab-Schisn" abgedruckt ist: „Einer von den jüdischen Reservesoldaten des Regimentes, dessen Kommandant ich in der Kampagne vom Jahre 1904/05 gewesen, ein gewisser Niffenbaum, hat die Absicht, sich auf Grund des allerhöchsten Befehles vom 18. Juni 1905, wonach den jüdischen Reservisten, welche den Krieg im fernen Osten mitgemacht, das freie Wahlrecht im Lande zugestanden wird, in der Stadt Sirsan niederzulaffen. Indem ich den Herrn Polizeimeister anfrage, ob gegen das Vorhaben Nissenbaums irgend ein Hindernis besteht, bitte ich das Gesuch Nissenbaums genehmigend zu erledigen, da ich ihm, sowie allen Juden, die in meinem Regimente den Krieg mitgemacht haben, das beste Tapferkeitszeugnis auszustellen in der Lage bin." Der Polizeimeister hat dem Gesuch Niffenbaums Folge gegeben. IDermtscbtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien 1., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des fei. Emanuel Baumgarten: Von I. Chatiner, Galatz K 20.—, Rudolf Kohn 20.—, Moriz Antscherl 2.—, Salo Cohn K 30. — . Zusammen K 7a.— . Anläßlich des Ablebens dersel. Henriette Bellak: Von Johann Korst K 20 —, Jacques Freudenthal 10.—, Berthold Bellak K 10.—. Zusammen K 40.—. Anläßlich des Ablebens der sel. B e t t i Böhm: Von Moriz Berger, Jacques Böhm K 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Albert Steiner: Von Max Zerner K 10.—, Personale der Fabrik Max Zerner 12.—. Ernst Steiner 10.—, Dr. Alex. Mintz und Frau 10.—, Bernh. Hohenberg und Frau 10.—, Eugen Kovacz 5.—, Moriz Braun 5.—, Konst. Konstantinowitz L 4.—. Zusammen K 66.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz Lustig: Von Frau M. L. K 10.—. 50 jähriges Jubiläum des Leopoldftädter Tempels. Am 15. Juni d. I. werden 50 Jahre seit der Einweihung des Leopoldstädter Gemeindetempels in der Tempelgaffe verflossen sein. Aus diesem Anlaffe veranstaltet der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien am 18. Juni d. I., 10 Uhr vormittags, einen feierlichen Gottesdienst, bei welchem der Oberrabbiner und die Rabbiner des Leopoldstädter Tempels fungieren werden. 50 jähriges Amtsjubiläum des Chordirigenten Julius Heimann. Samstag den 20. Juni begeht der Chordirigent des Leopoldstädter Tempels, Herr Julius Heimaun das Jubiläum seiner fünfzigjährigen Tätigkeit an der genannten Synagoge. Heimann ist seit der Eröffnung des Leopoldstädter Tempels im Jahre 1858 ununterbrochen an demselben tätig, so daß sein Berufsjubiläum mit dem Jubiläum des fünfzigjährigen Bestandes der größten Synagoge Wiens zusammenfällt. Als kaum neunjähriger Knabe trat Heimann unter dem unvergeßlichen Oberkantor Goldstein in den Chor ein, gewann durch seine unerschütterliche Pflichttreue bald das Vertrauen seiner Vorgesetzten und rückte so, als die Stelle des ersten Baß im Chore fteigeworden war, auf diesen Platz vor. Die fünfzigjährige Wirksamkeit Heimanns am Leopoldstädter Tempel ist mit mancher Reminiszenz verbunden, welche hier erwähnt zu werden verdient. Heimann stand mit dem Gesamtchore im Jahre 1881 an den zahlreichen Särgen der allseits beweinten Opfern des Ringtheaterbrandes. Für seine Wirksamkeit erhielt Heimann seinerzeit vom Kultusvorstand, an dessen Spitze die Herren Ignaz Kur an da und Ritter von Borkenau standen, ein herzlich gehaltenes Anerkennungsschreiben. Er erhielt vor zehn Jahren, anläßlich seiner vierzigjährigen Berufstätigkeit die „Ehrenmedaille für vierzigjährige treue Dienste". Interessant sind auch die folgenden statistischen Daten aus dem Berufsleben Heimarms Er diente bis heute unter 88 Bethausvorstehern und 10 Präsidenten und hat während seiner bisherigen Tätigkeit bei 5006 Trauuncen. 11.316 gottesdienstlichen Funktionen und bei V060 Funktionen in Friedhöfen mitgewirkt. Bei der Schilderung der Berufsgeschichte des Jubilars verdient es wohl auch erwähnt zu werden, daß Hermann neben seiner Tätigkeit am Leopoldstädter Tempel 35 Jahre lang als erstes Chorbaß-Mitglied des Wiener k. k. Hofoperntheaters tätig war und daselbst unter den Direktoren Dingel st edt, Herbeck. Jauner, Jahn und Mahler in 374 verschiedenen Opern mitgesungen hat. Als er vor fünf Jahren aus dem Verbände der k. k. Hofoper schied, wurden ihm von seinen Vorgesetzten und Kollegen zahlreiche Ehrungen zuteil. Auch jetzt, anläßlich seines 50jährigen Berufsjubiläums am Leopoldstädter Tempel stehen dem äußerst beliebten und pflichteifrigen bescheidenen Chordirigenten Julius Heimann verschiedene Ehrungen bevor.

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