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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-12 · 24 (12.6.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
24 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seih 440 Dr. Llocb's MocdenscvrlN. Nr. 24 die an ihn herantreten, zu entsprechen. Redner warnt vor dem Versuch, in Konkurrenz zur Gemeinde eine zweite Mikwah erbauen zu lassen. Dadurch würde das Institut selber in seiner Existenzbedingung gefährdet. Der Kreis der Interessenten ist nicht so groß, um die Existenz zweier solcher Institute zu ermöglichen, und das Resultat wäre der Verfall beider. Dr. B l o ch richtet zum Schlüsse den Appell an Herrn Bernh. H o f b a u e r, neuerdings die Bahn der Unterhandlung zu betreten, Mittel und Wege zur Einigung und zum Frieden mit der Gemeinde zu versuchen. Ueber Interpellation, warum keine Vertreter der Kultusgemeinde, Schisf-Schul und Polnischen Schul erschienen sind, erklärte Herr Bernh. Hofbauer sich nicht dafür berechtigt zu halten, die Kultusgemeinde hierher zu zitieren, hingegen die Schiff-Schul sowohl als auch die Polnische Schul („Beth- Jsrael") aus Taktgefühl nicht geladen zu haben. Als einige Herren sich in sehr abfälliger Weise über die Tätigkeit des Herrn Rabbiner Mayersohn äußerten, fand es allgemeine Zustimmung, daß Herr Bernhard Hosbauer diese verhinderte und die betreffenden Herren in ihren Auseinandersetzungen unterbrach mit dem Bemerken: Wir sind nicht hier, um über Personen, die nicht zugegen sind, zu richten. Es ist überhaupt keine persönliche Frage sondern nur ein Prinzip zu besprechen. Ueber Antrag des Herrn Dr. Bloch wurde Herr Bernhard Hofbauer von der Versammlung ersucht, ohne Verletzung seiner Prinzipien im Interesse des Friedens und der Einigkeit der Gemeinde nochmals zu vermitteln und abermals die Delegierten einzuberufen. Inzwischen wollen die Herren ihrem Vorstand von dem Heutigen berichten und sodann mit vereinten Kräften solange Mitarbeiten, bis das Ziel erreicht ist. Der „jüdische Frauenmörder" des „Deutschen Volksblatt". Aus Bremen wird berichtet: Ende Dezember des vorigen Jahres wurde hier die zerstückelte Leiche der Buchdruckerswitwe Marie K r u e tz e geb. Bulling, gefunden und alsbald als der Mörder ein aus Heffen stammender, in Amerika ansässiger Gutsbesitzer Henry Ludwig Haas ermittelt, der inzwischen die Fahrt nach Pernambuco angetreten hatte, wo er nach seiner Ankunft verhaftet wurde. Die Auslieferungsverhandlungen mit den brasilianischen Behörden nahmen sehr lange Zeit in Anspruch, und als der Mörder endlich ausgeliefert werden sollte, machte er vor wenigen Tagen auf der Fahrt von Antwerpen nach Bremen an Bord eines Lloyd-Dampfers seinem Leben durch Erhängen ein Ende und entging so dem irdischen Richter. Der Vorfall ist insofern von Interesse, als das Wiener „Deutsche Volksblatt", das in Bezug auf Verleumdung der Juden allen anderen Antisemitenblättern den Rang streitig macht, die Nachricht von der Verhaftung des Haas am 8. Jänner d. I. mit der fettgedruckten Überschrift „Verhaftung eines jüdischen Frauenmörders" veröffentlichte und in der Notiz ihn als einen „jüdischen" Plantagenbefitzer bezeichnete. Daß das Wiener „Volksblatt" diese Angabe der Konfession des Haas ohne irgendeine tatsächliche Unterlage aufgestellt habe, war dem hiesigen Vertreter des Zentralvereines nach den hier an maßgebender Stelle sofort eingezogenen Erkundigungen nicht zweifelhaft. Ein bestimmter Nachweis der Konfeffion des Frauenmörders war trotz aller Bemühungen aber erst jetzt, nach Landung seiner Leiche in Bremerhaven, zu erlangen. Danach war Haas aus Groß-Gerau gebürtig, wo seine Eltern als evangelische Christen lebten; er hat auch nachweislich nie etwas mit Juden zu tun gehabt. Das erfindungsreiche Wiener „Volksblatt" wird aber voraussichtlich trotzdem die Weisheitsquelle der deutschen Antisemttenpresie bleiben. Prag. (Jubiläums-Stistung des kais. Rates Hahn.) In der Sitzung des Kuttusvorstandes vom 31. Mai machte der Präsident Herr Dr. Arnold Rosenbacher folgerte Mitteilung: „Herr kais. Rat Moritz Hahn und seine Frau Gemahlin Ernestine haben der Kultusgemeinde einen Betrag von 42.000 Kronen zur Verfügnng gestellt, um für dieses Geld das Haus Nr. 129 in Bubene anzukaufen, welches 22 Wohnungen zu je einem Zimmer und Küche enthält. Es soll nach dem Wunsche des stiftenden Ehepaares anläßlich des Kaiser-Jubiläums eine „Moritz und Ernestine Hahn-Stiftung" errichtet werden und von dieser je eine der erwähnten 22 Wohnungen an würdige Arme verliehen werden." Die näheren Bestimmungen des Stiftsbriefes werden noch festgesetzt werden. Die Versammlung nahm die Ankündigung des Herrn Präses mit freudiger Genugtuung entgegen und sprach dem Ehepaare Hahn, dessen Viertelmillionen-Stiftung vom Oktober v.J. noch in frischer Erinnerung steht, herzlichsten wärmsten Dank aus. Berlin. (Eine Nichte Heinrich Heines.) Ueber eine noch lebende Nichte Heinrich Heines wird der„B. Z." geschrieben: „Es lebt hier in Berlin (Wielandstraße) noch eine Schwester der Fürstin von Monaco, Frau Helene Hirsch. Die Dame ist eine Tochter der Frau Emden aus Hamburg. Im Hause ihrer Mutter hat sie seinerzeit die Kaiserin Elisabeth empfangen, die der Schwester ihres geliebten Dichters einen Besuch machte. Frau Hirsch hat ihrem großen Onkel an den in ihrer Wohnung Hunderte von Andenken mahnen, eine lebhafte Erinnerung bewahrt. Die herzerfreuende Frische des Geistes bei der körperlich sehr rüstigen, hochbetagten Dame gibt auch heute noch Zeugnis von dem geistigen Adel, dem sie entstammt." Alexander Brodski verhaftet. Wie erinnerlich, versuchten anläßlich der großen Pogrome im Jahre 1905 die Hooligans auch das Haus des jüdischen Millionärs Brodski zu plündern. Die Söhne B r o d s k i's setzten sich jedoch zur Wehr und in dem verzweifelten Kampfe, in welchem auch die Familie Brodski arg zugerichtet wurde, wurde einer der Plünderer erschossen und ein anderer schwer verwundet. Ein Sohn des Millionärs, der Student Alexander Brodski, wurde seinerzeit unter Anklage des Mordes gestellt, nach durchgeführter Verhandlung jedoch freigesprochen. Die Antisemiten waren aber mit diesem Ausgange des Prozesses nicht zufrieden und setzten eine neue Untersuchung des Falles durch. Wie nun aus Kiew gemeldet wird, wurde Alexander Brodski, der gegenwärtig seine Militärdienstpflicht bei der Kavallerie in Kiew erfüllt, auf Anregung des Justizministers neuerlich in Haft genommen und unter Anklage gestellt. Ein verheißungsvoller Brief Zangwills. Heuer zum ersten Male feierten die Territorialisten Englands den „Jto"-Tag, den Gründungstag der territorialistischen Organisation. Aus diesem Anlasse gaben der Präsident der „British - Jto - Federation" Mr. M. A. Spielmann und Gemahlin in einem Festsaale des Great Eastern-Hotels einen Empfangsabend, zu welchem sich nahezu 800 Gäste eingefunden hatten. Nach einer Begrüßung der Erschienenen durch den Präsidenten wurde der folgende Brief Israel Zangwills, der von London abwesend ist, verlesen: „Lieber Herr Spielmann! Zu meinem großen Leidwesen ist es mir unmöglich, zu dem „Jto"-Tage, welchen Sie und Ihre Gemahlin zu arrangieren so liebenswürdig waren, in die Stadt zu kommen. Ich hoffe, daß der Festtag, den Ihre Federation initiiert hat, eine permanente Institution im Leben des jüdischen Volkes bleiben und binnen Kurzem nicht im Lande der Diaspora, sondern auf jüdischem Boden wird gefeiert werden. Sie wissen es ja ganz genau, wie kräftig gerade jetzt unsere Arbeit vorwärts geht und Sie können unseren Freunden ohne Zögern die Mitteilung machen, daß wir die begründete Hoffnung haben, daß unser Plan am Ende dieses Jahres eine definitive Form wird angenommen haben und daß, wenn dann das jüdische Volk seine Pflicht tun wird, kein Grund mehr vorhanden sein wird, weshalb. die ersten Schritte zur Kolonisation nicht noch vor der nächsten Feierdes „Jt o"-T a g e s in Angriff, genommen werden

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