Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 24 (12.6.1908)
- Date
- 1908-06-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seit« 438 Wv. Vlocv's MocvenscvrlN. Ar 24 Jüdische Emigration aus Galizien. Ueber die jüdische Emigration aus Galizien und Bukowina, die meist erheblich unterschätzt wird, unterrichten die folgenden Zahlen. Nach den Vereinigten Staaten allein kamen aus den östlichen Kronlandern Oesterreichs in den Jahren 1899 11.071, 1900 16.990, 1901 13 006, 1902 12.848, 1903 18.759, 1904 20.211, 1905 17.352, 1906 14.884, 1907 18.835 jüdische Einwanderer. Fürwahr, ein beredtes Zeugnis sür das immer mehr fortschreitende Elend und die Ratlosigkeit der galizischen Juden!_ Der vierte Esperanto - Weltkong' eß wird vom 16. bis 22. August 1906 in Dresden stattfinden. Er soll beweisen, daß es möglich ist, mittels einer leicht erlernbaren Kunstsprache sich mit vielen Nationen verschiedener Sprache zu verständigen. Sowohl bei den Gcichästssitzungen wie auch bei sämtlichen Festlichkeiten wird nur d'e Esperanto-Sprache benutzt werden. Nach der Zahl der vorliegenden Anmeldungen aus allen Weltteilen schätzt man die voraussichtliche Teilnehmerzahl auf 2000, und der komme ide Kongreß dürfte damit d e bisherigen drei Kongresse (19 5 1200, 1906 1400, 1907 — Cambridge — 1600 Teilnehmer) weit übertressen. Nicht nur die königlich sächsssche Regierung nimmt regen Anteil an dem Kongr-ß durch Ueberwcisung der Technischen Hochschule zu den GeschastLsitzungen, sondern auch der Rat der Stadt Dresden durch Unterrichtung von 24 Verkchrsbeamten in der Esperanto-Sprache. Diese Maßnahme erschien zweckmäßig. weil viele Ausländer — auch solche ans Indien, Japan — außer ihrer Muttersprache nur Esperanto als Vermittlungssproche benutzen. Ein deutsches klassisches Werk, die „Iphigenie auf Tauris" in die Esperanto-Sprache übertragen — soll bei jener Gelegenheit von Emanuel Reicher rezitiert werden. DerErfiuderdes Benzin-Automobils war jüdischer Abstammung. Wie die „Malchiner Zeitung" berichtet, wird dem Erfinder des Benzin-AutomobÜs an dessen Geburtshause eine Gedenktafel errichtet. Er bieß Siegfried Markus und wurde am 18. September 1831 in dem Nebenhause der Malchiner Apotheke als Sohn des Meklenburgischen israelitischen Oberrates Markus geboren. Er erlernte in seiner Heimat die Mechanik, ging dann nach Hamburg und fand 1848 eine Stelle bei der neugegründeten Firma Siemens und Halske in Berlin. Hier wurde er ein besonderer Günstling des großen Werner Siemens. Scii 1852 lebte Markus in Wien, wo er mehrere Jahre am Josephinum und im Chemischen Laboratorium von Prof. Ludwig tätig war. 1860 machte er sich in Wien selbständig. Vielerlei Apparate gingen aus seiner Werkstätte hervor. Für seine Thermosäule erhielt er von der Akademie die große Goldene Medaille und 200 fl. Für einen Telegraphen des Feldzuges 1870—71 wurde ihm eine Anerkennung des Generals von Blumenthal zuteil. Sein erstes Benzin-Automobil, das 1675 fertiggestellt wurde, befindet sich noch gegenwärtig im Besitz des Wiener Automobilklubs. Eine Zeitlang hielt man Markus für einen Frankfurter, doch wurde dieser Irrtum durch seinen Wiener Testamentsvollstrecker aufgeklärt. Der Erfinder der atmosphärischen Eisenbahnen d. h. derjenigen, bei denen der Druck der Luft die bewegende Kraft bildet, war ein Jude, der Maschinist Jakob Samuda, was gewiß nur wenigen bekannt ist. Derselbe wurde am 2^. August 1811 geboren und starb in jungen Jahren am 13. November 1844. Er versuchte zuerst im Jahre 1839' in der Nähe von London bei Wormwood-Strubs nach eigener Erfindung eine Eisenbahn, welche durch atmosphärische Luft getrieben wurde; dann baute er Anfangs 1844 die etwa drei Kilometer lange Linie zwischen Kingstown und Daskey Dieser Versuch übertraf alle Erwartungen so sehr, daß er bald in England und Frankreich nachgeabmt wurde. Leider starb der begabte Techniker noch in demselben Jahre, und zwar durch eine-zweite Erfindung, eine Maschinerie in einem eisernen Dampfboot, die ihm und sechs anderen das Leben kostete, indem beim ersten Versuche die Unvorsichtigkeit eines Arbeiters das Ausströmen des Dampfes in den Raum, wo ste standen, herbeiführte, so daß sie erstickten. Aber Samudas Arbeit besteht undsein Name wird immer in Ehren gehaltenwerden, denn auf dem von ihm entdeckten Prinzip beruht ja auch die spätere Erfindung der pneumatischen Bahnen und des Rohrpostbetriebes. Korrespondenzen. Eine Sparkasse der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Vor ungefähr einem halben Jahre hat der Finanzreferent der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Herr Max Frank die Anregung zur Gründung einer jüdischen Gemeindesparkasse unter der Patronanz des Kultusvorstandes gegeben. Ich habe kurz darauf zu dieser Gründung Stellung genommen und mein damaliger Pessimismus bezüglich der Initiative der Herren aus dem Vorstande war leider berechtigt. Die Herren Vorstände glauben noch immer, daß die Kultusgemeinde nur bloß dazu da ist, sür den Kultus und die Wohltätigkeit zu sorgen; sie würden sonst über die so leicht durchführbare Idee des Herrn Frank nicht mit Stillschweigen hinweggehen. In der Stadt Wien, wo so viele Sparkasseninstitute geradezu glänzende Erfolge aufzuweisen haben, wo es außer Parteiinstituten, wie zum Beispiel der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien, die ihren antisemitischen Charakter gewiß nicht verleugnet, noch nationale Institute gibt, kann und muß eine Sparkasse, die zwar nicht ihren jüdischen Namen unbedingt deklariert, aber für jüdische Interessen sorgt, ganz gut reüssieren. Allerdings müssen, wie ich bereits in meinem ersten Artikel betont habe, die bekannten Wiener jüdischen Finanzmänner, über deren Tüchtigkeit kein Zweifel herrscht, dieses Werk nicht so viel mit ihrem eigenen Geld'e, als mit ihrer schätzbaren Mitarbeiterschaft unterstützen. Wir haben in Wien trotz der allgemeinen Verarmung der jüdischen Bevölkerung noch eine ganz große Gruppe von Personen, die in der Lage sind, größere Beträge sür längere Zeit fest anzulegen. In verschiedenen kleineren und größeren kaufmännischen Berufen kommt es sehr oft vor, daß die Herren ihren Geschäfts- und Wohnungszins, der ja in Wien bekanntlich halbjährig entrichtet wird, jeden Monat in die Sparkasse tragen, damit sie zum Zinstermin nicht den ganzen Betrag aus ihrem Geschäfte entnehmen müßten. In jeder jüdischen Familie, die nur halbwegs besser situiert ist, trachtet die Hausfrau von ihrem Wirtschaftsgelde kleine Ersparnisse zu machen. Die Kinder, die schon mit dem Beginn des Schulunterrichtes ebenfalls zu sparen anfangen, würden sehr leicht dazu zu haben sein, ihre Gelder statt der erwähnten Institute, dem Institute zu geben, das alljährlich von seinem Reingewinne einen Teil nicht antisemitischen, deutschnationalen oder tschechischen Zwecken, sondern dem jüdischen. Spitale, Siechenhaus und anderen Wohltätigkeitsvereinen, an denen in Wien kein Mangel herrscht, zur Verfügung stellt. Wenn die jüdischen Finanzmänner, die im Vorstande ziemlich stark vertreten sind, und auch diejenigen, die außerhalb desselben sind, die aber sür die wirtschaftliche Hebung des Judentums Verständnis haben, ernstlich daran gingen, ein solches Institut ins Leben zu rufen, sie könnten sehr bald einen Modus finden, in welcher Weise man dasselbe errichten könnte, ohne daß sich die Herren zu sehr exponieren müßten. Bei allen Nationen und politischen Parteien bemerken wir, daß sie auf die Errichtung und Erhaltung von Geldinstituten das Hauptgewicht legen, weil sie einsehen, daß die wirtschaftliche Stärkung die Nation oder die Partei eher erhalten kann, als noch so viele Mandate in den öffentlichen Körperschaften. Es war also eine glückliche Idee des Herrn Frank, dieses Thema vor das geeignete Forum zu bringen, und nun ist es jetzt seine Pflicht, aus der Idee eine Tatsache zu machen. Herr Frank darf sich nicht von einem oder dem anderen seiner Kollegen im Vorstande einschüchtern lassen, daß die Gründung eines rein jüdischen Institutes in Wien unmöglich ist, denn wenn es möglich war, daß zwei tschechische Institute in Wien in kurzer Zeit so große Erfolge zu verzeichnen haben, so ist es auch leicht möglich, ein von Juden für Juden gegründetes Institut zu erhalten. I. G r o b t u ch. Der jüdische Abgeordnetenklub. Der jüdische Klub hat in seiner Sitzung vom 4. d. M. einstinrmig folgenden Beschluß gefaßt: Angesichts der vom Herrn Abg. Dr. Heinrich Gabel dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses abgegebenen Erklärung, sowie angesichts der im Hause niehrfach geübten Gepflogenheit erachtet der Klub die Angelegenheit der durch den genannten Herrn Abgeordneten überreichten Interpellation als vollkommen geklärt und erledigt. Gleichzeitig wird festgestellt, daß die Stellungnahme der Herren Abgeordneten