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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-05 · 23 (5.6.1908) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 424 Nr. Llocd s MocbenscvrM. Nr. 23 Ankauf in der jüngst abgehaltenen Ausschutzsitzung genehmigt wurde. Der Grund hat eine Ausdehnung von 25 Joch, wird vom Rakosbach durchquert und seit Jahren von bulgarischen Gärtnern bearbeitet, er ist daher zum Gartenbau vorzüglich geeignet. Auf demselben soll eine den modernen Anforderungen entsprechende Gärtnerei unter der Leitung eines hervorragenden Fachmannes angelegt, ferner zu Lehrzwecken eine kleinere Landwirtschaft eingerichtet und ein zur Aufnahme von mindestens 100 Zöglingen entsprechendes Jnstitutshaus (Lehrlingsheim) errichtet werden. Die Gesamtkosten dieser Anlage sind auf 300.000 Kronen präliminiert, welche zum Teile durch Sammlung von Stiftungen und Spenden beschafft werden sollen. Zu diesem Zwecke hat Baron Moriz Herzog bereits eine Stiftung von 60.000 Kronen auf den Namen feiner verstorbenen Mutter angcmeldet. Berlin. Wie populär die Institution des Kindergartens, die für den Orient eine in mannigfacher Richtung ungemein wichtige Mission zu erfüllen hat — in der kurzen Zeit ihres Bestehens speziell in Palästina geworden ist, dafür liefern die folgenden Mitteilungen einen höchst erfreulichen Beweis. Der Zudrang zu den 3 Kindergärten des Hilfsvereines der deutschen Juden in Jerusalem war zu Beginn des neuen Schuljahres nach Ostern so stark, daß nicht allen Gesuchen um Aufnahme entsprochen werden konnte. Hunderte von Müttern füllten, wie man uns aus Jerusalem mitteilt, Hof und Straße vor den Lokalen der Kindergärten, um ihre Kinder anzumelden. Die Frauen, deren Kinder aus Mangel an Raum nicht ausgenommen werden konnten, verließen weinend das Haus. Die drei Kindergärten des Hilfsvereines in Jerusalem zählen jetzt 450 Zöglinge. Der dritte Kindergarten ist aus der Montefiore-Kolonie in die Stadt verlegt worden. Zum ersten Male ist damit überhaupt ein Kindergarten im Innern der Stadt eröffnet worden. Besonders bemerkenswert und ein sehr bedeutsames Zeichen für den Fortschritt, den das moderne Erziehungswerk in Palästina macht, ist es, daß unter den Neuaufgenommenen sich allein 110 Knaben befinden, die in früheren Zeiten den Cheder besucht hatten. Aus dieser Schar wird die moderne Schule das beste Schülermaterial erhalten. Die Segnungen, die die moderne Schule und das Fundament, auf dem der Hilfsverein der deutschen Juden sie aufbaut, der Kindergarten, für die junge Generation mit sich bringt, werden von der Bevölkerung von Tag zu Tag mehr empfunden und gewürdigt. Lord Swaythlings jüngste Rede über religiöse Tagesfragen. London, 16. Mai 1908. Gestern fand im „Jewish Working Men's Club" eine Sitzung der „Federation of Synagogues" statt. Den Vorsitz führte der Präsident der Federation Lord Swaythling (Montague). Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolles der letzten Vorstandssitzung erhob sich Präsident Lord Swaythling, um die folgenden bedeutsamen Mitteilungen zu machen: Betreffend das Gesetz über die Sonntagsruhe berichtet der Lord über die Annahme des Aveburyschen Antrages im englischen Unterhause, gegen welchen er mit aller Energie eingetreten' sei. Seine Verteidigung des Rechtes der Juden auf die Heiligung des Sabbaths an Stelle des Sonntags habe die Sympathien zahlreicher Bischöfe, unter ihnen auch des Bischofs von Canterbury, gefunden. Er erhielt von Seite der Regierung die Versicherung, daß im laufenden Jahre in dieser Angelegenheit nichts werde unternommen werden und im kommenden Jahre sein Amendement, „daß Juden, welche ihre Geschäfte von Freitag vor Sonnenuntergang bis Samstag nach Sonnenuntergang geschlossen halten, berechtigt seien, am Sonntag ihre Geschäfte bis 4 Uhr nachmittags offen zu halten", einer neuerlichen Beratung unterzogen werden würde. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen spricht der Lord sein Bedauern darüber aus, daß es ihm bis heute nicht gelungen sei. einen Mann zu finden, der geeignet wäre, den Posten eines Oberrabbiners der „Federation of Synagogues" auszufüllen. Das Projekt der Bestellung eines orthodoxen Oberrabbiners für London werde von mancher Seite bekämpft, doch verstecken sich die Meisten seiner Angreifer hinter der Anonymität. Er scheue wohl, wie bekannt, nicht den Kampf, doch müsse mit offenem Visier gekämpft werden. Schließlich trat Lord Swaythling für die Errichtung und Förderung von Talmud-Thora-Schulen ein und schließt seine mit großem Beifall aufgenommene Rede mit folgendem Appell: Die Talmud-Thora-Anstalten werden heute als fremde, wertlose Institute betrachtet, aber es wird die Zeit kommen, wo sie eine führende Rolle spielen werden. Laßt uns die Erziehung unserer Kinder im Allgemeinen nicht vernachlässigen und nicht ein frivoles Spiel treiben mit ihrer religiösen Erziehung, die nicht Freidenkern überlassen werden darf. Die Grundpfeiler unserer Thora, die Zehngebote, müssen auf das Fundament der Erziehung unserer Kinder bilden. Die Spesennote Zangwills im Bankprozesse. Die Rechtsanwälte Israel Zangwills und seiner Freunde im Prozesse gegen die Aenderung der Statuten der „Jüdischen Kolvnialbank" wendeten sich dieser Tage an den Ehrensekretär der Londoner „Jto "-Zentrale, Mr. Clement I. Salaman, mit der Anfrage, welchen Standpunkt sie in der Aufstellung der Spesennote einzunehmen haben. Hierauf erhielten die Rechtsanwälte Emanuel Roundy und Nathan von Israel Zangwill folgende Antwort: London, 24. Mai 1908. Geehrte Herren! Mr. Salaman hat mir Ihr Schreiben vom 20. d. M. übermittelt. Was Herrn Uraiassohn aus Grodno betrifft, so scheint Mr. Salaman in seinem Bestreben, die Kosten des Prozesses auf ein Minimum zu reduzieren, übersehen zu haben, daß Herr Uriassohn anläßlich der ersten Verhandlung in Vertretung einiger lausend russischer Aktienbesitzer von Grodno nach London reisen und sich infolge der Verschiebung der Tagsatzung zwei Wochen lang in . London aufhalten mußte. Obgleich ich nun zugebe, daß seine Ansprüche auf Kostenersatz vollkommen gerechtfertigt erscheinen, hoffe ich, daß sie so mäßig als möglich berechnet werden. Was meine persönlichen Kosten betrifft, so verbleibe ich bei meinem Entschlüsse, die zionistischen Fonds nicht um einen Deut zu verkürzen, weil ich, obgleich ich, wie Ihnen bekannt, der ganzen Angelegenheit, die dreimal vor Gericht stand, während drei Monaten einen großen Teil meiner Zeit und meiner Energie gewidmet habe, mich damit zufrieden gebe, daß es mir gelungen ist, die Zukunft des Zionismus zu retten. Hochachtungsvoll Israel Zangwill. Aus der territorialistischen Bewegung. Vorige Woche fand in New Court bei London eine Sitzung des „Emigration Regulation Departements der Jto" statt, an welchem die folgenden Herren teilnahmen; O. E. d'Avigdor-Goldsmid, Hermann M. Kisch, Carl Stettauer, Alfred I. Waley, Lucien Wolf, Israel Zangwill, Leopold de Rothschild (Ehren-Schatzmeister) und Clement I. Salaman (Ehrensekretär). Sowohl der von Mr. Salaman verlesene Tätigkeitsbericht, als auch der von Leopold de Rothschild vorgelegte finanzielle Bericht wurden einstimmig zur Kenntnis genommen. In Lecuwanden (Holland) wurde dieser Tage eine aus zahlreichen Mitgliedern bestehende „Jto"-Gruppe ins Leben gerufen. Es ist dies die dritte „Jto"-Vereinigung in Holland. London. Am 21. d. M. ist hier im 92. Lebensjahre einer der angesehensten Männer unserer Gemeinde, der Rev. Dr. Albert L o e w y gestorben. 68 Jahre hat dieser Mann in London gelebt und gewirkt, feine Beliebtheit war eine allgemeine. Mögen andere sein Lebensbild ausführlicher darstellen, ich begnüge mich mit den folgenden kurzen Notizen. Albert L o e w y wurde am 10. Dezember 1816 in Aussee in Mähren ge-

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