Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 23 (5.6.1908)
- Date
- 1908-06-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021764-3021788--17403-3042275- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 23 sr. Llocb's Mocvenscdrin. Seite 433 des Krakauer Gemeinderates brachte der jüdische Gemeinderat Dr. Rafael Landau die Sache wieder zur Sprache und stellte einen formellen Antrag auf Abstellung dieser Ungesetzlichkeit. Diesmal wurde endlich der Antrag angenommen und der Magistrat beauftragt, die nötigen Schritte zur Durchführung des Beschlusses einzuleiten. Ob sich der Magistrat beeilen wird, dies zu tun, ist freilich eine andere Sache. Oeffentliche Judentaufen in einer Schule. Das Wegtaufen jüdischer Schülerinnen nimmt in Galizien iu einer Weise überhand, daß es schon höchste Zeit wäre, diesen übereifrigen Lehrerinnen das seelenfängerische Handwerk zu legen. Was uns jedoch jetzt aus Sokal in Galizien gemeldet wird, übersteigt schon die Grenzen des Erträglichen. Vorige Woche wurde eine jüdische Schülerin der dortigen Mädchenschule der Taufe zugeführt. Der Taufakt wurde mit großer Feierlichkeit in dem Lehrzimmer der Schule in Gegenwart der ganzen Klasse vorgenommen. Die Schulleiterin wendete sich nach Schluß des Aktes an die jüdischen Schülerinnen der Klasse mit den Worten: „Seht ihr, was ein braves, folgsames Kind tut? Auch aus euch könnten brave Christen werden, wenn ihr nur vernünftig sein und Verstand haben wolltet, so könntet ihr. dasselbe auch leicht ausführen." Noch am selben Tage haben mehrere jüdische Eltern ihre Kinder aus der Schule herausgenommen. Aber hiebei sollte es nicht sein Bewenden haben, man müßte endlich einmal mit aller Energie gegen den Unfug der galizischen Lehrerinnen und ihre Helfershelfer auftreten. Jubiläurrrs-Versammlung des mährischen Kantoren- Vereines. ' Am Sonntag den 24. Mai l. I. hielt der Mährische Kantoren-Verein im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde zu Brünn seine diesjährige Hauptversammlung ab, die mit einer Huldigung für unseren Kaiser verbunden war. Um 4 Uhr eröffnete der Präses des Kantorenvereines Herr Oberkantor Josef Heller die Versammlung und wies nach einer Begrüßung der Gäste darauf hin, wie dieser Verein vor 10 Jahren aus Anlaß des fünfzigjährigen Jubiläums des Monarchen gegründet wurde. Seine Rede feierte den Kaiser, dessen sechzigjähriges Jubiläum in diesem Jahre die Völker der Monarchie begehen, als Beschützer und Beschirmer der Bedrängten. Der Redner betonte, wie auch den Kantoren durch das Gesetz vom Jahce 1890 eine würdige Stellung als Religionsdiener eingeräumt wurde, und schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät, in das die Versammelten begeistert einstimmten. Ein von einem Männerquartett stimmungsvoll vorgetragener Jubel-Psalm, komponiert von Herrn Oberkantor Joses Heller, folgte dieser Huldigung, die auch ihren Ausdruck in einem an die Allerhöchste Kabinettskanzlei abgesandten Telegramme fand. Den Abend verbrachten die Kantoren und ihre Gäste im Theater. Für die Vorstellung der Madame Butterfly" hatte Herr I. Vizebürgermeister Rudolf M. R o h r e r in freigiebigster Weise Herrn Oberkantor Heller einige Logen zur Verfügung gestellt, wofür ihm an dieser Stelle der herzlichste Dank dargebracht wird. Nach der Vorstellung versammelten sich die Teilnehmer an der Versammlung und ihre Gäste im Restaurant Donath, wo man im angeregten Gespräche noch einige vergnügte Stunden verbrachte. Diese Zusammenkunft wird gewiß allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben. Zmigrod. Löbliche Redaktion! Gestützt auf Ihre allgemeine Güte und Großmütigkeit, mit dem edlen Bestreben, den Bedrängten und Notleidenden mit Rat und Tat beizustehen, bin ich so frei, Sie mit nachfolgender inständigen Bitte zu belästigen. Am 7. v. M., vormittags, begab sich mein sel. Mann Pinkas Wolf Siendel, Eierhändler aus Zmigrod, mit einer Barschaft von 70 Kronen nach dem 2 Kilometer von Zmigrod entfernten Dorfe Toki, um seinem gewohnten Geschäfte nachzugehen. Eine halbe Stunde später kam ein Bauer zu dem jüdischen Inhaber der in der Nähe befindlichen Schenke mit der Nachricht, daß kaum 50 Meter entfernt auf dem Wege ein Jude erschlagen liege. Hastig begab sich der Wirt mit noch einem Juden zu der bezeichneten Stelle, wo sie wirklich meinen ihnen bekannten Mann Pinkas Wolf Siendel in einem entsetzlichen Zustande vorfanden; derselbe gab noch Lebenszeichen von sich. Die rechte Hand hielt der Unglückliche in der Tasche und auf die seitens der Juden an ihn gerichteten Fragen antwortete er mit ersterbender Stimme in polnischer Sprache: „Um Gotteswlllen gebet mir Ruhe". Es wurde bei ihm nur der kleine Betrag von 36 Hellern vorgefunden. Die Juden brachten den Bewußtlosen nach Zmigrod, wo man ärztliche Hilfe herbeiholte, die jedoch leider ohne Erfolg blieb, da der Arme bald darauf die Seele aushauchte. Die Anzeige wurde sofort bei der Behörde erstattet, die Gendarmerie nach allen Richtungen hin behufs Eruierung des Mörders entsendet, was aber bis nun noch nicht gelungen ist. Mein ermordeter Mann war 38 Jahre alt und hinterließ mich mit 6 unmündigen Kindern ganz mittellos, so daß wir leider vor Hunger und Entbehrung darben müssen. Unser Schmerz und Elend sind herzzerreißend und ganz unwillkürlich finde ich keinen andern Ausweg, als die Barmherzigkeit der Mitmenschen in Anspruch nehmen zu müssen, nachdem die Not den höchsten Gipfel erreichte. Wohl bewußt, daß mir vermittelst Ihres bewährten Einflusses und werten Intervention Hilfe zuteil werden kann, n hme ich mir die Freiheit, Sie inständig zu bitten, an die Barmherzigkeit der geehrten Leser Ihres geschätzten Blattes zu appellieren, mein Elend mit bescheidenen Unterstützungen einigermaßen zu lindern oder auch solche als Sammlung an die löbliche Redaktion Ihres geschätzten Blattes oder an den israelitischen Kultusvorstand in Zmigrod für mich gefälligst zukommen zu taffen. Für diese Wohltat wird der Allmächtige sicherlich vielfach vergelten, da das Leben einer der Verzweiflung verfallenen Witwe mit ihren Kindern hiedurch gerettet wird, die sich dann einem kleinen Geschäfte wird widmen können. In der angenehmen Hoffnung der Gewährung meiner inständigen Bitte sehe ich einer geschätzten Nachricht entgegen und zeichne, den verbindlichsten Dank im voraus aussprecheud, mit besonderer Hochachtung ergebenst Jenty Siendel Zmigrod (Galizien), 20. Mai 1908. Von Seite des gefertigten israelitischen Kultusvorstandes wird Obiges hiemit wahrheitsgetreu bestätigt und wird die arme bedauernswerte Witwe zur allgemeinen erbarmungsvollen Berücksichtigung warmstens anempfohlen. Zmigrod den 20. Mai 1908. Der Präsident. Der „liberale" Budapester Magistrat. Der Vorstand der Pester israelitischen Kultusgemeinde richtete an die Stadtbehörde das Ersuchen, vor dem neuen Tempel an der Arenastraße ein geräuschloses Pflaster legen zu lassen. Das Jngenieuramt beantragte dem Magistratskollegium, das Gesuch abzulehnen, „da der jüdische Gottesdienst — wie allgemein bekannt — so lärmend sei, daß ihm der von der Straße eindringende Lärm nichts schade." Auf Grund dieser sonderbaren Motivierung wies der Magistrat das Gesuch der Kultusgemeinde ab Wie sehr es, so schreibt das „Neue Pester Journal", dem Beschluß der Stadtbehörde an Konsequenz mangelt, beweist wohl nichts eklatanter, als daß vor sämtlichen Gotteshäusern der Hauptstadt, bei welchen die Möglichkeit des Eindringens des Straßenlärms überhaupt geboten, geräuschloses Pflaster gelegt ist, natürlich auch vor den Tempeln in der Tabak- und Rombachgasse. Doch Konsequenz war niemals die starke Seite der Stadtleitung. Es steht außer jedem Zweifel, daß die hauptstädtische Repräsentanz, die seit jeher den Konfessionen gegenüber das größte Entgegenkommen bekundet, die Gelegenheit wahrnehmen wird, den Verstoß des Magistrats, der auf Grund eines taktlosen Vorgehens des Jngenieuramtes erfolgt ist, zu korrigieren. Israelitische Gartenbauschule in Budapest. Der ungarische, israelitische Handwerks- und Ackerbauverein, welcher seit seinem 65jährigen Bestände viele Jünglinge zu tüchtigen Handwerkern ausbilden ließ, hat in den letzten Jahren die Verwirklichung seines auf den Ackerbau bezüglichen Programmes energisch in Angriff genommen. Seit 1901 find aus dem Vereine 50 Ackerbauzöglinge hervorgegangen, die nach einjähriger Probepraxis in staatlichen Ackerbauschulen ausgebildet wurden und dann in landwirtschaftliche Dienste traten, wo sie sich als sehr verwendbare Arbeitskräfte bewähren. Diese Erfolge, deren Wert noch dadurch erhöht wird, daß die zum Ackerbau herangezogenen Knaben eine sehr erfreuliche körperliche Entwicklung aufweisen, haben den Vereiu bestimmt, auch den Gartenbau in den Bereich seiner Wirksamkeit zu ziehen und zu diesem Zwecke in der Hauptstadt eine Gärtnereianlage zu errichten. Nach vielfachen Bemühungen ist es nunmehr gelungen, für diese Anlage in der Nähe der Bahnstation Rakos ein geeignetes Grundstück zu finden, deffen