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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-05 · 23 (5.6.1908) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 23 Dr Lloeb's MacbenscdriN. Sette 435 boren, er studierte in Wien und Prag, wo er ein Schnür Steinschneiders war. 1842 wurde er als Prediger der hiesigen Reformgemeinde angestellt, und in dieser Stellung hat er 50 Jahre hindurch, bis 1892, eine wahrhaft erfreuliche und segensreiche Tätigkeit entwickelt. Außerdem war Loewy von 1871 bis 89 Sekretär der Anglo Jevvish Association und auch hier hat er sich als ein vorzüglicher Mitarbeiter an dem großen Werke dieser Gesellschaft bewährt. Seine Mußestunden benutzte der Verstorbene für gelehrte Studien auf dem Gebiete der jüdischen Literatur und Bibliographie. Albert Loewy war ein vorzüglicher Prediger, ein tüchtiger Pädagoge und ein edler Mensch, dem jeder, der ihm einmal.nahe getreten, eine dankbare Erinnerung bewahren wird. Sein Andenken sei gesegnet! Der russische Justizetat und die Juden. Auch die Beratung über das Budget des Justizministeriums bot der Duma Gelegenheit, sich mit der Judenfrage zu beschäftigen. Der der Partei der „friedlichen Erneuerer" angehörende Deputierte Sokolow brachte das Verhalten der russischen Justizverwaltung den Pogromen gegenüber zur Sprache. „Wir wissen alle," führte Sokolow unter Anderem aus, „daß es bei uns gewisse Verbrechen gibt, wegen welcher gewisse Personen vom Gerichtshof, vom Richter oder den Geschwornen verurteilt werden. Diese Personen haben die Verbrechen durch Mord, Plünderung und Raub begangen, also gewiß eine Strafe verdient. Und dennoch hat der Justizminister für diese Verbrecher eine Begnadigung verlangt und auch erwirkt. (Stürmischer Beifall links. Höhnisches Lachen rechts.) Ich brauche wohl für meine Behauptungen keine Beweise anzuführen und auch keine Namen zu nennen, denn jedes Kind weiß es, daß diese Ungerechtigkeiten schon seit zwei Jahren ununterbrochen Tag um Tag begangen werden . . . Niemand hat es gewundert, daß Purischkewitsch, der russische Haman, in seiner grenzenlosen Frechheit die Pogromhelden in Schutz nahm, die doch sicherlich unschuldige Opfer der Juden waren, sonst würde mau sie doch nicht schließlich begnadigt haben ..." Der „jüdische Caruso". In Pittsburg (Amerika) erregt die Entdeckung eines jungen jüdischen Heldentenors großes Aufsehen. Es ist der 17jährige Harry Sokolski, der noch bis vor Kurzem teils als ZeitungScamelot, teils als Stiefelputzer ein kümmerliches Dasein fristete und heute, wie amerikanische Blätter versichern, ein fünfjähriges Engagement an die Metropolitan Opera House, an welcher musikalische Größen, wie Gustav Mahler und Caruso wirken, in der Tasche hat. Sokolski hat sich durch seine phänomenale Stimme und sein musikalisches Talent bereits den Namen „der jüdische Caruso" erworben. Vor drei Jahren erweckte Sokolski die Aufmerksamkeit des Pittsburger Kantors Grafmann, der ihn zu sich ins Chor nahm und ihn später von einem bekannten Musiklehrer und Gesangsmeister namens Stewenson ausbilden ließ. Als Caruso vor einiger Zeit mit der Metropolitan-Gesellschaft in Pittsburg gastierte und von dem jungen Manne hörte, ließ er ihn zu sich kommen und einige Lieder fingen. Caruso soll nun von dem Gesang des jungen Sokolski so entzückt gewesen sein, daß er sein Engagement an die erste amerikanische Oper durchsetzte, Sokolski spricht noch immer ein gebrochenes Englisch und äußerte sich einem Reporter gegenüber, daß er nicht begreife, wie er Caruso gefallen konnte, da er „nicht disponiert und sehr aufgeregt gewesen sei". Interessant ist es, daß die Mutter Sokolskis die Berufsänderung ihres Sohnes bis zur letzten Minute zu verhindern suchte, weil sie befürchtete, durch die glänzende Karrivre ihren Sohn zu verlieren. New-Dork. Die Tageszeitung „The Newyork Globe" berichtet: Herr Dr. Jakob Klatzkin, Vertreter des Hilfsvereincs der Deutschen Juden in Bremen, ist nach New-Iork gekommen, um die Landungsbcstimmungen und die Lebensbedingungen der immigrierten Judenheit zu studieren. Er wird mit mehreren jüdischen Korporationen hier Konferenzen abhalten und einige Referate lesen. Der Kommissionär Watehorn auf Ellis-Jsland, von welchem Herr Dr. Klatzkin in Begleitung der Herren Barondeß, Sekretär der Federation of Jewish Organisation, und Mafson, Sekretär der Hebrew Immigrant Aid Society, empfangen wurde, gab seiner Freude Ausdruck, als er von Herrn Dr. Klatzkin vernahm, daß der Hilfsverein der Deutschen Juden stets bestrebt ist, in den Emigrationsländern genaue Informationen über die Landungsbedingungen zu verbreiten, um den verhängnisvollen Deportationen vorzubeugen. Während des Lunchs äußerte sich der Konnnissionür sehr Lobend über die jüdischen Immigranten. Ein Bankett seitens der Hebrew Immigrant Aid Society zu Ehren des Herrn Dr. Klatzkin gestaltete sich, laut „American Hebrew", zu einer imposanten Sympathiekundgebung der hiesigen jüdischen Immigrations- Gesellschaften für die segensreiche Wirksamkeit des Hilfsvereines. Außer den Direktoren der genannten Societes nahmen an diesem Bankett unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Blumstein, Superintendent of Educational Alliance, auch folgende Repräsentanten jüdischer Institute teil: Cyrus L. Sulzberger, Präsident des Removal Office; Dr. Leo K. Fränkel, Leiter der United Hebrew Charities; Professor Sabrowitch, Leiter des Baron Hirsch Fund. Mr. Cowen erzählte über die ersprießliche Arbeit des Hilfsvereines, welche er vor einigen Jahren auf seiner im Aufträge der Regierung nach Deutschland, Oesterreich und Rußland unternommenen Informationsreise zu beobachten Gelegenheit hatte. Mr. Sulzberger sprach über die Notwendigkeit einer Ablenkung des Emigrationsstromes von New-Iork und begrüßte die Galvestonarbeit, in welcher er mit Herrn Doktor Klatzkin kooptiert sei. Das „Morgen Journal" in New-Iork veröffentlicht ein Interview mit Herrn Dr. Klatzkin. Wenn man in Europa, äußerte sich Herr Dr. Klatzkin, von der Emigration nach Amerika spricht, habe man gewöhnlich den schwärmenden Auswanderer vor sich, über den der fixierte ansässige Immigrant vergessen wird. Diesen zu studieren, sei der Zweck seiner Reise. Und er habe über ihn einen sehr günstigen Eindruck gewonnen. Es sei nur ein unbedeutender Perzentsatz der Immigranten, welcher der Wohltätigkeit zur Last falle. Abgesehen von der Frage der jüdischen Uebervölkerung in New- Dork, die vielleicht im Laufe der Zeit bei Nachlassen der Emigration von sich aus ihre Lösung finden würde, gebe es ein sehr schwieriges Problem: die Erziehung der Kinder von Immigranten in nationalem Sinne, da die Assimilation in diesem freien Lande stillschweigend vor sich gehe und daher gefährlicher als die europäische Assimilation sei. H.'rr Dr. Klatzkin benutzte seinen Aufenthalt in Amerika, um Stimmung für die Schaffung eines „Jewish International Committee" zu schaffen. Ein auf Veranlassung des Herrn Doktor Klatzkin einberufenes Meeting, an welchem unter Anderen die Herren Dr. Blaustein, Dr. Lee, K. Fränkel, Professor Rich. Gotteil, Professor Friedländer, Mr. Samuel Straus teilnahmen, akzeptierte einstimmig das von Herrn Dr. Klatzkin vorgelegte Projekt eines International Jewish Commitee und beschloß, in Gemeinschaft mit dem American Jewish Commitee, der repräsentativen Körperschaft der amerikanischen Judenheit, für die Verwirklichung dieses Projektes zu arbeiten. Kolonralbankdirektor Cowen in New HorE. Der bekannte Führer der älteren zionistischen Generation Englands, Direktor der jüdischen Kolonialbank Josef Cowen, ist vor einigen Tagen in New-Iork angekommen. Den Reportern gegenüber, die ihn gleich bei seiner Ankunft nach amerikanischer Sitte interviewten, äußerte Mr. Cowen, daß seine Reise nicht den Zweck habe, eine Filiale der Bank in Amerika zu gründen, es sei denn, daß der erste Schritt hiezu von den New-Mrker Zionisten selbst gemacht würde. Bisher sei dies nicht geschehen; überhaupt lasse die Unterstützung der zionistischen Fonds seitens der amerikanischen Zionisten viel zu wünschen übrig. Bezüglich des Prozesses wegen Aenderung der Bankstatuten meinte Herr Cowen: Ich kenne wohl noch nicht das Urteil in dieser leidigen Affaire, aber ich würde es für ein Unglück halten, wenn der Aenderung der Bankstatuten nicht stattgegeben würde. Ter ganze Prozeß war überflüssige Geldverschwendung. Es ist überflüssig.

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