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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-05 · 23 (5.6.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 422 Dr. Vlocv's Miocdenscvrrrr. Nr. 23 infolge Platzmangels bis aufs Weiteres unerledigt bleiben mußten. Da nahte das Jahr 1908 und wieder rüstete die Bevölkerung des Reiches, um dem allgeliebten Landesvater zu feinem 60jährigen Regierungsjubiläum ihre Huldigung darzubringen. lieber ausdrücklichen Wunfch des erhabenen Monarchen sollte auch dieser Jubiläumsakt nur durch Werke der Humanität und Menschenliebe, durch das Jnslebenrufen gemeinnütziger Wohlfahrtseinrichtungen zum Ausdruck gelangen und seine Weihe erhalten. Bekanntlich fiel diese den edelsten Motiven entsprungene Inspiration des greisen Herrschers auf fruchtbaren Boden und zeitigte allerorts heilbringende Saaten. Dies möchte denn auch eine edle Wohltäterin und humane Menschrnfreundin, eine der vornehmsten Wiener Damen, Frau Ernestine Thorsch veranlaßt haben, zur bleibenden Erinnerung an das 60jahrigc R.'Zierungsjubiläum des Kaisers die Summe von 600.000 K zur Erweiterung reist für einen Zubau am Wiener israelitischen Siechenhause zu widmen. Dank der Intervention des Kultusvorstandes und dem rastlosen Bemühen der Sektionsmitglieder für das Altersversorgungs- und Siecbenhaus, an deren Spitze Hofrat Dr. Benjamin Rappaport und die Präsidentin des Damen-Komitees Frau Jda Diamant stehen, gelang es alsbald, den Plan für den Zubau auszuarbeiten, mit dem Aufbau desselben ungesäumt zu beginnen, so daß derselbe bereits dieser Tage eingeweiht werden und seiner Bestimmung übergeben werden konnte. In der Seegaffe, einer stillen, geräuschlosen, abseits vom Getriebe und Getümmel der Großstadt liegenden Verkehrsader des IX. Bezirkes, dort, wo früher das israelitische Hospital sich befand und an deffen Stelle im Jahre 1690 das jetzige Altersversorgungshaus erstand, dort hat auch das Siechenhaus seinen Platz gefunden, dort erhebt sich dieses nunmehr erweiterte Anstaltsgebäude, um im wlzen Bewußtsein, der hehren Menschenliebe gewidmet zu sein, dem ebenbürtigen, nachbarlichen Schwesterinstitute sich anzugliedern. Ist man durch das Vestibüle ins Hochparterre des im neuesten Style italienischer Renaiffance aufgeführten dreistöckigen Versorgungshauses getreten, so begrüßen den Besucher die wohlgelungene, seelenvoll gehaltene aus Carraramarmor geformte Büste Sr. Majestät des Kaisers, sowie zahlreiche Jnschriftentafeln, auf denen in goldenen Lettern der Gründungsanlaß, sowie die Namen der Persönlichkeiten verzeichnet sind, die dem Jnsledentreten und dem Aufbau der Anstalt in hervorragender Weise ihre Mitwirkung angederhen ließen. Von hier aus gelangt man durch einen Korridor zu der im Parterre und vom Stiegenhaus zu der in den Stockwerken des rechtsseitigen Teiles der Anstalt befindlichen Siechenabteilung, woselbst in einem sogenannten Tagraume des Zubaues gleichfalls zwei Jnschriftstafeln angebracht sind, deren eine den Namen der hochherzigen Spenderin, die andere die Namen zweier Philanthropen, des Herrn Rudolf Auspitz und der Frau Elisabeih Ungar, aufweisen, welche durch namhafte munifizente Legate den Werdegang des Zubaues bewerkstelligen halfen. Die Siechenabteilung enthält mehrere geräumige, lichte, mit Ventilationen, Telegraphenleitung und elektrischer Beleuchtung versehene Säle, die mit ihrer gefälligen, der modernen Technik entsprechenden Ausstattung, insbesonders aber mit ihren in blendendweißen Linnen erstrahlenden Betten und den zur besonderen Bequemlichkeit der Kranken dienenden Utensilien auf den Besucher einen faszinierenden, einen fast überwältigenden Eindruck ausüben. Angrenzend an die Krankensäle befinden sich vorteilhaft installierte, den Anforderungen der Hygiene und Praxis entsprechende Baderäume, Wasch-Toilette und Garderobezimmer« Unmittelbaren Anschluß an die Krankensäle haben die Wohnräume des Warteperionals und ist die Vorkehrung getroffen, daß sämtliche bettlägerige Patienten von ihrem Lager aus mittels des daselbst angebrachten Telegraphentasters die zeitweilig in ihren Wohnräumen weilenden Wärterinnen avisieren können. Für außergewöhnliche Pfleglinge sind in der Nähe der Säle kleine Extrazimmer angebracht, während in vorschriftsmäßiger Entfernung sanitär eingerichtete sogenannte Jsolierzimmer sich befinden, woselbst ausschließlich nur mit infektiöse Krankheiten Behaftete untergebracht werden. Was die übrigen Räume und Bestandteile dieser Doppelanstalt betrifft, dienen dieselben, sofern sich dies als Bedürfnis erweist, gemeinsamen Zwecken, und zwar: im rechtsseitigen Parterre, die Haus- und Aufnahmskanzlei, angrenzend der geräumige Sitzungssaal und im rückwärtigen Teile mehrere Räume für Versorgungsinsaffen. Im linksseitigen Parterre befindet sich die Wohnung des Anstaltsverwalters Brößler, der in dieser Eigenschaft in musterhafter Weise die Anstalt leitet. Nebenan die Wohnräume der beiden Herren Anstaltsärzte (Primarius Dr. Moritz I n f e l d wohnt außerhalb der Anstalt), die Wohnung der Oberin,' ferner das Ordinationszimmer. sowie das Depot für die Anstallswäsche. Im ersten und zweiten linsseitigen Stockwerke sind gleichfalls Wohnungen für die Versorgungsinsaffen angebracht, durchwegs lichte, luftige und bequem eingerichtete Räume, zunächst größere aber auch kleinere, zur gemeinsamen Benützung für Ehepaare. Im letzteren Stockwerke befindet sich auch ein geräumiger, geschmackvoll ausgestatteter Betsaal, die sogenannte Haussyuagoge, sowie die Anstaltsbibliothek, die eine reichhaltige, den Jnsaffen des Hauses zur Verfügung stehende Büchersammlung aufweist. Das dritte Stockwerk, das ursprünglich die Wohnung des Hausarztes, und reservierte Zimmer für eventuelle weitere Belegräume enthielt, mußte schon vor Jahren behufs Unterbringung weiterer Pfleglinge in all seinen Räumen aufnahmsfähig gemacht werden und sind dieselben zur Zeit bis auf das letzte Plätzchen von Versorgungs- und Siecheninsaffen belegt. Das Souterrain der Anstalt, das gegen den Hofranm als Parterre erscheint und daher trocken und bewohnbar ist, enthält die geräumige, nach ritueller Vorschrift in zwei Teile gesonderte Anstaltsküche, von welcher die Speisen mittelst Aufzugs (Lift) in sämtliche Stockwerke befördert werden. Anschließend befinden sich eine Speisekammer und mehrere Holz- und Gemülekeller, sodann die Portierswohnung, die Dampfheizung, wovon sämtliche Anstaltsräume mit Wärme gespeist werden, ein Bcttendepot, Dienstbotenzimmer, sowie andere Depoträume. Den rückwärtigen Teil des Gebäudes umrahmt ein ausgedehnter Hausgarten, der mit seinen dichtbelaubten, schattenspendenden Bäumen und blumenbesetzten Beeten den Insassen der Anstalt einen angenehmen Aufenthalt im Freien gestattet und dem Hause durch sein schmuckes Aussehen ein besonderes Interesse abgewinnt. Den Abschluß des Gebäudes bildet ein aus dem 15. Jahrhundert stammender Friedhof, der mit seinen größtenteils noch gut erhaltenen Grabsteinen der ganzen Szenerie ein ernstes Gepräge, ein historisches, erhabenes Relief Verleihs. So hätte denn das Doppelwerk der Humanität und Nächstenliebe durch den Zubau eine Ausdehnung gewonnen, die es ermöglichte, daß 54 Personen, die seit Jahr und Tag der Aufnahme harrten, teils in die Versorgung, teils in die Siechenabteilung einberufen werden konnten, wobei aber hervorgehoben werden muß, daß die Erweiterung der Anstalt, trotz der ihr gewidmeten hochherzigen Spenden, als undurchführbar sich erwiesen hätte, wenn nicht die Kultusgeweinde in ihren eigenen Säckel gegriffen, an den Baukosten sich beteiligt und die Verpflichtung übernommen hätte, die Verpflegung der neu Ausgenommen aus Eigenem zu bestreiten. Wenn schließlich noch erwähnt wird, daß trotz Zubaues mehr als hundert Gesuchssteller zur Aufnahme in die Anstalt wegen Platzmangel nicht einberufen werden konnten und für spätere Zeit vorgemerkt blieben, wenn erwogen wird, daß unter diesen Entiäuschten, noch weiter Harrenden und Hoffenden viele sich befinden, die nicht allein alt und erwerbsunfähig, sondern auch krank, siech, hungernd und darbend, hilf- und pfl^geloS in fast unbewohnbaren, menschenunwürdigen Wohnungen darniederliegen, dann bedarf es sicherlich nur eine Anregung. um unsere Stammesgenossen, die ja im Mitleid und Wohltun unvergleichlich dastehen, dafür zu begeistern, dieser Heimstätte der hehren Menschenliebe und Barmherzigkeit weiterhin ihre Teilnahme zu bekunden, jene Teilnahme, deren sie bedürfen, um auf der Höhe der geschaffenen Basis sich zu erhalten und den ihnen zugrunde liegenden Gedanken in immer weitere Ausdehnung und Vervollkommnung zu bringen. Kaan npiac “p-D rnn» rnaan map Greisenhaupt ist eine prächtige Krone; Der Wohltäter findet sie zum Lohne. Religionslehrer Daniel Skutezky. Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien. Am 31. Mai d. I., Vormittags 1Ö Uhr, fand unter dem Vorsitze des I. Vizepräsidenten, Herrn Adolf Pick, in den Räumen der B'nai B'rith-Vereinigungen, Wien, IX., Universitätsstraße 4, eine außerordentliche Generalversammlung des H i l f s v er e i n e s für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien statt, bei welcher folgende Herren mit Stimmeneinhelligkeit in die Vereinsleitung gewählt wurden: Armin Behr, Exporteur, Karl Bondy, Spediteur, Arnold von Goldberger, Direktor der Teppich-Aktiengesellschaft vorm. Philipp Haas & Söhne, Jacques Karpeles, Gummiwarenfabrikant, Karl Hirsch, Exporteur, Karl K l e mp e r e r, Exporteur, Kommerzialrat Karl Kraus, Korbwarenfabrikant, Josef Mandl, Privatier, Kommerzialrat Max Schweiger, öffentl. Gesellschafter der Firma Heinrich Klinger, Jakob S. Straßberg, Privatier, sämtlich in Wien, Dr. Adolf Groß, Reichsratsabgeordneter in Krakau und Dr. Simon Schaff, Präsident der ifrael. Kultusgemeinde in Lemberg. In der unmittelbar darauf abgehaltenen Vereinsleitungssitzung wurden in den engeren Ausschuß des Vereines berufen die Herren: Armin Behr, Karl Bondy, Karl Klemperer, Kommerzialrat Karl Kraus und David Rotier. Die jüdischen Lohnfuhrwerker von Krakau. Man sollte es kaum für möglich halten, welche mittelalterlichen Zustände noch in manchen Gegenden Galiziens herrschen. So wurden zum Beispiel den jüdischen Mietwagenbefitzern seit jeher nur im jüdischen Viertel Standplätze angewiesen, während ihnen die Ausstellung in anderen Teilen der Stadt oder gar am Bahnhofe niemals gestattet wurde. Wiederholt wurde der Versuch gemacht, diesen ungesetzlichen „Usus" zu beseitigen, aber stets ohne Erfolg. In der letzten Sitzung

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